Kna­fo und Lati­no­pou­lou erhe­ben schwe­re Vor­wür­fe gegen Ursu­la von der Ley­en

Ursu­la von der Ley­en sieht sich mit schar­fen Angrif­fen zwei­er Euro­pa­ab­ge­ord­ne­ter kon­fron­tiert. Sarah Kna­fo und Afro­di­ti Lati­no­pou­lou rich­ten eine Viel­zahl poli­ti­scher, wirt­schaft­li­cher und gesell­schaft­li­cher Vor­wür­fe unmit­tel­bar gegen die Prä­si­den­tin der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on und machen sie für Ent­wick­lun­gen ver­ant­wort­lich, die nach ihrer Dar­stel­lung Euro­pa in den ver­gan­ge­nen Jah­ren grund­le­gend geschwächt hät­ten.

Kna­fo stellt dabei vor allem die Fra­ge nach poli­ti­scher Ver­ant­wor­tung und Rechen­schaft in den Mit­tel­punkt. Von der Ley­en befin­de sich nun, so ihre zuge­spitz­te For­mu­lie­rung, „auf der Ankla­ge­bank“. Wäh­rend die Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin von den Mit­glied­staa­ten und damit von den euro­päi­schen Steu­er­zah­lern immer neue finan­zi­el­le Mit­tel ver­lan­ge, müss­ten umge­kehrt die euro­päi­schen Insti­tu­tio­nen und ins­be­son­de­re ihre Füh­rung erklä­ren, was mit die­sem Geld gesche­he und wel­che poli­ti­schen Ergeb­nis­se damit erzielt wür­den. Kna­fos Vor­wurf zielt damit auf das Ver­hält­nis zwi­schen den finan­zi­el­len For­de­run­gen der Euro­päi­schen Uni­on und der poli­ti­schen Ver­ant­wor­tung ihrer Füh­rung.

Noch umfas­sen­der fällt die Ankla­ge Lati­no­pou­lous aus. Sie wirft von der Ley­en vor, eine Poli­tik betrie­ben zu haben, die sich gegen die Inter­es­sen der euro­päi­schen Bevöl­ke­rung rich­te. Ihre Kri­tik beginnt bei der Migra­ti­ons­po­li­tik. Nach ihrer Dar­stel­lung habe die euro­päi­sche Poli­tik zu einer mas­sen­haf­ten ille­ga­len Ein­wan­de­rung geführt und die gesell­schaft­li­chen Fol­gen die­ser Ent­wick­lung den Bür­gern der Mit­glied­staa­ten auf­ge­bür­det. Zugleich beschul­digt sie die EU, erheb­li­che finan­zi­el­le Mit­tel für Migran­ten bereit­zu­stel­len, wäh­rend die dar­aus ent­ste­hen­den sozia­len und sicher­heits­po­li­ti­schen Pro­ble­me von der ein­hei­mi­schen Bevöl­ke­rung getra­gen wer­den müss­ten.

Lati­no­pou­lou ver­bin­det die­se Kri­tik aus­drück­lich mit dem The­ma Kri­mi­na­li­tät. Sie wirft der euro­päi­schen Migra­ti­ons­po­li­tik vor, Men­schen ins Land gelas­sen und finan­zi­ell unter­stützt zu haben, von denen ein Teil schwe­re Straf­ta­ten bege­he. Dabei nennt sie Ver­ge­wal­ti­gun­gen, Beläs­ti­gun­gen und Tötungs­de­lik­te und zeich­net das Bild von Wohn­vier­teln, deren Sicher­heit und gesell­schaft­li­cher Zusam­men­halt durch die­se Ent­wick­lung beschä­digt wor­den sei­en. Beson­ders scharf kri­ti­siert sie zudem die Mög­lich­keit, dass Migran­ten zu einem spä­te­ren Zeit­punkt einen recht­li­chen Sta­tus erhal­ten könn­ten, der ihnen poli­ti­sche Betei­li­gungs­rech­te eröff­net.

