Der New Zealand Superannuation Fund (NZ Super Fund) hat heute, am 16. September 2026, offiziell gemeldet:
- Rendite im Geschäftsjahr bis 30. Juni 2026: 14,17 %, nach Kosten und vor neuseeländischer Steuer → gerundet 14,2 %.
- Fondsvermögen zum Jahresende: NZ$94,4 Mrd., ein Anstieg um NZ$9,3 Mrd. gegenüber dem Vorjahr.
- 90-Tage-Staatsanleihen brachten im selben Zeitraum nur 2,71 %.
- Gegenüber seinem eigentlichen Kapitalmarkt-Benchmark war das Ergebnis allerdings nicht besser: Das passive „Reference Portfolio“ erzielte rund 14,27 %, der Fonds lag also etwa 0,1 Prozentpunkte darunter.
GlobalSWF stufte den NZ Super Fund im Mai 2026 als den bestperformenden Sovereign Wealth Fund über 20 Jahre ein. Damals lag seine annualisierte Rendite bei 9,93 % p. a. nach Kosten und vor Steuer, gegenüber durchschnittlich etwa 6,2 % für Sovereign Wealth Funds weltweit.
Interessant ist auch die langfristige Benchmark:
| Zeitraum / Kennzahl | Rendite |
|---|---|
| Geschäftsjahr 2025/26 | 14,17 % |
| 20-Jahres-Durchschnitt des NZ Super Fund, aktuell | 9,68 % p. a. |
| Reference Portfolio über 20 Jahre | 8,19 % p. a. |
| Langfristige Zielannahme | ≥ 7,2 % p. a. |
Über diese 20 Jahre hat die aktive Strategie laut Fonds insgesamt etwa NZ$22 Mrd. mehr erwirtschaftet als das passive Reference Portfolio.
Wenn man die Zahlen auseinanderlegt, sieht man ziemlich gut, warum Neuseeland so stark war – und auch, warum man daraus nicht einfach schließen sollte, dass die Norweger schlechter investieren.
1. Neuseeland fährt grundsätzlich mehr Risiko
Der NZ Super Fund beginnt mit einem sehr offensiven Referenzportfolio:
| NZ Super Fund | Norwegischer GPFG | |
|---|---|---|
| Strategische Aktienquote | 80 % | 70 % |
| Anleihen | 20 % | 30 % |
| Aktive Abweichungen | relativ weitreichend | stärker benchmarknah |
| Private Equity allgemein | möglich | derzeit nicht allgemein zugelassen |
| Strategisches Market-Timing | ausdrücklich eingesetzt | deutlich begrenzter |
Das NZ-Referenzportfolio besteht aus 75 % globalen Aktien, 5 % neuseeländischen Aktien und 20 % Anleihen. Norwegens strategischer Benchmark liegt dagegen bei 70 % Aktien und 30 % Anleihen.
Das klingt nach einem kleinen Unterschied. Über die vergangenen 20 Jahre mit sehr starken Aktienmärkten – insbesondere US-Aktien – war er aber erheblich.
Der NZ Super Fund sagt das inzwischen selbst ausdrücklich: Die außergewöhnliche Vergangenheit wurde durch günstige Aktienmärkte unterstützt, und man erwartet künftig niedrigere Aktienrenditen. Deshalb wurde die langfristige Renditeannahme von 7,8 auf 7,2 % p.a. reduziert.
2. Aber es war nicht nur mehr Aktienrisiko
Das ist der interessante Teil.
Bis zum 30. Juni 2026 lauten die offiziellen 20-Jahres-Zahlen:
NZ Super Fund: 9,68 % p.a.
Passives Reference Portfolio: 8,19 % p.a.
Damit hat das aktive Management etwa +1,49 Prozentpunkte pro Jahr zusätzlich erwirtschaftet. Der kumulierte Mehrwert gegenüber der passiven Alternative beträgt laut Fonds rund NZ$22 Mrd.
