Gut­ach­ten zur Fra­ge der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der AfD

Bei dem Doku­ment han­delt es sich um ein umfas­sen­des, inter­dis­zi­pli­nä­res Rechts­gut­ach­ten (ver­mut­lich im Auf­trag der Gesell­schaft für Frei­heits­rech­te, GFF), dass die Ver­ein­bar­keit der Zie­le und des Ver­hal­tens der Par­tei „Alter­na­ti­ve für Deutsch­land“ (AfD) mit der frei­heit­li­chen demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung des Grund­ge­set­zes unter­sucht.

Das Gut­ach­ten zeich­net sich durch einen neu­ar­ti­gen metho­di­schen Ansatz aus, der klas­si­sche juris­ti­sche und sozi­al­wis­sen­schaft­li­che Ana­ly­se mit moder­ner KI-gestütz­ter Mas­sen­da­ten­aus­wer­tung kom­bi­niert.

Im Fol­gen­den fin­den Sie eine for­ma­le Zusam­men­fas­sung der Kern­in­hal­te, der Metho­dik und der zen­tra­len Ergeb­nis­se des Gut­ach­tens:

1. Ziel­set­zung und Prü­fungs­maß­stab

Das Gut­ach­ten prüft, ob die AfD ver­fas­sungs­wid­ri­ge Zie­le ver­folgt oder ob das Ver­hal­ten ihrer Anhänger*innen gegen die ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Grund­ord­nung ver­stößt. Der Fokus liegt dabei auf der Garan­tie der Men­schen­wür­de (Art. 1 GG), dem Demo­kra­tie­prin­zip, dem Rechts­staats­prin­zip sowie dem Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot.

2. Metho­dik: KI-gestütz­te Mas­sen­da­ten­ana­ly­se

Ein her­aus­ra­gen­des Merk­mal des Gut­ach­tens ist die Aus­wer­tung eines gigan­ti­schen Daten­kor­pus (nahe­zu drei Mil­lio­nen Social-Media-Bei­trä­ge von Platt­for­men wie Face­book, X, Tele­gram, Tik­Tok und You­Tube).

  • Vor­fil­te­rung: Um die­se Daten­men­gen zu bewäl­ti­gen, wur­de eine loka­le Open­Se­arch-Instanz genutzt und ein KI-Modell (spe­zi­fisch das Open-Source-Modell Qwen3-235B-A22B mit einer “Mix­tu­re of Experts”-Architektur) ein­ge­setzt.
  • Sys­tem­prompts: Mit­hil­fe von spe­zi­ell ent­wi­ckel­ten Sys­tem­prompts und Few-Shot-Lear­ning wur­de das Modell dar­auf trai­niert, Text­pas­sa­gen vor­ab auf ver­fas­sungs­recht­lich rele­van­te Kate­go­rien (z. B. Ras­sis­mus, Demo­kra­tie­feind­lich­keit, Anti­se­mi­tis­mus) zu fil­tern.
  • Vali­die­rung: Die KI-Ergeb­nis­se wur­den in einem mehr­stu­fi­gen Pro­zess von Juristinnen und Sozi­al­wis­sen­schaft­lerinnen manu­ell vali­diert und nach einem zurück­hal­ten­den Bewer­tungs­maß­stab in das Gut­ach­ten über­führt.

3. Zen­tra­le Befun­de nach Prüf­di­men­sio­nen

A. Men­schen­wür­de, Ras­sis­mus und Mus­lim­feind­lich­keit

  • Eth­ni­scher Volks­be­griff: Die Par­tei ver­tritt ein eth­no-kul­tu­rel­les Volks­ver­ständ­nis, das Men­schen mit Migra­ti­ons­ge­schich­te oder ande­rer Staats­an­ge­hö­rig­keit die gleich­be­rech­tig­te Zuge­hö­rig­keit zur staat­li­chen Gemein­schaft abspricht.
  • Mus­lim­feind­lich­keit: Das Gut­ach­ten belegt ein ras­sis­tisch moti­vier­tes Poli­tik­kon­zept gegen Mus­liminnen. Gefor­der­te Maß­nah­men wie ein gene­rel­les Kopf­tuch­ver­bot im öffent­li­chen Raum, Mina­rett- und Muez­zin­ruf­ver­bo­te ver­sto­ßen nach Ansicht der Gut­ach­terinnen gegen die ele­men­ta­re Rechts­gleich­heit und die Men­schen­wür­de.
  • Remi­gra­ti­on: Die For­de­rung nach „mil­lio­nen­fa­cher Remi­gra­ti­on“ (Mas­sen­ab­schie­bun­gen) und die Instru­men­ta­li­sie­rung des Staats­an­ge­hö­rig­keits­rechts (z. B. Aus­bür­ge­run­gen) zie­len auf eine homo­ge­ne Gesell­schaft ab und ver­let­zen das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot.

