1. Weltwirtschaft und internationales Umfeld
1.1 Weltwirtschaft: robust, aber fragmentiert
- Die Weltwirtschaft wuchs im Schlussquartal 2025 moderat weiter.
- Der Welthandel nahm zu, allerdings mit deutlichen regionalen Verschiebungen.
- In den USA setzte sich die dynamische Expansion fort.
- China blieb konjunkturell gedämpft.
- Der Euroraum wuchs moderat.
Strukturelle Verschiebungen:
- US-Importe gingen infolge höherer Zölle zurück.
- Exporte Chinas und kleiner asiatischer Volkswirtschaften legten stark zu.
- Die globale Wirtschaft zeigt Resilienz, jedoch zunehmende Fragmentierung.
1.2 Handelspolitik und Geopolitik
- Anhaltend aggressive US-Handelspolitik.
- EU schloss Handelsabkommen mit Indien und Mercosur.
- Geopolitische Spannungen (u. a. Grönland-Konflikt) belasteten zeitweise Finanzmärkte.
- Phasenweise erhöhte Nachfrage nach sicheren Anlagen (Gold, Staatsanleihen).
Bewertung:
Die globale Lage ist weniger durch zyklische Schwäche als durch politische Unsicherheit geprägt. Handelskonflikte wirken zunehmend strukturverändernd statt rein dämpfend.
2. Geldpolitik und Finanzmärkte
2.1 Finanzmärkte
- Zunächst robuste Risikobereitschaft.
- Später geopolitisch bedingte Verunsicherung.
- US-Dollar zeitweise unter Druck.
- Goldpreis stieg deutlich.
- Aktienmärkte schwankten, blieben aber insgesamt widerstandsfähig.
2.2 Geldpolitik
- EZB ließ Leitzinsen unverändert (Einlagefazilität: 2 %).
- Inflationsprojektion für 2026–2028 nahe 2 %.
- Kreditvergabe im Euroraum zog an, besonders an private Haushalte.
Interpretation:
Die Geldpolitik befindet sich in einer abwartenden Phase. Inflationsrückgang erlaubt Stabilität, aber geopolitische Risiken verhindern Lockerungssignale.
3. Deutsche Wirtschaft
3.1 Konjunktur im vierten Quartal 2025
- Reales BIP +0,3 % (quartalsbereinigt).
- Wachstum getragen von:
- Privatem Konsum
- Staatskonsum
- Bauinvestitionen
- Industrie erholte sich leicht.
- Exporte weiterhin gedämpft (Zölle, starker Euro).
Treiber:
- Kräftige Lohnzuwächse
- Stabiler Arbeitsmarkt
- Günstige Witterung im Bau
Einschränkungen:
- Unterausgelastete Industriekapazitäten
- Schwache internationale Wettbewerbsposition
4. Industrie: strukturelle Schwäche
Ein zentrales Element ist die Analyse der Industrieschwäche im Vergleich zum Euroraum.
4.1 Langfristige Entwicklung
- Industrielle Wertschöpfung 2024 ca. 4 % unter 2017.
- Euroraum insgesamt: +2,5 % gegenüber 2017.
4.2 Ursachen (Composite-Indikator)
Neun Faktoren wurden kombiniert, u. a.:
- Nachfragemangel
- Wettbewerbsposition
- Energiekosten
- Fachkräftemangel
- Exportquote
- Gewinnmargen
- Demografie
Ergebnisse:
- Vor Pandemie:
→ Nachfrage- und Wettbewerbsprobleme dominierend. - Pandemiephase:
→ Exporteinbruch und Nachfrageschock. - Seit 2022:
→ Energiekosten + Fachkräftemangel verstärken Schwäche. - 2024:
→ Rückgang vor allem nachfragegetrieben.
Vergleich Euroraum:
- Arbeitsmarktengpässe in Deutschland deutlich stärker.
- Energiekostenbelastung 2023/24 höher als im Euroraum.
- Exportprobleme betreffen jedoch beide.
Kritische Würdigung:
Die Analyse legt nahe, dass Deutschlands Industrieschwäche weniger konjunkturell als strukturell bedingt ist (Demografie, Qualifikationsmismatch, Wettbewerbsverlust). Das spricht gegen eine schnelle zyklische Erholung.
5. Arbeitsmarkt
5.1 Aktuelle Lage
- Erwerbstätigkeit leicht rückläufig.
