Poli­zei­li­che Kri­mi­nal­sta­tis­tik (PKS) 2025

1. Ein­lei­tung und stra­te­gi­scher Rah­men

Die Poli­zei­li­che Kri­mi­nal­sta­tis­tik (PKS) 2025 stellt das fun­da­men­ta­le stra­te­gi­sche Instru­ment zur Bewer­tung der inne­ren Sicher­heit in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land dar. Die vor­lie­gen­den Daten wur­den durch die Innen­mi­nis­ter­kon­fe­renz (IMK) im Rah­men ihrer Befas­sung in Ham­burg 2026 als objek­ti­ve Ent­schei­dungs­grund­la­ge bestä­tigt. Für Sicher­heits­be­hör­den und poli­ti­sche Ent­schei­dungs­trä­ger dient die PKS als Kom­pass für die Kri­mi­na­li­täts­be­kämp­fung, die Res­sour­cen­al­lo­ka­ti­on inner­halb der Poli­zei­or­ga­ni­sa­tio­nen sowie für die Eva­lua­ti­on kri­mi­nal­po­li­ti­scher Maß­nah­men. In einem dyna­mi­schen Umfeld, das durch gesetz­li­che Neu­re­ge­lun­gen und gesell­schaft­li­che Trans­for­ma­tio­nen geprägt ist, lie­fert sie die not­wen­di­ge Evi­denz für eine pro­ak­ti­ve Sicher­heits­po­li­tik.

Die Kern­zie­le der PKS sind gemäß den gel­ten­den Richt­li­ni­en:

  • Beob­ach­tung: Ana­ly­se der Kri­mi­na­li­täts­ent­wick­lung ins­ge­samt sowie spe­zi­fi­scher Delikts­fel­der und der Struk­tur des Tat­ver­däch­ti­gen­krei­ses.
  • Prä­ven­ti­on und Ver­fol­gung: Gewin­nung stra­te­gi­scher Erkennt­nis­se zur Opti­mie­rung poli­zei­li­cher Vor­beu­gungs- und Repres­si­ons­stra­te­gien.
  • Pla­nung und Ent­schei­dung: Bereit­stel­lung einer vali­den Daten­ba­sis für die Per­so­nal- und Sach­mit­tel­pla­nung sowie für gesetz­ge­be­ri­sche Initia­ti­ven.
  • For­schung: Unter­stüt­zung kri­mi­no­lo­gisch-sozio­lo­gi­scher Ana­ly­sen zur Ursa­chen­for­schung.

Um die Aus­sa­ge­kraft der fol­gen­den Kenn­zah­len kor­rekt zu bewer­ten, müs­sen jedoch die metho­di­schen Rah­men­be­din­gun­gen sowie die sta­tis­ti­schen Beson­der­hei­ten des Berichts­jah­res berück­sich­tigt wer­den.

2. Metho­dik und Gren­zen der Aus­sa­ge­kraft

Die PKS wird als Aus­gangs­sta­tis­tik geführt. Dies impli­ziert, dass Straf­ta­ten erst nach Abschluss der poli­zei­li­chen Ermitt­lun­gen bei Abga­be an die Staats­an­walt­schaft erfasst wer­den. Sys­tem­be­dingt flie­ßen hier­bei auch Rausch­gift­de­lik­te ein, die durch den Zoll bear­bei­tet wer­den (Wirk­be­trieb seit 2017). Die­se Metho­dik gewähr­leis­tet eine hohe Daten­qua­li­tät auf Basis ermit­tel­ter Sach­ver­hal­te, führt jedoch bei kom­ple­xen Ver­fah­ren zu zeit­li­chen Ver­zö­ge­run­gen in der sta­tis­ti­schen Abbil­dung.

Das Hell­feld-Dun­kel­feld-Para­dig­ma

Die PKS bil­det pri­mär das poli­zei­li­che Hell­feld ab. Um die tat­säch­li­che Kri­mi­na­li­täts­be­las­tung inklu­si­ve des Dun­kel­fel­des (nicht ange­zeig­te Taten) zu vali­die­ren, ist der Abgleich mit Vik­ti­mi­sie­rungs­sur­veys essen­zi­ell. Zeit­gleich mit der PKS 2025 wur­de im April 2026 der natio­na­le Sur­vey “Sicher­heit und Kri­mi­na­li­tät in Deutsch­land (SKiD) 2024” ver­öf­fent­licht. Die­se Daten ermög­li­chen es, Ver­än­de­run­gen im Anzei­ge­ver­hal­ten und im sub­jek­ti­ven Sicher­heits­ge­fühl der Bevöl­ke­rung ana­ly­tisch zu kon­tex­tua­li­sie­ren und die PKS-Daten im Hin­blick auf die tat­säch­li­che Kri­mi­na­li­täts­wirk­lich­keit zu kali­brie­ren.

