Berkshire Hat­ha­way strafft Port­fo­lio und setzt unter Greg Abel neue Akzen­te

Berkshire Hat­ha­way hat im jüngs­ten 13F-Fil­ing für das ers­te Quar­tal 2026 eine deut­li­che Umschich­tung sei­nes Akti­en­port­fo­li­os offen­ge­legt. Die von der US-Bör­sen­auf­sicht SEC ver­öf­fent­lich­ten Daten zei­gen, dass der Kon­zern per Ende März 2026 wei­ter­hin über ein stark kon­zen­trier­tes Port­fo­lio aus eta­blier­ten Qua­li­täts­un­ter­neh­men ver­fügt, zugleich aber meh­re­re klei­ne­re und mitt­le­re Posi­tio­nen abge­baut oder voll­stän­dig ver­kauft hat. Die Trans­ak­tio­nen mar­kie­ren eine frü­he Pha­se der Port­fo­lio­po­li­tik unter CEO Greg Abel, der seit Anfang 2026 die ope­ra­ti­ve Füh­rung des Kon­zerns inne­hat, wäh­rend War­ren Buf­fett Chair­man bleibt.

Die Zah­len spre­chen zunächst für eine erheb­li­che Berei­ni­gung. Berkshire kauf­te im Quar­tal Akti­en im Wert von rund 15,9 Mil­li­ar­den Dol­lar, ver­kauf­te jedoch Wert­pa­pie­re im Umfang von rund 24,1 Mil­li­ar­den Dol­lar. Dar­aus ergibt sich ein Net­to­ver­kauf von gut 8 Mil­li­ar­den Dol­lar. Eine sol­che Grö­ßen­ord­nung kann leicht als defen­si­ves Signal inter­pre­tiert wer­den. Aus dem 13F-Fil­ing allein lässt sich eine aus­drück­li­che Wet­te auf fal­len­de Märk­te jedoch nicht ablei­ten. Die Offen­le­gung zeigt Bestän­de und Ver­än­de­run­gen, nicht aber die Moti­ve der han­deln­den Invest­ment­ma­na­ger.

Auf­fäl­lig ist vor allem der Rück­zug aus meh­re­ren Posi­tio­nen, die im Berkshire-Port­fo­lio kei­ne domi­nan­te Rol­le spiel­ten. Ver­kauft oder weit­ge­hend abge­baut wur­den unter ande­rem Betei­li­gun­gen an Ama­zon, United­He­alth, Visa, Mas­ter­card, Domino’s Piz­za, Aon und Pool. Auch die Che­vron-Posi­ti­on wur­de deut­lich redu­ziert, blieb jedoch wei­ter­hin eine der grö­ße­ren Betei­li­gun­gen im Port­fo­lio. Der Abbau sol­cher Posi­tio­nen deu­tet eher auf eine Straf­fung und Kon­zen­tra­ti­on als auf einen gene­rel­len Rück­zug aus dem Akti­en­markt hin.

Ein Fak­tor, der bei der Ein­ord­nung der Ver­käu­fe eine Rol­le spielt, ist der per­so­nel­le Über­gang im Invest­ment­be­reich. Todd Combs, einer der lang­jäh­ri­gen Invest­ment­ma­na­ger bei Berkshire, ver­ließ den Kon­zern Ende 2025 in Rich­tung JPMor­gan. Eini­ge der betrof­fe­nen Posi­tio­nen wer­den in Markt­be­rich­ten mit sei­nem Ver­ant­wor­tungs­be­reich in Ver­bin­dung gebracht. Den­noch wäre es zu weit­ge­hend, die Ver­käu­fe aus­schließ­lich dar­auf zurück­zu­füh­ren. Das 13F-Fil­ing weist nicht aus, wel­cher Mana­ger ein­zel­ne Trans­ak­tio­nen ver­an­lasst hat. Auch Greg Abel und Ted Wesch­ler kön­nen bei den Anpas­sun­gen eine Rol­le gespielt haben.

Der wich­tigs­te neue Akzent liegt auf Alpha­bet. Berkshire erhöh­te sei­ne Betei­li­gung an der Goog­le-Mut­ter deut­lich und mach­te sie damit zu einer der rele­van­ten Tech­no­lo­gie­po­si­tio­nen im Port­fo­lio. Die­se Ent­wick­lung ist bemer­kens­wert, weil Berkshire tra­di­tio­nell zurück­hal­tend gegen­über klas­si­schen Tech­no­lo­gie­invest­ments war. Inzwi­schen wer­den gro­ße digi­ta­le Platt­for­men jedoch zuneh­mend ähn­lich bewer­tet wie eta­blier­te Kon­sum­gü­ter- oder Finanz­un­ter­neh­men: als hoch­pro­fi­ta­ble Kon­zer­ne mit star­ken Netz­werk­ef­fek­ten, Preis­set­zungs­macht und struk­tu­rel­len Wett­be­werbs­vor­tei­len.

