Billige Energie, teure Lebensmittel: Löhne steigen – Handel schwächelt, Arbeitsmarkt tritt auf der Stelle

Importpreise sinken dank Energie – Nahrungsmittel verteuern sich massiv

Im Juli 2025 lagen die Importpreise 1,4 % unter dem Vorjahresniveau. Der Rückgang war vor allem auf stark gefallene Energiepreise zurückzuführen: Rohöl verbilligte sich um 22,7 %, Steinkohle um 17,9 % und Erdgas um 3,2 %. Ohne Energie bewegte sich das Preisniveau jedoch kaum. Bemerkenswert ist die drastische Verteuerung vieler Nahrungsmittelimporte: Orangensaft (+41,6 %), Kaffee (+34,5 %) und Rindfleisch (+30,9 %) verteuerten sich deutlich. Diese Entwicklung dämpft zwar die importierte Inflation im Energiesektor, birgt aber Risiken für die Verbraucherpreise im Lebensmittelbereich.

Arbeitsmarkt stagniert – Erwerbslosigkeit steigt deutlich

Die Erwerbstätigkeit verharrte im Juli 2025 bei 45,8 Mio. Personen und blieb sowohl zum Vormonat als auch zum Vorjahr nahezu unverändert. Während die Beschäftigung stabil ist, zeigt sich eine Verschlechterung bei der Erwerbslosigkeit: Mit 1,74 Mio. Erwerbslosen lag deren Zahl um 9,4 % über dem Vorjahreswert. Die Erwerbslosenquote stieg auf 3,9 %, bereinigt verharrte sie bei 3,7 %. Damit zeigt sich ein Arbeitsmarkt, der zwar keine Massenentlassungen kennt, jedoch schleichend an Dynamik verliert.

Reallöhne legen kräftig zu – Geringverdiener profitieren überproportional

Im 2. Quartal 2025 stiegen die Nominallöhne um 4,1 %, während die Verbraucherpreise lediglich um 2,1 % zulegten. Damit erhöhten sich die Reallöhne um 1,9 %. Besonders stark profitierten Beschäftigte im Finanz- und Versicherungswesen sowie in den wissenschaftlichen Dienstleistungen (jeweils +7,6 %). Auffällig ist die ungleiche Verteilung: Das unterste Einkommensquintil verzeichnete mit +6,5 % die höchsten Lohnzuwächse, während die obersten Verdiener lediglich +2,5 % verbuchen konnten. Diese Entwicklung stärkt die Kaufkraft, könnte aber auch die Lohnspreizung zwischen Sektoren weiter verschärfen.

Einzelhandelsumsätze brechen im Juli ein – Onlinehandel boomt

Der deutsche Einzelhandel verzeichnete im Juli 2025 einen Rückgang von 1,5 % real und 1,0 % nominal gegenüber Juni. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen die Umsätze hingegen um 1,9 % (real) bzw. 3,1 % (nominal). Während der Lebensmitteleinzelhandel stagnierte, legten Nicht-Lebensmittelgeschäfte um 3,5 % zu. Der klare Gewinner bleibt der Online- und Versandhandel, dessen Umsatz im Jahresvergleich um 13,8 % stieg. Der Rückgang im Monatsvergleich verdeutlicht jedoch, dass die Konsumstimmung schwankt und möglicherweise unter steigender Erwerbslosigkeit leidet.


EZB-Daten zur Geldmengenentwicklung im Euroraum für Juli 2025:

  • Die Geldmenge M3 (weit gefasst) wuchs im Juli um 3,4 % gegenüber dem Vorjahr (Juni: 3,3 %).
  • Das engere Aggregat M1 (Bargeld und täglich fällige Einlagen) legte deutlicher zu: +5,0 % nach 4,7 % im Juni.
  • Sonstige kurzfristige Einlagen (M2 – M1) blieben rückläufig, ihre Jahresrate lag bei -0,8 %.
  • Marktfähige Finanzinstrumente (M3 – M2) verloren an Dynamik: +6,4 % nach +10,4 % im Juni.

Kreditvergabe:

  • Die bereinigten Buchkredite an private Haushalte stiegen um 2,4 % (Juni: 2,2 %).
  • Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften wuchsen um 2,8 % (Juni: 2,7 %).
  • Insgesamt lagen die Forderungen an den privaten Sektor stabil bei +2,7 %, während Forderungen an öffentliche Haushalte leicht zulegten (+0,6 %).

Einlagenentwicklung:

  • Haushalte erhöhten ihre Einlagen um 3,4 %, Unternehmen sogar um 2,7 % (nach 1,6 % im Juni).
  • Auffällig war der deutliche Rückgang bei den Einlagen von Investmentfonds (ohne Geldmarktfonds): nur noch +6,3 % nach 13,1 %.

