Max Deutschmann führt einen extravaganten Lebensstil, der seine finanziellen Möglichkeiten bei Weitem übersteigt. Er gibt ein Vermögen für luxuriöse Autos, exklusive Partys und teure Reisen aus. Seine Ausgaben übersteigen sein bescheidenes Einkommen bei Weitem. Um diesen Lebensstil aufrechtzuerhalten, verschuldet er sich immer weiter.
In seiner Verzweiflung sucht Max einen Schuldenberater auf. Dieser empfiehlt ihm eine „Schuldenbremse nach deutschem Vorbild“. Das bedeutet, dass Max sich weiterhin verschulden darf, allerdings in einem „kontrollierten“ Rahmen. Ihm wird suggeriert, dass er seinen Lebensstil beibehalten kann, solange er sich an die neuen, etwas eingeschränkten Kreditlimits hält.
Kann eine solche „Schuldenbremse“ Max‘ finanzielle Probleme wirklich lösen?
Der Vergleich zwischen der deutschen Schuldenbremse und einem überschuldeten Privathaushalt ist eine pointierte Analogie – aber genau darin liegt auch das Problem. Denn während Max Deutschmann sich persönlich für seinen exzessiven Lebensstil entscheiden kann, operiert ein Staat unter völlig anderen ökonomischen Bedingungen. Lassen Sie uns das genauer betrachten.
Die Schuldenbremse: Ein halber Weg zur Haushaltsdisziplin
Die deutsche Schuldenbremse, verankert im Grundgesetz (Artikel 109 und 115 GG), soll verhindern, dass der Staat dauerhaft über seine Verhältnisse lebt. Sie erlaubt dem Bund eine strukturelle Nettokreditaufnahme von maximal 0,35 % des BIP pro Jahr. Die Bundesländer dürfen grundsätzlich gar keine neuen Schulden mehr aufnehmen. In Krisenzeiten sind allerdings Ausnahmen möglich.
Auf den ersten Blick scheint das ein vernünftiges Prinzip zu sein: Ein Staat sollte sich nicht unbegrenzt verschulden, sondern seine Finanzen im Griff behalten. Genau wie ein Schuldnerberater Max Deutschmann vorschlagen würde, seine Schuldenaufnahme zumindest zu begrenzen, um den finanziellen Ruin abzuwenden.
Das Problem: Schulden sind nicht gleich Schulden
Hier wird es aber kompliziert. Schulden eines Privathaushalts sind in erster Linie Konsumschulden – sie finanzieren kurzfristige Bedürfnisse, aber keine wirtschaftliche Wertschöpfung. Staatsverschuldung hingegen dient oft Investitionen, die langfristig Wachstum schaffen: Infrastruktur, Bildung, Digitalisierung oder Klimaschutz. Wer sinnvolle Kredite aufnimmt, steigert seine zukünftige Zahlungsfähigkeit.
Das wäre so, als würde Max Deutschmann sich nicht für teure Autos und Partys verschulden, sondern für eine Weiterbildung, die ihm ein höheres Einkommen sichert. In diesem Fall wäre eine strikte Begrenzung der Schulden kontraproduktiv, weil sie sinnvolle Investitionen verhindert.
Das eigentliche Problem: Die Ausgabenstruktur des Staates
Hier aber kommt der berechtigte Kern der Analogie ins Spiel. Wenn der Staat trotz steigender Schulden kaum zukunftsträchtige Investitionen tätigt, sondern das Geld primär für konsumtive Ausgaben wie Sozialleistungen oder Bürokratie verwendet, ist das problematisch. Dann wäre die Schuldenbremse tatsächlich vergleichbar mit einem Schuldnerberater, der nur die Kreditgrenze leicht absenkt, ohne die strukturellen Probleme zu lösen.
Deutschland hat hier ein doppeltes Problem:
- Zu hohe konsumtive Ausgaben (z. B. steigende Sozialausgaben, ineffiziente Bürokratie)
- Zu geringe Investitionen in die Zukunft (Bildung, Digitalisierung, Infrastruktur)
Der Staat gibt also zu viel für kurzfristige Bedürfnisse aus und zu wenig für nachhaltiges Wachstum – genau wie Max Deutschmann.
