Kompaktversion
- DAX setzt seine Rekordjagd fort und schließt bei 25.261 Punkten (+0,53 %) – stärkste Woche seit Jahresbeginn mit rund +3 % Wochenplus .
- Treiber: schwächere US-Arbeitsmarktdaten nähren Zinssenkungshoffnungen, zusätzlich stützen positive Industrieproduktionsdaten aus Deutschland .
- Europaweit neue Höchststände: Paris, Zürich sowie der EuroStoxx 50 erreichen Rekorde; breite Marktteilnahme (auch Stoxx 600 auf Rekord) .
- Politische Impulse: Zustimmung zum Mercosur-Freihandelsabkommen unterstützt exportorientierte Werte und die Rally .
- Sektorbild: Stärke bei Technologie und Industrie, Schwäche bei Versicherern; Anleger bleiben trotz Rally vorsichtig wegen geopolitischer Risiken .
Kernaussage: Die Aufwärtsbewegung ist intakt und breit abgestützt, wirkt jedoch zunehmend reif – Konsolidierungen bleiben möglich.
1. DAX: Rekordjagd setzt sich fort
Der DAX hat seine starke Entwicklung zum Ende der ersten vollständigen Börsenwoche 2026 fortgesetzt und erneut ein Allzeithoch markiert. In der Spitze erreichte der Index 25.281 Punkte und schloss schließlich bei 25.261,64 Punkten, was einem Tagesplus von 0,53 % entspricht. Auf Wochensicht ergibt sich damit ein Zugewinn von knapp 3 % .

Bemerkenswert ist, dass der DAX an allen Handelstagen der Woche neue Rekordstände erreichte. Dies spricht für eine ausgeprägte Trendstärke, allerdings auch für eine zunehmende technische Überdehnung.
Intraday
DAX-Tagesüberblick – 09.01.2026 (Xetra, 17:45 Uhr)
1. Gesamtergebnis
- Schlussstand: 25.261,64 Punkte
- Tagesveränderung: +130,21 Punkte (+0,52 %)
- Markttendenz: moderat positiv
Der DAX schloss klar im Plus und konnte das Vortagesniveau deutlich verteidigen. Trotz zwischenzeitlicher Schwächephasen setzte sich am Ende eine stabile Aufwärtsbewegung durch.
2. Intraday-Verlauf
- Eröffnung: 25.124,02 Punkte (nahe Vortagesschluss)
- Tagestief: 25.107,92 Punkte
- Tageshoch: 25.281,18 Punkte
Der Tagesverlauf war volatil, aber konstruktiv:
- Vormittags eher seitwärts mit leicht positiver Tendenz
- Am Nachmittag ein deutlicher Rücksetzer, der jedoch schnell und dynamisch gekauft wurde
- Spätere Stabilisierung nahe Tageshoch → positives Schlussbild
Interpretation: Die schnelle Erholung nach dem Rücksetzer spricht für eine weiterhin hohe Kaufbereitschaft institutioneller Marktteilnehmer.
3. Marktbreite: Tops & Flops
Gewinner
- SAP: +2,83 %
- Rheinmetall: +2,65 %
- Infineon: +2,44 %
- Scout24: +2,26 %
Technologiewerte und Industrie zeigten relative Stärke und trugen maßgeblich zum Indexanstieg bei.
Verlierer
- Allianz: −2,02 %
- MTU Aero Engines: −1,84 %
- Commerzbank: −1,77 %
- Bayer: −1,66 %
Schwäche bei Finanz- und Einzeltiteln mit spezifischen Belastungsfaktoren; kein flächendeckender Abverkauf.
4. Einordnung im größeren Kontext
- 52-Wochen-Hoch: 25.217,50 Punkte
- Der DAX notiert leicht oberhalb des bisherigen 52-Wochen-Hochs, was technisch als Bestätigung des Aufwärtstrends gewertet werden kann.
- Das Allzeithoch wurde damit erneut bestätigt, jedoch ohne klare Beschleunigung.
Kritische Bewertung:
Trotz neuer Hochs fehlt bislang ein klarer Momentum-Schub. Die Gewinne wirken eher inkrementell als impulsiv. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit weiterer Konsolidierungen, solange keine neuen externen Impulse (Makro, Geldpolitik, Unternehmenszahlen) auftreten.