Die Daten des Berichts­jah­res 2025 sind auf­grund der Teil­le­ga­li­sie­rung von Can­na­bis zum 01.04.2024 nur ein­ge­schränkt mit den Vor­jah­ren ver­gleich­bar. Da 2025 das ers­te voll­stän­di­ge Kalen­der­jahr unter den Bestim­mun­gen des Kon­sum­can­na­bis­ge­set­zes (KCanG) mar­kiert, ergibt sich ins­be­son­de­re bei den Rausch­gift­de­lik­ten und den Gesamt­zah­len ein struk­tu­rel­ler Bruch in der Zeit­rei­he. Dies gilt nicht für den Bereich der Gewalt­kri­mi­na­li­tät.

Trotz die­ser metho­di­schen Zäsu­ren las­sen die nun fol­gen­den quan­ti­ta­ti­ven Ana­ly­sen deut­li­che Trends in der Sicher­heits­la­ge erken­nen.

3. Quan­ti­ta­ti­ve Ana­ly­se der Gesamt­kri­mi­na­li­tät

Im Berichts­jahr 2025 ist eine Abnah­me der abso­lu­ten Fall­zah­len zu ver­zeich­nen. Mit 5.508.559 Fäl­len liegt die Kri­mi­na­li­täts­be­las­tung zwar deut­lich unter dem Vor­jahr (-5,6 %), jedoch wei­ter­hin leicht über dem Vor-Coro­na-Niveau von 2019 (+1,3 %). Die­ser Rück­gang ist pri­mär durch die geän­der­te Rechts­la­ge beim Can­na­bis­be­sitz sowie durch sozio­öko­no­mi­sche Fak­to­ren getrie­ben: Wäh­rend 2022 und 2023 infla­ti­ons­be­ding­te Belas­tun­gen und eine nach der Pan­de­mie sprung­haft gestie­ge­ne Mobi­li­tät die Tat­ge­le­gen­hei­ten erhöh­ten, wirk­ten 2025 die sta­bi­li­sier­te All­tags­mo­bi­li­tät und eine sin­ken­de Infla­ti­on dämp­fend auf das Kri­mi­na­li­täts­auf­kom­men.

Zen­tra­le Kenn­zif­fern 2025

Kenn­zif­ferStraf­ta­ten ins­ge­samtStraf­ta­ten ohne aus­län­der­recht­li­che Ver­stö­ße*
Anzahl der Fäl­le 20255.508.5595.303.348
Anzahl der Fäl­le 20245.837.4455.550.106
Pro­zen­tua­le Ver­än­de­rung-5,6 %-4,4 %
Auf­klä­rungs­quo­te (AQ)57,9 %56,3 %
Häu­fig­keits­zahl (HZ)6.5066.345

*Hin­weis: “Aus­län­der­recht­li­che Ver­stö­ße” umfasst Ver­stö­ße gegen das Aufenthalts‑, Asyl- und Freizügigkeitsgesetz/EU.

Die Häu­fig­keits­zahl (HZ), wel­che die Fäl­le pro 100.000 Ein­woh­ner berech­net, ist von 6.995 auf 6.506 gesun­ken. Die sta­bi­le Auf­klä­rungs­quo­te von 57,9 % unter­streicht die poli­zei­li­che Effi­zi­enz in einem Umfeld, das zuneh­mend durch kom­ple­xe digi­ta­le Ermitt­lun­gen geprägt ist. Die Detail­be­trach­tung zeigt jedoch, dass hin­ter den rück­läu­fi­gen Gesamt­zah­len hoch­dy­na­mi­sche Ver­schie­bun­gen ste­hen.

4. Kri­mi­na­li­täts­ent­wick­lung – Detail­lier­te Trend­ana­ly­se

Die stra­te­gi­sche Ana­ly­se erfor­dert eine Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen legis­la­tiv beding­ten Rück­gän­gen und besorg­nis­er­re­gen­den Zuwäch­sen in spe­zi­fi­schen Phä­no­men­be­rei­chen.