Das ist erheblich.
Bei einer rein hypothetischen Einmalanlage ohne Zu- und Abflüsse würden
- 8,19 % p.a. über 20 Jahre ungefähr das 4,83-Fache ergeben,
- 9,68 % ungefähr das 6,33-Fache.
Die zusätzliche Rendite macht also über lange Zeit durch Compounding einen sehr großen Unterschied.
3. Eine ihrer interessantesten Waffen: „Strategic Tilting“
Der NZ Super Fund betreibt etwas, das viele institutionelle Anleger nur sehr vorsichtig machen: systematisches antizyklisches Positionieren.
Die Grundidee lautet:
Wenn bestimmte große Märkte gemessen an langfristigen fundamentalen Bewertungen ungewöhnlich teuer oder billig erscheinen, weicht der Fonds bewusst vom Benchmark ab.
Er kann dabei Positionen in
Aktien, Zinsen, Kreditmärkten und Währungen
verändern. Das Modell basiert explizit auf Mean Reversion – also der Annahme, dass extreme Bewertungen langfristig zumindest teilweise zu normalen Bewertungsniveaus zurückkehren.
Das ist kein kurzfristiges „morgen fällt der S&P 500“-Market-Timing. Die Positionen können über lange Zeiträume gehalten werden.
Beispielsweise war Strategic Tilting bereits 2024/25 ein bedeutender positiver Renditetreiber; erfolgreiche Positionierungen gab es unter anderem bei japanischen und Emerging-Markets-Aktien sowie bei Währungen, Zinsen und Credit.
Noch bemerkenswerter: Bereits 2024 bezeichnete der Fonds Strategic Tilting als seinen größten kumulierten aktiven Wertbeitrag seit Einführung, damals mit etwa NZ$4,5 Mrd.
4. Sie nehmen gezielt Risiken, die ein normaler Index nicht enthält
Der tatsächliche NZ-Fonds ist wesentlich komplexer als sein 80/20-Benchmark. Er investiert beispielsweise in:
- Private Equity und Growth Equity
- Private Credit
- Infrastruktur
- Forstwirtschaft
- Immobilien
- Catastrophe Reinsurance / Katastrophenanleihen
- Faktorstrategien
- Arbitrage
- Trend Following
- Tactical Credit
- opportunistische Direktinvestments
Die Philosophie dahinter ist ziemlich rational: Der Fonds hat einen sehr langen Zeithorizont und vergleichsweise geringe kurzfristige Liquiditätsbedürfnisse. Deshalb kann er Risiken übernehmen, für die andere Investoren eine Illiquiditäts‑, Komplexitäts- oder Geduldsprämie verlangen.
Ein klassisches Beispiel ist Forstwirtschaft. Oder Private Credit während Perioden, in denen andere Investoren Liquidität benötigen.
5. Norwegen hat ein anderes Mandat
Hier wird der direkte Vergleich problematisch.
Der norwegische GPFG ist bewusst sehr stark auf einen transparenten globalen Marktportfolio-Ansatz ausgerichtet. Sein strategischer Benchmark ist im Wesentlichen:
70 % globale Aktien + 30 % Anleihen.
Unlisted Real Estate darf maximal 7 % ausmachen und unlisted Renewable Infrastructure maximal 2 %. Breite Investments in unlisted equities / Private Equity sind bislang nicht Bestandteil des allgemeinen Mandats.
Der Fonds verwaltet sich deshalb vergleichsweise nahe an seinem Benchmark.
Und das sieht man an der Performance:
Seit 1998 hat Norwegen seinen Benchmark um etwa 0,24 Prozentpunkte p.a. geschlagen.
NZ hat über die aktuellen 20 Jahre seinen eigenen Benchmark dagegen um etwa 1,49 Prozentpunkte p.a. geschlagen.
Das ist wahrscheinlich die wichtigste Differenz zwischen den beiden Managementmodellen.
