1. Gesamtentwicklung der Erwerbstätigkeit
- Im 4. Quartal 2025 waren rund 46,1 Millionen Menschen in Deutschland erwerbstätig.
- Gegenüber dem Vorquartal (saisonbereinigt) sank die Zahl leicht um 25 000 Personen (-0,1 %).
- Nicht saisonbereinigt gab es hingegen einen üblichen, aber schwächeren Anstieg um 132 000 Personen (+0,3 %).
- Im Vergleich zum Vorjahresquartal lag die Erwerbstätigkeit um 58 000 Personen (-0,1 %) niedriger.
→ Insgesamt zeigt sich eine Stagnation mit leichter Abwärtstendenz.
2. Entwicklung seit der Corona-Krise
- Der Beschäftigungsanstieg erreichte seinen Höhepunkt im 2. Quartal 2022 (+679 000 Personen; +1,5 %).
- Danach verlangsamte sich das Wachstum kontinuierlich, bis 2025 schließlich ein leichter Rückgang eintrat.
→ Hinweis auf konjunkturelle Abschwächung des Arbeitsmarkts.
3. Unterschiede nach Wirtschaftsbereichen
Dienstleistungssektor
- Insgesamt Zunahme um 122 000 Personen (+0,3 %).
- Besonders stark:
- Öffentliche Dienstleistungen, Erziehung, Gesundheit: +212 000 (+1,7 %).
- Leichte Zuwächse:
- Sonstige Dienstleistungen: +17 000 (+0,5 %).
- Finanz- und Versicherungsdienstleistungen: +14 000 (+1,3 %).
- Rückgänge:
- Information und Kommunikation: −15 000 (-1,0 %).
- Handel, Verkehr, Gastgewerbe: −35 000 (-0,3 %).
- Unternehmensdienstleister: −74 000 (-1,2 %).
→ Heterogene Entwicklung innerhalb der Dienstleistungen.
Produzierendes Gewerbe und Bau
- Produzierendes Gewerbe (ohne Bau): −160 000 (-2,0 %).
- Baugewerbe: −20 000 (-0,8 %).
→ Deutlicher Beschäftigungsabbau außerhalb des Dienstleistungssektors.
4. Beschäftigungsformen
- Arbeitnehmerzahl: −31 000 (-0,1 %) auf 42,5 Mio.
- Selbstständige inkl. Familienangehörige: −27 000 (-0,7 %) auf 3,7 Mio.
→ Rückgänge betreffen abhängige Beschäftigung und Selbstständigkeit gleichermaßen.
5. Arbeitszeit und Arbeitsvolumen
- Arbeitsstunden je Erwerbstätigem: +0,7 % auf 336,4 Stunden.
- Gesamtarbeitsvolumen: +0,5 % auf 15,5 Mrd. Stunden.
→ Trotz weniger Erwerbstätiger steigt die gesamt geleistete Arbeit leicht.
6. Europäischer Vergleich
- In der EU stieg die Erwerbstätigkeit im gleichen Zeitraum um 0,7 %, im Euroraum um 0,6 %.
→ Deutschland entwickelt sich schwächer als der europäische Durchschnitt.
7. Kritische Einordnung
- Die Daten zeigen keinen abrupten Einbruch, sondern eine schleichende Abschwächung seit 2022.
- Strukturell problematisch ist:
- Rückgang im produzierenden Gewerbe (Industrieschwäche).
- Wachstum fast ausschließlich im staatlich geprägten Dienstleistungsbereich.
- Gleichzeitig steigt das Arbeitsvolumen, was auf:
- höhere Arbeitszeiten,
- Fachkräftemangel oder
- Intensivierung der Arbeit
hindeuten kann.
→ Insgesamt deutet die Entwicklung eher auf eine strukturelle Verschiebung als auf eine kurzfristige konjunkturelle Schwankung hin.