Huma­no­ider Robo­ter bricht 100 m Rekord in Peking

Bei den World Huma­no­id Robot Games in Peking lief ein chi­ne­si­scher huma­no­ider Robo­ter die 100 Meter in 9,39 Sekun­den und war damit schnel­ler als Usain Bolts mensch­li­cher Welt­re­kord von 9,58 Sekun­den.

Beson­ders auf­fäl­lig ist, wie schnell sich die Tech­nik ent­wi­ckelt hat. Der Sie­ger Tian­gong Ultra hat­te im Vor­jahr für die­sel­be Stre­cke noch 21,50 Sekun­den gebraucht. Ein wei­te­rer Robo­ter von Honor namens Lightning/Blitz soll in einem Test sogar 9,32 Sekun­den erreicht haben. Bei­de Sys­te­me zei­gen aber auch noch Schwä­chen: Nach dem Ziel­ein­lauf muss­ten sie mit Mat­ten bzw. Schutz­wän­den gestoppt wer­den; einer stürz­te sogar.

Die Wett­kämp­fe sind deut­lich grö­ßer als nur ein Robo­ter-Sprint. Mehr als 2.000 Robo­ter aus über 660 Teams und 16 Län­dern tre­ten in 51 Dis­zi­pli­nen an. Dazu gehö­ren Sport­ar­ten wie Fuß­ball, Gewicht­he­ben oder Tisch­ten­nis, aber auch prak­ti­sche Auf­ga­ben wie Haus­halts­ar­bei­ten, Ret­tungs­ein­sät­ze und indus­tri­el­le Fer­ti­gung.

Chi­na betrach­tet huma­no­ide Robo­tik und „ver­kör­per­te KI“ als stra­te­gi­sche Zukunfts­in­dus­trie und inves­tiert stark über Unter­neh­men, Uni­ver­si­tä­ten und staat­li­che För­de­rung. Ziel ist unter ande­rem, tech­no­lo­gi­sche Abhän­gig­kei­ten vom Aus­land zu ver­rin­gern und neue Wachs­tums­bran­chen auf­zu­bau­en. Der star­ke Bör­sen­gang des Robo­ter­her­stel­lers Unitree wird als Bei­spiel für die gro­ße Inves­toren­nach­fra­ge genannt.

Der Rekord ist vor allem ein Sym­bol dafür, wie rasant chi­ne­si­sche huma­no­ide Robo­tik Fort­schrit­te macht. Gleich­zei­tig zei­gen die Pro­ble­me beim Abbrem­sen und Sta­bi­li­sie­ren, dass hohe Geschwin­dig­keit noch nicht bedeu­tet, dass die Sys­te­me bereits so kon­trol­liert und fle­xi­bel wie Men­schen sind.


Vom spek­ta­ku­lä­ren Auf­tritt zum Ein­satz in der Indus­trie

Huma­no­ide Robo­ter kön­nen inzwi­schen lau­fen, boxen, Fuß­ball spie­len und sogar Geschwin­dig­keits­re­kor­de bre­chen. Bei den World Huma­no­id Robot Games in Peking zeig­te sich ein­drucks­voll, wie schnell sich die Tech­nik ent­wi­ckelt hat: Der chi­ne­si­sche Robo­ter Tian­gong Ultra lief die 100 Meter in 9,39 Sekun­den und war damit schnel­ler als Usain Bolts mensch­li­cher Welt­re­kord von 9,58 Sekun­den. Noch im Jahr zuvor hat­te der­sel­be Robo­ter für die­se Stre­cke mehr als dop­pelt so lan­ge gebraucht. Sol­che Leis­tun­gen sor­gen welt­weit für Auf­merk­sam­keit. Für die Indus­trie ist jedoch eine ande­re Fra­ge ent­schei­dend: Kön­nen huma­no­ide Robo­ter nicht nur spek­ta­ku­lä­re Leis­tun­gen zei­gen, son­dern auch zuver­läs­sig und wirt­schaft­lich arbei­ten?

Chi­na setzt gro­ße Hoff­nun­gen auf die­se Tech­no­lo­gie. Die Regie­rung betrach­tet huma­no­ide Robo­ter und soge­nann­te „ver­kör­per­te künst­li­che Intel­li­genz“ als stra­te­gi­sche Zukunfts­in­dus­trie. Unter­neh­men und Uni­ver­si­tä­ten inves­tie­ren erheb­li­che Sum­men in For­schung und Ent­wick­lung. Lang­fris­tig sol­len die Maschi­nen unter ande­rem in der Pro­duk­ti­on, in der Logis­tik und bei Dienst­leis­tun­gen ein­ge­setzt wer­den. Damit ver­folgt Chi­na auch das Ziel, tech­no­lo­gi­sche Abhän­gig­kei­ten vom Aus­land zu ver­rin­gern und neue Wachs­tums­bran­chen auf­zu­bau­en. Der star­ke Bör­sen­gang des chi­ne­si­schen Robo­ter­her­stel­lers Unitree zeigt, wie groß die Erwar­tun­gen von Inves­to­ren an die­sen Markt inzwi­schen sind.