Ein wei­te­rer Schwer­punkt ihrer Vor­wür­fe betrifft die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung Euro­pas. Von der Ley­en und die unter ihrer Füh­rung betrie­be­ne EU-Poli­tik hät­ten Bür­ger und Unter­neh­men nach Lati­no­pou­lous Dar­stel­lung mit Steu­ern und Büro­kra­tie über­las­tet. Die zuneh­men­de Regu­lie­rung habe wirt­schaft­li­che Hand­lungs­spiel­räu­me ein­ge­engt und zugleich die Wett­be­werbs­fä­hig­keit euro­päi­scher Unter­neh­men geschwächt. Die­se Ent­wick­lung ver­bin­det sie mit Fabrik­schlie­ßun­gen und dem Ver­lust von Hun­dert­tau­sen­den Arbeits­plät­zen. Die euro­päi­sche Indus­trie wer­de nach ihrer Dar­stel­lung nicht aus­rei­chend geschützt, son­dern durch poli­ti­sche Vor­ga­ben zusätz­lich unter Druck gesetzt.

Beson­ders betrof­fen sei­en aus Lati­no­pou­lous Sicht auch Land­wirt­schaft, Vieh­zucht und Fische­rei. Sie wirft der Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin vor, mit euro­päi­schen Vor­schrif­ten und wirt­schafts­po­li­ti­schen Ent­schei­dun­gen die Exis­tenz­grund­la­ge zahl­rei­cher Bau­ern, Vieh­züch­ter und Fischer gefähr­det bezie­hungs­wei­se zer­stört zu haben. Damit ver­bin­det sie den grund­sätz­li­chen Vor­wurf, dass die EU ihre Regu­lie­rungs- und Kli­ma­po­li­tik über die wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen jener Men­schen stel­le, die Lebens­mit­tel pro­du­zie­ren und tra­di­tio­nel­le Wirt­schafts­be­rei­che erhal­ten.

Eng damit ver­bun­den ist ihre Kri­tik an der euro­päi­schen Kli­ma- und Umwelt­po­li­tik. Lati­no­pou­lou bezeich­net die­se als auf­ge­zwun­ge­ne „grü­ne“ Agen­da und stellt sie als Aus­druck einer Poli­tik dar, die sich zuneh­mend von den kon­kre­ten All­tags­pro­ble­men der Bür­ger ent­fernt habe. Sym­bo­lisch führt sie dabei Maß­nah­men wie Papier­stroh­hal­me und fest mit Kunst­stoff­fla­schen ver­bun­de­ne Ver­schlüs­se an. Für sie ste­hen sol­che Vor­ga­ben stell­ver­tre­tend für eine Euro­päi­sche Uni­on, die sich mit detail­lier­ten Ein­grif­fen in den All­tag beschäf­ti­ge, wäh­rend aus ihrer Sicht weit grö­ße­re wirt­schaft­li­che, gesell­schaft­li­che und sicher­heits­po­li­ti­sche Pro­ble­me unge­löst blie­ben.

Ihre Kri­tik reicht jedoch weit über Wirtschafts‑, Migra­ti­ons- und Umwelt­po­li­tik hin­aus. Lati­no­pou­lou wirft von der Ley­en vor, eine gesell­schafts­po­li­ti­sche Agen­da vor­an­ge­trie­ben zu haben, die tra­di­tio­nel­le Struk­tu­ren zurück­drän­ge. Sie spricht von einer Schwä­chung bezie­hungs­wei­se Zer­stö­rung der tra­di­tio­nel­len Kern­fa­mi­lie und kri­ti­siert zugleich die För­de­rung pro­gres­si­ver gesell­schafts­po­li­ti­scher Posi­tio­nen, die sie unter dem Begriff einer „woken Agen­da“ zusam­men­fasst. Auch öffent­li­che Unter­stüt­zung und poli­ti­sche Sicht­bar­keit für Ver­an­stal­tun­gen wie Gay Pri­de nimmt sie in ihre Kri­tik auf.