- Arbeitslosenquote: 6,3 %.
- Keine Trendwende.
5.2 Strukturwandel
- Beschäftigungsabbau im Verarbeitenden Gewerbe.
- Wachstum v. a. in:
- Gesundheitswesen
- Logistik
- Gastgewerbe
- öffentlicher Verwaltung
- Gleichzeitiger Personalabbau und Fachkräftemangel.
Strukturelles Paradox:
Industrie baut Personal ab, sucht aber gleichzeitig höherqualifizierte Kräfte (v. a. IT-Berufe).
Bewertung:
Der Arbeitsmarkt ist stabil, aber strukturell angespannt. Der demografische Wandel verhindert einen stärkeren Anstieg der Arbeitslosigkeit.
6. Löhne
- Tarifverdienste Q4: +3,4 % (inkl. Sonderzahlungen).
- Grundvergütungen: +4,0 %.
- Effektivverdienste 2025: +4,6 %.
- Mindestlohn +8,4 % (auf 13,90 €).
Implikation:
Realeinkommen steigen wieder deutlich → stützt Konsum.
Gleichzeitig: potenzieller Kostendruck im Dienstleistungssektor.
7. Inflation
7.1 Entwicklung
- Jahresdurchschnitt 2025: 2,3 %.
- Q4: 2,3 %.
- Januar 2026: 2,1 %.
- Kerninflation: 2,4–2,7 %.
7.2 Struktur
- Dienstleistungen weiterhin preistreibend.
- Industriepreise stabil.
- Energiepreise dämpfend (trotz CO₂-Preisanhebung).
- Deutschlandticket verteuerte sich.
Ausblick:
Inflation dürfte nahe 2 % bleiben, Kernrate zunächst erhöht.
Wichtiger Punkt:
Methodische Änderungen beim HVPI (neue Klassifikation, Glücksspielaufnahme) verändern Datenstruktur, aber kaum Inflationsausblick.
8. Immobilienmarkt 2025
- Preise +2–3 % (je nach Index).
- Städte moderat steigend.
- Neuvertragsmieten: +2,6–3,7 %.
- Angebotsschwäche (weniger Fertigstellungen).
- Preise wieder im Einklang mit Fundamentaldaten.
- Frühere Überbewertungen weitgehend abgebaut.
Bewertung:
Keine neue Preisblase erkennbar.
Markt stabilisiert sich auf nachhaltigerem Niveau.
9. Fiskalpolitik
9.1 2025
- Defizitquote: 2,4 %.
- Bundesdefizit: ~85 Mrd. €.
9.2 Ab 2026
- Deutlich expansiver Kurs.
- Defizitquote bis 2027: ca. 4,5 %.
- Ohne Gegensteuerung Richtung 5 %.
- Starke Ausgabensteigerungen (Verteidigung, Infrastruktur).
- Strukturelle Ausgabenquote nahe 50 %.
Kritische Einordnung:
- Fiskalpolitik wird zentraler Konjunkturtreiber.
- Gleichzeitig steigende Schuldenquote.
- Nachhaltigkeitsfragen treten wieder stärker in den Vordergrund.
- Zielkonflikt: Wachstumsimpulse vs. Schuldenbremse.
10. Kurzfristiger Ausblick (Q1 2026)
- Wachstum setzt sich fort, aber nur schwach.
- Industrie weiter unter Druck.
- Bau mit positiven Signalen.
- Konsum möglicherweise nicht nachhaltig stark.
- Ab Frühjahr stärkere Dynamik durch Fiskalimpulse erwartet.
Gesamteinschätzung
Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer fragilen Erholung mit strukturellen Belastungen:
Positive Faktoren
- Realeinkommenszuwächse
- Konsumstärke
- Fiskalische Impulse
- Inflation nahe Zielwert
- Stabiler Arbeitsmarkt
Belastende Faktoren
- Strukturelle Industrieschwäche
- Wettbewerbsprobleme
- Demografie und Fachkräftemangel
- Hohe Staatsdefizite
- Geopolitische Unsicherheit
Grundtendenz
Kein akuter Krisenzustand, aber auch kein selbsttragender Aufschwung.
Das Wachstum wirkt stark konsum- und fiskalgetrieben, während die industrielle Basis weiter an Dynamik verliert.
Quelle: Monatsbericht – Februar 2026 Bundesbank