Lösungsansätze: Schuldenbremse reformieren statt nur lockern
Die aktuelle Schuldenbremse zwingt zur Haushaltsdisziplin, verhindert aber gleichzeitig notwendige Investitionen. Eine sinnvolle Lösung könnte eine Reform sein, die zwischen konsumtiven und investiven Ausgaben unterscheidet. Beispielsweise:
- Eine „goldene Regel“ der Staatsfinanzen, die Schulden nur für Investitionen erlaubt, nicht für laufende Kosten.
- Flexiblere Krisenmechanismen, damit der Staat in wirtschaftlichen Abschwüngen gezielt investieren kann, statt durch Sparmaßnahmen den Abschwung noch zu verschärfen.
Schuldenbremse ja – aber intelligent
Max Deutschmann muss seinen Lebensstil hinterfragen – und genau das gilt auch für den deutschen Staat. Die Schuldenbremse allein ist kein Allheilmittel, sondern ein Instrument. Entscheidend ist, ob sie sinnvoll angewandt wird. Momentan droht sie eher sinnvolle Investitionen zu blockieren, während ineffiziente Ausgaben weiterlaufen. Eine klügere Finanzpolitik würde genau hier ansetzen: weniger Konsum, mehr zukunftsgerichtete Investitionen.
Eine starre Schuldenbremse ist daher nicht die Lösung, sondern bestenfalls ein erster Schritt – genau wie eine reine Kreditlimitierung Max Deutschmann nicht wirklich hilft, solange er seinen Lebensstil nicht ändert.
Was sind sinnvolle Investitionen?
Der Begriff „Investition“ ist dehnbar
Wenn man sagt, dass neue Schulden nur für Investitionen erlaubt sein sollten, stellt sich sofort die Frage: Was zählt als Investition?
- Ist ein Kindergarten eine Investition in die Zukunft, weil er Bildung fördert?
- Sind höhere Renten eine Investition in sozialen Frieden oder nur Konsumausgaben?
- Ist der Ausbau des Schienennetzes eine Investition oder eine Subvention für eine ineffiziente Bahn?
Die Definition hängt oft von der politischen Ideologie ab. Konservative Parteien betonen Investitionen in Infrastruktur und Technologie, linke Parteien sehen Sozialausgaben als gesellschaftliche Investition. Und dann gibt es eben noch fragwürdige Posten, die als „Investitionen“ deklariert werden, um Schulden zu rechtfertigen.
Fehlallokationen von Steuergeldern
Das eigentliche Problem ist nicht die Schuldenbremse an sich, sondern die Frage, wo das Geld hingeht. Deutschland gibt Milliarden für fragwürdige Projekte aus, während dringend notwendige Infrastrukturmaßnahmen auf der Strecke bleiben:
- Milliarden für externe Berater in Ministerien, während die Verwaltung ineffizient bleibt.
- Subventionen für unwirtschaftliche Unternehmen, anstatt gezielt Zukunftstechnologien zu fördern.
- Bürokratische Monster wie das Gebäudeenergiegesetz (GEG), die am Ende mehr kosten als bringen.
Das zeigt: Es geht nicht nur darum, ob der Staat Schulden macht, sondern wofür.
Reform statt Abschaffung der Schuldenbremse
Statt die Schuldenbremse einfach aufzuweichen, wäre es besser, sie mit klaren Regeln zu versehen:
- Nur Investitionen mit nachweisbarem Mehrwert dürfen auf Kredit finanziert werden.
- Regelmäßige Überprüfung der Wirtschaftlichkeit von Projekten, damit Fehlallokationen vermieden werden.
- Verpflichtende Evaluierung von staatlichen Ausgaben, ähnlich wie Unternehmen ihre Investitionen bewerten müssen.