Aber: Die beiden Zahlen haben unterschiedliche Messzeiträume und Benchmarkdefinitionen. Man sollte aus 1,49 versus 0,24 daher keinen sauberen Manager-Ranking-Vergleich machen.
6. Norwegens gigantische Größe ist ebenfalls relevant
Hier kommt ein strukturelles Problem hinzu.
Der NZ Super Fund liegt bei rund NZ$94,4 Mrd.
Der norwegische Fonds ist dagegen einer der mit Abstand größten Investoren der Welt und hält Anteile an mehr als 7.000 Unternehmen.
Das hat Vorteile – extrem niedrige Kosten, enorme Ressourcen, Zugang zu Unternehmen – aber es erschwert bestimmte Alpha-Strategien.
Ein Investment von beispielsweise NZ$500 Mio. kann für Neuseeland relevant sein. Für Norwegen wäre eine Position dieser Größenordnung kaum sichtbar.
Je größer ein Fonds wird, desto schwieriger wird es grundsätzlich, kleine Arbitrage‑, Private-Credit‑, Spezialimmobilien- oder Nischenstrategien so groß zu skalieren, dass sie die Gesamtrendite merklich verändern.
Das ist weniger ein Problem der Investmentkompetenz als der Capacity.
7. NZ nimmt auch bewusst mehr aktives Risiko
Das wird manchmal bei der Schlagzeile „best performing sovereign wealth fund“ übersehen.
Neuseeland hat für sein aktives Portfolio ein explizites Active-Risk-Budget. Im Annual Report 2025 waren das 4 % erwartete langfristige Standardabweichung der aktiven Renditen.
Norwegen hält sich wesentlich enger an seinen staatlich vorgegebenen Benchmark.
Anders gesagt:
NZ versucht stärker, den Markt zu schlagen.
Norwegen versucht stärker, den globalen Markt extrem effizient abzubilden und nur kontrolliert Alpha hinzuzufügen.
Beides sind legitime Modelle.
8. Das aktuelle Jahr zeigt sehr schön, dass NZ nicht magisch ist
Gerade das heute veröffentlichte Ergebnis ist dafür ein gutes Beispiel.
2025/26:
NZ Super Fund: 14,17 %
Reference Portfolio: ca. 14,27 %
Der Fonds hat also trotz seiner ganzen aktiven Strategien seinen einfachen passiven Benchmark um rund 0,1 Prozentpunkte verfehlt.
Das ist vollkommen normal.
Der Mehrwert zeigt sich nicht jedes Jahr. Die These des Fonds ist ausdrücklich, dass solche Strategien über sehr lange Zeiträume funktionieren sollen.
Was erklärt die ~9,7 % also wirklich?
Die Rendite gedanklich in zwei Komponenten zerlegen:
1. Beta:
Das sehr offensive 80/20-Portfolio profitierte enorm von 20 starken Jahren globaler Aktienmärkte.
2. Alpha:
Darauf kamen ungefähr 1,5 Prozentpunkte p.a. aktive Mehrrendite aus Strategic Tilting, Faktoren, Credit, Private Markets, Arbitrage, Forstwirtschaft und anderen Strategien.
Damit ist die Story erheblich interessanter als „ein genialer Fondsmanager schlug alle anderen“.
Ein wesentlicher Teil des Erfolges ist Asset Allocation + Risikotoleranz. Aber die rund NZ$22 Mrd. Mehrwert gegenüber dem eigenen risikoadjustierten passiven Benchmark sind ein ziemlich starkes Indiz dafür, dass auch die Investmentarchitektur selbst einen substanziellen Beitrag geleistet hat.
Und genau hier würde ich als Anleger genauer hinschauen: Die wahrscheinlich wertvollste Lektion aus dem NZ Super Fund ist nicht sein Private Equity oder sein Market-Timing, sondern die Konstruktion seines „Reference Portfolio + aktive Satelliten“-Systems. Das lässt sich erstaunlich gut auf ein privates Portfolio übertragen.