Ist Gold wirk­lich ein Schutz gegen Infla­ti­on?

Gold gilt als klas­si­scher Infla­ti­ons­schutz. Doch stei­gen­de Ver­brau­cher­prei­se füh­ren nicht auto­ma­tisch zu stei­gen­den Gold­prei­sen. Wie gut Gold die Kauf­kraft bewahrt, hängt unter ande­rem vom Anla­ge­zeit­raum, den Real­zin­sen und der Wäh­rung ab, in der Anle­ger rech­nen.

1. Was bedeu­tet Infla­ti­ons­schutz?

Ein Infla­ti­ons­schutz – auf Eng­lisch „Infla­ti­on Hedge“ – ist eine Anla­ge oder Stra­te­gie, die den Kauf­kraft­ver­lust durch stei­gen­de Prei­se aus­glei­chen soll.

Ein ein­fa­ches Bei­spiel: Kos­tet ein Waren­korb heu­te 100 Euro und ein Jahr spä­ter 105 Euro, muss das dafür zurück­ge­leg­te Geld um fünf Pro­zent wach­sen, damit die­sel­ben Waren bezahl­bar blei­ben. Kos­ten und gege­be­nen­falls Steu­ern müs­sen dabei eben­falls berück­sich­tigt wer­den.

Ent­schei­dend ist des­halb die rea­le Ren­di­te, also die Wert­ent­wick­lung nach Abzug der Infla­ti­on. Eine Anla­ge kann im Preis stei­gen und trotz­dem Kauf­kraft ver­lie­ren, wenn die Ver­brau­cher­prei­se stär­ker zule­gen.

Ein Infla­ti­ons­schutz soll die­ses Risi­ko ver­rin­gern. Eine Erfolgs­ga­ran­tie ist damit nicht ver­bun­den.

2. War­um gilt Gold als Infla­ti­ons­schutz?

Gold ist knapp, lang­le­big und wird seit Jahr­tau­sen­den als Wertauf­be­wah­rungs­mit­tel genutzt. Sei­ne Men­ge lässt sich nicht durch einen geld­po­li­ti­schen Beschluss ver­meh­ren. Der vor­han­de­ne Gold­be­stand wächst durch För­de­rung nur all­mäh­lich.

Die­se Eigen­schaf­ten begrün­den sei­nen Ruf als Ver­mö­gens­wert, der auch bei schwin­den­dem Ver­trau­en in Geld sei­nen Wert bewah­ren kann. Knapp­heit allein garan­tiert aller­dings kei­nen Kauf­kraf­ter­halt: Der Gold­preis hängt eben­so davon ab, wie stark Gold nach­ge­fragt wird.

Auch ist der Gold­markt kei­nes­wegs unab­hän­gig von staat­li­chen Ent­schei­dun­gen. Zen­tral­ban­ken beein­flus­sen ihn bei­spiels­wei­se durch ihre Gold­käu­fe und ‑ver­käu­fe sowie durch ihre Geld­po­li­tik.

3. Steigt Gold immer, wenn die Infla­ti­on steigt?

Nein. Die his­to­ri­sche Ent­wick­lung zeigt, dass der Zusam­men­hang je nach Zeit­raum unter­schied­lich aus­fällt:

  • In den 1970er Jah­ren gin­gen stei­gen­de Infla­ti­ons­er­war­tun­gen mit einem star­ken Anstieg des Gold­prei­ses ein­her.
  • In den 1980er und 1990er Jah­ren san­ken die lang­fris­ti­gen Infla­ti­ons­er­war­tun­gen, wäh­rend der infla­ti­ons­be­rei­nig­te Gold­preis deut­lich zurück­ging.
  • Ab den frü­hen 2000er Jah­ren stieg der infla­ti­ons­be­rei­nig­te Gold­preis trotz ver­gleichs­wei­se sta­bi­ler lang­fris­ti­ger Infla­ti­ons­er­war­tun­gen stark an.

Eine Unter­su­chung der Fede­ral Reser­ve Bank of Chi­ca­go zeigt, dass neben Infla­ti­ons­er­war­tun­gen ins­be­son­de­re Real­zin­sen und wirt­schaft­li­che Zukunfts­sor­gen eine Rol­le spie­len. Ihr Ein­fluss ver­än­dert sich im Zeit­ver­lauf.

Für Anle­ger bedeu­tet das: Gold kann in bestimm­ten Pha­sen Kauf­kraft bewah­ren oder stei­gern. Dar­aus folgt jedoch nicht, dass es bei jedem Infla­ti­ons­schub schützt. Auch über meh­re­re Jah­re sind rea­le Ver­lus­te mög­lich.

