Siche­re Her­kunfts­staa­ten

Fünf­ter Bericht der Bun­des­re­gie­rung zu der Über­prü­fung der Vor­aus­set­zun­gen zur Bestim­mung der in Anla­ge II zum Asyl­ge­setz bezeich­ne­ten siche­ren Her­kunfts­staa­ten

1. Gegen­stand des Berichts

  • Titel: Fünf­ter Bericht der Bun­des­re­gie­rung zu der Über­prü­fung der Vor­aus­set­zun­gen zur Bestim­mung der in Anla­ge II zum Asyl­ge­setz bezeich­ne­ten siche­ren Her­kunfts­staa­ten.
  • Rechts­grund­la­ge: Gesetz­li­che Berichts­pflicht der Bun­des­re­gie­rung alle zwei Jah­re gemäß § 29a Abs. 2a AsylG.
  • Feder­füh­rung: Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern in Zusam­men­ar­beit mit dem Aus­wär­ti­gen Amt.
  • Berichts­zeit­raum: 1. Okto­ber 2023 bis 30. Sep­tem­ber 2025 (Stand: August 2026).
  • Betrof­fe­ne Staa­ten (10 Län­der): Gha­na, Sene­gal (seit 1993); Bos­ni­en und Her­ze­go­wi­na, Ser­bi­en, Nord­ma­ze­do­ni­en (seit 2014); Alba­ni­en, Koso­vo, Mon­te­ne­gro (seit 2015); Geor­gi­en sowie Repu­blik Mol­dau (seit Dezem­ber 2023).

2. Kern­aus­sa­ge / Haupt­er­geb­nis

  • Bei­be­hal­tung des Sta­tus: Nach Ein­schät­zung der Bun­des­re­gie­rung erfül­len alle zehn Staa­ten wei­ter­hin die gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Ein­stu­fung als siche­re Her­kunfts­staa­ten. Es besteht lan­des­weit die begrün­de­te Ver­mu­tung, dass gene­rell weder Ver­fol­gung noch unmensch­li­che oder ernied­ri­gen­de Behand­lung dro­hen.
  • Beson­de­re Beob­ach­tung: Die poli­ti­sche und men­schen­recht­li­che Ent­wick­lung in Gha­na, Sene­gal und ins­be­son­de­re Geor­gi­en erfor­dert laut Bericht eine auf­merk­sa­me Beob­ach­tung, bot im Berichts­zeit­raum jedoch kei­nen Anlass für eine Rück­nah­me oder Aus­set­zung der Ein­stu­fung.

3. Asyl­sta­tis­ti­sche Gesamt­trends (Okt. 2023 – Sept. 2025)

  • Schutz­quo­ten:
    • Bei den meis­ten West­bal­kan­staa­ten sowie Mol­dau und Geor­gi­en liegt die durch­schnitt­li­che Gesamt­schutz­quo­te unter 1 % (Nord­ma­ze­do­ni­en: 0,2 %; Mon­te­ne­gro: 0,3 %; Ser­bi­en: 0,4 %; Bos­ni­en und Her­ze­go­wi­na: 0,4 %; Geor­gi­en: 0,4 %; Alba­ni­en: 0,8 %).
    • Im Koso­vo lag die Schutz­quo­te im Schnitt bei 1,1 %.
    • Gha­na (Ø 5,0 %) und Sene­gal (Ø 3,6 %) wei­sen rech­ne­risch höhe­re und schwan­ken­de Quo­ten auf. Der Bericht betont, dass dies vor allem an den sehr nied­ri­gen abso­lu­ten Fall­zah­len liegt, wodurch ein­zel­ne posi­ti­ve Beschei­de die Quo­te sta­tis­tisch stark nach oben aus­schla­gen las­sen.
  • Antrags­zah­len:
    • Geor­gi­en stell­te trotz des Sta­tus wei­ter­hin die größ­te Grup­pe unter den siche­ren Her­kunfts­staa­ten dar (14.809 Anträ­ge im Berichts­zeit­raum, wenn auch im Jah­res­ver­lauf rück­läu­fig).
    • Sene­gal bil­de­te mit 518 Anträ­gen die kleins­te Grup­pe.
    • In Mol­dau und Nord­ma­ze­do­ni­en sind die Antrags­zah­len nach bzw. wäh­rend der Ein­stu­fung spür­bar und kon­ti­nu­ier­lich zurück­ge­gan­gen.

