Bun­des­la­ge­bilds Orga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät (BLB OK) 2025 des Bun­des­kri­mi­nal­amts (BKA)

1. Wich­tigs­te Eck­da­ten und Ver­fah­rens­über­blick

  • Ermitt­lungs­ver­fah­ren (EV): 683 OK-Ver­fah­ren (+5,6 % ggü. 647 im Jahr 2024); davon 293 Erst­mel­dun­gen. Die Ver­fah­rens­zahl liegt damit im fünf­ten Jahr in Fol­ge über 600.
  • Geo­gra­fi­sche Schwer­punk­te: Die meis­ten Ver­fah­ren wur­den in Nord­rhein-West­fa­len (161), Bay­ern (83) und Ber­lin (67) geführt.
  • Tat­ver­däch­ti­ge (TV): Deut­li­cher Anstieg auf 7.988 Tat­ver­däch­ti­ge (2024: 7.033).
    • 2.722 deut­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge, 5.266 nichtdeutsche/ungeklärte/staatenlose Per­so­nen.
    • Häu­figs­te Staats­an­ge­hö­rig­kei­ten: Deutsch­land (2.722), Tür­kei (664), Syri­en (402; star­ker Anstieg um +22,2 %), Alba­ni­en (281) und Polen (258).
    • Tat­ver­däch­ti­ge Zuwan­de­rer (tvZ): 1.063 Per­so­nen (13,3 % aller TV), vor allem aus Syri­en (296) und der Tür­kei (131).
  • Trans­na­tio­na­li­tät: 68,7 % der Ver­fah­ren wie­sen Bezü­ge ins Aus­land auf (vor allem in die Nie­der­lan­de, nach Spa­ni­en, Bel­gi­en, Polen und Frank­reich).

2. Finan­zi­el­le Aspek­te und Schä­den

  • Ver­ur­sach­ter Scha­den: Mas­si­ver Anstieg auf 2,78 Mrd. Euro (2024: 1,60 Mrd. Euro).
  • Kri­mi­nel­le Erträ­ge: Anstieg auf 2,16 Mrd. Euro (2024: 799 Mio. Euro).
    • Hin­weis: Ein ein­zel­nes Ver­fah­ren im Bereich Geld­wä­sche (Schnee­ball­sys­tem über Kryp­to­wäh­run­gen) mach­te dabei rund 1 Mrd. Euro des Scha­dens und Ertrags aus.
  • Vor­läu­fi­ge Ver­mö­gens­si­che­rung: 106,1 Mio. Euro (in 177 Ver­fah­ren gesi­chert). Es besteht wei­ter­hin eine deut­li­che Dis­kre­panz zwi­schen kri­mi­nel­len Erträ­gen und abge­schöpf­tem Ver­mö­gen.
  • Geld­wä­sche: Geld­wä­sche­hand­lun­gen wur­den in 145 Ver­fah­ren fest­ge­stellt (Finanz­vo­lu­men von 1,39 Mrd. Euro). Zuneh­mend genutzt wer­den Hawa­la-Struk­tu­ren (Cri­mi­nal Under­ground Ban­king) und Kryp­to-Mixer.

3. Delikts­be­rei­che

  1. Rausch­gift­kri­mi­na­li­tät (252 EV / 36,9 %): Bleibt das domi­nie­ren­de Delikts­feld, vor allem Koka­in (127 EV), gefolgt von Can­na­bis (46 EV) und syn­the­ti­schen Dro­gen (34 EV).
  2. Kri­mi­na­li­tät im Wirt­schafts­le­ben (116 EV): Größ­ter Anteil durch Schwarz­ar­beits- und Arbeits­de­lik­te des Zolls (48 EV), Betrug sowie Call­cen­ter­be­trug (14 EV).
  3. Steu­er- und Zoll­de­lik­te (73 EV): Zur Hälf­te Tabak­steu­er­kri­mi­na­li­tät; zudem Ver­fah­ren wegen Ver­stö­ßen gegen das Außen­wirt­schafts­ge­setz (z. B. Umge­hung von Russ­land-Sank­tio­nen).
  4. Schleu­sungs­kri­mi­na­li­tät (61 EV): Trotz sin­ken­der ille­ga­ler Grenz­über­trit­te an den Außen­gren­zen auf hohem Niveau sta­bil; Trend zur lega­len Visa­er­schlei­chung (z. B. Arbeits­vi­sa).
  5. Eigen­tums­kri­mi­na­li­tät (41 EV): Vor allem Kfz-Sach­wert­de­lik­te (14 EV) und Geld­au­to­ma­ten­spren­gun­gen (7 EV).

