Worum es insgesamt geht
Die Bundesregierung beantwortet eine Kleine Anfrage zur Altersarmut und Alterssicherung von Selbstständigen. Der Fokus liegt auf Daten zu Selbstständigen, ihrer Absicherung, ihrem Armutsrisiko und möglichen politischen Maßnahmen.
1. Anzahl der Selbstständigen (2016–2025)
- Alle Selbstständigen im Haupterwerb: Rückgang von ca. 4,1 Mio. (2016) auf 3,49 Mio. (2025).
- Solo‑Selbstständige: Rückgang von 2,31 Mio. auf 1,74 Mio..
- Selbstständige mit Beschäftigten: relativ stabil bei rund 1,75 Mio..
- Geschlechterverhältnis: Männer deutlich häufiger selbstständig als Frauen.
- Regionale Daten (Ost/West): liegen nicht vor.
2. Selbstständigkeit im Nebenerwerb
- 554.000 Personen im Jahr 2025.
- Davon 241.000 Frauen, 313.000 Männer.
- Keine Ost/West‑Daten.
3. Pflichtversicherte Selbstständige
Insgesamt 890.012 Selbstständige sind in einem obligatorischen Alterssicherungssystem:
- Gesetzliche Rentenversicherung (GRV):
- Künstler/Publizisten: 172.683
- Handwerker: 62.727
- Kraft Gesetz: 74.362
- Auf Antrag: 19.751
- Alterssicherung der Landwirte: 149.306
- Berufsständische Versorgungswerke: 411.183
4. Nicht obligatorisch abgesicherte Selbstständige
- Für 2021 geschätzt: ca. 2,15 Mio.
- Keine Daten nach Geschlecht oder Region.
5. Selbstständige, die freiwillig in der GRV auf Antrag versichert sind
- Stetiger Anstieg von 11.782 (2015) auf 19.751 (2024).
- Männer deutlich häufiger als Frauen.
- Westdeutschland deutlich stärker vertreten als Ostdeutschland.
6. Freiwillige Beiträge nach §7 SGB VI
- Keine Daten, da nicht erfasst, ob Beitragszahlende selbstständig sind.
7. Beitragshöhen der Selbstständigen
- Beiträge liegen statistisch in 50‑Euro‑Schritten vor.
- Große Mehrheit zahlt Beiträge im Bereich 300–650 € monatlich, je nach Versicherungsart.
8. Grundsicherung im Alter (ab Regelaltersgrenze)
- 4,1 % der Bevölkerung ab Rente beziehen Grundsicherung.
- Frauen leicht häufiger als Männer.
- Westdeutschland: 4,4 %
- Ostdeutschland: 3,1 %
9–12 & 15: Armutsrisiko ehemals Selbstständiger
- Regierung verweist auf den Alterssicherungsbericht 2024.
- Keine eigenen detaillierten Daten zu Grundsicherung, Einkommensdezilen oder Nicht‑Inanspruchnahme.
- Vergleich Selbstständige vs. Beschäftigte: Daten fehlen.
- Grundsätzlich: Abgrenzung schwierig, da Erwerbsbiografien oft gemischt.
13. Wohngeldbezug über 65‑jährige Selbstständige
- Keine Daten in der Wohngeldstatistik.
14. Privatinsolvenzen über 65‑jährige Selbstständige
- Keine Erkenntnisse.
16–19: Spezifische Armutsrisiken & politische Maßnahmen
- Keine spezifischen Daten zu Frauen oder Ostdeutschland.
- Koalitionsvertrag: Neue Selbstständige sollen verpflichtend in die GRV einbezogen werden, sofern sie keinem anderen System zugeordnet sind.
- Ziel: Schutzlücken schließen, Altersarmut reduzieren.
- Regierung wartet Empfehlungen der Alterssicherungskommission ab.
20. Finanzielle Auswirkungen einer Pflichtversicherung
- Keine Berechnungen, da abhängig von der konkreten Ausgestaltung.
- Verweis auf DRV‑„rentenupdate“.
21–22: Krankenversicherung von Selbstständigen
- 1,49 Mio. hauptberuflich Selbstständige freiwillig gesetzlich versichert (2026).
- Keine Daten zu Solo‑Selbstständigen oder PKV‑Basistarif.
23. Künstlersozialkasse
- Versicherte Künstler/Publizisten: Daten im Tabellenanhang.
- Bundeszuschüsse steigen kontinuierlich von 182 Mio. (2015) auf 293 Mio. (2026).
Kernbotschaft der Bundesregierung
- Datenlage zu Selbstständigen und Altersarmut ist lückenhaft.
- Armutsrisiko wird anerkannt, aber nicht quantifiziert.
- Politische Hauptmaßnahme: → Pflichtversicherung für neue Selbstständige in der GRV wird vorbereitet.
Quelle: Bundestags‑Drucksache 21/6666