Kurzes Resümee des Börsentages
Es war ein Tag, an dem die Anleger gerne Risiken eingegangen sind – das spürte man an den Kursen. Der DAX hat seine Erholungsbewegung fortgesetzt und am Ende bei 24.456 Punkten geschlossen, ein Plus von 1,32 %. Bemerkenswert daran: Das gelang trotz eines feiertagsbedingt ausgedünnten Handels, in dem schon wenige größere Orders die Kurse bewegen können. Die Zugpferde waren einmal mehr die Technologiewerte – Infineon, SAP, Aixtron und SMA Solar legten kräftig zu. Besonders auffällig war der TecDAX mit einem Tagesgewinn von 2,51 %. Das zeigt recht deutlich, wo die Fantasie der Investoren gerade steckt: bei Künstlicher Intelligenz und Halbleitern.
Drüben in den USA war die Stimmung ähnlich gut, wenn nicht sogar euphorischer. S&P 500 und Nasdaq erklommen neue Allzeithochs, und der Dow Jones knackte wieder die Marke von 50.000 Punkten. Was dabei besonders positiv auffiel: Die Rally war diesmal breiter aufgestellt als in den Monaten zuvor – nicht nur die üblichen Big-Tech-Verdächtigen zogen mit.
Der eigentliche Taktgeber war auch heute wieder die KI-Infrastruktur. Konkret waren es Meldungen rund um Cisco und Nvidia sowie die Lockerung von Exportbeschränkungen für Nvidias H200-Chips nach China, die international für Aufbruchsstimmung sorgten. In Deutschland griffen Anleger vor allem bei Infineon und SAP zu. Allerdings sollte man dabei nicht vergessen: Die Bewertungen in diesem Segment sind inzwischen ambitioniert – Luft nach oben gibt es noch, aber sie wird dünner.
Auf der makroökonomischen Seite bleibt das Bild durchwachsen. Die US-Konjunktur zeigt sich robust, und die Importpreise steigen – beides sind keine guten Argumente für baldige Zinssenkungen. Die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Senkung im Juni ist mittlerweile auf rund 4 % gesunken. Mit anderen Worten: Der Aktienmarkt feiert, während die Zinsen vorerst hoch bleiben. Das ist keine unlösbare Situation, aber eine, die man im Blick behalten sollte.
Schlussfolgerung für den nächsten Börsentag
Der Rückenwind hält an – aber man sollte ihn nicht überschätzen. Nach den starken Kursgewinnen der vergangenen Tage ist es durchaus wahrscheinlich, dass einige Anleger morgen Gewinne mitnehmen, gerade im heißgelaufenen KI- und Halbleiterbereich. Hinzu kommt der sogenannte kleine Verfall, der erfahrungsgemäß für unruhigere Kursbewegungen sorgt und den ein oder anderen unerwarteten Ausschlag produzieren kann.
Inhaltlich richten sich die Blicke auf die US-Daten zu Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung – die könnten nochmals verdeutlichen, wie weit die Fed von Zinssenkungen entfernt ist. Auf Unternehmensseite sind Fraport, Freenet und Biontech als potenzielle Kurstreiber im Blick.
Solange keine unangenehmen Überraschungen aus Peking, vom Ölmarkt oder von den US-Zinsmärkten kommen, spricht das kurzfristige Umfeld weiterhin für steigende Kurse. Der richtige Ansatz für morgen ist aber kein blindes Nachkaufen auf aktuellem Niveau. Besser ist ein selektives Vorgehen: Positionen in starken Titeln halten, im KI-Bereich genau hinschauen, ob die Bewertungen noch Sinn ergeben, und mögliche Rücksetzer weniger als Warnsignal denn als gesunden Test der Marktbreite einordnen.