Dar­über hin­aus erhebt Lati­no­pou­lou den Vor­wurf, die euro­päi­sche Poli­tik begüns­ti­ge eine zuneh­men­de Isla­mi­sie­rung Euro­pas. Migra­ti­on, Inte­gra­ti­ons­po­li­tik und gesell­schafts­po­li­ti­sche Ver­än­de­run­gen erschei­nen in ihrer Argu­men­ta­ti­on als mit­ein­an­der ver­bun­de­ne Ent­wick­lun­gen, die nach ihrer Auf­fas­sung den kul­tu­rel­len Cha­rak­ter euro­päi­scher Gesell­schaf­ten ver­än­dern. Von der Ley­en ste­he dabei für einen poli­ti­schen Kurs, der die­se Ver­än­de­run­gen nicht nur zuge­las­sen, son­dern aktiv vor­an­ge­trie­ben habe.

Auch die per­sön­li­che poli­ti­sche Ver­ant­wor­tung der Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin stellt Lati­no­pou­lou in den Mit­tel­punkt. Sie bezeich­net von der Ley­en sinn­ge­mäß als eine poli­ti­sche Nach­fol­ge­rin des von Ange­la Mer­kel ein­ge­schla­ge­nen Kur­ses und behaup­tet, sie habe die­sen inzwi­schen sogar über­trof­fen. Damit ver­bin­det sie ins­be­son­de­re die Migrations‑, Kli­ma- und Gesell­schafts­po­li­tik der ver­gan­ge­nen Jah­re und stellt von der Ley­ens Amts­füh­rung als Fort­set­zung und Ver­schär­fung einer bereits zuvor ein­ge­schla­ge­nen poli­ti­schen Rich­tung dar.

Beson­ders schwer wie­gen ihre Vor­wür­fe hin­sicht­lich Trans­pa­renz und mög­li­cher Inter­es­sen­kon­flik­te. Lati­no­pou­lou ver­weist auf die Aus­ein­an­der­set­zun­gen um die Beschaf­fung von Coro­na-Impf­stof­fen, auf die als „Pfi­zer­ga­te“ bezeich­ne­te Kon­tro­ver­se sowie auf nicht mehr ver­füg­ba­re bezie­hungs­wei­se nicht offen­ge­leg­te Nach­rich­ten. Sie wirft von der Ley­en vor, sich einer voll­stän­di­gen Kon­trol­le ihrer Ent­schei­dun­gen und Kom­mu­ni­ka­ti­on zu ent­zie­hen, und spricht in die­sem Zusam­men­hang von Skan­da­len und Kor­rup­ti­ons­ver­dacht.

Schließ­lich stellt Lati­no­pou­lou auch die demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on der Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin infra­ge. Sie kri­ti­siert, dass von der Ley­en ihr Amt nicht auf­grund einer unmit­tel­ba­ren Wahl durch die euro­päi­schen Bür­ger aus­übe. Ihre poli­ti­sche Stel­lung ver­dan­ke sie nach Lati­no­pou­lous Dar­stel­lung viel­mehr der Unter­stüt­zung ein­fluss­rei­cher Frak­tio­nen und füh­ren­der Poli­ti­ker im Euro­päi­schen Par­la­ment. Beson­ders hebt sie dabei die Unter­stüt­zung durch Sozi­al­de­mo­kra­ten sowie durch Man­fred Weber und des­sen poli­ti­sches Umfeld her­vor.

Alle die­se Punk­te mün­den bei Lati­no­pou­lou in einen umfas­sen­den Vor­wurf: Unter von der Ley­ens Füh­rung sei­en Migra­ti­on, wirt­schaft­li­che Belas­tun­gen, Deindus­tria­li­sie­rung, zuneh­men­de Regu­lie­rung, gesell­schafts­po­li­ti­sche Ver­än­de­run­gen und man­geln­de poli­ti­sche Rechen­schaft mit­ein­an­der ver­bun­den wor­den. Ihre abschlie­ßen­de Ankla­ge rich­tet sich des­halb nicht gegen eine ein­zel­ne Ent­schei­dung oder ein ein­zel­nes Poli­tik­feld, son­dern gegen die gesam­te poli­ti­sche Bilanz der Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin. Von der Ley­en habe Euro­pa, so ihre Zusam­men­fas­sung, nicht gestärkt, son­dern rui­niert.