B. Demo­kra­tie- und Rechts­staats­feind­lich­keit

  • Ein­schüch­te­rung von Geg­nerinnen: Das Gut­ach­ten doku­men­tiert ein sys­te­ma­ti­sches Mus­ter, bei dem AfD-Funk­tio­närinnen (bis in die Spit­zen­frak­ti­on) poli­ti­sche Geg­nerinnen, Jour­na­listinnen und Richter*innen ein­schüch­tern.
  • Angrif­fe auf die Jus­tiz: Es gibt zahl­rei­che For­de­run­gen, amtie­ren­de oder ehe­ma­li­ge Regie­rungs­mit­glie­der (z. B. Ange­la Mer­kel, Nan­cy Fae­ser) straf­recht­lich zu ver­fol­gen oder in „Unter­su­chungs­haft“ zu neh­men, was als Infra­ge­stel­lung des rechts­staat­li­chen Gewal­ten­tei­lungs­prin­zips gewer­tet wird.
  • Soli­da­ri­tät mit Extre­mis­ten: Die Par­tei und ihre Funktionär*innen soli­da­ri­sie­ren sich offen mit Akteu­ren der Neu­en Rech­ten und rechts­extre­men Milieus, ins­be­son­de­re mit dem (zeit­wei­se ver­bo­te­nen) *Compact*-Magazin von Jür­gen Elsäs­ser oder Orga­ni­sa­tio­nen wie *Ein Pro­zent*.

C. Anti­se­mi­tis­mus und Geschichts­re­vi­sio­nis­mus

  • Struk­tu­rel­ler Anti­se­mi­tis­mus: Die Par­tei ist von einem struk­tu­rell anti­se­mi­ti­schen Welt­bild geprägt. Zwar wird der Holo­caust sel­ten offen geleug­net, aber es wer­den anti­se­mi­ti­sche Chif­fren (z. B. „glo­ba­le Eli­ten“, Geor­ge Sor­os) ver­wen­det, die an Ver­schwö­rungs­my­then einer jüdi­schen Welt­ver­schwö­rung anknüp­fen.
  • Geschichts­re­vi­sio­nis­mus: Es gibt deut­li­che Rela­ti­vie­rungs­ten­den­zen bezüg­lich der NS-Ver­bre­chen. Begrif­fe wie „Schuld­kult“ oder die For­de­rung nach einer Erin­ne­rung an die „eige­nen Opfer“ (unter sprach­li­chem Aus­schluss der jüdi­schen Opfer) die­nen der Abwehr his­to­ri­scher Ver­ant­wor­tung.
  • Hin­weis: Eine for­ma­le „Wesens­ver­wandt­schaft mit dem Natio­nal­so­zia­lis­mus“ im stren­gen ver­fas­sungs­recht­li­chen Sin­ne wird vom Gut­ach­ten ver­neint, da sich der Anti­se­mi­tis­mus der AfD struk­tu­rell von dem der NSDAP unter­schei­det und posi­ti­ve NS-Bezü­ge nur Ein­zel­fäl­le dar­stel­len.

D. Feind­lich­keit gegen­über LGBTIQ-Per­so­nen

  • Die Par­tei pro­pa­giert ein strikt hete­ro­nor­ma­ti­ves, binä­res Geschlech­ter­bild.
  • Trans- und Inter-Per­so­nen (expli­zit wird u.a. Tes­sa Gan­se­rer genannt) wer­den in Reden und Posts mas­siv ver­höhnt, patho­lo­gi­siert und ihnen wird die gleich­be­rech­tig­te Teil­ha­be an der Gesell­schaft abge­spro­chen. Inklu­si­on und Diver­si­täts­maß­nah­men wer­den als „Gehirn­wä­sche“ oder „Fetisch-Freak­show“ dif­fa­miert.

E. Behin­der­ten­feind­lich­keit

  • Es wer­den ver­fas­sungs­recht­lich bedenk­li­che For­de­run­gen erho­ben, wie etwa die voll­stän­di­ge Abschaf­fung der schu­li­schen Inklu­si­on (expli­zi­tes Bei­spiel: Lan­des­pro­gramm der AfD Sach­sen-Anhalt), zuguns­ten eines aus­ge­bau­ten För­der­schul­sys­tems.

4. Par­tei­in­ter­ne Dyna­mik und Macht­struk­tu­ren

  • Domi­nanz des völ­ki­schen Lagers: Die for­ma­le Auf­lö­sung des „Flü­gels“ um Björn Höcke hat die radi­ka­len Kräf­te nicht geschwächt. Das völ­kisch-natio­na­lis­ti­sche Lager domi­niert die Par­tei pro­gram­ma­tisch und per­so­nell.
  • Infor­mel­le Netz­wer­ke: Neben den for­ma­len Macht­zen­tren (Bun­des­vor­stand um Ali­ce Wei­del und Tino Chrup­al­la) exis­tie­ren infor­mel­le Netz­wer­ke (z. B. um Sebas­ti­an Mün­zen­mai­er), die eine reich­wei­ten­star­ke Par­al­le­löf­fent­lich­keit in den sozia­len Medi­en betrei­ben.
  • Ost­deut­sche Lan­des­ver­bän­de: Die Lan­des­ver­bän­de in Ost­deutsch­land neh­men eine domi­nan­te Rol­le ein und haben die pro­gram­ma­ti­sche Aus­rich­tung der Gesamt­par­tei maß­geb­lich nach rechts ver­scho­ben.

Fazit des Gut­ach­tens

Das Gut­ach­ten kommt zu dem Schluss, dass die AfD in zen­tra­len Berei­chen – ins­be­son­de­re in ihrer Migra­ti­ons­po­li­tik, der Kon­struk­ti­on eines eth­ni­schen Volks­be­griffs, der Mus­lim­feind­lich­keit und im Umgang mit poli­ti­schen Geg­ner sowie der Jus­tiz – Zie­le ver­folgt und Ver­hal­tens­wei­sen an den Tag legt, die im struk­tu­rel­len Wider­spruch zur Men­schen­wür­de­ga­ran­tie und zur frei­heit­li­chen demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung ste­hen. Die Par­tei agiert dabei zuneh­mend pro­fes­sio­na­li­siert und nutzt sozia­le Medi­en sowie KI-gestütz­te Stra­te­gien, um ihre Nar­ra­ti­ve zu ver­brei­ten und demo­kra­ti­sche Insti­tu­tio­nen zu unter­gra­ben.

Gemäß dem vor­lie­gen­den Rechts­gut­ach­ten der Gesell­schaft für Frei­heits­rech­te (GFF) ist die Par­tei „Alter­na­ti­ve für Deutsch­land“ (AfD) ver­fas­sungs­wid­rig im Sin­ne des Arti­kels 21 Absatz 2 des Grund­ge­set­zes (GG).
Das Gut­ach­ten bejaht die zen­tra­le For­schungs­fra­ge mit der ein­deu­ti­gen Fest­stel­lung, dass die Par­tei nach ihren Zie­len und dem Ver­hal­ten ihrer Anhän­ger dar­auf aus­geht, die frei­heit­li­che demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung sys­te­ma­tisch zu beein­träch­ti­gen.
Die juris­ti­sche Wür­di­gung stützt sich im Wesent­li­chen auf fol­gen­de Kern­er­geb­nis­se:

