Gemisch­te Signa­le vom ame­ri­ka­ni­schen Kon­su­men­ten: Lowe’s trotzt der Flau­te, Tar­get unter Druck

US-EINZELHANDEL

Die aktu­el­len Quar­tals­zah­len der US-Ein­zel­han­dels­rie­sen zeich­nen das Bild einer gespal­te­nen Ver­brau­cher­stim­mung. Wäh­rend die Bau­markt­ket­te Lowe’s durch eine stra­te­gi­sche Aus­rich­tung auf Pro­fi­kun­den ihre Umsät­ze sta­bi­li­sie­ren kann, lei­det der Gene­ra­list Tar­get unter der anhal­ten­den Kauf­zu­rück­hal­tung bei nicht-essen­zi­el­len Gütern. Der Aus­blick auf das Weih­nachts­ge­schäft bleibt ver­hal­ten.

Es sind zwei Wel­ten, die sich in den Büchern der ame­ri­ka­ni­schen Han­dels­kon­zer­ne zum Stich­tag 19. Novem­ber 2025 offen­ba­ren. Auf der einen Sei­te Tar­get, der Lieb­ling der ame­ri­ka­ni­schen Mit­tel­schicht für Mode und Haus­halts­wa­ren, der mit einem deut­li­chen Gewinn­rück­gang kämpft. Auf der ande­ren Sei­te Lowe’s, die Num­mer zwei im US-Heim­wer­ker markt, die dank einer robus­ten Nach­fra­ge im Bau­sek­tor und stra­te­gi­scher Zukäu­fe die Erwar­tun­gen der Ana­lys­ten über­tref­fen konn­te.

Tar­get spürt die Spar­sam­keit
Für die Tar­get Cor­po­ra­ti­on (Min­nea­po­lis) ver­lief das drit­te Quar­tal ent­täu­schend. Der Umsatz schrumpf­te um 1,5 Pro­zent auf 25,3 Mil­li­ar­den US-Dol­lar. Alar­mie­rend ist vor allem der Rück­gang der ver­gleich­ba­ren Ver­käu­fe um 2,7 Pro­zent – ein Indi­ka­tor, der im Ein­zel­han­del als Fie­ber­ther­mo­me­ter für die orga­ni­sche Gesund­heit gilt. Zwar leg­te das digi­ta­le Geschäft dank schnel­ler Lie­fer­op­tio­nen zu, doch das sta­tio­nä­re Geschäft ver­lor deut­lich an Boden.

Der desi­gnier­te CEO Micha­el Fid­del­ke ver­wies auf „mul­ti­ple Her­aus­for­de­run­gen“. Die­se las­sen sich in der Bilanz klar able­sen: Der Net­to­ge­winn brach um fast 20 Pro­zent auf 689 Mil­lio­nen US-Dol­lar ein. Die Ursa­che liegt in der Ver­schie­bung der Prio­ri­tä­ten bei den Ver­brau­chern. Wäh­rend Lebens­mit­tel („Food & Bevera­ge“) noch wach­sen, strei­chen die Ame­ri­ka­ner Aus­ga­ben für Klei­dung, Deko­ra­ti­on und Elek­tro­nik – das soge­nann­te dis­kre­tio­nä­re Port­fo­lio, tra­di­tio­nell ein Mar­gen­brin­ger für Tar­get.

Um das bevor­ste­hen­de Weih­nachts­ge­schäft zu ret­ten, sieht sich der Kon­zern gezwun­gen, die Preis­schrau­be nach unten zu dre­hen. Mit Kampf­prei­sen, wie einem Thanks­gi­ving-Menü für unter 20 Dol­lar, ver­sucht man, die preis­sen­si­blen Kun­den zurück in die Läden zu locken. Die Pro­gno­se für das Gesamt­jahr wur­de ent­spre­chend vor­sich­tig ange­passt; man rech­net nun beim berei­nig­ten Gewinn pro Aktie nur noch mit einer Span­ne von 7,00 bis 8,00 Dol­lar.

