Orgien des Antitrumpismus: Eine kritische Betrachtung

In der aktuellen politischen Landschaft scheint eines unumstößlich: Alles, was Donald Trump tut, ist falsch – von hinten bis vorne. Es wird sich lustig gemacht, es wird gespottet, und die jüngste „Chat-Affäre“ mit seinen engsten Vertrauten liefert dafür den perfekten Stoff. Eine Peinlichkeit, ja, vielleicht sogar ein Zeichen von Inkompetenz, das die Vereinigten Staaten in einem wenig schmeichelhaften Licht zeigt. Genau das ist es doch, was Trump immer wieder kritisiert: Amerika sei nicht mehr das, was es einmal war, ein Land im Verfall. Doch während diese Affäre die Schlagzeilen dominiert, scheint ein anderes Ereignis, das weitaus brisanter war, völlig in Vergessenheit geraten zu sein. Vor ziemlich genau einem Jahr plauderten deutsche Luftwaffengeneräle im „Top Gun“-Stil über ungesicherte Telefonleitungen, wie man mit Taurus-Raketen russische Ziele tief im Landesinneren angreifen könnte. Damals war die Empörung groß – heute spricht niemand mehr darüber. Stattdessen richtet sich die Häme nun voll und ganz auf die Amerikaner. Eine Peinlichkeit, zweifellos, aber auch ein unfreiwilliger Schritt hin zu mehr Transparenz, über den sich ebenfalls viele aufregen.

Doch da ist noch mehr, was unter die Haut geht. Wenn man liest, dass die Europäer als Trittbrettfahrer beschimpft werden, spürt man die unverhohlene Verachtung aus Washington. Und ja, da ist etwas dran: Europa hat seine Rüstungsausgaben faktisch an die USA delegiert und sich stattdessen gewaltige Sozialstaaten aufgebaut. Natürlich sind wir in gewisser Weise Trittbrettfahrer – oder vielleicht sogar Drittbrettfahrer, wie es treffender heißt. Und dann dieser Zollkrieg, der vor allem die deutsche Automobilindustrie hart trifft. Ich persönlich bin kein Freund von Zöllen, kein Verfechter protektionistischer Politik – verstehen Sie mich nicht falsch. Aber auch hier zeigt sich die Heuchelei, die Selbstgerechtigkeit, die so typisch für die Europäische Union ist. Denn die EU selbst ist ein hochprotektionistisches Gebilde. Schauen Sie sich nur die Landwirtschaftspolitik an: Subventionen hier, Schranken dort – die ganze Dritte Welt leidet darunter. Oder die Industriepolitik mit ihren massiven Subventionen und die Mehrwertsteuer, die unterschätzte Zollmauer gegen andere Märkte. Wir werfen den USA vor, Zollschranken zu errichten und einen Zollkrieg zu führen, dabei betreiben wir seit Jahren genau dasselbe.

Und genau das ist der Punkt: Ursula von der Leyen, die aktuelle Kommissionspräsidentin, hat immer wieder betont, dass Europa mehr Industriepolitik brauche, dass wir auf den Weltmärkten mit Muskeln auftreten müssten. Darüber kann man schmunzeln, aber es ist exakt die Politik, die man jetzt Donald Trump zum Vorwurf macht. Vielleicht wäre es an der Zeit, die eigene Heuchelei etwas abzurüsten und die Dinge differenzierter zu betrachten. Die Welt ist nicht schwarz-weiß, und die Fehler liegen nicht immer nur auf der anderen Seite des Atlantiks.


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