4. Gewalt, Bewaff­nung und Ein­fluss­nah­me

  • Gewalt­an­wen­dung: 319 Gewalt­straf­ta­ten nach Alter­na­ti­ve b) erfasst (u. a. 100 voll­ende­te Kör­per­ver­let­zun­gen und 20 voll­ende­te Tötungs­de­lik­te).
  • Bewaff­nung: 467 TV waren nach­weis­lich bewaff­net (5,8 %). Ins­ge­samt wur­den 688 Schuss­waf­fen fest­ge­stellt. Ein her­aus­ra­gen­des Ver­fah­ren wegen Waf­fen­han­dels führ­te zur Sicher­stel­lung von 192 Kriegs­waf­fen und 318 Schuss­waf­fen (einer der größ­ten Waf­fen­fun­de der Nach­kriegs­ge­schich­te).
  • Ein­fluss­nah­me & Insi­der: In 101 Ver­fah­ren wur­den 215 Ein­fluss­nah­me­hand­lun­gen erfasst – vor allem auf Justiz/Strafverfolgung, Wirt­schaft und Ver­wal­tung. Zudem wur­den in 59 Ver­fah­ren Insi­der­hand­lun­gen (z. B. Bestechung in Behör­den, Logis­tik- und Kre­dit­in­sti­tu­ten) auf­ge­deckt. Zeu­gen­be­ein­flus­sung und Bedro­hung von Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten neh­men zu.

5. Neue Trends und Phä­no­me­ne

  • Crime-as-a-Ser­vice (CaaS) / Vio­lence-as-a-Ser­vice (VaaS): In über 20 % aller Ver­fah­ren (140 EV) wur­den kri­mi­nel­le Dienst­leis­tun­gen ange­bo­ten oder ein­ge­kauft (z. B. Flucht­fahr­zeu­ge, Geld­wä­sche, Brand­stif­tun­gen, Auf­trags­ge­walt).
  • Rekru­tie­rung von Min­der­jäh­ri­gen: Geziel­te Anwer­bung von Jugend­li­chen (teils ab 13 Jah­ren) über Social Media und Gam­ing-Platt­for­men mit­tels „Gamification“-Methoden (Auf­ga­ben als Spiel­mis­sio­nen) für Trans­por­te oder Gewalt­ta­ten.
  • Kryp­tier­te Kom­mu­ni­ka­ti­on: In 118 Ver­fah­ren genutzt; neben bekann­ten Anbie­tern (SkyECC, Encro­Chat, Anom) setzt sich ein Trend zur Zer­split­te­rung in klei­ne­re, selbst­ver­wal­te­te oder Open-Source-Diens­te fort.
  • Hybri­de Bedro­hun­gen: Zuneh­men­de Anzei­chen, dass aus­län­di­sche staat­li­che Akteu­re OK-Struk­tu­ren für Desta­bi­li­sie­rungs­ak­tio­nen instru­men­ta­li­sie­ren (als Bei­spiel genannt: das schwe­di­sche Netz­werk „Fox­t­rot“ im Auf­trag Irans). Im Juni 2026 wur­de hier­für das Gemein­sa­me Zen­trum zur Abwehr hybri­der Bedro­hun­gen (GAZ-Hybrid) gegrün­det.

6. Schwe­re struk­tu­rel­le Kri­mi­na­li­tät (SsK)

  • Ergän­zend zur OK wird Kri­mi­na­li­tät mit hoher Sozi­al­schäd­lich­keit und fla­chen, fle­xi­blen Ban­den­struk­tu­ren erfasst.
  • Bei­spie­le im Bericht:
    • Bun­des­wei­te Tacho­ma­ni­pu­la­tio­nen durch rumä­ni­sche Täter (ca. 2,5 Mio. € Scha­den),
    • orga­ni­sier­te Ladungs- und Bunt­me­tall­dieb­stäh­le im nord­deut­schen Raum,
    • pro­fes­sio­nel­le Ein­bruch­se­ri­en („Schließ­zy­lin­der­zie­hen“) in Ham­burg,
    • Fracht­be­trug durch „Phan­tom­fracht­la­dun­gen“ in NRW (über 2 Mio. € Ver­mö­gens­ar­res­te).

Quel­le: organisierteKriminalitaetBundeslagebild2025.pdf

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