1. Globaler Trend: Vermögen der Milliardäre auf Rekordniveau
- Weltweites Milliardärsvermögen steigt innerhalb eines Jahres auf 15,8 Billionen Dollar – ein Plus von 13 %.
- Zahl der Milliardäre wächst von 2682 auf 2919.
- 91 Personen werden allein durch Erbschaften neu zu Milliardären.
- Männer dominieren weiterhin deutlich (2545 Männer, 374 Frauen).
2. Deutschland: Spitzenreiter in Westeuropa
- Zahl der Milliardäre in Deutschland wächst um über 30 % auf 156 Personen – damit liegt Deutschland vor allen anderen europäischen Ländern.
- Rund ein Viertel der deutschen Milliardäre ist Self-made.
- Das Gesamtvermögen deutscher Milliardäre steigt um 145,9 Milliarden Dollar auf 692,1 Milliarden Dollar.
- UBS bezeichnet Deutschland als „wohlhabendste Region Westeuropas“.
- Gründe laut UBS:
- stabile industrielle Basis seit dem Zweiten Weltkrieg,
- starke Position in Pharma, Maschinenbau, Konsumgütern,
- ausgeprägte Tradition der Vermögensweitergabe.
- Beispiel: 2025 erhalten 15 Mitglieder zweier deutscher Pharmafamilien große Erbschaften.
3. Vergleich mit anderen Ländern
- USA bleiben führend: 924 Milliardäre, Vermögen 6,9 Billionen Dollar.
- China folgt mit 470 Milliardären und 1,8 Billionen Dollar Vermögen.
- Deutschland bleibt weit hinter beiden, aber innerhalb Europas klar an der Spitze.
4. Ausblick: Vermögensübertragungen treiben weiteres Wachstum
- UBS erwartet einen weiteren deutlichen Anstieg durch Erbübertragungen.
- Bis 2040 sollen weltweit 6,9 Billionen Dollar übergeben werden, davon 5,9 Billionen Dollar direkt oder indirekt an Kinder.
Wie Milliardäre ihr Geld anlegen und welche Motive dahinterstehen
1. Ausgangslage: Vermögenszuwachs und strukturelle Trends
Es zeigt sich, dass das Vermögen der Milliardäre 2025 weltweit auf 15,8 Billionen Dollar gestiegen ist – ein Plus von 13 %. Der KI-Boom und generell hohe Bewertungen im Technologiesektor treiben diese Entwicklung. Besonders stark profitieren Gründer und Tech-Unternehmer (z. B. aus dem Silicon Valley).
Parallel wächst die Zahl der Milliardäre weiter an (weltweit 2919, in Deutschland 156).
Kritische Einordnung:
Der enorme Vermögenszuwachs trotz globaler Unsicherheiten (Inflation, geopolitische Risiken) weist auf eine starke Entkopplung zwischen Finanzmarktgewinnen und Realwirtschaft hin. Gerade Tech-Aktien waren 2024/25 sehr volatil – daraus ergibt sich ein systemischer Risikoaspekt, der kaum thematisiert wird.
2. Wie Milliardäre ihr Geld anlegen – die wichtigsten Anlageklassen
2.1. Risikoassets: Aktien, Private Equity, Hedgefonds
Geplanten Vermögensallokation der kommenden zwölf Monate.
Aktien
- 43 % wollen Aktien aus Industrieländern aufstocken.
- 42 % planen mehr Engagement in Schwellenländeraktien.
Interpretation: Trotz Vorsicht bleibt der Aktienmarkt die wichtigste Renditequelle. Bemerkenswert ist, dass Milliardäre weiterhin stark auf etablierte Märkte setzen – obwohl diese bereits hoch bewertet sind.
Private Equity
- 49 % erhöhen direkte Private-Equity-Investments, 37 % Dachfonds.
Dies zeigt eine klare Tendenz hin zu illiquiden, renditestarken Beteiligungsformen, zu denen nur große Vermögen ausreichend Zugang haben.
Hedgefonds
- 43 % wollen die Hedgefondsquote erhöhen.
Dies unterstreicht das Bedürfnis nach Strategien, die auch in schwierigen Marktphasen positive Erträge erzielen.
Kritikpunkt: Hedgefonds liefern langfristig oft keine Outperformance gegenüber Aktienindizes, insbesondere nach Kosten. Der starke Fokus könnte daher weniger renditeorientiert, sondern vor allem diversifikationsgetrieben sein.
2.2. Sicherheitsorientierte Anlagen: Gold, Immobilien, Infrastruktur
Gold und Edelmetalle
- 32 % wollen Gold erhöhen; nur 3 % reduzieren.
Dies obwohl Gold im laufenden Jahr +60 % gemacht hat.