Bewertung:
Die Zahlen deuten auf eine moderat wachsende Geldmenge hin, getragen vor allem von Bargeld und täglich fälligen Einlagen. Die Kreditvergabe an private Haushalte und Unternehmen zieht leicht an, was auf eine gewisse Belebung der Kreditnachfrage schließen lässt. Gleichzeitig zeigt der Rückgang bei marktfähigen Finanzinstrumenten und Investmentfondseinlagen, dass Anleger offenbar risikoärmer und liquider parken. Dies spiegelt ein Umfeld wider, in dem Unsicherheit anhält, während zugleich eine gewisse Lockerung in der Kreditdynamik erkennbar ist.


Zwischen Kaufkraft und Konsumzurückhaltung: Deutschlands Wirtschaft im Sommer 2025

Die jüngsten Daten des Statistischen Bundesamts und der Europäischen Zentralbank zeichnen ein widersprüchliches Bild der deutschen und europäischen Konjunktur. Auf der einen Seite stehen günstige Impulse: Die Importpreise sind im Juli 2025 dank massiv gesunkener Energiepreise weiter gefallen, die Reallöhne stiegen im zweiten Quartal um 1,9 %, und die Geldmenge im Euroraum wächst moderat. Auf der anderen Seite bleibt der Arbeitsmarkt ohne Dynamik, und die Einzelhandelsumsätze brachen im Juli trotz höherer Kaufkraft ein.

Preis- und Lohnentwicklung
Der Rückgang der Importpreise um 1,4 % zum Vorjahr ist fast ausschließlich auf billigere Energieträger zurückzuführen. Für die Inflationsentwicklung ist das positiv, für die heimische Wirtschaft jedoch ein zweischneidiges Schwert, da die sinkenden Energiepreise auf globaler Schwäche beruhen. Gleichzeitig stärkt der Lohnzuwachs die Kaufkraft der Haushalte. Bemerkenswert ist, dass vor allem Geringverdiener überdurchschnittlich von Nominallohnsteigerungen profitieren – ein sozialpolitisch erwünschter Effekt, der die Binnenkonjunktur stützen könnte.

Arbeitsmarkt im Stillstand
Die Erwerbstätigkeit stagniert bei rund 45,8 Millionen Personen. Zwar blieb die Zahl der Beschäftigten im Jahresvergleich konstant, doch die Erwerbslosigkeit stieg um 9,4 % gegenüber 2024. Dies deutet auf strukturelle Verwerfungen hin: Die deutsche Wirtschaft schafft keine neuen Jobs, während der Druck auf den Arbeitsmarkt wächst.

Konsumklima und Handel
Der Einzelhandel zeigte sich im Juli schwach: Gegenüber Juni gingen die Umsätze real um 1,5 % zurück. Zwar liegt das Niveau über dem Vorjahr, doch die kurzfristige Entwicklung ist ernüchternd. Besonders der Lebensmitteleinzelhandel stagniert, während der Onlinehandel boomt. Die Konsumenten scheinen ihre höhere Kaufkraft vorsichtig einzusetzen – ein Hinweis auf anhaltende Unsicherheit.

Monetäre Rahmenbedingungen
Die EZB meldet für Juli ein Wachstum der Geldmenge M3 um 3,4 %. Treiber sind Bargeld und Sichteinlagen (M1 +5,0 %). Die Kreditvergabe zog leicht an: Haushalte nahmen 2,4 % mehr Kredite auf, Unternehmen 2,8 %. Auffällig ist die steigende Liquidität auf den Konten, während Anleger riskantere Finanzinstrumente meiden. Diese Geldpolitik wirkt stützend, signalisiert aber zugleich eine abwartende Haltung der Marktakteure.

Fazit: Fragiles Gleichgewicht
Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem Spannungsfeld: Sinkende Energiepreise und steigende Reallöhne sollten eigentlich für eine Konsumbelebung sorgen. Doch die Zurückhaltung im Einzelhandel und der stagnierende Arbeitsmarkt zeigen, dass die konjunkturelle Unsicherheit überwiegt. Die vorsichtige Geldmengenexpansion im Euroraum liefert keine inflationären Impulse, sondern schafft lediglich Liquiditätsspielräume. Ob daraus nachhaltiges Wachstum erwächst, hängt von der Investitionsbereitschaft der Unternehmen und dem Vertrauen der Konsumenten ab.


Wie hilfreich war dieser Beitrag?

Klicke auf die Sterne um zu bewerten!

Durchschnittliche Bewertung 0 / 5. Anzahl Bewertungen: 0

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Es tut uns leid, dass der Beitrag für dich nicht hilfreich war!

Lasse uns diesen Beitrag verbessern!

Wie können wir diesen Beitrag verbessern?

Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater