Weib­li­che Geni­tal­ver­stüm­me­lung

Weib­li­che Geni­tal­ver­stüm­me­lung – Lage­bild, Schutz, Ver­sor­gung, Asyl­pra­xis und inter­na­tio­na­le Koope­ra­ti­on

Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung (09.09.2026) auf eine Klei­ne Anfra­ge der Frak­ti­on Die Lin­ke zum The­ma Weib­li­che Geni­tal­ver­stüm­me­lung (FGM/C) in Deutsch­land und inter­na­tio­nal.

1. Daten­la­ge & Metho­di­sche Pro­ble­me

  • Schät­zun­gen: Ende 2024 leb­ten ca. 123.000 betrof­fe­ne oder gefähr­de­te Frau­en und Mäd­chen in Deutsch­land.
  • Dun­kel­zif­fer wahr­schein­lich höher, da:
    • ein­ge­bür­ger­te Per­so­nen nicht erfasst wer­den,
    • Per­so­nen ohne Auf­ent­halts­sta­tus feh­len,
    • inter­na­tio­na­le Daten­la­ge unvoll­stän­dig ist (reprä­sen­ta­ti­ve Daten nur für 31 Län­der).
  • Bun­des­re­gie­rung nutzt u. a. den metho­di­schen Rah­men des Euro­pean Insti­tu­te for Gen­der Equa­li­ty (EIGE).

2. Maß­nah­men zur Ver­bes­se­rung der Daten­la­ge

  • Aus­tausch mit NGOs und inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen.
  • Betei­li­gung an EIGE‑Konsultationen zur Wei­ter­ent­wick­lung der Risi­ko­er­mitt­lung.
  • Nut­zung und Wei­ter­ent­wick­lung quan­ti­ta­ti­ver Schätz­mo­del­le.

3. For­schung seit 2020

  • Aktu­ell geför­dert: „Stark gegen FGM/C – Bestands­auf­nah­me und Bedarfs­ana­ly­se zur Schu­lungs­land­schaft“ (2026, 134.216 €).
  • Wei­te­re For­schungs­lü­cken wer­den erst nach Pro­jek­ten­de bewer­tet.

4. Prä­ven­ti­on & Schutz­maß­nah­men

Schutz­brief gegen weib­li­che Geni­tal­ver­stüm­me­lung

  • Zen­tra­les Prä­ven­ti­ons­in­stru­ment seit 2021.
  • In 17 Spra­chen ver­füg­bar.
  • Über 234.000 gedruck­te Exem­pla­re ver­sen­det.
  • Infor­miert über Straf­bar­keit, Hilfs­an­ge­bo­te und Risi­ken bei Aus­lands­rei­sen.

Bund-Län­der-NRO-Arbeits­ge­mein­schaft

  • Aus­tausch über Her­aus­for­de­run­gen, Maß­nah­men und Zustän­dig­kei­ten.

5. Qua­li­fi­zie­rung von Fach­kräf­ten

Geför­der­te Maß­nah­men seit 2020 u. a.:

  • Schu­lun­gen zum Umgang mit dem Schutz­brief.
  • Erklär­fil­me für Gesund­heits­fach­kräf­te.
  • Pro­jek­te zu Kin­der­schutz, Sexua­li­tät, Schwan­ger­schaft, Trau­ma.
  • Com­mu­ni­ty-basier­te Pro­jek­te zur Stär­kung Betrof­fe­ner.

6. Medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung & Leit­li­ni­en

  • Regel­ver­sor­gung deckt medi­zi­ni­sche und psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Behand­lung ab.
  • WHO-Leit­li­nie (2025) und deut­sche S2k-Leit­li­nie (2022) ent­hal­ten Vor­ga­ben zu Prä­ven­ti­on und Rekon­struk­ti­on.
  • Kei­ne bun­des­wei­te Daten zu spe­zia­li­sier­ten Kli­ni­ken oder Pra­xen.

7. Kin­der- und Jugend­schutz

  • Kei­ne bun­des­wei­ten Daten zu Ein­bin­dung von Schul­ärz­ten oder Kitas.
  • Zustän­dig­keit liegt bei den Län­dern.

8. Digi­ta­le Bera­tungs­an­ge­bo­te

  • Hil­fe­te­le­fon „Gewalt gegen Frau­en“ berät auch zu FGM/C.

9. Aus­lands­ver­tre­tun­gen

  • Kon­su­la­ri­scher Schutz für deut­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge in aku­ten Not­la­gen.
  • Kei­ne spe­zi­el­len FGM/C‑Notfallprotokolle genannt.

10. Straf­ver­fol­gung

  • Kei­ne spe­zi­fi­schen Bun­des­maß­nah­men zu § 226a StGB (FGM/C).
  • Kei­ne Plä­ne für neue Hand­rei­chun­gen oder Leit­fä­den.

11. Asyl­ver­fah­ren

  • BAMF erfasst FGM/C‑bezogene Fäl­le nicht sta­tis­tisch.
  • Son­der­be­auf­trag­te für geschlechts­spe­zi­fi­sche Ver­fol­gung vor­han­den.
  • Ärzt­li­che Beschei­ni­gun­gen wer­den ein­ge­for­dert und vom BAMF bezahlt.
  • Min­der­jäh­ri­ge wer­den zwin­gend durch spe­zi­ell geschul­te Beauf­trag­te ange­hört.

12. Inter­na­tio­na­le Zusam­men­ar­beit

  • Deutsch­land unter­stützt Pro­gram­me in Ost­afri­ka (Äthio­pi­en, Soma­lia, Sudan).
    • 2020–2023: 5,9 Mio. €
    • 2024–2026: 11,33 Mio. €
  • Bei­trä­ge an UNFPA/UNICEF Joint Pro­gram­me: 2020–2027 ins­ge­samt 6 Mio. €.
  • Kei­ne Kür­zun­gen seit 2020.

13. EU‑Ebene

  • Bun­des­re­gie­rung setzt sich für ein­heit­li­che Stan­dards zum Schutz vor FGM/C ein.
  • Umset­zung der EU‑Richtlinie 2024/1385 läuft (Gesetz­ent­wurf im Bun­des­tag).

14. Wei­te­re Punk­te

  • Zahl­rei­che Com­mu­ni­ty-Pro­jek­te geför­dert (Les­san e. V., SAIDA, TABU).
  • Eva­lua­tio­nen durch ZEP, IfS und inter­ne Super­vi­sio­nen.
  • Kei­ne bun­des­wei­ten Daten zu regio­na­ler Ver­sor­gung, Gut­ach­ten­pra­xis oder Reich­wei­te ein­zel­ner Maß­nah­men.

Quel­le: Bun­des­tags­druck­sa­che 21/7947

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