Ausgangslage
- Deutschland verfehlt weiterhin das Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr.
- 2025 wurden 206.600 Wohnungen fertiggestellt, aber 760.700 genehmigte Wohnungen waren noch nicht gebaut.
- Bauzeiten verlängern sich (von 20 auf 27 Monate seit 2020).
- Baukosten steigen weiter (Neubaupreise +3,3 % von Feb. 2025 zu Feb. 2026).
- Die Fragesteller (AfD) wollen wissen, ob die Bundesregierung genug für kostensenkende, serielle, modulare und industrielle Bauweisen tut.
Position der Bundesregierung
- Baukostensenkung ist zentrales Ziel.
- Fokus auf:
- Standardisierung
- Vorfertigung
- Digitalisierung
- Automatisierung
- Maßnahmenpaket:
- Gebäudetyp E (Vereinfachung von Standards)
- Bau-Turbo-Gesetz (schnellere Genehmigungen)
- Baugesetzbuch-Upgrade
- Förderprogramme zur Unterstützung von Haushalten und Investoren
- Aktionsplan Baukostensenkung (seit 19. Juni)
Erkenntnisse zu innovativen Bauweisen
Serielle, modulare, industrielle, robotergestützte Bauweisen
- Verkürzen Planungs- und Bauzeiten
- Standardisieren Abläufe
- Reduzieren Kostenrisiken
- Wirtschaftlichkeit hängt stark ab von:
- Stückzahlen
- Vorfertigungsgrad
- Standardisierung
- Standortbedingungen
Forschungsförderung seit 2020
Umfang der Förderung
- Breite Förderung über Zukunft Bau, IGF und weitere Programme.
- Fokus auf:
- Prozessoptimierung
- Automatisierung
- Digitale Planung
- Innovative Materialien
Anzahl der geförderten Projekte (seit 2020)
- 90 Projekte zu innovativen Bauweisen (24,2 Mio. €)
- 6 ultrahochfester Beton
- 15 Textil-/Carbonbeton
- 42 Leichtbau
- 8 Sandwichkonstruktionen
- 2 Wabenkonstruktionen
- 64 Hybrid-/Verbundbauweisen
Abgelehnte Anträge
- 1.756 Anträge abgelehnt oder ausgeschlossen
- Davon 621 zu innovativen Bauweisen (beantragt: 203,9 Mio. €)
- 53 ultrahochfester Beton
- 9 Wabenbeton
- 320 robotergestützte Fertigung
- 190 Leichtbau
- 271 serielle/modulare Bauweisen
Hindernisse für ultrahochfesten Beton (UHPC)
- Sehr hohe Kosten (5–20× Normalbeton)
- Nicht normiert, daher:
- Zustimmung im Einzelfall nötig
- Keine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung
- Technische Herausforderungen:
- Verarbeitung
- fehlende Planungsgrundlagen
- geringe praktische Erfahrung
Gebäudetyp E
- Soll Abweichungen von DIN-Normen erleichtern.
- Ziel: kostengünstiger, innovativer Wohnungsbau.
- Noch keine konkreten Zahlen zur Nutzung.
Pilotprojekte & Reallabore
- Gefördert über „Modellvorhaben – Innovationen im Gebäudebereich“.
- Erprobt werden:
- serielle & modulare Bauweisen
- industrielle Vorfertigung
- digitalisierte Prozesse
- robotergestützte Fertigung
- neue Materialien
Verteilung der Fördermittel (Zukunft Bau, seit 2020)
- 320 Projekte, 77,9 Mio. €
- 102 Holzbau
- 44 energetische Sanierung
- 179 Energieeffizienz
- 206 CO₂-arme Baustoffe
- 241 Ressourceneffizienz
- 127 Digitalisierung
- 141 Automatisierung
- 62 robotergestützte Fertigung
- 81 industrielle Vorfertigung
- 199 Baukostensenkung
Wohneigentum & Förderpolitik
- Wohneigentumsquote Deutschland 2024: 47,2 % (EU-Schnitt: 68,4 %).
- Maßnahmen zur Entlastung:
- „Wohneigentum für Familien“
- „Jung kauft Alt“
- Wohnungsbauprämie (seit 2021 verbessert)
- Arbeitnehmer-Sparzulage (seit 2024 höhere Einkommensgrenzen)
- Baukostensenkungen können Förderbedarf reduzieren, aber nicht ersetzen.
Kernaussage
Die Bundesregierung sieht großes Potenzial in innovativen Bauweisen und fördert diese breit. Gleichzeitig erkennt sie strukturelle Hindernisse (Normung, Kosten, Genehmigungen) und versucht, diese durch Gesetzesänderungen, Pilotprojekte und Förderprogramme zu adressieren.
Quelle: Drucksache 21/7792