Lowe’s pro­fi­tiert vom Pro­fi-Geschäft
Ein dif­fe­ren­zier­te­res Bild lie­fert Lowe’s Com­pa­nies, Inc. (Moo­res­ville). Der Bau­markt­rie­se konn­te sei­nen Gesamt­um­satz auf 20,8 Mil­li­ar­den US-Dol­lar stei­gern und ver­zeich­ne­te bei den ver­gleich­ba­ren Umsät­zen ein leich­tes Plus von 0,4 Pro­zent. Dies ist inso­fern bemer­kens­wert, als dass das Unter­neh­men mit einer schwie­ri­gen Vor­jah­res­ba­sis durch Hur­ri­kan-beding­te Son­der­kon­junk­tu­ren zu kämp­fen hat­te.

Die Stra­te­gie von CEO Mar­vin R. Elli­son, sich stär­ker auf pro­fes­sio­nel­le Hand­wer­ker und Bau­un­ter­neh­mer („Pros“) zu fokus­sie­ren, zahlt sich aus. Unter­mau­ert wird die­ser Kurs durch die aggres­si­ve Expan­si­ons­po­li­tik: Im abge­lau­fe­nen Quar­tal inves­tier­te Lowe’s 8,8 Mil­li­ar­den US-Dol­lar in die Über­nah­me von Foun­da­ti­on Buil­ding Mate­ri­als (FBM). Zwar drück­ten Trans­ak­ti­ons­kos­ten den GAAP-Gewinn, doch berei­nigt um die­se Ein­mal­ef­fek­te stieg der Gewinn pro Aktie um fast 6 Pro­zent auf 3,06 Dol­lar.

Den­noch bleibt auch Lowe’s nicht immun gegen die makro­öko­no­mi­sche Unsi­cher­heit. Der Aus­blick für das Gesamt­jahr 2025 wur­de prä­zi­siert, wobei man bei den ver­gleich­ba­ren Umsät­zen nun von einer Sta­gna­ti­on aus­geht. Die Bot­schaft ist klar: Der Häu­ser­markt ist robust, aber nicht eupho­risch.

Fazit
Die Zah­len bele­gen eine fun­da­men­ta­le Ver­schie­bung im Kon­sum­ver­hal­ten. Not­wen­di­ge Inves­ti­tio­nen in Instand­hal­tung und Bau (Lowe’s) wer­den getä­tigt, wäh­rend der spon­ta­ne Kon­sum von Gebrauchs­gü­tern (Tar­get) unter dem Druck hoher Lebens­hal­tungs­kos­ten lei­det. Für die US-Kon­junk­tur ist dies ein Warn­si­gnal: Der Kon­sum­mo­tor stot­tert zwar nicht, aber er läuft nicht mehr rund.


Finanz­ergeb­nis­se der Tar­get Cor­po­ra­ti­on für das drit­te Quar­tal 2025 (Stich­tag: 1. Novem­ber 2025)

Wich­ti­ge Finanz­kenn­zah­len (Q3 2025)

  • Umsatz: Der Gesamt­um­satz lag bei 25,3 Mil­li­ar­den US-Dol­lar, was einem Rück­gang von 1,5 % gegen­über dem Vor­jahr ent­spricht.
  • Ver­gleich­ba­re Umsät­ze (Com­pa­ra­ble Sales): Ein Rück­gang von 2,7 %.
    • Filia­len: Die ver­gleich­ba­ren Fili­al­um­sät­ze san­ken um 3,8 %.
    • Digi­tal: Die ver­gleich­ba­ren digi­ta­len Umsät­ze stie­gen um 2,4 %, getrie­ben durch ein Wachs­tum von über 35 % bei der Lie­fe­rung am sel­ben Tag (Tar­get Cir­cle 360).
  • Gewinn:
    • Der Net­to­ge­winn fiel auf 689 Mil­lio­nen US-Dol­lar (Vor­jahr: 854 Mio. USD, ‑19,3 %).
    • Der GAAP-Gewinn pro Aktie (EPS) lag bei 1,51 USD (Vor­jahr: 1,85 USD).
    • Der berei­nig­te (Adjus­ted) EPS betrug 1,78 USD. Die Berei­ni­gung berück­sich­tigt ein­ma­li­ge Kos­ten für Abfin­dun­gen und ver­mö­gens­be­zo­ge­ne Belas­tun­gen (Asset Impairm­ents) im Rah­men von Trans­for­ma­ti­ons­maß­nah­men.

