Hat der Dax 2026 noch Aufwärtspotenzial – oder ist die Luft langsam raus?

Hat der Dax 2026 noch Aufwärtspotenzial – oder ist die Luft langsam raus?

Der Dax kennt aktuell scheinbar nur eine Richtung: nach oben. Nach 34 Rekordhochs im Jahr 2025 und weiteren Bestmarken zu Beginn von 2026 hat der deutsche Leitindex erstmals die Marke von 25.000 Punkten deutlich hinter sich gelassen. Für viele Anleger stellt sich nun die zentrale Frage: Geht da noch mehr – oder laufen wir bereits auf dünnem Eis?

Rekorde trotz Krise – ein Paradox?

Was die aktuelle Lage so bemerkenswert macht:
Der Höhenflug des Dax findet nicht in einem wirtschaftlichen Bilderbuchumfeld statt.

  • Die deutsche Wirtschaft stagniert.
  • Der Krieg in der Ukraine dauert an.
  • Neue geopolitische Spannungen kommen hinzu.
  • Europas sicherheitspolitische Abhängigkeit von den USA wächst.

Und dennoch: Die Kurse steigen.

Das ist kein Widerspruch, sondern typisch Börse. Märkte handeln Erwartungen, nicht Gegenwart. Die zentrale Frage ist also nicht, wie schlecht die Lage heute ist, sondern wie gut sie morgen sein könnte – oder zumindest: ob sie weniger schlecht wird als befürchtet.

Warum viele Charttechniker weiter steigende Kurse erwarten

Experten sehen den Dax technisch klar im Aufwärtstrend. Ihre Kursziele für 2026 liegen zwischen 26.400 und 28.800 Punkten. Das entspricht einem zusätzlichen Potenzial von rund 5 bis 14 Prozent.

Die wichtigsten Argumente:

1. Der langfristige Trend ist intakt

Aus charttechnischer Sicht wurde mit dem Sprung über 25.000 Punkte eine wichtige Hürde überwunden. Solche Marken wirken psychologisch stark – sowohl bei institutionellen als auch bei privaten Anlegern.

2. Die lange Seitwärtsphase ist vorbei

Monatelang bewegte sich der Markt kaum. In solchen Phasen baut sich häufig „aufgestaute Energie“ auf, die sich später in dynamischen Bewegungen entlädt. Genau das sehen die Analysten aktuell.

3. Neue Rekorde ziehen neue Käufer an

Allzeithochs wirken wie ein Magnet. Anleger, die lange gezögert haben, springen auf – aus Angst, etwas zu verpassen. Dieser Effekt kann sich selbst verstärken.

4. Auch andere Indizes bestätigen die Stärke

Nicht nur der Dax, sondern auch der Euro Stoxx 50 und der Dax-Kursindex (ohne Dividenden) haben neue Höchststände erreicht. Das spricht gegen eine rein deutsche Scheinrally.

Kurz gesagt:
Solange der Markt keine Schwäche zeigt, sehen Charttechniker keinen Grund, gegen den Trend zu wetten.

Aber: Niemand glaubt an einen linearen Durchmarsch

Trotz aller Zuversicht sind sich die Experten in einem Punkt einig:
2026 wird kein geradliniges Bullenjahr. Korrekturen sind sehr wahrscheinlich.

Die diskutierten Rückschlagszenarien:

  • Moderate Korrektur bis ca. 23.500 Punkte – durchaus normal in einem Aufwärtstrend.
  • Stärkerer Rücksetzer bis ca. 20.500 Punkte – im Extremfall.
  • Zeitlich werden Schwächephasen vor allem im Frühjahr und Herbst erwartet.

Das ist wichtig:
Die Experten rechnen nicht mit einem Crash, aber sehr wohl mit unangenehmen, nervenaufreibenden Phasen.

Drei Risiken, die man ernst nehmen sollte

Die Charttechniker nennen drei konkrete Gefahren, die den Markt belasten könnten.

1. Das US-Zwischenwahljahr

Historisch gesehen sind Zwischenwahljahre an den Börsen schwächer. Politische Unsicherheit, taktische Blockaden und nervöse Märkte sind typisch. Statistisch betrachtet schneidet der Dax in solchen Jahren unterdurchschnittlich ab.

Einordnung:
Das ist kein Naturgesetz, aber ein belastbares Muster.

2. Übertriebener Optimismus der Anleger

Aktuelle Umfragen zeigen: US-Privatanleger sind extrem stark in Aktien investiert. Das klingt gut – ist es aber nicht zwingend.

Denn:
Wenn alle schon investiert sind, wer soll dann noch kaufen?

Überoptimismus ist einer der zuverlässigsten Kontraindikatoren an der Börse.

3. Aktienkäufe auf Kredit

In den USA werden so viele Aktien wie nie zuvor auf Pump gekauft. Das treibt die Kurse – solange es gut geht.

Problem:
Wenn der Markt kippt, müssen diese Positionen oft zwangsweise aufgelöst werden. Das kann Abwärtsbewegungen massiv beschleunigen.

Der blinde Fleck der Charttechnik

So überzeugend viele Argumente klingen – man sollte sich eines bewusst machen:

Charttechniker blenden die Realwirtschaft weitgehend aus.

Sie analysieren:

  • Kursverläufe
  • Muster
  • Marktpsychologie

Sie analysieren nicht:

  • Unternehmensgewinne
  • Staatsfinanzen
  • geopolitische Eskalationsrisiken
  • strukturelle Schwächen der Wirtschaft

Das ist keine Schwäche, sondern Teil der Methode.
Aber für Anleger bedeutet es:
Diese Prognosen sagen viel über Marktmechanik, aber wenig über wirtschaftliche Nachhaltigkeit.

Fazit: Ja, der Dax hat noch Potenzial – aber es wird holprig

Die Kernaussage der Experten lässt sich so zusammenfassen:

Der Trend spricht für weiter steigende Kurse – aber der Weg dorthin wird unruhig, volatil und emotional anspruchsvoll.

Oder anders gesagt:

  • Wer nur auf den nächsten Rücksetzer wartet, könnte ihn verpassen.
  • Wer glaubt, es gehe nur noch nach oben, unterschätzt die Risiken.

2026 dürfte ein Jahr werden, in dem Timing, Disziplin und Risikomanagement wichtiger sind als blinder Optimismus.


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