Das Problem ist nicht die Schuldenbremse, sondern falsche Prioritäten
Die Schuldenbremse an sich ist kein Hindernis für sinnvolle Investitionen – sie verhindert nur, dass sich der Staat dauerhaft verschuldet, ohne echte Wertschöpfung zu generieren. Das Problem ist die politische Definition von „Investition“: Solange Milliarden für fragwürdige Projekte ausgegeben werden, während Brücken, Schulen und Digitalisierung verfallen, hilft auch eine Lockerung der Schuldenbremse nicht weiter. Statt mehr Schulden zu machen, braucht Deutschland eine bessere Ausgabenpolitik.
Fehlt es wirklich an Geld?
Geld ist grundsätzlich vorhanden. Deutschland hat eines der höchsten Steueraufkommen weltweit, und dennoch fehlt es an Investitionen in zentrale Zukunftsbereiche. Das Problem ist also nicht primär ein Mangel an finanziellen Mitteln, sondern die falsche Verteilung und Nutzung dieser Gelder. Schauen wir uns das genauer an.
Steuerhinterziehung und Steuerschlupflöcher – ein Milliardenproblem
Deutschland verliert jährlich hohe Summen durch Steuerhinterziehung und legale Steuervermeidung:
- Schätzungen zufolge entgehen dem Staat 50 bis 100 Milliarden Euro jährlich durch Steuerhinterziehung und aggressive Steuervermeidung.
- Große Konzerne und Vermögende nutzen legale Steuerschlupflöcher, um ihre Steuerlast zu minimieren.
- Der Kampf gegen Steuerbetrug ist ineffizient: Während kleine Unternehmen oft streng kontrolliert werden, bleiben große internationale Steuertricks oft unangetastet.
Würde man hier konsequenter vorgehen, wären bereits enorme Summen für Investitionen vorhanden – ganz ohne neue Schulden.
Rentenreform – ein Fass ohne Boden?
Ein weiterer Faktor sind die steigenden Rentenausgaben:
- Das Rentensystem ist demografisch nicht nachhaltig, weil immer weniger Erwerbstätige für immer mehr Rentner aufkommen müssen.
- Die Ampel-Regierung hat zwar Maßnahmen wie die Aktienrente angestoßen, aber keine grundlegende Reform durchgeführt.
- Andere Länder haben längst Mischsysteme aus umlagefinanzierter und kapitalgedeckter Rente eingeführt, während Deutschland weiterhin große Summen in ein System steckt, das langfristig nicht finanzierbar ist.
Hier wäre ein Umbau dringend nötig, um langfristig finanzielle Spielräume zu schaffen.
Bürokratie und ineffiziente Staatsausgaben
Deutschland leistet sich eine extrem kostspielige Bürokratie:
- Mehr als 500 Milliarden Euro gibt der Staat jährlich für Sozialleistungen aus – viele Programme sind aber ineffizient oder überbürokratisiert.
- Milliarden für externe Berater: Allein das Verteidigungsministerium zahlte unter Ursula von der Leyen fast eine Milliarde Euro für Beraterverträge – oft mit fragwürdigem Nutzen.
- Doppelte Strukturen durch zu viele Verwaltungsebenen: Bund, Länder, Kommunen arbeiten oft ineffizient nebeneinander, statt Synergien zu nutzen.
Eine schlankere, effizientere Verwaltung könnte viele Milliarden freisetzen.
Erst das vorhandene Geld besser nutzen
Anstatt immer neue Schulden zu machen oder Steuererhöhungen zu diskutieren, müsste die Politik viel stärker darauf achten, bestehende Mittel effizient zu nutzen:
- Konsequente Bekämpfung von Steuerhinterziehung und Vermeidung von Steuerschlupflöchern.
- Nachhaltige Rentenreform, damit Sozialausgaben langfristig tragfähig bleiben.
- Abbau überflüssiger Bürokratie, um Milliarden für sinnvolle Investitionen freizumachen.
Das Geld wäre also da – die Frage ist nur, ob es klug genug eingesetzt wird. Momentan verhindert die Schuldenbremse vor allem neue Kredite, aber sie schützt nicht vor schlechter Haushaltspolitik. Das muss sich ändern.