Trei­ber & Seg­ment-Per­for­mance

  • Waren­grup­pen: Wachs­tum wur­de in den Berei­chen Essen & Geträn­ke sowie “Hard­li­nes” erzielt. Dies wur­de jedoch durch eine anhal­ten­de Schwä­che im brei­te­ren Port­fo­lio für dis­kre­tio­nä­re Kon­sum­gü­ter (nicht lebens­not­wen­di­ge Arti­kel) auf­ge­ho­ben.
  • Sons­ti­ge Umsät­ze: Nicht-Waren-Umsät­ze stie­gen um fast 18 %, wobei das Wer­be­ge­schäft (Roun­del), Mit­glied­schaf­ten und Markt­platz-Ein­nah­men zwei­stel­lig wuch­sen.
  • Kun­den­ver­hal­ten: Die Anzahl der Trans­ak­tio­nen (Traf­fic) ging um 2,2 % zurück, und der durch­schnitt­li­che Trans­ak­ti­ons­be­trag sank um 0,5 %.

Stra­te­gie & Weih­nachts­ge­schäft (Holi­day Sea­son)

  • Preis­sens­kun­gen: Tar­get setzt auf nied­ri­ge Prei­se für das Weih­nachts­ge­schäft, z. B. ein Thanks­gi­ving-Essen für 4 Per­so­nen für unter 20 USD und tau­sen­de Spiel­zeu­ge unter 20 USD.
  • Pro­dukt­neu­hei­ten: Ange­bot von über 20.000 neu­en Arti­keln, dop­pelt so vie­le wie im Vor­jahr.
  • Logis­tik: Aus­wei­tung der Lie­fe­rung am nächs­ten Tag, die nun für mehr als die Hälf­te der US-Bevöl­ke­rung ver­füg­bar ist.

Aus­blick (Gui­dance)
Tar­get hat sei­ne Pro­gno­se ange­sichts der Ergeb­nis­se und des makro­öko­no­mi­schen Umfelds ange­passt:

  • Q4 2025: Erwar­tet wird ein Rück­gang der ver­gleich­ba­ren Umsät­ze im nied­ri­gen ein­stel­li­gen Bereich.
  • Gesamt­jahr 2025:
    • GAAP EPS: Erwar­tet zwi­schen 7,70 USD und 8,70 USD.
    • Berei­nig­tes EPS: Erwar­tet zwi­schen 7,00 USD und 8,00 USD (Aus­schluss von ein­ma­li­gen Gewin­nen aus Rechts­strei­tig­kei­ten in Q1 und Restruk­tu­rie­rungs­kos­ten in Q3).

Bilanz & Kapi­tal­al­lo­ka­ti­on

  • Divi­den­den: Im Quar­tal wur­den 518 Mil­lio­nen USD aus­ge­schüt­tet (Divi­den­de pro Aktie stieg um 1,8 %).
  • Akti­en­rück­käu­fe: Tar­get kauf­te Akti­en im Wert von 152 Mil­lio­nen USD zurück.
  • Lager­be­stand: Der Waren­be­stand wur­de um ca. 1,8 % im Ver­gleich zum Vor­jahr gesenkt (14,9 Mrd. USD vs. 15,2 Mrd. USD), was auf ein dis­zi­pli­nier­tes Bestands­ma­nage­ment hin­deu­tet.
  • ROIC: Der Kapi­tal­rück­fluss (After-tax ROIC) für die letz­ten 12 Mona­te lag bei 13,4 % (im Vor­jahr 15,9 %).

Manage­ment-Kom­men­tar
Micha­el Fid­del­ke (künf­ti­ger CEO) bezeich­ne­te die Leis­tung als “im Rah­men der Erwar­tun­gen”, wies jedoch auf “mul­ti­ple Her­aus­for­de­run­gen” hin, mit denen das Geschäft kon­fron­tiert ist. Der Fokus liegt auf der Wie­der­her­stel­lung von nach­hal­ti­gem Wachs­tum.