Apple bleibt trotz frü­he­rer Redu­zie­run­gen wei­ter­hin eine zen­tra­le Betei­li­gung. Die Posi­ti­on wur­de im betrach­te­ten Quar­tal aller­dings nicht stark aus­ge­baut. Daher ist es prä­zi­ser, von einer Stär­kung der Platt­form­kom­po­nen­te durch Alpha­bet zu spre­chen, nicht von einem gleich­zei­ti­gen aggres­si­ven Aus­bau von Apple und Alpha­bet. Zusam­men bil­den bei­de Unter­neh­men einen erheb­li­chen Anteil am gemel­de­ten 13F-Akti­en­port­fo­lio. Der Ver­gleich mit der Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung von Berkshire wäre dage­gen weni­ger aus­sa­ge­kräf­tig, da das 13F-Port­fo­lio nur einen Teil des gesam­ten Kon­zern­werts abbil­det.

Neben Alpha­bet fällt vor allem der Ein­stieg bei Del­ta Air Lines auf. Berkshire kauf­te rund 39,8 Mil­lio­nen Akti­en der Flug­ge­sell­schaft und erwarb damit etwa sechs Pro­zent des Unter­neh­mens. Die­ser Schritt ist des­halb bemer­kens­wert, weil Buf­fett wäh­rend der Pan­de­mie sei­ne Air­line-Betei­li­gun­gen ver­kauft hat­te und die Bran­che lan­ge als kapi­tal­in­ten­siv, zyklisch und schwer pro­gnos­ti­zier­bar galt. Der neue Del­ta-Ein­stieg kann daher als geziel­te zykli­sche Wet­te ver­stan­den wer­den, nicht jedoch als Bruch mit der Berkshire-Logik. Ent­schei­dend dürf­te sein, ob das Manage­ment der Flug­ge­sell­schaft dau­er­haft sta­bi­le Cash­flows und eine hin­rei­chend robus­te Wett­be­werbs­po­si­ti­on lie­fern kann.

Die klas­si­schen Kern­po­si­tio­nen blei­ben weit­ge­hend unan­ge­tas­tet. Dazu zäh­len Ame­ri­can Express, Coca-Cola und Moody’s. Auch Occi­den­tal Petro­le­um bleibt eine zen­tra­le Posi­ti­on im Ener­gie­be­reich. Die­se Bestän­de zei­gen, dass Berkshire nicht grund­sätz­lich von sei­ner bis­he­ri­gen Invest­ment­phi­lo­so­phie abrückt. Der Kon­zern setzt wei­ter­hin auf Unter­neh­men mit star­ken Mar­ken, dau­er­haf­ten Wett­be­werbs­vor­tei­len, soli­den Bilan­zen und hohen frei­en Cash­flows.

Die aktu­el­le Port­fo­lio­be­we­gung lässt sich daher am ehes­ten als kon­trol­lier­te Neu­ord­nung beschrei­ben. Berkshire redu­ziert die Zahl klei­ne­rer Betei­li­gun­gen, hält an lang­jäh­ri­gen Kern­wer­ten fest und baut zugleich selek­tiv Posi­tio­nen in domi­nan­ten digi­ta­len Platt­for­men und ein­zel­nen zykli­schen Chan­cen aus. Unter Greg Abel bleibt die Grund­struk­tur der Berkshire-Stra­te­gie damit erhal­ten. Neu ist weni­ger die Invest­ment­lo­gik als die Zusam­men­set­zung der Unter­neh­men, auf die sie ange­wen­det wird.

Für Anle­ger ist die zen­tra­le Schluss­fol­ge­rung nüch­tern: Das Fil­ing signa­li­siert kei­ne ein­deu­tig pes­si­mis­ti­sche Markt­pro­gno­se, son­dern eine Kon­zen­tra­ti­on des Port­fo­li­os auf grö­ße­re, stra­te­gisch bes­ser begründ­ba­re Betei­li­gun­gen. Berkshire bleibt kon­ser­va­tiv in der Kapi­tal­al­lo­ka­ti­on, erkennt aber stär­ker als frü­her den öko­no­mi­schen Wert digi­ta­ler Platt­for­men an. Die jüngs­ten Trans­ak­tio­nen ste­hen damit für Evo­lu­ti­on, nicht für einen radi­ka­len Stra­te­gie­wech­sel.


Die SEC-Infor­ma­ti­on-Table wur­de geöff­net und die 90 Ein­zel­zei­len auf iden­ti­sche Wertpapierklassen/CUSIPs agg­re­giert. Dar­aus erge­ben sich 29 agg­re­gier­te Ein­zel­po­si­tio­nen. Das passt zur Sum­ma­ry Page: Dort wer­den 90 Infor­ma­ti­on-Table-Ein­trä­ge und ein Gesamt­wert von 263.095.703.570 Dol­lar genannt.