Ana­ly­se der “Gewin­ner und Ver­lie­rer”

Signi­fi­kan­te Anstie­ge:

  1. Neue Psy­cho­ak­ti­ve Stof­fe (NPS): +25,5 % – Doku­men­tiert Aus­weich­be­we­gun­gen infol­ge geän­der­ter Dro­gen­re­gu­lie­run­gen.
  2. Jugend­por­no­gra­phie (Verbreitung/Besitz): +19,9 % – Getrie­ben durch ver­stärk­te digi­ta­le Über­wa­chung und ver­än­der­tes Mel­de­ver­hal­ten.
  3. Leis­tungs­be­trug: +16,4 % – Kor­re­liert häu­fig mit öko­no­mi­schen Rest­be­las­tun­gen.
  4. Com­pu­ter­be­trug (Zah­lungs­kar­ten): +11,5 % – Ein kla­rer Beleg für die fort­schrei­ten­de Digi­ta­li­sie­rung delikt­i­schen Han­delns.
  5. Woh­nungs­ein­bruch­dieb­stahl: +5,7 % – Ein Anstieg in die­sem hoch­sen­si­blen Bereich belas­tet das Sicher­heits­ge­fühl der Bür­ger nach­hal­tig, da die Unver­letz­lich­keit der Woh­nung direkt betrof­fen ist.

Signi­fi­kan­te Rück­gän­ge:

  • Aus­län­der­recht­li­che Ver­stö­ße: ‑28,6 % (insb. uner­laub­ter Auf­ent­halt ‑31,3 %).
  • Rausch­gift­de­lik­te: ‑27,7 % – Die­ser mas­si­ve sta­tis­ti­sche Rück­gang ist kau­sal auf die Teil­le­ga­li­sie­rung von Can­na­bis (KCanG) zurück­zu­füh­ren.

Phä­no­men­be­reich PKS-Aus­land

Beson­de­re Auf­merk­sam­keit ver­lan­gen die Aus­land­sta­ten mit Erfolgs­ort in Deutsch­land (661.238 Fäl­le). Hier liegt die Auf­klä­rungs­quo­te bei ledig­lich 4,5 %. Die Haupt­ur­sprungs­län­der die­ser Taten sind Spa­ni­en (4.097 Fäl­le), die USA (3.486 Fäl­le) sowie Großbritannien/Nordirland (3.346 Fäl­le). Dies ver­deut­licht die mas­si­ven Hür­den bei der Ver­fol­gung grenz­über­schrei­ten­der Cyber- und Betrugs­kri­mi­na­li­tät.

Die­se glo­ba­le Dyna­mik kon­tras­tiert scharf mit der Ent­wick­lung im Bereich der Gewalt­kri­mi­na­li­tät, die pri­mär phy­si­sche Prä­senz erfor­dert.

5. Fokus: Gewalt­kri­mi­na­li­tät und spe­zi­fi­sche Tat­mit­tel

Wäh­rend die Gewalt­kri­mi­na­li­tät ins­ge­samt mode­rat um 2,3 % auf 212.335 Fäl­le sank, ver­zeich­nen schwers­te Delik­te Zuwäch­se: Mord/Totschlag stieg um 6,5 %, Sexu­al­de­lik­te um 8,5 %.

Brenn­punkt Sexu­al­straf­ta­ten

Die Zunah­me bei Ver­ge­wal­ti­gung und sexu­el­ler Nöti­gung ist maß­geb­lich auf eine Ver­schie­bung vom Dun­kel- ins Hell­feld zurück­zu­füh­ren. Die Sen­si­bi­li­sie­rung durch die Me-Too-Bewe­gung und die Reform des Sexu­al­straf­rechts 2016 haben die Anzei­ge­be­reit­schaft erhöht. Ein vali­der Beleg hier­für ist, dass 46,1 % der 2025 erfass­ten Fäl­le Alt­ta­ten sind (Tat­zeit 2024 oder frü­her).

Spe­zi­al­the­ma Mes­ser­an­grif­fe

Im Jahr 2025 wur­den 29.243 Mes­ser­an­grif­fe regis­triert (+0,8 %).

  • Abgren­zung: Ein Mes­ser­an­griff liegt sta­tis­tisch nur vor, wenn ein Mes­ser unmit­tel­bar gegen eine Per­son ange­droht oder ange­wen­det wur­de. Das blo­ße Mit­füh­ren erfüllt die­sen Tat­be­stand nicht.
  • Vali­di­tät: Die Daten zur spe­zi­fi­schen “Art der Waf­fen­ver­wen­dung” (Mit­füh­ren vs. Dro­hen vs. Anwen­den) sind für 2025 auf­grund bun­des­weit unein­heit­li­cher Erfas­sungs­rou­ti­nen noch nicht vali­de.

