Mil­lio­nen­ver­lus­te für Kran­ken­kas­sen und Kas­sen­ärzt­li­che Ver­ei­ni­gun­gen durch risi­ko­rei­che Immo­bi­li­en­fonds­in­vest­ments

Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung auf die Klei­ne Anfra­ge der
Frak­ti­on BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.

Berich­te über Mil­lio­nen­ver­lus­te für Kran­ken­kas­sen und Kas­sen­ärzt­li­che Ver­ei­ni­gun­gen durch risi­ko­rei­che Immo­bi­li­en­fonds­in­vest­ments

Hin­ter­grund

Medi­en­be­rich­te (NDR/WDR/SZ) deck­ten hohe Ver­lus­te von Kran­ken­kas­sen und Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gun­gen durch Invest­ments in kom­ple­xe, ris­kan­te Immo­bi­li­en­fonds (u. a. Veri­us II/III) auf. Die Ver­lus­te könn­ten min­des­tens 170 Mio. Euro, mög­li­cher­wei­se aber über 500 Mio. Euro betra­gen.

Umfang der Inves­ti­tio­nen & Ver­lus­te

  • 11 bun­des­un­mit­tel­ba­re Kran­ken­kas­sen inves­tier­ten in Veri­us-Inha­ber­schuld­ver­schrei­bun­gen.
  • 12 Kran­ken­kas­sen inves­tier­ten in immo­bi­li­en­be­si­cher­te Schuld­schein­dar­le­hen.
  • Gesamt­no­mi­nal­wert leis­tungs­ge­stör­ter Anla­gen: ca. 1,1 Mrd. Euro.
    • Davon 0,9 Mrd. Euro Schuld­schein­dar­le­hen
    • 0,2 Mrd. Euro Inha­ber­schuld­ver­schrei­bun­gen
  • Wert­be­rich­ti­gun­gen bis Ende 2025: ca. 400 Mio. Euro.
  • Rest­buch­wer­te: etwas über 700 Mio. Euro.
  • Wei­te­re Ver­lus­te sind wahr­schein­lich, ins­be­son­de­re bei Veri­us II/III.

Recht­li­cher Rah­men & Auf­sicht

  • Kran­ken­kas­sen müs­sen nach § 80 SGB IV sicher, liqui­de und ertrags­ori­en­tiert anle­gen.
  • Erlaub­te Anla­ge­for­men sind in § 83 SGB IV eng defi­niert.
  • Auf­sicht:
    • Bun­des­amt für Sozia­le Siche­rung (BAS) für bun­des­un­mit­tel­ba­re Kas­sen
    • Lan­des­be­hör­den für lan­des­un­mit­tel­ba­re Kas­sen und KVen
  • BAS und Prüf­dienst (PDK) prü­fen regel­mä­ßig, aber bera­ten nicht zu Geld­an­la­gen.

Erkennt­nis­se der Auf­sicht

  • Ers­te BAS-Kennt­nis über sol­che Anla­gen: 2017 (Schuld­schein­dar­le­hen).
  • Veri­us II erst­mals erkannt: 2019.
  • Leis­tungs­stö­run­gen tra­ten erst nach der Zins­wen­de 2022 auf.
  • BAS ver­öf­fent­lich­te 2023 ein Rund­schrei­ben, das stren­ge­re Anfor­de­run­gen an Immo­bi­li­en­be­si­che­rung for­mu­liert.

Bewer­tung der Bun­des­re­gie­rung

  • Es muss gründ­lich auf­ge­klärt wer­den, wie trotz stren­ger Regeln sol­che Ver­lus­te ent­ste­hen konn­ten.
  • Die Bun­des­re­gie­rung sieht kei­ne eige­ne Auf­ga­be, ein­zel­ne Pro­duk­te zu bewer­ten.
  • Nach­ran­gi­ge Anla­gen sind seit 2023 ver­bo­ten; Veri­us-Anlei­hen waren for­mal kei­ne Nach­rang­an­lei­hen.

Geplan­te Maß­nah­men

  • Strei­chung der Anla­ge­form nach § 83 Abs. 1 Nr. 6 SGB IV (immo­bi­li­en­be­si­cher­te Schuld­schein­dar­le­hen) zum 1. Janu­ar 2027.
  • Bereits 2022 wur­de die Mög­lich­keit der Anla­ge in Ein­zelim­mo­bi­li­en gestri­chen.
  • Eine gene­rel­le Geneh­mi­gungs­pflicht für kom­ple­xe Anla­gen hält die Bun­des­re­gie­rung für prak­tisch nicht umsetz­bar.
  • Wei­te­re Maß­nah­men wer­den geprüft, abhän­gig vom Aus­gang der lau­fen­den Ver­fah­ren.

Ein­heit­li­che Auf­sicht

  • Aus­tausch zwi­schen Bun­des- und Lan­des­auf­sich­ten über regel­mä­ßi­ge Tagun­gen.
  • BAS-Rund­schrei­ben und Mus­ter-Anla­ge­richt­li­ni­en die­nen auch den Län­dern als Ori­en­tie­rung.
  • Ver­mö­gens­an­la­gen wer­den auf der nächs­ten Auf­sichts­be­hör­den­ta­gung erneut the­ma­ti­siert.

Kern­aus­sa­ge

Die Bun­des­re­gie­rung bestä­tigt erheb­li­che Fehl­ent­wick­lun­gen bei Geld­an­la­gen von Kran­ken­kas­sen und KVen, sieht Auf­klä­rungs­be­darf und reagiert mit regu­la­to­ri­schen Anpas­sun­gen – ins­be­son­de­re der Abschaf­fung einer Anla­ge­form. Die voll­stän­di­ge Bewer­tung der Ver­lus­te ist auf­grund lau­fen­der Gerichts­ver­fah­ren noch nicht mög­lich.


Quel­le: Bun­des­tags-Druck­sa­che 21/7880

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