4. Lage in den ein­zel­nen Her­kunfts­län­dern (Zusam­men­fas­sung)

West­bal­kan

  • Alba­ni­en: Poli­tisch sta­bil; Jus­tiz­re­form und das Vet­ting-Ver­fah­ren für Richter/Staatsanwälte machen Fort­schrit­te; Bei­tritts­ver­hand­lun­gen mit der EU lau­fen (Clus­ter 1 eröff­net). Blut­ra­che ist sta­tis­tisch nahe­zu ver­schwun­den. Her­aus­for­de­run­gen blei­ben Kor­rup­ti­on, Medi­en­frei­heit und die Lage der Roma.
  • Bos­ni­en und Her­ze­go­wi­na: EU-Kan­di­da­ten­sta­tus, aber zähe Refor­men. Poli­ti­sche Span­nun­gen zwi­schen FBiH und Repu­bli­ka Srps­ka (u. a. „For­eign Agents“-Gesetzgebung in der RS). Urteil Sej­dić-Fin­ci zur Wahl­rechts­gleich­heit von Min­der­hei­ten wei­ter unum­ge­setzt.
  • Koso­vo: Demo­kra­ti­sche Insti­tu­tio­nen kon­so­li­diert; EULEX-Man­dat bis 2027 ver­län­gert. Span­nun­gen und man­geln­des Ver­trau­en der ser­bi­schen Min­der­heit im Nor­den. Jus­tiz­rück­stau und gesell­schaft­li­che Dis­kri­mi­nie­rung von Roma/Ash­ka­li/­Bal­kan-Ägyp­tern sowie LGBTIQ-Per­so­nen.
  • Nord­ma­ze­do­ni­en: Regie­rungs­wech­sel Mit­te 2024 (VMRO-DPMNE-geführ­te Koali­ti­on). Asyl­be­wer­ber­zah­len stark rück­läu­fig (Gesamt­schutz­quo­te 0,2 %). Bemü­hun­gen zur schu­li­schen Inklu­si­on der Roma und Bekämp­fung von Staa­ten­lo­sig­keit.
  • Mon­te­ne­gro: Hohe Sta­bi­li­tät mit kla­rem EU-Bei­tritts­ziel bis 2028 („28 by 28“); posi­ti­ver IBAR-Fort­schritts­be­richt 2024. Fort­lau­fen­de Jus­tiz­re­for­men unter neu­er Gerichts­hofs­füh­rung. Roma-Inte­gra­ti­on bleibt sozia­ler Brenn­punkt.
  • Ser­bi­en: Füh­ren­de Rol­le von Prä­si­dent Vučić; Still­stand bei Medi­en- und Wahl­rechts­re­for­men. Besorg­nis über geplan­te Straf­rechts­än­de­run­gen und Repres­sio­nen gegen Demons­tran­ten (nach den Wah­len 2023 und dem Bahn­hofs­ein­sturz in Novi Sad 2024). Trotz Defi­zi­ten kei­ne sys­te­ma­ti­sche Ver­fol­gung.

Afri­ka

  • Gha­na: Sta­bi­le Demo­kra­tie mit fried­li­chem Macht­wech­sel (Wahl von Maha­ma Ende 2024). Todes­stra­fe 2024 gesetz­lich weit­ge­hend abge­schafft. Kri­tisch gese­hen wer­den par­la­men­ta­ri­sche Vor­stö­ße für ein ver­schärf­tes Anti-LGBTIQ-Gesetz sowie Kin­der­ar­beit in Minen/Landwirtschaft.
  • Sene­gal: Demo­kra­ti­sche Insti­tu­tio­nen erwie­sen sich in der Wahl­kri­se 2024 als resi­li­ent; Frie­dens­schluss in der Casa­mance-Regi­on Anfang 2025. Homo­se­xua­li­tät bleibt straf­bar. Pro­ble­me bestehen beim Schutz von Kin­dern (Bet­te­lei durch Koranschulen/Talibé) und Gewalt gegen Frau­en.