Tatört­lich­kei­ten

Gewalt­kri­mi­na­li­tät fin­det pri­mär im öffent­li­chen Raum statt (28,9 % auf Straßen/Plätzen), jedoch ereig­nen sich 22,7 % der Taten im pri­va­ten Raum (“Woh­nung”).

6. Struk­tur der Tat­ver­däch­ti­gen und Opfer­bi­lanz

Die Gesamt­zahl der Tat­ver­däch­ti­gen sank auf 2.054.855 Per­so­nen (-5,9 %), was pri­mär den Rück­gang bei Can­na­bis- und aus­län­der­recht­li­chen Delik­ten wider­spie­gelt.

Tat­ver­däch­ti­ge im Fokus:

  • Zuwan­de­rer: Inner­halb der nicht­deut­schen Tat­ver­däch­ti­gen sank die Zahl der Zuwan­de­rer bei Straf­ta­ten ins­ge­samt mas­siv um 22,5 %.
  • Struk­tur: 59,9 % der Ver­däch­ti­gen sind Deut­sche, 40,1 % Nicht­deut­sche.

Opfer­bi­lanz: Ins­ge­samt wur­den 1.328.567 Opfer gezählt (+0,1 %). Die Geschlech­ter­ver­tei­lung liegt bei 58 % männ­lich und 42 % weib­lich.

Besorg­nis­er­re­gend ist die Lage bei den Poli­zei­voll­zugs­be­am­tin­nen und ‑beam­ten (PVB). Von den ins­ge­samt 57.980 PVB-Opfern blie­ben zwar 87,2 % unver­letzt, doch die Qua­li­tät der Gewalt hat sich ver­schärft. Das stra­te­gi­sche Alarm­si­gnal ist der Anstieg bei schwers­ten Gewalt­ver­su­chen:

  • Ver­such­ter Mord gegen PVB: von 13 auf 23 Fäl­le.
  • Ver­such­ter Tot­schlag gegen PVB: von 39 auf 60 Fäl­le.

7. Lang­fris­ti­ge Ent­wick­lung und abschlie­ßen­de Bewer­tung

Im 15-Jah­res-Ver­gleich seit 2011 zeigt die PKS 2025 eine Trans­for­ma­ti­on der Kri­mi­na­li­tät. Wäh­rend klas­si­sche Delikts­be­rei­che durch Ent­kri­mi­na­li­sie­rung oder sozio­öko­no­mi­sche Sta­bi­li­sie­rung abneh­men, ver­la­gert sich die Kri­mi­na­li­tät zuneh­mend in den digi­ta­len Raum und in die schwers­te Gewalt­kri­mi­na­li­tät. Deutsch­land bleibt im inter­na­tio­na­len Ver­gleich sicher, sieht sich jedoch mit einer zuneh­men­den Aggres­si­vi­tät gegen­über Staats­or­ga­nen kon­fron­tiert.

Stra­te­gi­sches Fazit

  • Vali­die­rung digi­ta­ler Ermitt­lungs­in­stru­men­te: Ange­sichts der gerin­gen Auf­klä­rungs­quo­te bei Aus­land­sta­ten (4,5 %) und stei­gen­dem Com­pu­ter­be­trug müs­sen die Kapa­zi­tä­ten der Cyber-Foren­sik sowie die Nut­zung des Digi­tal Ser­vices Act (DSA) als Hebel gegen Platt­form­kri­mi­na­li­tät kon­se­quent aus­ge­baut wer­den.
  • Schutz und Resi­li­enz der Exe­ku­ti­ve: Die dras­ti­sche Zunah­me von Tötungs­ver­su­chen gegen Poli­zei­kräf­te erfor­dert nicht nur eine tech­ni­sche Auf­rüs­tung, son­dern eine gesell­schafts­po­li­ti­sche Debat­te über den Schutz derer, die den Rechts­staat reprä­sen­tie­ren.
  • Metho­di­sche Stan­dar­di­sie­rung: Die Inkon­sis­ten­zen bei der Erfas­sung neu­er Phä­no­me­ne (z. B. Waf­fen­ver­wen­dung bei Mes­ser­an­grif­fen) müs­sen durch eine schnel­le­re bun­des­ein­heit­li­che Kata­lo­gi­sie­rung beho­ben wer­den, um die Steue­rungs­fä­hig­keit der Innen­po­li­tik zu sichern.

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Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater