Neu­be­rech­nung der Regel­sät­ze

Die Abge­ord­ne­ten der Frak­ti­on Die Lin­ke stel­len eine Klei­ne Anfra­ge zur Neu­be­rech­nung der Regel­sät­ze in SGB II und SGB XII. Im Zen­trum ste­hen Kri­tik­punk­te an der bis­he­ri­gen Berech­nungs­me­tho­dik – ins­be­son­de­re im Bereich gesun­de Ernäh­rung, Refe­renz­grup­pen, Trans­pa­renz, Strom­kos­ten, Kin­der­be­dar­fe und völ­ker­recht­li­che Vor­ga­ben.
Die Bun­des­re­gie­rung ant­wor­tet über­wie­gend zurück­hal­tend, ver­weist auf lau­fen­de Arbei­ten und ver­mei­det kon­kre­te Fest­le­gun­gen.

Kern­punk­te der Kri­tik der Fra­ge­stel­ler

  • Das aktu­el­le Berech­nungs­ver­fah­ren sei nicht aus­rei­chend, um ein men­schen­wür­di­ges Exis­tenz­mi­ni­mum sicher­zu­stel­len.
  • Beson­ders kri­ti­siert:
    • Ernäh­rungs­an­teil im Regel­satz reicht laut For­schung nicht für gesun­de Ernäh­rung.
    • Kin­der sind beson­ders gefähr­det (Wachs­tums- und Ent­wick­lungs­ri­si­ken).
    • Refe­renz­grup­pen ent­hal­ten ver­deckt Arme und Haus­hal­te mit Erwerbs­aus­ga­ben → Ver­zer­rung nach unten.
    • Ein Drit­tel der sta­tis­ti­schen Wer­te wird gestri­chen → star­ker Waren­korb-Ein­griff.
    • Essen außer Haus wird kom­plett gestri­chen → sozia­le Funk­ti­on von Ernäh­rung wird igno­riert.
  • Völ­ker­recht­li­che Gut­ach­ten sehen Ver­stoß gegen UN-Sozi­al­pakt.
  • Mög­li­cher Ver­stoß gegen das Grund­recht auf ein men­schen­wür­di­ges Exis­tenz­mi­ni­mum.

Hal­tung der Bun­des­re­gie­rung (über­grei­fend)

  • Die Neu­er­mitt­lung der Regel­sät­ze (EVS 2023) läuft; kei­ne kon­kre­ten Aus­sa­gen mög­lich.
  • Man berück­sich­tigt:
    • wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se
    • Stel­lung­nah­men von Ver­bän­den
    • Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts
  • Die Bun­des­re­gie­rung hält am sta­tis­ti­schen Modell fest und lehnt einen Waren­korb für gesun­de Ernäh­rung ab.
  • Ernäh­rung wird als eigen­ver­ant­wort­li­che Ent­schei­dung der Leis­tungs­be­rech­tig­ten betrach­tet.
  • Vie­le Fra­gen wer­den mit Ver­weis auf lau­fen­de Abstim­mun­gen nicht beant­wor­tet.

The­ma Ernäh­rung

  • Regie­rung lehnt es ab, den Ernäh­rungs­an­teil so zu berech­nen, dass er gesun­de Ernäh­rung garan­tiert.
  • Kei­ne eige­nen Unter­su­chun­gen zu Kos­ten gesun­der Ernäh­rung.
  • Sozia­le Funk­ti­on von Ernäh­rung (z. B. gemein­sa­mes Essen) wird nicht berück­sich­tigt.
  • Regie­rung ver­weist auf pau­scha­le Eigen­ver­ant­wor­tung.

Refe­renz­grup­pen & Sta­tis­tik

  • Regie­rung macht kei­ne Anga­ben zu:
    • Ein­kom­mens­gren­zen der Refe­renz­grup­pen
    • Berei­ni­gungs­kri­te­ri­en
    • Umgang mit ver­deckt Armen
    • Her­aus­nah­me von Haus­hal­ten mit Hin­zu­ver­dienst
  • Euro­stat-Daten zu Depri­va­ti­on wer­den genannt, aber als metho­disch begrenzt bewer­tet.

Strom, Haus­halts­en­er­gie, Instand­hal­tung

  • Regie­rung prüft Ent­wick­lun­gen, äußert sich aber nicht kon­kret.
  • Kei­ne Aus­sa­ge zur mög­li­chen Her­aus­nah­me der Strom­kos­ten aus der Pau­scha­le.
  • Kei­ne Aus­sa­ge zur Aktua­li­sie­rung des Ver­tei­lungs­schlüs­sels für Haus­hal­te mit Kin­dern.

Kin­der­be­dar­fe

  • Per­sön­li­cher Schul­be­darf bleibt sepa­ra­te Leis­tung, kei­ne sta­tis­ti­sche Erhe­bung geplant.
  • Sofort­zu­schlag für Kin­der (25 €) wird im Rah­men der Sozi­al­staats­re­form geprüft.

Völ­ker­recht & Men­schen­rech­te

  • Regie­rung erkennt inter­na­tio­na­le Kri­tik an, hält sie aber für nicht zutref­fend.
  • Sie betont, dass die Berech­nung geset­zes­kon­form sei.
  • Stel­lung­nah­me im lau­fen­den Staa­ten­be­richts­ver­fah­ren zum UN-Sozi­al­pakt steht noch aus.

Preis- und Lohn­ent­wick­lung

  • Fort­schrei­bung erfolgt wie gesetz­lich vor­ge­se­hen.
  • Kon­kre­te Zeit­räu­me oder Metho­den wer­den nicht genannt.

Mehr­wert­steu­er & Grund­nah­rungs­mit­tel

  • Kei­ne all­ge­mein­gül­ti­ge Defi­ni­ti­on von „Grund­nah­rungs­mit­teln“.
  • Regie­rung sieht kei­nen Bedarf, die Lis­te der ermä­ßig­ten MwSt.-Lebensmittel zu erwei­tern.

Fazit

Die Bun­des­re­gie­rung bleibt in nahe­zu allen Punk­ten vage und ver­weist auf lau­fen­de inter­ne Abstim­mun­gen.
Zen­tra­le Kri­tik­punk­te der Fra­ge­stel­ler – ins­be­son­de­re zur Ange­mes­sen­heit der Regel­sät­ze, Ernäh­rung, Trans­pa­renz und völ­ker­recht­li­chen Ver­pflich­tun­gen – wer­den nicht sub­stan­zi­ell beant­wor­tet.
Die Regie­rung hält am bis­he­ri­gen sta­tis­ti­schen Modell fest und lehnt eine stär­ke­re Ori­en­tie­rung an gesund­heit­li­chen oder sozia­len Min­dest­stan­dards ab.


Quel­le: Bun­des­tags­druck­sa­che 21/6151

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