5. Kurzfazit
- Positiver Handelstag mit stabilem Schluss nahe Tageshoch
- Rücksetzer wurden konsequent gekauft
- Marktbreite insgesamt ausgewogen, keine Euphorie
- Technisches Bild bleibt konstruktiv, aber kurzfristig überdehnt
Ausblick:
Kurzfristig sind weitere Seitwärts- oder Konsolidierungsphasen wahrscheinlich. Solange der Bereich um 25.100 Punkte hält, bleibt der übergeordnete Aufwärtstrend intakt.
2. Makroökonomische Impulse: USA und Deutschland
US-Arbeitsmarkt
Ein zentraler Treiber der Kursgewinne waren die US-Arbeitsmarktdaten:
- Im Dezember wurden lediglich 50.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen (Erwartung: 60.000).
- Gleichzeitig sank die Arbeitslosenquote leicht auf 4,4 %.
Diese Daten werden von Marktteilnehmern als Hinweis auf eine abnehmende Dynamik der US-Wirtschaft interpretiert. Daraus ergeben sich Spekulationen, dass die US-Notenbank Fed künftig mehr Spielraum für Zinssenkungen haben könnte, auch wenn Experten davor warnen, dies vorschnell einzupreisen .
Deutsche Industrieproduktion
Zusätzliche Unterstützung kam aus Deutschland:
- Die Industrieproduktion stieg im November überraschend um 0,8 %, während ein Rückgang erwartet worden war.
Dies wird als erstes vorsichtiges Zeichen einer möglichen industriellen Bodenbildung gewertet. Allerdings relativieren schwache Exporte und ein rückläufiger privater Konsum diesen positiven Eindruck. Ökonomen rechnen kurzfristig eher mit Stagnation, sehen aber bessere Chancen für Wachstum im Jahresverlauf 2026 .
3. Europa: Breite Rekordbewegung
Die positive Stimmung beschränkte sich nicht auf Deutschland:
- Paris und Zürich erreichten neue historische Höchststände.
- Der EuroStoxx 50 stieg um 1,58 % auf 5.997 Punkte und legte auf Wochensicht rund 2,5 % zu.
- Auch der Stoxx 600 markierte ein Rekordniveau, was auf eine breite Marktteilnahme hindeutet.
- Der britische FTSE 100 blieb knapp unter seinem Rekord, zeigte aber ebenfalls deutliche Stärke .
Diese Entwicklung unterstreicht, dass die Rally kein rein deutsches Phänomen ist, sondern europaweit getragen wird.
4. Politische Faktoren: Mercosur-Abkommen
Ein weiterer Impuls kam von der Handelspolitik:
- Die EU-Staaten stimmten mehrheitlich für die Unterzeichnung des Mercosur-Freihandelsabkommens.
- Das Abkommen soll den Handel zwischen der EU und Südamerika deutlich erleichtern und begünstigt insbesondere exportorientierte Industrieunternehmen.
Gleichzeitig gibt es politischen Widerstand, vor allem von Landwirten, die zunehmenden Wettbewerbsdruck befürchten. Für die Kapitalmärkte überwiegt kurzfristig jedoch der positive Effekt .
5. Sektor- und Einzeltitelentwicklung
- Stark: Technologie- und Industriewerte (u. a. Chip- und Rüstungssektor), unterstützt durch globale Technologietrends und KI-Investitionen.
- Schwach: Versicherungswerte, belastet durch Analystenabstufungen und ein herausforderndes Branchenumfeld.
- Einzelne Titel profitierten von Aktienrückkäufen oder positiven Analystenkommentaren, während es bei bereits stark gelaufenen Aktien zu Gewinnmitnahmen kam .
6. Kritische Einordnung
Trotz der beeindruckenden Rekordserie mehren sich warnende Stimmen:
- Die Rally verläuft zunehmend steil und vertikal, was historisch häufig Vorläufer von Konsolidierungen ist.
- Geopolitische Risiken (u. a. Spannungen rund um Venezuela und Iran) sowie steigende Ölpreise werden bislang weitgehend ausgeblendet.
- Mehrere Marktbeobachter bringen die Lage auf den Punkt:
„Zum Verkaufen noch zu früh, für einen massiven Neueinstieg möglicherweise schon zu spät.“
7. Fazit
Der DAX und die europäischen Aktienmärkte befinden sich in einer starken, breit getragenen Aufwärtsbewegung, gestützt durch Zinshoffnungen, politische Impulse und selektiv bessere Konjunkturdaten. Gleichzeitig steigt das Risiko kurzfristiger Rücksetzer, da Bewertungen ambitioniert und positive Erwartungen bereits weitgehend eingepreist sind.
Gesamturteil: strukturell positiv, taktisch zunehmend anspruchsvoll.