Aber stim­men Lati­no­pou­lous Behaup­tun­gen?

Aus­sa­geWas sich anhand der Daten sagen lässt
„Sie haben uns mit ille­ga­len Ein­wan­de­rern über­schwemmt.“Irre­gu­lä­re Migra­ti­on ist real und war in ver­schie­de­nen Jah­ren erheb­lich. Die aktu­el­le Ent­wick­lung passt aber nicht zu einer ste­ti­gen „Über­schwem­mung“: Fron­tex regis­trier­te Januar–August 2026 rund 74.000 irre­gu­lä­re Grenz­über­trit­te, 35 % weni­ger als im Vor­jah­res­zeit­raum. Laut IOM gin­gen auch die Ankünf­te über See 2026 bis­lang um rund 39 % zurück. Ein­zel­ne Rou­ten ent­wi­ckel­ten sich aller­dings anders.
„Sie haben uns in Steu­ern erstickt.“Als Zuschrei­bung an von der Ley­en bzw. die Kom­mis­si­on ist das sach­lich pro­ble­ma­tisch. Die EU erhebt grund­sätz­lich kei­ne Einkommen‑, Unter­neh­mens- oder sons­ti­gen natio­na­len Steu­ern von Bür­gern und Unter­neh­men; Steu­er­sät­ze und Erhe­bung lie­gen bei den Mit­glied­staa­ten. Die EU har­mo­ni­siert aller­dings bestimm­te Berei­che wie Mehr­wert- und Ver­brauch­steu­er­re­geln und schafft Rege­lun­gen, die Kos­ten ver­ur­sa­chen kön­nen.
„Sie haben Bau­ern … rui­niert.“Es gibt rea­le Belas­tun­gen, Struk­tur­wan­del und regio­nal gro­ße Unter­schie­de. Eine EU-wei­te „Rui­nie­rung“ zei­gen die Daten aber nicht: 2025 stieg die land­wirt­schaft­li­che Arbeits­pro­duk­ti­vi­tät EU-weit um 9,2 %, das rea­le Fak­tor­ein­kom­men um 8,1 % und die Brut­to­wert­schöp­fung um 10,3 %. In Grie­chen­land ging die Pro­duk­ti­vi­tät aller­dings um 8,8 % zurück. Gleich­zei­tig nimmt die Beschäf­ti­gung in der Land­wirt­schaft lang­fris­tig ab.
„… und Fischer rui­niert.“Auch das ist als EU-wei­te Tat­sa­chen­be­haup­tung zu pau­schal. Der jüngs­te Wirt­schafts­be­richt zur EU-Fische­rei­flot­te erwar­te­te für 2025 einen ope­ra­ti­ven Gewinn von rund 567 Mio. €, höher als 2023/24, weist aber aus­drück­lich auf regio­na­le und struk­tu­rel­le Pro­ble­me hin.
„Fabri­ken schlie­ßen, Hun­dert­tau­sen­de Arbeits­plät­ze gehen ver­lo­ren.“Hier gibt es einen rea­len wirt­schaft­li­chen Hin­ter­grund: Die Indus­trie­be­schäf­ti­gung in der EU sank 2025 um 0,5 %, und der Anteil der Indus­trie an der Gesamt­be­schäf­ti­gung fiel lang­fris­tig von 19,9 % im Jahr 2000 auf 15,1 % 2025. Gleich­zei­tig stieg die Gesamt­be­schäf­ti­gung 2025 um 0,5 %. Dass die­se Ent­wick­lung allein oder über­wie­gend von von der Ley­ens Poli­tik ver­ur­sacht wur­de, lässt sich dar­aus nicht ablei­ten.
„Die EU bezahlt Mil­lio­nen ille­ga­le Ein­wan­de­rer.“Die EU gibt tat­säch­lich Mil­li­ar­den für Asyl, Migra­ti­on und Inte­gra­ti­on aus. Der AMIF umfasst 2021–2027 rund 10,94 Mrd. €. Er finan­ziert aber nicht ein­fach „Mil­lio­nen ille­ga­le Ein­wan­de­rer“: Dazu gehö­ren Asyl­ver­fah­ren, Auf­nah­me, Inte­gra­ti­on legal auf­häl­ti­ger Dritt­staats­an­ge­hö­ri­ger, Grenz-/Mi­gra­ti­ons­ma­nage­ment sowie Rück­kehr und Rück­über­nah­me von Men­schen ohne Auf­ent­halts­recht.