Dass die Ent­wick­ler nicht nur an sport­li­chen Rekor­den inter­es­siert sind, zei­gen auch die World Huma­no­id Robot Games selbst. Dort tre­ten mehr als 2.000 Robo­ter aus über 660 Teams und 16 Län­dern in ins­ge­samt 51 Dis­zi­pli­nen gegen­ein­an­der an. Neben Fuß­ball, Tisch­ten­nis, Gewicht­he­ben oder Weit­sprung gehö­ren dazu auch deut­lich pra­xis­nä­he­re Auf­ga­ben wie Haus­halts­ar­bei­ten, Ret­tungs­ein­sät­ze und Tätig­kei­ten an Fer­ti­gungs­li­ni­en. Gera­de die­se Auf­ga­ben sind für einen spä­te­ren Ein­satz in Fabri­ken wesent­lich aus­sa­ge­kräf­ti­ger als ein Sprint über 100 Meter. Ein Indus­trie­ro­bo­ter muss Gegen­stän­de erken­nen und grei­fen, Bau­tei­le prä­zi­se bewe­gen, mit sei­ner Umge­bung umge­hen und sei­ne Arbeit über lan­ge Zeit zuver­läs­sig wie­der­ho­len.

Der mensch­li­che Kör­per­bau könn­te huma­no­iden Robo­tern dabei einen beson­de­ren Vor­teil bie­ten. Fabri­ken, Lager­hal­len und Arbeits­plät­ze sind bis­her über­wie­gend für Men­schen gestal­tet. Ein Robo­ter mit zwei Armen, zwei Bei­nen und Hän­den könn­te theo­re­tisch vie­le vor­han­de­ne Arbeits­plät­ze nut­zen, ohne dass Maschi­nen oder Pro­duk­ti­ons­an­la­gen voll­stän­dig umge­baut wer­den müs­sen. Beson­ders inter­es­sant wären Tätig­kei­ten, die für Men­schen kör­per­lich belas­tend, mono­ton oder gefähr­lich sind. Dazu könn­ten bei­spiels­wei­se das Bewe­gen von Mate­ri­al, ein­fa­che Mon­ta­ge­ar­bei­ten oder bestimm­te Auf­ga­ben in der Logis­tik gehö­ren.

Die Berich­te aus Peking zei­gen jedoch gleich­zei­tig, wie groß die tech­ni­schen Her­aus­for­de­run­gen noch sind. Selbst die extrem schnel­len Lauf­ro­bo­ter hat­ten Schwie­rig­kei­ten, nach dem Ziel­ein­lauf kon­trol­liert abzu­brem­sen. Tian­gong geriet nach dem Sprint ins Tau­meln, wäh­rend der zweit­plat­zier­te Robo­ter Light­ning nach dem Lauf stürz­te und weg­ge­tra­gen wer­den muss­te. Für einen Show­wett­be­werb ist ein sol­cher Zwi­schen­fall spek­ta­ku­lär, in einer Fabrik wäre er dage­gen pro­ble­ma­tisch. Dort ste­hen Sicher­heit, Prä­zi­si­on und Zuver­läs­sig­keit im Vor­der­grund.

Des­halb lässt sich aus den vor­lie­gen­den Berich­ten noch nicht ablei­ten, dass huma­no­ide Robo­ter bereits in gro­ßem Umfang erfolg­reich als regu­lä­re Arbeits­kräf­te in der Indus­trie ein­ge­setzt wer­den. Die Quel­len zei­gen vor allem eine rasan­te tech­ni­sche Ent­wick­lung, umfang­rei­che Inves­ti­tio­nen und inten­si­ve Tests unter zuneh­mend pra­xis­na­hen Bedin­gun­gen. Sie bele­gen aber kei­nen flä­chen­de­cken­den wirt­schaft­li­chen Ein­satz huma­no­ider Robo­ter in Fabri­ken. Der ent­schei­den­de Schritt besteht des­halb dar­in, aus beein­dru­cken­den Demons­tra­tio­nen zuver­läs­si­ge Arbeits­ma­schi­nen zu machen.

Die Fra­ge, ob Chi­nas huma­no­ide Robo­ter nicht nur tan­zen und lau­fen, son­dern auch arbei­ten kön­nen, lässt sich daher mit einem vor­sich­ti­gen „zuneh­mend“ beant­wor­ten. Die Vor­aus­set­zun­gen ver­bes­sern sich schnell, und Chi­na inves­tiert mas­siv in die Ent­wick­lung. Ob huma­no­ide Robo­ter tat­säch­lich zu einem all­täg­li­chen Bestand­teil indus­tri­el­ler Pro­duk­ti­on wer­den, hängt jedoch weni­ger von neu­en Geschwin­dig­keits­re­kor­den ab als davon, ob sie all­täg­li­che Auf­ga­ben sicher, prä­zi­se, dau­er­haft und zu ver­tret­ba­ren Kos­ten erle­di­gen kön­nen. Genau dar­in dürf­te sich in den kom­men­den Jah­ren ent­schei­den, ob aus dem der­zei­ti­gen Robo­ter­boom eine grund­le­gen­de Ver­än­de­rung der Indus­trie ent­steht.


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