Elon Musk und Tesla: Ein CEO mit 17 Jobs und die Sorge der Investoren

Elon Musk, der visionäre Unternehmer hinter Tesla, SpaceX und X, scheint derzeit überall zu sein – nur nicht dort, wo viele seiner Investoren ihn sehen wollen: an der Spitze von Tesla. „Ich bin ziemlich ausgelastet. Ich habe so etwas wie 17 Jobs“, gab Musk vergangene Woche während eines spontan angesetzten Mitarbeitergesprächs in Austin, Texas, zu. Das Treffen, das um 9:30 Uhr abends stattfand und erstmals live gestreamt wurde, wirkte wie eine Reaktion auf wachsende Unruhe. Mitarbeiter wurden kurzfristig informiert, und für einige war es womöglich das erste Mal seit Wochen, dass sie ihren CEO zu Gesicht bekamen. Denn Musk verbringt zunehmend Zeit in Washington, DC, wo er mit seiner neuen „Department of Government Efficiency“ (DOGE) und in enger Verbindung mit der Trump-Administration arbeitet.

Diese politische Ausrichtung markiert einen Wendepunkt für Musk, der bisher für seine intensive Präsenz in seinen Unternehmen bekannt war – ob er in Tesla-Fabriken schlief oder bei X während entscheidender Phasen vor Ort war. Doch während Tesla mit einer Markenkrise kämpft, die teilweise durch Musks politisches Engagement und die Angriffe auf das Unternehmen angeheizt wird, wächst die Sorge der Investoren. Tesla-Fahrzeuge und Autohäuser wurden in letzter Zeit vandaliert, die Preise für gebrauchte Teslas sind eingebrochen, und ein Rückruf der meisten Cybertrucks in den USA wegen Problemen mit der Außenverkleidung verschärft die Lage. Die Aktie des Unternehmens schwankte zwar nach dem Mitarbeitergespräch positiv, doch die Frage bleibt: Kann Musk Tesla durch diese stürmischen Zeiten führen, wenn er seine Aufmerksamkeit auf so viele andere Projekte verteilt?

„Dieser Sturm kann nur von einer Person gelöst werden: Elon“, meint Dan Ives, ein renommierter Analyst von Wedbush Securities und Tesla-Befürworter. Ives sieht in Musks Abwesenheit ein Risiko für die Entscheidungsfindung des Unternehmens in einer ohnehin kritischen Phase. Während Musk in Washington an der Seite von Präsident Donald Trump auftaucht – sei es bei einer Hochzeit in Mar-a-Lago, einem Wrestling-Event in Philadelphia oder einem Kabinettstreffen – fragen sich Investoren, wo seine Prioritäten liegen. Flugdaten seiner Privatjets zeigen zwar Besuche in San Jose, wo viele seiner Firmen ansässig sind, doch ob Musk selbst an Bord war, bleibt unklar. „Niemand, auch wir nicht, hat erwartet, dass er so tief in DOGE und die Trump-Administration eintaucht, dass es 110 % seiner Zeit beansprucht“, sagt Ives.

Musk selbst sprach bei dem Mitarbeitergespräch über die Angriffe auf Tesla und beschrieb die Berichterstattung darüber als „Armageddon“. Die Täter seien „psycho“, fügte er hinzu, und appellierte an seine Belegschaft, trotz der „stürmischen Wetterlage“ an ihren Aktien festzuhalten. „Die Zukunft ist unglaublich hell und aufregend, und wir werden Dinge tun, von denen niemand bisher geträumt hat“, versprach er. Doch seine öffentlichen Auftritte deuten darauf hin, dass sein Fokus derzeit weniger auf Tesla, sondern mehr auf politischen Verpflichtungen liegt.

Die Auswirkungen dieser Abwesenheit machen sich bei Tesla bemerkbar. Anders als bei SpaceX oder X hat Musk bei Tesla nie einen CEO eingesetzt. „Tesla ist sein Baby“, erklärt Ives. „Musk ist Tesla, und Tesla ist Musk.“ Doch genau das führt laut Experten wie Ross Gerber, einem bedeutenden Tesla-Investor, zu einer „Entscheidungsparalyse“. Ohne Musks direkte Führung trauen sich Führungskräfte kaum, weitreichende Entscheidungen zu treffen, aus Angst, später von ihm überstimmt oder gar entlassen zu werden. Gerber, der Musks Führungsstil lange unterstützte, sieht inzwischen die Notwendigkeit für einen Wechsel: „Er kommt nicht zurück zu Tesla. Er hat sich weiterentwickelt. In seinen Augen rettet er jetzt die Welt.“

Musk ist bekannt für seinen hands-on-Ansatz – er lebte jahrelang in Tesla-Fabriken und diskutierte regelmäßig mit Ingenieuren über Details wie die Autopilot-Funktion. Doch während er in Washington neue Rollen übernimmt, steht Tesla vor Herausforderungen, die eine starke Führung erfordern. Die Investoren hoffen, dass das jüngste Mitarbeitergespräch ein Zeichen dafür ist, dass Musk die Dringlichkeit erkennt. „Er hat den Raum gelesen“, sagt Ives optimistisch. Die Frage bleibt: Wird er seine Zeit bei DOGE zurückfahren und Tesla wieder in den Fokus rücken? Für viele steht und fällt Teslas Zukunft mit der Antwort darauf.


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