Kau­ka­sus & Ost­eu­ro­pa (Beson­der­heit Ter­ri­to­ri­a­li­täts­prin­zip)

  • Hin­weis zum EuGH-Urteil (C‑406/22): Ein Staat kann asyl­recht­lich nicht nur in Teil­ge­bie­ten als sicher ein­ge­stuft wer­den; die Ein­stu­fung gilt jeweils für das gesam­te Staats­ge­biet inklu­si­ve der abtrün­ni­gen Regio­nen (Trans­nis­tri­en bzw. Abchasien/Südossetien), wobei Rück­füh­run­gen aus­schließ­lich in die von den Regie­run­gen kon­trol­lier­ten Gebie­te erfol­gen.
  • Geor­gi­en: Deut­li­che innen­po­li­ti­sche Regres­si­on durch Ver­ab­schie­dung des „Trans­pa­renz-/Agen­ten­ge­set­zes“, Anti-LGBTIQ-Geset­ze und Aus­set­zung der EU-Bei­tritts­ge­sprä­che bis 2028. Den­noch: Schutz­quo­te in Deutsch­land wei­ter­hin mini­mal (0,3–0,4 %); sys­te­ma­ti­sche Ver­fol­gung der brei­ten Bevöl­ke­rung liegt nach BAMF-Prü­fung nicht vor.
  • Repu­blik Mol­dau: Pro-euro­päi­scher Kurs durch Wie­der­wahl San­dus, Ver­fas­sungs­re­fe­ren­dum 2024 und Par­la­ments­wahl 2025 gefes­tigt. Jus­tiz­re­for­men (Vet­ting) und Kor­rup­ti­ons­be­kämp­fung dau­ern an. Asyl­an­trags­zah­len in Deutsch­land haben sich seit Ein­stu­fung mehr als hal­biert.

5. Auf­bau des Anhangs (Tabel­len­teil IV, S. 48–97)

Zu jedem der zehn Her­kunfts­staa­ten ent­hält der Anhang detail­lier­te sta­tis­ti­sche Monats­ta­bel­len zu:

  1. Regis­trier­ten Asyl­su­chen­den
  2. Gestell­ten Asyl­an­trä­gen (Erst- und Fol­ge­an­trä­ge)
  3. BAMF-Ent­schei­dun­gen und Gesamt­schutz­quo­ten
  4. Alters- und Geschlech­ter­ver­tei­lung
  5. Anteil der Asyl­an­trag­stel­len­den mit Volks­zu­ge­hö­rig­keit „Roma“
  6. Durch­schnitt­li­cher Ver­fah­rens­dau­er (inkl. beschleu­nig­ter Ver­fah­ren)
  7. Gerichts­ver­fah­ren (anhän­gi­ge Kla­gen und Aus­gang von Gerichts­ent­schei­dun­gen)
  8. Anzahl der voll­zieh­bar Aus­rei­se­pflich­ti­gen / Gedul­de­ten
  9. Voll­zo­ge­nen Abschie­bun­gen sowie frei­wil­li­gen Aus­rei­sen (REAG/­GARP-Pro­gramm)

Quel­le: Deut­scher Bun­des­tag Druck­sa­che 21/7800: Unter­rich­tung durch die Bun­des­re­gie­rung: Fünf­ter Bericht der Bun­des­re­gie­rung zu der Über­prü­fung der Vor­aus­set­zun­gen zur Bestim­mung der in Anla­ge II zum Asyl­ge­setz bezeich­ne­ten siche­ren Her­kunfts­staa­ten

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