Lowe’s Com­pa­nies, Inc. für das drit­te Quar­tal 2025 (Stich­tag 31. Okto­ber 2025):

Wich­ti­ge Finanz­kenn­zah­len (Q3 2025)

  • Umsatz: Der Gesamt­um­satz stieg auf 20,8 Mil­li­ar­den US-Dol­lar (Ver­gleichs­quar­tal Vor­jahr: 20,2 Mrd. USD).
  • Ver­gleich­ba­re Umsät­ze (Com­pa­ra­ble Sales): Ein Anstieg von 0,4 %. Dies wur­de pri­mär durch ein star­kes Wachs­tum im Online-Han­del (+11,4 %), zwei­stel­li­ge Zuwäch­se bei Home Ser­vices und anhal­ten­des Wachs­tum im Pro-Seg­ment (Pro­fi­kun­den) getrie­ben.
  • Gewinn:
    • Der Net­to­ge­winn lag bei 1,6 Mil­li­ar­den US-Dol­lar.
    • Der ver­wäs­ser­te Gewinn pro Aktie (EPS) betrug 2,88 USD.
    • Der berei­nig­te (adjus­ted) EPS lag bei 3,06 USD, was einem Anstieg von 5,9 % gegen­über dem Vor­jahr ent­spricht. Die Berei­ni­gung berück­sich­tigt Trans­ak­ti­ons­kos­ten (129 Mio. USD vor Steu­ern) im Zusam­men­hang mit den Über­nah­men von Foun­da­ti­on Buil­ding Mate­ri­als (FBM) und Arti­san Design Group (ADG).

Stra­te­gi­sche High­lights & Kapi­tal­al­lo­ka­ti­on

  • Akqui­si­tio­nen: Lowe’s hat die Über­nah­me von FBM im letz­ten Monat abge­schlos­sen, um das Ange­bot für Pro­fi­kun­den (Pros) zu erwei­tern. Im Quar­tal wur­den 8,8 Mrd. USD für die Akqui­si­ti­on von FBM inves­tiert.
  • Divi­den­den: Das Unter­neh­men zahl­te im Quar­tal 673 Mil­lio­nen US-Dol­lar an Divi­den­den aus.
  • CEO-Kom­men­tar: Mar­vin R. Elli­son zeig­te sich erfreut über die posi­ti­ven ver­gleich­ba­ren Umsät­ze trotz der schwie­ri­gen Ver­gleichs­ba­sis durch Hur­ri­kan-Akti­vi­tä­ten im Vor­jahr und beton­te den Fokus auf lang­fris­ti­ges Wachs­tum durch das Pro-Geschäft.

Aktua­li­sier­ter Aus­blick für das Gesamt­jahr 2025
Lowe’s hat sei­ne Pro­gno­se auf­grund der makro­öko­no­mi­schen Unsi­cher­hei­ten und der Ein­be­zie­hung von FBM ange­passt:

  • Gesamt­um­satz: Erwar­tet wer­den ca. 86,0 Mrd. USD (zuvor 84,5 bis 85,5 Mrd. USD).
  • Ver­gleich­ba­re Umsät­ze: Erwar­tet wird eine fla­che Ent­wick­lung (zuvor flach bis +1 %).
  • Berei­nig­te ope­ra­ti­ve Mar­ge: Ca. 12,1 %.
  • Berei­nig­tes EPS: Ca. 12,25 USD (zuvor 12,20 bis 12,45 USD).

Bilanz & Cash­flow

Der Bestand an Bar­mit­teln und Äqui­va­len­ten sank auf 621 Mil­lio­nen USD (von 3,27 Mrd. USD im Vor­jahr).

Das Unter­neh­men ver­zeich­ne­te signi­fi­kan­te Mit­tel­ab­flüs­se durch Inves­ti­ti­ons­tä­tig­kei­ten (net­to 11,7 Mrd. USD, haupt­säch­lich durch Akqui­si­tio­nen), die teil­wei­se durch die Auf­nah­me neu­er Schul­den (net­to fast 7 Mrd. USD) finan­ziert wur­den.

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