4. Was beein­flusst den Gold­preis außer­dem?

Meh­re­re Kräf­te wir­ken gleich­zei­tig:

  • Real­zin­sen: Rele­vant sind die Zin­sen nach Berück­sich­ti­gung der Infla­ti­ons­er­war­tun­gen. Stei­gen­de Real­zin­sen machen ver­zins­li­che Anla­gen ten­den­zi­ell attrak­ti­ver und kön­nen Gold belas­ten. Sin­ken­de Real­zin­sen kön­nen Gold begüns­ti­gen, weil es selbst kei­ne lau­fen­den Zin­sen oder Divi­den­den zahlt.
  • Infla­ti­ons­er­war­tun­gen: Märk­te reagie­ren auf erwar­te­te Ent­wick­lun­gen. Eine hohe ver­öf­fent­lich­te Infla­ti­ons­ra­te muss den Gold­preis des­halb nicht stei­gen las­sen, wenn sie bereits ein­ge­preist war.
  • Unsi­cher­heit: Wirt­schaft­li­che oder geo­po­li­ti­sche Kri­sen kön­nen die Nach­fra­ge nach Gold als siche­rem Hafen erhö­hen.
  • Ange­bot und Nach­fra­ge: Zen­tral­bank­käu­fe, Anla­ge­zu­flüs­se, Schmuck­nach­fra­ge, För­de­rung und Recy­cling beein­flus­sen den Markt.

Die­se Fak­to­ren kön­nen sich ver­stär­ken oder gegen­sei­tig abschwä­chen. Die EZB beschreibt bei­spiels­wei­se, wie zusätz­li­che Gold­nach­fra­ge den übli­chen Zusam­men­hang zwi­schen stei­gen­den Real­zin­sen und sin­ken­den Gold­prei­sen zeit­wei­se über­la­gern kann.

5. War­um ist die Wäh­rung wich­tig?

Gold wird inter­na­tio­nal über­wie­gend in US-Dol­lar notiert. Wer in Euro spart und sei­ne Aus­ga­ben in Euro bezahlt, muss jedoch die Gold­preis­ent­wick­lung in Euro betrach­ten.

Bei unver­än­der­tem Dol­lar-Gold­preis steigt der Euro-Gold­preis, wenn der Euro gegen­über dem Dol­lar schwä­cher wird. Wird der Euro stär­ker, sinkt er ent­spre­chend.

Ob Gold die per­sön­li­che Kauf­kraft erhal­ten hat, lässt sich des­halb nur beur­tei­len, wenn man sei­ne Wert­ent­wick­lung in der eige­nen Wäh­rung mit der rele­van­ten Infla­ti­on ver­gleicht.

6. Wel­che Rol­le kann Gold im Port­fo­lio spie­len?

Gold kann zur Diver­si­fi­ka­ti­on bei­tra­gen, weil es sich zeit­wei­se anders ent­wi­ckelt als Akti­en oder Anlei­hen. Unter­su­chun­gen der EZB zei­gen ins­be­son­de­re in Pha­sen hoher geo­po­li­ti­scher oder wirt­schafts­po­li­ti­scher Unsi­cher­heit eine mög­li­che Schutz­wir­kung. Die­se Eigen­schaft ist jedoch nicht mit einem ver­läss­li­chen Aus­gleich stei­gen­der Lebens­hal­tungs­kos­ten gleich­zu­set­zen.

Zugleich bringt Gold eige­ne Risi­ken und Kos­ten mit sich: Sein Preis kann stark schwan­ken, lau­fen­de Aus­schüt­tun­gen feh­len, und je nach Anla­ge­form fal­len Handels‑, Ver­wah­rungs- oder Pro­dukt­kos­ten an.

Ob eine Bei­mi­schung sinn­voll ist, hängt daher vom Anla­ge­ziel, dem Zeit­ho­ri­zont und der Zusam­men­set­zung des übri­gen Ver­mö­gens ab.

Fazit

Gold kann zum lang­fris­ti­gen Kauf­kraf­ter­halt bei­tra­gen. Als ver­läss­li­cher Schutz vor ein­zel­nen Infla­ti­ons­schü­ben eig­net es sich jedoch nur ein­ge­schränkt.

Ent­schei­dend ist, ob sei­ne Wert­ent­wick­lung im eige­nen Anla­ge­zeit­raum und in der eige­nen Wäh­rung die Infla­ti­on nach Kos­ten aus­gleicht. Gold lässt sich daher als mög­li­cher Bau­stein eines diver­si­fi­zier­ten Port­fo­li­os ver­ste­hen – mit Chan­cen auf Schutz, aber ohne Garan­tie für Kauf­kraf­ter­halt.


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Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater