Gemischtes Bild der Weltwirtschaft: Hartnäckige Inflation trifft auf uneinheitliches Wachstum
Die Weltwirtschaft präsentiert sich derzeit in zwei Geschwindigkeiten: Während sich der Inflationsdruck in weiten Teilen der Welt als überraschend beständig erweist, driften Wachstum und Nachfrage der einzelnen Regionen immer weiter auseinander.
Besonders in den Vereinigten Staaten steht die Geldpolitik vor einer echten Bewährungsprobe. Die am PCE-Index gemessene Kerninflation verharrte im Juli unverändert bei 3,3 Prozent im Jahresvergleich, während die realen Konsumausgaben stagnierten – ein Befund, der auf eine beginnende konjunkturelle Abkühlung hindeutet, ohne dass der Preisdruck bislang merklich nachgäbe. Umso bemerkenswerter mutet die Robustheit der amerikanischen Unternehmensgewinne an: Die Nachsteuer-Gewinnmarge kletterte im zweiten Quartal von 18,2 auf einen Rekordwert von 19,4 Prozent, getragen vor allem von durchgesetzten Preiserhöhungen und einer bislang erstaunlich kaufkräftigen Nachfrage.
Ein Blick auf die einzelnen Weltregionen offenbart, wie unterschiedlich sich die Lage darstellt. Kanada profitiert von Rekordausfuhren an Rohöl und Bitumen und erzielte dadurch einen überraschend hohen Leistungsbilanzüberschuss, der dem Land im Handelskonflikt mit den USA einen wertvollen wirtschaftlichen Puffer verschafft. Deutschland wiederum sendet erste deutlichere Erholungssignale: Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im zweiten Quartal stärker als zunächst angenommen, und der wichtigste Geschäftsklimaindikator erreichte den höchsten Stand seit Beginn der jüngsten geopolitischen Zuspitzung im Nahen Osten – nach den schwächeren Vorjahren ein Hinweis auf einen sich festigenden Aufwärtstrend.
Ganz anders die Lage in Südeuropa, wo der Preisdruck erneut aufflammt: In Spanien stieg die Teuerungsrate auf mehr als das Doppelte des von der EZB angepeilten Zwei-Prozent-Ziels, auch Frankreich übertraf die Erwartungen deutlich. Der Europäischen Zentralbank bleibt dadurch weniger Spielraum für rasche Zinssenkungen – im Gegenteil, die Entwicklung liefert eher Argumente für eine straffere geldpolitische Gangart. In China verlangsamte sich das Wachstum der Industriegewinne im Juli bereits den dritten Monat in Folge und erreichte damit das schwächste Tempo des laufenden Jahres; ausschlaggebend hierfür sind die anhaltend schwache Binnennachfrage, hartnäckiger Deflationsdruck sowie die allgemeine konjunkturelle Abkühlung.
In Asien-Pazifik zeigt sich ein differenzierteres Bild: Thailands Notenbank beließ den Leitzins unverändert und profitiert von einer Erholung, die von Exporten, Investitionen im KI-Sektor sowie staatlichen Konjunkturprogrammen getragen wird. Australien wiederum verzeichnete trotz dreier Zinsanhebungen im laufenden Jahr überraschend robuste Konsumausgaben der privaten Haushalte. Auch unter den Schwellenländern zeigt sich Uneinheitlichkeit: Brasiliens Inflation sank wieder unter die Obergrenze des Zielkorridors, während Mexikos Wirtschaft nach einer leichten Erholung mit spürbar anziehenden Preisen zu kämpfen hat. Entsprechend uneinheitlich fällt auch die Reaktion der Notenbanken aus – während Korea und die Philippinen die Zinsen anhoben, senkte Ungarn sie bereits zum dritten Mal in Folge.
Ein synchroner globaler Aufschwung ist damit vorerst nicht in Sicht. Die USA verbinden zähe Inflation mit nachlassender Konsumdynamik, Europa zeigt deutsche Erholungstendenzen bei gleichzeitigem Preisdruck im Südwesten des Kontinents, und Chinas Industrie verliert spürbar an Schwung. Für die Zentralbanken bedeutet dies vor allem eines: Zinsentscheidungen werden auch künftig streng datenbasiert und regional differenziert ausfallen müssen.