Zweifel an Milliardenbewertung
Es gibt Zweifel, ob Shein beim geplanten Börsengang in Hongkong eine Bewertung von 40 bis 50 Milliarden US-Dollar überzeugend rechtfertigen kann. Zwar stieg der Umsatz 2025 um 8 % auf 41,8 Milliarden US-Dollar, der Nettogewinn sank jedoch um 38,7 % auf 2,06 Milliarden US-Dollar. Im ersten Quartal 2026 fiel zudem ein Verlust von 99 Millionen US-Dollar an.
Die wichtigsten Belastungsfaktoren sind:
- eine niedrige operative Marge von nur rund 2,9 %,
- schwächeres Umsatzwachstum und rückläufige Kernerträge,
- höhere Handelskosten,
- stärkere Regulierung,
- zunehmender Wettbewerb im globalen E‑Commerce.
Besonders problematisch sind die Veränderungen im Außenhandel. In den USA belastet das Ende der zollfreien „De-minimis“-Regel Sheins Absatz und Kosten; das Unternehmen erwägt deshalb Preiserhöhungen. Auch neue EU-Gebühren auf niedrigwertige Importe könnten ähnlich starke oder sogar größere Auswirkungen haben.
Die Bewertung ist bereits deutlich gefallen: von 98,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022 auf 64 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024. Analysten erwarten daher kaum einen deutlichen Bewertungsaufschlag beim Börsengang. Da die USA und Europa zusammen mehr als die Hälfte des weltweiten Umsatzes ausmachen und dort kurzfristig kaum Wachstum erwartet wird, dürfte Sheins Expansion vor allem in anderen Weltregionen stattfinden.
Fazit: Shein wächst weiterhin, aber deutlich langsamer und mit sinkender Profitabilität. Die Kombination aus schwachen Margen, Zöllen, Regulierung und stagnierenden Kernmärkten macht die angestrebte IPO-Bewertung schwer vermittelbar.