  1. Ver­stoß gegen die Men­schen­wür­de­ga­ran­tie (Art. 1 GG) und das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot
    Die Par­tei ver­tritt einen eth­nisch-kul­tu­rel­len Volks­be­griff, der die recht­li­che Gleich­heit aller Staats­bür­ger infra­ge stellt. Das Gut­ach­ten wer­tet For­de­run­gen nach einem Kopf­tuch­ver­bot im öffent­li­chen Raum, nach Mina­rett- und Muez­zin­ruf­ver­bo­ten sowie das poli­ti­sche Kon­zept der „mil­lio­nen­fa­chen Remi­gra­ti­on“ (Mas­sen­ab­schie­bun­gen) als schwe­re Ver­stö­ße gegen die ele­men­ta­re Rechts­gleich­heit und die Men­schen­wür­de von Muslim*innen, Men­schen mit Migra­ti­ons­ge­schich­te und Schutz­su­chen­den.
  2. Miss­ach­tung des Demo­kra­tie­prin­zips
    Es wird ein sys­te­ma­ti­sches Mus­ter der Ein­schüch­te­rung doku­men­tiert. Funk­tio­nä­rin­nen der Par­tei ver­su­chen dem­nach, par­la­men­ta­ri­sche und außer­par­la­men­ta­ri­sche poli­ti­sche Geg­ne­rin­nen, Jour­na­lis­tin­nen sowie Rich­te­rin­nen ein­zu­schüch­tern, um sie aus dem Pro­zess der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung aus­zu­schlie­ßen. Fer­ner for­dert die Par­tei die straf­recht­li­che Ver­fol­gung von Politiker*innen ande­rer Par­tei­en für demo­kra­tisch legi­ti­mier­te Ent­schei­dun­gen (z. B. durch For­de­run­gen nach „Unter­su­chungs­haft“).
  3. Gefähr­dung des Rechts­staats­prin­zips
    Die Par­tei dele­gi­ti­miert wei­te Tei­le der unab­hän­gi­gen Jus­tiz und stellt fun­da­men­ta­le Prin­zi­pi­en der Gewal­ten­tei­lung infra­ge, was als rechts­staats­feind­li­ches Ver­hal­ten gewer­tet wird.
  4. Struk­tu­rel­ler Anti­se­mi­tis­mus und Geschichts­re­vi­sio­nis­mus
    Das Gut­ach­ten belegt einen in der Par­tei weit ver­brei­te­ten struk­tu­rel­len Anti­se­mi­tis­mus, der sich vor allem in der Nut­zung anti­se­mi­ti­scher Chif­fren und Ver­schwö­rungs­my­then (z. B. über „glo­ba­le Eli­ten“) mani­fes­tiert. Zudem wird ein aus­ge­präg­ter Geschichts­re­vi­sio­nis­mus fest­ge­stellt, der durch Begrif­fe wie „Schuld­kult“ und eine Täter-Opfer-Umkehr die his­to­ri­sche Ver­ant­wor­tung für die NS-Ver­bre­chen abzu­weh­ren sucht. Hin­weis: Eine for­ma­le „Wesens­ver­wandt­schaft mit dem Natio­nal­so­zia­lis­mus“ wird jedoch ver­neint, da sich der Anti­se­mi­tis­mus der AfD struk­tu­rell von dem der NSDAP unter­schei­det.
  5. Grup­pen­be­zo­ge­ne Men­schen­feind­lich­keit
    Neben der Mus­lim­feind­lich­keit weist das Gut­ach­ten eine mas­si­ve, die Men­schen­wür­de miss­ach­ten­de Abwer­tung von LGBTIQ-Per­so­nen nach. Dar­über hin­aus wer­den in bestimm­ten Lan­des­ver­bän­den (expli­zit her­vor­ge­ho­ben wird Sach­sen-Anhalt) ver­fas­sungs­wid­ri­ge For­de­run­gen wie die voll­stän­di­ge Abschaf­fung der schu­li­schen Inklu­si­on für Men­schen mit Behin­de­run­gen erho­ben.
    Fazit und Hand­lungs­po­ten­zi­al
    Die Autorin­nen des Gut­ach­tens kom­men zu dem Schluss, dass die AfD nicht nur ver­fas­sungs­feind­li­che Zie­le ver­folgt, son­dern dank einer wach­sen­den Mit­glie­der­ba­sis, einer flä­chen­de­cken­den par­la­men­ta­ri­schen Prä­senz und eige­ner Medi­en­for­ma­te auch das orga­ni­sa­to­ri­sche Poten­zi­al (die soge­nann­te Poten­zia­li­tät) besitzt, die­se Zie­le wirk­sam umzu­set­zen. Nach Ein­schät­zung der Gut­ach­te­rin­nen hät­te ein zuläs­si­ger Ver­bots­an­trag beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt (gemäß Art. 21 Abs. 4 GG i. V. m. § 43 Abs. 1 Satz 1 BVerfGG) daher wahr­schein­lich Erfolg.

Quel­le: GFF Gut­ach­ten

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