Migran­ten „ver­ge­wal­ti­gen, beläs­ti­gen und mor­den“.Ein­zel­ne schwe­re Straf­ta­ten durch Migran­ten sind selbst­ver­ständ­lich doku­men­tier­bar. Die Rede macht dar­aus jedoch eine pau­scha­le Cha­rak­te­ri­sie­rung einer sehr gro­ßen Bevöl­ke­rungs­grup­pe. Euro­stat erfasst Tatverdächtige/Verurteilte nach Staats­an­ge­hö­rig­keit, aber nicht als ein­heit­li­che Kate­go­rie „ille­ga­ler Migrant“; zudem warnt Euro­stat aus­drück­lich vor direk­ten EU-Län­der­ver­glei­chen wegen unter­schied­li­cher Rechts- und Erfas­sungs­sys­te­me. Eine EU-wei­te Aus­sa­ge in die­ser pau­scha­len Form lässt sich mit den ver­füg­ba­ren Sta­tis­ti­ken nicht bele­gen.
„Dann geben sie ihnen Papie­re, damit sie wäh­len kön­nen.“Für Euro­pa­wah­len stimmt das so nicht. Das Wahl­recht beruht auf der EU-Staats­bür­ger­schaft; blo­ßer Auf­ent­halt oder ein Auf­ent­halts­ti­tel für Dritt­staats­an­ge­hö­ri­ge ver­leiht kein Euro­pa­wahl­recht. Natio­na­le Regeln kön­nen Nicht-EU-Bür­gern in man­chen Staa­ten bestimm­te kom­mu­na­le Wahl­rech­te gewäh­ren, das ist aber etwas ande­res.
„Papier­stroh­hal­me und fest ver­bun­de­ne Fla­schen­de­ckel.“Teil­wei­se rich­tig. Die EU hat bestimm­te Ein­weg-Kunst­stoff­stroh­hal­me vom Markt genom­men; sie schreibt aber nicht aus­drück­lich vor, dass der Ersatz aus Papier bestehen muss. Die fest mit Geträn­ke­be­häl­tern ver­bun­de­nen Deckel sind hin­ge­gen tat­säch­lich eine EU-Vor­ga­be und gel­ten seit Juli 2024.
„Pfi­zer­ga­te, ver­schwun­de­ne Nach­rich­ten, Ver­wei­ge­rung der Kon­trol­le.“Dahin­ter steckt ein rea­ler Trans­pa­renz­streit. Die EU-Ombuds­frau stell­te 2022 einen Ver­wal­tungs­miss­stand fest, weil die Kom­mis­si­on nicht aus­rei­chend nach den SMS zwi­schen von der Ley­en und Pfi­zer-Chef Albert Bour­la gesucht hat­te. 2025 hob das EU-Gericht die Ent­schei­dung auf, mit der die Kom­mis­si­on den Zugang zu den Nach­rich­ten ver­wei­gert hat­te. Außer­dem bestä­tig­te die Euro­päi­sche Staats­an­walt­schaft EPPO eine Unter­su­chung zur Beschaf­fung von COVID-19-Impf­stof­fen. Das ist jedoch kein gericht­li­cher Nach­weis von Kor­rup­ti­on von der Ley­ens.
„Ohne Legi­ti­ma­ti­on durch die Stim­men der euro­päi­schen Bür­ger.“Von der Ley­en wird tat­säch­lich nicht direkt von den EU-Bür­gern zur Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin gewählt. Aber „ohne Legi­ti­ma­ti­on“ lässt einen wich­ti­gen Teil des Ver­fah­rens weg: Der Euro­päi­sche Rat schlägt die Kan­di­da­tin vor und das direkt gewähl­te Euro­päi­sche Par­la­ment wählt sie. Am 18. Juli 2024 erhielt von der Ley­en in gehei­mer Wahl 401 Stim­men, gegen­über 284 Gegen­stim­men; not­wen­dig waren 360.
„Kern­fa­mi­lie zer­stört“, „grü­ner Wahn­sinn“, „woke Agen­da“, „Isla­mi­sie­rung“, „Mer­kels bes­te Schü­le­rin“Das sind über­wie­gend poli­ti­sche Wer­tun­gen bzw. rhe­to­ri­sche Begrif­fe, kei­ne klar über­prüf­ba­ren Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen. Man kann die dar­un­ter­lie­gen­den kon­kre­ten EU-Rege­lun­gen ana­ly­sie­ren, aber die Wer­tun­gen selbst las­sen sich nicht wie eine Sta­tis­tik als wahr oder falsch fest­stel­len.

