Der asiatische Börsenverlauf ist aktuell von einer massiven Handelsunsicherheit geprägt, die durch rechtliche Entwicklungen in den USA und neue Zollandrohungen von Präsident Trump ausgelöst wurde. Während das US-Oberste Gericht (Supreme Court) die sogenannten „reziproken Zölle“ des Präsidenten für ungültig erklärt hat, reagierte Trump mit der Drohung, einen pauschalen Basiszoll von 15 % auf alle globalen Handelspartner einzuführen. Diese Gemengelage führt in Asien zu einer volatilen Mischung aus Erleichterung über das Gerichtsurteil und der Sorge vor einer neuen Eskalation im Handelskonflikt.
Hier ist eine detaillierte Zusammenfassung nach Regionen und Anlageklassen:
Länderspezifische Marktentwicklungen
- Japan: Die Märkte in Japan blieben aufgrund eines Feiertags geschlossen, sodass kein Kassahandel stattfand. Die Nikkei-Futures deuteten jedoch auf eine Abwärtsbewegung hin. Japanische Regierungsvertreter bezeichneten die aktuelle Zollsituation in den USA als ein „Chaos“. Der Japanische Yen zeigte sich fest und notierte um die Marke von 155 gegenüber dem US-Dollar, was teilweise auf eine allgemeine Dollarschwäche zurückzuführen ist.
- Südkorea: Im Gegensatz zu Japan war der Markt in Südkorea geöffnet und der KOSPI erreichte Rekordhochs, mit einem Anstieg von 2 % zur Eröffnung. Gestützt wurde dies durch starke Exportdaten: In den ersten 20 Tagen des Monats stiegen die Exporte im Jahresvergleich um 23,5 %, insbesondere im Bereich Halbleiter und Technologie. Die Koreanische Won wertete gegenüber dem Dollar auf. Dennoch bleibt die Unsicherheit bestehen, da Trump Südkorea bereits mit Zöllen von 25 % gedroht hat, falls Handelsabkommen nicht schnell genug umgesetzt werden.
- China: Die chinesischen Märkte waren aufgrund der Feiertage zum Mondneujahr ebenfalls noch geschlossen und nehmen den Handel erst am Dienstag wieder auf. Experten sehen China jedoch in einer gestärkten Verhandlungsposition für das geplante Treffen zwischen Xi Jinping und Trump im nächsten Monat. Der Yuan blieb stabil in der Nähe seiner Höchststände von 2023. Interessanterweise wird das US-Gerichtsurteil in chinesischen sozialen Medien gefeiert, während sich die Staatsmedien bisher bedeckt halten.
- Australien und Indien: Der australische ASX 200 verlor im Handelsverlauf seine frühen Gewinne und rutschte ins Minus. Indien reagierte auf die Zollunsicherheit, indem es geplante Gespräche zur Finalisierung eines Handelspakts mit den USA verschob.
Währungen und Rohstoffe
Die allgemeine Marktstimmung spiegelt sich deutlich in den Devisen- und Rohstoffmärkten wider:
- US-Dollar-Schwäche: Der US-Dollar geriet unter Druck, da Anleger befürchten, dass der Wegfall von Zolleinnahmen das US-Defizit verschlechtern könnte. Dies hat asiatischen Währungen wie dem Yen und dem Won Auftrieb gegeben.
- Flucht in „Sichere Häfen“: Aufgrund der Unvorhersehbarkeit der US-Handelspolitik suchen Investoren Schutz in Edelmetallen. Gold und Silber verzeichneten Gewinne und dienen als Absicherung (Hedge) gegen die globalen Marktturbulenzen.
- Ölmarkt: Die Ölpreise zeigten sich volatil. Einerseits gab es Rückgänge bei den Energiepreisen, andererseits sorgt die geopolitische Prämie aufgrund der Spannungen zwischen den USA und dem Iran für Preisdruck nach oben. Ein möglicher US-Angriff auf den Iran bleibt ein Risikofaktor, den Händler einpreisen.
Sektorale Trends und Ausblick
- Technologie und KI: Der Sektor für Künstliche Intelligenz wird als weitgehend unabhängig von den unmittelbaren Zollfragen betrachtet, leidet aber unter einer allgemeinen Kompression der Bewertungen. Dennoch wird die Veröffentlichung der Nvidia-Quartalszahlen als ein entscheidender Impulsgeber für die globalen Aktienmärkte in dieser Woche angesehen.
- Bekleidungsindustrie: Südkoreanische Bekleidungshersteller, die Marken wie Lululemon und Nike beliefern, stehen aufgrund der potenziellen 15-Prozent-Zölle unter besonderer Beobachtung.
- Handelsabkommen: Viele asiatische Partner der USA befinden sich in einer „Wait-and-See“-Haltung. Es herrscht Unklarheit darüber, welche Zollsätze aktuell an US-Häfen für ankommende Waren gelten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der asiatische Markt derzeit zwischen der kurzfristigen Erleichterung über die juristischen Schranken für Trumps Handelspolitik und der langfristigen Furcht vor neuen, unvorhersehbaren Barrieren schwankt. Während Südkorea durch starke Fundamentaldaten glänzt, bleiben die regionalen Märkte hochgradig sensibel für Nachrichten aus Washington und die geopolitische Lage im Nahen Osten.