Passives Einkommen möglich ist – aber nur mit realistischen Erwartungen, langfristiger Planung, diszipliniertem Sparen und einer klugen Kombination aus Anleihen, Aktien und ETFs. „Ganz ohne Arbeit“ funktioniert es praktisch nie.
Psychologischer Reiz des passiven Einkommens
- Passives Einkommen löst starke Glücksgefühle aus (Dopamin-Effekt).
- Es steht für Sicherheit, Freiheit und Entlastung.
- Viele Social-Media-Versprechen sind überzogen und wenig konkret.
Grundvoraussetzungen
Ob passives Einkommen gelingt, hängt ab von:
- laufenden Einnahmen und Ausgaben
- der Art und Disziplin des Vermögensaufbaus
- der Fähigkeit, Vermögen so anzulegen, dass ein stetiger Einnahmestrom entsteht
Zwei grundsätzliche Ziele
1) Komplett vom Vermögen leben
- Realistisch fast nur für Erben, Gründer oder Menschen mit sehr hohem Einkommen.
- Beispielrechnung zeigt:
- 25 Jahre lang 50 % des Nettogehalts sparen → ca. 1,75 Mio. Euro Vermögen
- Trotz hoher Summe reicht das Geld oft nur bis ca. 77 Jahre, selbst bei weiterem Investieren.
- Viele Unsicherheiten: Inflation, steigende Ausgaben (Familie), Gehaltsentwicklung.
- Psychologisch fragwürdig: Jahrzehntelanges Sparen, um dann sehr sparsam zu leben.
2) Passives Einkommen als Ergänzung zur Rente
- Deutlich realistischer und sinnvoller.
- Empfehlung vieler Finanzplaner: 80 % des letzten Nettoeinkommens im Ruhestand.
- Beispiel:
- 30 Jahre lang 950 € monatlich in ETFs → ca. 1 Mio. Euro nach Steuern
- Daraus lassen sich 3000 € monatlich über 21–32 Jahre entnehmen (je nach Rendite).
- Mit 67 könnte das Geld bis ca. 99 Jahre reichen.
Wie das Depot zur Geldquelle wird
Das 10-Jahres-Etappenmodell
- Ruhestandsplaner Huber empfiehlt eine Rente aus dem Depot in 10-Jahres-Blöcken.
- Aufteilung:
- Verzehrteil (defensiv, Anleihen/Festgeld)
- Wachstumsteil (offensiv, Aktien)
- Jährlich neu balancieren: Gewinne aus Aktien werden abgeschöpft und in sichere Anlagen überführt.
Umsetzung laut Vermögensverwalter Funke
- Verzehrteil: Anleihen/Anleihe-ETFs mit abgestimmten Laufzeiten → jährlich wird eine Tranche fällig.
- Wachstumsteil: Aktien, ggf. Dividendenwerte.
- Wichtig: Balance halten, um Ausfallrisiken und vorzeitigen Vermögensverzehr zu vermeiden.
Passives Einkommen ist möglich, aber:
- erfordert Aufwand, Planung und Disziplin
- funktioniert nicht ohne Risiko
- ist als Renten-Ergänzung deutlich realistischer als als vollständiger Lebensunterhalt
- ein stabiler Einnahmestrom schafft ein starkes Gefühl von Sicherheit