Die Kri­tik an EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin Ursu­la von der Ley­en im Rah­men der Debat­te zur Lage der Euro­päi­schen Uni­on (Sta­te of the Uni­on) 2026 erstreckt sich über ver­schie­de­ne poli­ti­sche Lager und Schwer­punk­te:

1. Füh­rungs­stil, Zen­tra­lis­mus und Mikro­ma­nage­ment

  • Macht­kon­zen­tra­ti­on: Marie-Agnes Strack-Zim­mer­mann (FDP) wirft von der Ley­en vor, zu sehr im Detail zu mikro­ma­na­gen und Ent­schei­dun­gen sowie Kom­pe­ten­zen an die Kom­mis­si­on zu zie­hen. Dadurch wür­den Dop­pel­struk­tu­ren geschaf­fen und die Fach­ex­per­ti­se bestehen­der Insti­tu­tio­nen – wie etwa des Euro­päi­schen Aus­wär­ti­gen Diens­tes – beschnit­ten.
  • Man­geln­de Füh­rung nach außen: Auch Andre­as Schie­der (SPÖ) bestä­tigt den Befund eines star­ken Zen­tra­lis­mus und ver­misst mehr Locker­heit, Ori­en­tie­rung sowie muti­ge „gro­ße Ges­ten“ in der Füh­rung Euro­pas.

2. Lebens­hal­tungs­kos­ten und sozia­le Absi­che­rung

  • Ent­kopp­lung von All­tags­sor­gen: Ver­tre­ter sozi­al­de­mo­kra­ti­scher, lin­ker und frak­ti­ons­lo­ser Grup­pen bemän­geln, dass die Kom­mis­si­on drän­gen­de Pro­ble­me der Bür­ger wie hohe Benzin‑, Energie‑, Lebens­mit­tel- und Miet­prei­se ver­nach­läs­si­ge.
  • Feh­len­de Instru­men­te zur Ent­las­tung: René Repa­si (SPD) kri­ti­siert nach der Rede, dass von der Ley­en kei­ne kon­kre­ten Maß­nah­men vor­ge­legt habe, um die mas­si­ven Gewin­ne von Ener­gie­kon­zer­nen (z. B. über eine Über­ge­winn­schild-Steu­er) abzu­schöp­fen und den Bür­gern zurück­zu­ge­ben. Pas­qua­le Trid­ico und ande­re wirft der Kom­mis­si­on zudem vor, die Auf­rüs­tung und Rüs­tungs­in­dus­trie zu prio­ri­sie­ren, wäh­rend der sozia­le Zusam­men­halt und bezahl­ba­rer Wohn­raum zu kurz kämen.

