Die chinesische Wirtschaft hat sich im zweiten Quartal 2026 spürbar abgeschwächt. Das Bruttoinlandsprodukt stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,3 Prozent und blieb damit unter der Markterwartung von 4,5 Prozent. Im ersten Quartal hatte das Wachstum noch bei 5,0 Prozent gelegen. Im Vergleich zum Vorquartal expandierte die Wirtschaft um 0,9 Prozent. Für das erste Halbjahr ergibt sich insgesamt ein Wachstum von 4,7 Prozent.
Die Entwicklung zeigt ein zunehmend unausgewogenes Konjunkturbild. Während die Industrieproduktion und exportorientierte Bereiche vergleichsweise robust bleiben, belasten die schwache Binnennachfrage, zurückhaltende private Investitionen und die anhaltende Krise am Immobilienmarkt die wirtschaftliche Dynamik. Besonders deutlich wird dies bei den Anlageinvestitionen. Diese gingen im ersten Halbjahr um 5,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück und entwickelten sich damit schwächer als erwartet.
Der Immobiliensektor blieb der größte Belastungsfaktor. Die Investitionen in diesem Bereich sanken um 18 Prozent. Auch die Infrastruktur- und Industrieinvestitionen gerieten ins Minus. Selbst ohne den Immobiliensektor lagen die Anlageinvestitionen unter dem Niveau des Vorjahres. Dies deutet darauf hin, dass die Investitionsschwäche inzwischen breiter angelegt ist und nicht mehr ausschließlich auf die Probleme der Bau- und Immobilienbranche zurückzuführen ist.
Demgegenüber entwickelte sich die Industrieproduktion im Juni positiv. Sie stieg um 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr und übertraf damit die Erwartungen. Vor allem die verarbeitende Industrie trug zu diesem Wachstum bei. Gleichzeitig sank die industrielle Kapazitätsauslastung im zweiten Quartal auf 73 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Die Kombination aus steigender Produktion und niedriger Auslastung weist auf bestehende Überkapazitäten in Teilen der chinesischen Industrie hin.
Beim privaten Konsum zeigten sich leichte Erholungstendenzen. Die Einzelhandelsumsätze stiegen im Juni um 1,0 Prozent, nachdem sie im Vormonat noch zurückgegangen waren. Besonders gefragt waren Kommunikationsgeräte, Kosmetik sowie Nahrungs- und Genussmittel. Dagegen blieben größere Anschaffungen schwach. Die Umsätze mit Autos, Haushaltsgeräten, Möbeln und Baumaterialien gingen deutlich zurück. Damit bleibt die Konsumerholung selektiv und insgesamt verhalten.
Der Arbeitsmarkt präsentierte sich vergleichsweise stabil. Die städtische Arbeitslosenquote sank im Juni auf 5,0 Prozent und erreichte damit den niedrigsten Stand seit einem Jahr. Auch in den großen Städten ging die Quote leicht zurück. Die Verbesserung am Arbeitsmarkt steht jedoch einer schwachen Investitions- und Konsumdynamik gegenüber und reicht bislang nicht aus, um die Binnenkonjunktur nachhaltig zu beleben.
Am Immobilienmarkt setzte sich der Preisrückgang fort. Die Preise für Neubauten in 70 Städten sanken im Juni um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zwar fiel der Rückgang etwas geringer aus als im Vormonat, dennoch war es der 36. Monat in Folge mit sinkenden Preisen. Dies deutet darauf hin, dass die bisherigen Stützungsmaßnahmen zwar stabilisierend wirken, das Vertrauen der Haushalte und Investoren aber weiterhin begrenzt bleibt.
Insgesamt wächst Chinas Wirtschaft weiter, verliert jedoch deutlich an Dynamik. Industrie und Exporte stabilisieren die Konjunktur, während Immobilienkrise, schwache Investitionen und zurückhaltender Konsum das Wachstum bremsen. Die aktuellen Daten erhöhen damit den Druck auf die chinesische Regierung, zusätzliche Maßnahmen zur Stärkung der Binnennachfrage und zur Stabilisierung des Immobiliensektors zu ergreifen.