Der deutsche Lebensmitteldiscounter Aldi baut seine Stellung auf dem US-amerikanischen Markt seit Jahren kontinuierlich aus. Grundlage des Wachstums ist ein Geschäftsmodell, das auf niedrige Betriebskosten, ein begrenztes Sortiment und einen hohen Anteil an Eigenmarken setzt. Besonders in Zeiten anhaltend hoher Lebensmittelpreise trifft dieses Konzept auf eine wachsende Nachfrage nach günstigeren Einkaufsalternativen.
Bereits 2022 meldete Aldi in den USA zweistellige Zuwächse bei den vergleichbaren Filialumsätzen. Innerhalb eines Jahres gewann das Unternehmen nach eigenen Angaben rund eine Million neue Kunden. Dabei erreichte der Discounter nicht nur Haushalte mit niedrigerem Einkommen, sondern zunehmend auch Käufer aus mittleren und höheren Einkommensgruppen. Die Inflation und steigende Kosten in anderen Lebensbereichen haben dazu beigetragen, dass der Einkauf beim Discounter in breiteren Bevölkerungsschichten an Akzeptanz gewonnen hat.
Ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil liegt in der stark vereinfachten Betriebsstruktur. Aldi beschränkt sein Angebot auf deutlich weniger Artikel als klassische US-Supermärkte und verkauft überwiegend Produkte unter eigenen Marken. Zusätzliche Dienstleistungen und personalintensive Verkaufselemente werden weitgehend vermieden. Dadurch kann das Unternehmen seine Kosten niedrig halten und insbesondere bei Frischwaren Preisabschläge gegenüber Wettbewerbern anbieten. Nach Angaben von Aldi lagen die Preise für Obst und Gemüse teilweise 20 bis 40 Prozent unter denen anderer großer Handelsketten.
Die hohe Bedeutung der Eigenmarken erhöht zugleich die Abhängigkeit von leistungsfähigen Lieferanten. Im Jahr 2024 forderte Aldi seine US-Zulieferer daher auf, Produktionskosten zu senken, Lieferketten zu verkürzen und ihre Kapazitäten vor allem im Norden und Südosten der Vereinigten Staaten auszubauen. Mehr als 90 Prozent der bei Aldi verkauften Waren entfallen auf Eigenmarken. Deren Reichweite lag Anfang 2024 bei 43,7 Prozent der US-Haushalte und damit über einzelnen Eigenmarkenprogrammen großer Wettbewerber.
Parallel dazu verfolgt Aldi eine umfassende Expansionsstrategie. Bis Ende 2028 sollen rund 800 zusätzliche Standorte entstehen. Für 2026 kündigte das Unternehmen die Eröffnung von mehr als 180 Filialen in 31 Bundesstaaten an. Die Investitionen sind Teil eines auf fünf Jahre angelegten Programms im Umfang von neun Milliarden US-Dollar. Aldi strebt an, die Zahl seiner US-Filialen bis 2028 auf 3.200 zu erhöhen. Ende 2026 sollen bereits annähernd 2.800 Standorte betrieben werden.
Zum Ausbau gehören außerdem neue Verteilzentren, eine stärkere regionale Versorgung und Investitionen in digitale Vertriebskanäle. Geplant sind unter anderem zusätzliche Logistikstandorte in Florida, Arizona und Colorado sowie ein überarbeiteter Internetauftritt mit personalisierten Produktempfehlungen und erweiterten Liefermöglichkeiten. Damit reagiert Aldi auf die wachsende Bedeutung des Onlinehandels im US-Lebensmittelmarkt.
Aldis Erfolg in den USA beruht damit nicht allein auf niedrigen Preisen. Entscheidend ist die Verbindung aus standardisierten Abläufen, hoher Eigenmarkenquote, effizienter Beschaffung und einer langfristig angelegten Expansion. Das Unternehmen profitiert von der gestiegenen Preissensibilität der Verbraucher und positioniert sich zunehmend als landesweit relevante Alternative zu etablierten Supermarkt- und Discountketten.
Aldi und Trader Joe’s: Zwei unterschiedliche Erfolgsmodelle aus derselben Unternehmensgeschichte
Ein aufschlussreicher Vergleich ergibt sich zwischen Aldi und Trader Joe’s. Beide Unternehmen gehen historisch auf die deutsche Gründerfamilie Albrecht zurück, treten in den USA jedoch unabhängig voneinander auf und verfolgen deutlich unterschiedliche Handelskonzepte. Aldi wird von Aldi Süd betrieben, während Trader Joe’s zu Aldi Nord gehört.
Aldi positioniert sich als klassischer Lebensmitteldiscounter. Das Unternehmen konzentriert sich auf ein begrenztes Sortiment, niedrige Preise und standardisierte Abläufe. Der Schwerpunkt liegt auf Produkten des täglichen Bedarfs, wobei Eigenmarken den größten Teil des Angebots ausmachen. Die Filialen sind funktional gestaltet, Waren werden häufig direkt in Transportkartons präsentiert, und Kunden übernehmen Tätigkeiten wie das Einpacken ihrer Einkäufe selbst. Dieses Modell richtet sich vor allem an preisbewusste Familien und Haushalte, die ihren regelmäßigen Lebensmitteleinkauf möglichst kostengünstig erledigen möchten.
Trader Joe’s setzt dagegen weniger auf den niedrigsten Preis als auf ein eigenständiges Sortiment und ein bewusst inszeniertes Einkaufserlebnis. Die Märkte bieten zahlreiche exklusive Eigenmarken, internationale Spezialitäten, Fertiggerichte und saisonal wechselnde Produkte. Die Filialgestaltung ist persönlicher und stärker auf die jeweilige Nachbarschaft abgestimmt. Charakteristisch sind handgezeichnete Preisschilder, maritime Gestaltungselemente und ein ausgeprägter Kundenservice. Trader Joe’s spricht damit insbesondere städtische, einkommensstärkere und an neuen Lebensmitteltrends interessierte Verbraucher an.
Während Aldi vor allem den rationalen und preisorientierten Wocheneinkauf abdeckt, versteht sich Trader Joe’s stärker als kulinarischer Entdeckungsmarkt. Die beiden Ketten konkurrieren deshalb nur teilweise direkt miteinander. Ihr paralleler Erfolg zeigt, dass sich im US-Lebensmittelhandel sowohl ein konsequentes Niedrigpreismodell als auch ein spezialisiertes, emotional aufgeladenes Eigenmarkenkonzept durchsetzen kann.