Deutschland ist nicht nur das Land der Sparer – sondern auch ein Land der Goldbesitzer. Nach der aktuellen Goldstudie der Reisebank verfügen deutsche Privathaushalte über insgesamt rund 9.173 Tonnen Gold. Davon entfallen 5.464 Tonnen auf Barren und Münzen. Nach Berechnung der Reisebank entspricht dies rund 10,7 Prozent der weltweiten privaten Goldinvestments.
Die Größenordnung ist bemerkenswert. Zum Vergleich: Die Deutsche Bundesbank hält rund 3.350 Tonnen Gold. Damit befindet sich allein in Form von Barren und Münzen wesentlich mehr Gold in deutschen Privathaushalten als in den Tresoren der deutschen Zentralbank.
Allerdings muss die Zahl von 10,7 Prozent genauer betrachtet werden. Der World Gold Council schätzt den gesamten oberirdischen Goldbestand zum Jahresende 2025 auf rund 220.700 Tonnen. Davon entfallen etwa 99.700 Tonnen auf Schmuck, 38.600 Tonnen auf Zentralbanken und andere staatliche Institutionen sowie rund 51.000 Tonnen auf Barren, Münzen und physisch besicherte Gold-ETFs.
Teilt man die 5.464 Tonnen deutscher Barren und Münzen durch diese rund 51.000 Tonnen, erhält man tatsächlich ungefähr 10,7 Prozent.
Ganz exakt vergleichbar sind die Kategorien allerdings nicht: Die deutsche Zahl umfasst physische Barren und Münzen, während in der internationalen Vergleichsgröße des World Gold Council zusätzlich Goldbestände von ETFs enthalten sind. Nach einer neueren Aufschlüsselung des World Gold Council liegen weltweit rund 47.000 Tonnen Gold allein in Barren und Münzen und weitere rund 4.000 Tonnen in physisch besicherten Gold-ETFs. Würde man ausschließlich Barren und Münzen miteinander vergleichen, entspräche der deutsche Bestand sogar rund 11,6 Prozent des weltweiten Bestands dieser Kategorie.
Indien besitzt noch wesentlich mehr Gold
Bei der Frage, welches Land insgesamt den größten privaten Goldschatz besitzt, rückt vor allem Indien in den Mittelpunkt. Der World Gold Council schätzt den Goldbestand indischer Haushalte auf etwa 23.000 bis 25.000 Tonnen.
Damit besitzen indische Privathaushalte mengenmäßig mehr als doppelt so viel Gold wie deutsche Haushalte. Allerdings handelt es sich auch hier um einen anderen Vergleich: Ein sehr großer Teil des indischen Goldes besteht aus Schmuck. Gold besitzt in Indien nicht nur Bedeutung als Kapitalanlage, sondern ist traditionell eng mit Hochzeiten, religiösen Festen und der Vermögensbildung von Familien verbunden.
Deutschland kommt einschließlich Schmuck auf 9.173 Tonnen. Indien liegt mit bis zu 25.000 Tonnen also deutlich davor. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass Indien einen entsprechend großen Anteil am weltweiten Bestand von Barren und Münzen hält.
China ist der Gigant beim aktuellen Goldkauf
Noch schwieriger ist die Bestandsfrage bei China. Eine ähnlich belastbare und nach derselben Methode ermittelte Zahl für den gesamten privaten chinesischen Goldbesitz existiert nicht. Sehr gut dokumentiert ist dagegen, wie viel Gold chinesische Anleger derzeit neu kaufen.
2025 erreichte die weltweite Nachfrage nach Barren und Münzen 1.374 Tonnen. Davon entfielen allein 431,7 Tonnen auf das chinesische Festland. Indien kam auf weitere 280,4 Tonnen.
Damit standen China und Indien zusammen für mehr als die Hälfte der weltweiten Barren- und Münznachfrage des Jahres 2025. China allein kam auf rund 31 Prozent, Indien auf gut 20 Prozent.
Auch 2026 blieb die Nachfrage außergewöhnlich hoch. Im ersten Quartal kauften Anleger auf dem chinesischen Festland rund 206,9 Tonnen Barren und Münzen – 67 Prozent mehr als im Vorjahresquartal und ein neuer Quartalsrekord. Indien kam im gleichen Zeitraum auf 62,3 Tonnen.
Damit zeigt sich ein interessanter Unterschied: Deutschland besitzt einen außergewöhnlich großen historischen Bestand an Anlagegold, während China und Indien gegenwärtig die größten Käufermärkte darstellen.
Eine internationale Rangliste ist kaum möglich
So attraktiv eine Tabelle nach dem Muster „Deutschland 10,7 Prozent, Indien X Prozent, China Y Prozent“ erscheinen mag – wissenschaftlich sauber wäre sie nicht.
Der Grund liegt in den Daten. Für Deutschland existiert mit der Reisebank-Studie eine Hochrechnung über den Goldbestand privater Haushalte. Für Indien gibt es Schätzungen des gesamten Haushaltsgoldes einschließlich Schmuck. Für China wiederum stehen vor allem detaillierte Daten über die laufende Nachfrage zur Verfügung. Für zahlreiche andere große Volkswirtschaften, darunter die USA, existieren keine gleichermaßen erhobenen und direkt vergleichbaren Zahlen über sämtliche privaten Goldbestände.
Die Datenquellen messen also unterschiedliche Dinge: Bestände, Käufe, Schmuck, Barren, Münzen oder ETFs. Eine vermeintlich exakte Weltrangliste würde deshalb eine Genauigkeit suggerieren, die die verfügbaren Daten nicht hergeben.
Deutschlands Sonderstellung
Trotz dieser Einschränkungen lässt sich die besondere Rolle Deutschlands klar erkennen. Deutsche Privathaushalte besitzen 5.464 Tonnen physisches Anlagegold in Form von Barren und Münzen. Gemessen an einem weltweiten Bestand von ungefähr 47.000 Tonnen Barren und Münzen ist das eine außergewöhnlich hohe Konzentration.
Noch stärker wird die Dimension sichtbar, wenn Schmuck hinzugerechnet wird: Insgesamt befinden sich nach der Reisebank-Studie 9.173 Tonnen Gold in deutschem Privatbesitz. Der Anteil des Goldvermögens am gesamten Sach- und Finanzvermögen der privaten Haushalte stieg dabei von 2,8 Prozent im Jahr 2024 auf 6,1 Prozent 2026. Hauptursache dafür ist neben zusätzlichen Käufen insbesondere der starke Anstieg des Goldpreises.
International lassen sich damit zwei unterschiedliche Goldwelten beobachten. In Indien ist Gold seit Generationen tief in Kultur und Vermögensbildung verankert. China hat sich zu einem der wichtigsten Märkte für neue Goldinvestitionen entwickelt. Deutschland wiederum zeichnet sich durch einen enormen bereits vorhandenen Bestand an Barren und Münzen aus.
Die Zahl von 10,7 Prozent sollte daher nicht als exakte Weltranglistenposition verstanden werden. Sie zeigt aber eindrucksvoll die Größenordnung: Ein Land mit nur rund einem Prozent der Weltbevölkerung hält einen sehr beträchtlichen Teil des weltweit vorhandenen privaten Anlagegoldes.