Wich­tig: Die SEC-Zei­len ent­hal­ten teils meh­re­re Ein­trä­ge für das­sel­be Wert­pa­pier, weil ver­schie­de­ne ein­be­zo­ge­ne Berkshire-Ein­hei­ten bezie­hungs­wei­se Mana­ger gemel­det wer­den. Für eine brauch­ba­re Port­fo­lio­ta­bel­le ist daher die Aggre­ga­ti­on nach Name der Wert­pa­pier­klas­se + CUSIP sinn­voll. Die fol­gen­den Wer­te stam­men aus der SEC-Infor­ma­ti­on-Table; ich habe sie nur zusam­men­ge­führt und die Port­fo­lio­an­tei­le berech­net.

RangPosi­ti­onCUSIPSEC-Zei­lenWert, Mrd. $Aktien/AnteileAnteil am 13F-Port­fo­lio
1Apple Inc. Com­mon Stock0378331001257,853227.916.80821,99 %
2Ame­ri­can Express Co. Com­mon Stock025816109345,859151.610.70017,43 %
3Coca-Cola Co. Com­mon Stock1912161001030,420400.000.00011,56 %
4Bank of Ame­ri­ca Corp. Com­mon Stock060505104925,039513.624.1659,52 %
5Che­vron Cor­po­ra­ti­on Com­mon Stock166764100417,45784.375.8566,64 %
6Occi­den­tal Petro­le­um Corp. Com­mon Stock674599105117,221264.941.4316,55 %
7Alpha­bet Inc. Class A02079K305415,60054.249.7985,93 %
8Chubb Ltd. Com­mon StockH1467J104111,16334.249.1834,24 %
9Moody’s Corp. Com­mon Stock615369105310,76224.669.7784,09 %
10Kraft Heinz Co. Com­mon Stock50075410617,324325.634.8182,78 %
11DaVi­ta Inc. Com­mon Stock23918K10824,62630.100.5851,76 %
12Kro­ger Co. Com­mon Stock50104410153,61850.000.0001,38 %
13Siri­usXM Hol­dings Inc. Com­mon Stock82993310022,881124.807.1171,09 %
14Del­ta Air Lines Inc. Com­mon Stock24736170212,64739.809.4561,01 %
15Veri­sign Inc. Com­mon Stock92343E10222,2338.989.8800,85 %
16Capi­tal One Finan­cial Corp. Com­mon Stock14040H10531,3047.150.0000,50 %
17New York Times Co. Class A65011110721,26815.146.5350,48 %
18Ally Finan­cial Inc. Com­mon Stock02005N10061,13829.000.0000,43 %
19Alpha­bet Inc. Class C02079K10711,0283.585.2150,39 %
20Liber­ty Live Hol­dings Inc. Series C53090930840,99610.587.1430,38 %
21Len­nar Corp. Class A52605710410,87710.099.6420,33 %
22Nucor Corp. Com­mon Stock67034610510,6613.907.0750,25 %
23Liber­ty Live Hol­dings Inc. Series A53090910040,4574.986.5880,17 %
24Loui­sia­na-Paci­fic Corp. Com­mon Stock54634710520,4125.664.7930,16 %
25Con­stel­la­ti­on Brands Inc. Class A21036P10810,095632.8900,04 %
26NVR Inc. Com­mon Stock62944T10510,07311.1120,03 %
27Macy’s Inc. Com­mon Stock55616P10420,0553.038.3550,02 %
28Len­nar Corp. Class B52605730210,020237.7030,01 %
29Jef­fe­ries Finan­cial Group Inc. Com­mon Stock47233W10910,018433.5580,01 %

Die Tabel­le bestä­tigt meh­re­re Punk­te, die für den Arti­kel rele­vant sind: Apple ist mit rund 57,9 Mrd. Dol­lar wei­ter­hin die größ­te gemel­de­te Posi­ti­on, gefolgt von Ame­ri­can Express, Coca-Cola und Bank of Ame­ri­ca. Alpha­bet erscheint in zwei Wert­pa­pier­klas­sen: Class A mit rund 15,6 Mrd. Dol­lar und Class C mit rund 1,0 Mrd. Dol­lar; zusam­men ent­spricht das rund 16,6 Mrd. Dol­lar bezie­hungs­wei­se etwa 6,3 % des gemel­de­ten 13F-Port­fo­li­os. Del­ta Air Lines ist als ein­zel­ne Posi­ti­on mit rund 2,65 Mrd. Dol­lar und 39,8 Mio. Akti­en ent­hal­ten.

Aus die­ser Tabel­le lässt sich nicht unmit­tel­bar ablei­ten, was gekauft oder ver­kauft wur­de. Dafür müss­te man die­se agg­re­gier­te Tabel­le mit dem vor­he­ri­gen 13F-Fil­ing ver­glei­chen. Sie belegt aber den Bestand per 31.03.2026 und wider­legt zum Bei­spiel die Aus­sa­ge, Con­stel­la­ti­on Brands sei voll­stän­dig ver­kauft wor­den: In der Infor­ma­ti­on Table steht noch eine Posi­ti­on von 632.890 Akti­en mit einem Wert von rund 94,9 Mio. Dol­lar.

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