Bewertung: Diese Entscheidung ist bemerkenswert, da Anleger sonst nach starken Kursanstiegen eher Gewinne realisieren. Sie zeigt ein tiefes Misstrauen in die Stabilität des globalen Finanzsystems.
Immobilien
- 33 % wollen Immobilien ausbauen.
Infrastruktur
- 35 % erhöhen Infrastrukturinvestments (z. B. Energie, Transport, Telekom).
Kommentar: Infrastruktur gilt als inflationsgeschützt und weniger volatil. Allerdings bestehen politische Risiken (Regulierung, Enteignungstendenzen), die nicht thematisiert werden.
2.3. Sinkende Bedeutung von Staatsanleihen
Nur 26 % bzw. 19 % wollen Anleihen aus Industrie- bzw. Schwellenländern erhöhen. Der Großteil bleibt neutral oder reduziert sogar.
Analyse: Trotz höherer Zinsen gelten Anleihen offenbar als unattraktiv – vermutlich wegen Inflationsrisiken und realer Renditeschwäche.
2.4. Alternative Anlagen: Kunst, Rohstoffe, Bargeld
- Bargeldbestand: 19 % wollen erhöhen.
- Rohstoffe generell: nur 10 % wollen erhöhen.
Dies zeigt ein gemischtes Bild – Liquidität hält man bereit, aber breit diversifizierte Rohstoffinvestments sind keine Priorität.
3. Vermögensschutz: Wohnsitzverlagerung und Steueroptimierung
Mehr als ein Drittel der Milliardäre hat den Wohnsitz bereits mindestens einmal verlegt. Zielstaaten: Schweiz, VAE, USA, Singapur, Monaco, Italien.
Motivation:
- niedrigere Steuern
- geopolitische Sicherheit
- Lebensqualität
- Erbschaftsteueroptimierung (z. B. Schweizer Entscheidung gegen 50 %-Erbschaftsteuer ab 50 Mio CHF).
Kritische Perspektive:
Es zeigt sich hier deutlich die politische Wirkung reicher Personen: Staaten stehen im Standortwettbewerb unter Druck, besonders vermögensfreundliche Steuerregimes zu schaffen. Das kann soziale Ungleichheit verstärken und demokratische Prozesse beeinflussen.
4. Risikowahrnehmung: Was Milliardäre am meisten fürchten
Als größte Risiken nennen die Befragten:
- Zölle
- geopolitische Konflikte
- erhöhte Inflation
- Schuldenkrisen der Staaten
Einordnung: Die genannten Risiken betreffen überwiegend systemische Faktoren. Interessant ist, dass technologische Disruption (z. B. KI) nicht als Risiko, sondern primär als Vermögensmotor dargestellt wird.
5. Rolle von Erbschaften
Ein Drittel der Milliardäre ist über 70 Jahre alt. In den nächsten 15 Jahren sollen 5,9 Billionen Dollar vererbt werden.
Bedeutung: Das deutet auf eine massive intergenerationale Konzentration von Vermögen hin. Erwähnt werden Steuerfluchtmotivation, thematisiert aber nicht, dass diese Entwicklungen die Vermögensungleichheit strukturell verstärken.
6. Zusammenfassung der zentralen Anlageprinzipien von Milliardären
A. Wachstumstreiber
- Aktien (Industrie- und Schwellenländer)
- Private Equity
- Tech-Unternehmen, Innovation, KI
B. Absicherung
- Gold und Edelmetalle
- Hedgefonds
- Infrastruktur
- Immobilien
- geografische Diversifikation / Wohnsitzverlagerung
- hohe Liquiditätsreserven
C. Steuerliche Optimierung
- Standortwahl
- Erbschaftsplanung
7. Kritische Gesamtbewertung
Ein Anlageverhalten, das drei fundamentale Ziele verfolgt:
- Rendite durch konzentrierte, hochspezialisierte Investments
– insbesondere Private Equity und Technologieaktien. - Risikominimierung durch Diversifikation in Sachwerte und geostrategische Flexibilität
– Gold, Infrastruktur, Wohnsitzverlagerung. - Strukturelle Vermögenssicherung über Generationen
– steuerliche Optimierung und Erbschaftsstrategien.
Problematische Aspekte:
- Die Steueroptimierung verschärft globale Ungleichheit.
- Die starke Rolle von Private Equity und Tech-Monopolen kann ökonomische Macht konzentrieren.
- Die Abkehr von Anleihen zeigt Misstrauen in staatliche Stabilität, was aus gesellschaftlicher Sicht bedenklich ist.
- Der Fokus auf Krisensicherheit verweist auf paradoxe Effekte: Milliardäre profitieren von Krisen, während sie sich zugleich gegen deren Folgen absichern.