3. Über­re­gu­lie­rung, Büro­kra­tie und Nie­der­gang der Wett­be­werbs­fä­hig­keit

  • Wett­be­werbs­hemm­nis­se durch Regu­lie­run­gen: Strack-Zim­mer­mann kri­ti­siert, dass die Kom­mis­si­on den Bin­nen­markt „zu Tode rege­le“, was Unter­neh­men dazu trei­be, aus der EU aus­zu­wei­chen.
  • Büro­kra­tie­zu­wachs und Deindus­tria­li­sie­rung: Poli­ti­ker aus dem kon­ser­va­ti­ven und rech­ten Spek­trum (u. a. Patrio­ten für Euro­pa, EKR, AfD, FPÖ) wer­fen von der Ley­en vor, trotz Lip­pen­be­kennt­nis­sen zum Büro­kra­tie­ab­bau immer mehr Vor­schrif­ten und Beam­te geschaf­fen zu haben. Als Fol­gen wer­den gestie­ge­ne Ener­gie­prei­se, Wel­len von Insol­ven­zen sowie der Ver­lust tech­no­lo­gi­scher Markt­an­tei­le ange­führt.

4. Kli­ma­po­li­tik und Green Deal (Kri­tik aus zwei Rich­tun­gen)

  • Kri­tik von rechts/konservativ: Der Green Deal und CO₂-Beprei­sun­gen (wie ETS2) wer­den als wirt­schafts­schäd­lich bezeich­net, da sie Kraft­stoff- und Ener­gie­prei­se ver­teu­ern und die Abhän­gig­keit von aus­län­di­schen Mäch­ten (etwa bei kri­ti­schen Roh­stof­fen) erhö­hen wür­den.
  • Kri­tik von Grü­nen und Lin­ken: Ter­ry Reint­ke (Grü­ne) wirft der Kom­mis­si­on wie­der­um vor, den Green Deal durch Dere­gu­lie­rung auf­zu­wei­chen und ange­sichts extre­mer Som­mer­hit­ze und Wald­brän­de kei­ne wirk­sa­men Not­fall­ak­ti­ons­plä­ne oder Not­fall­kräf­te mobi­li­siert zu haben.

5. Geo­po­li­tik, Han­dels­be­zie­hun­gen und Nah­ost-Kon­flikt

  • Reak­ti­on gegen­über den USA: In Bezug auf Han­dels- und Wirt­schafts­po­li­tik wird bemän­gelt, dass die EU unter von der Ley­en gegen­über der US-Admi­nis­tra­ti­on ein­ge­knickt sei, anstatt wie etwa Kana­da mit geschlos­se­nem Selbst­be­wusst­sein auf­zu­tre­ten.
  • Untä­tig­keit im Gaza-Kon­flikt: Abge­ord­ne­te der Sozi­al­de­mo­kra­ten und der Lin­ken wer­fen der Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin Heu­che­lei und Dop­pel­stan­dards vor, da die EU trotz anhal­ten­der Völ­ker­rechts­ver­let­zun­gen im Gaza-Strei­fen kei­ne wirk­sa­men Sank­tio­nen oder Han­dels­aus­set­zun­gen gegen Isra­el ver­hängt habe.

6. Grenz­schutz und Migra­ti­ons­po­li­tik

  • Rech­te und patrio­ti­sche Frak­tio­nen bezeich­nen das Asyl- und Migra­ti­ons­pa­ket als Unwirk­sam­keit und wer­fen der Kom­mis­si­on Ver­sa­gen beim Schutz der EU-Außen­gren­zen (z. B. bei Vor­fäl­len in Ceu­ta) vor. Sie for­dern kon­se­quen­te Rück­füh­run­gen und die Stär­kung natio­na­ler Sou­ve­rä­ni­tät.

7. Trans­pa­renz und Skan­da­le

  • Ein­zel­ne Abge­ord­ne­te ver­wei­sen auf man­geln­de Trans­pa­renz bei EU-Finan­zen (z. B. Coro­na-Impf­stoff­be­schaf­fung, Resi­li­enz­fa­zi­li­tät), offe­ne Fra­gen bei Ukrai­ne-Hil­fen sowie den Umgang mit ver­schwun­de­nen SMS-Nach­rich­ten der Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin.

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Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater