USA: Nach­rich­ten des Tages vom 16.09.2026

Die wich­tigs­ten The­men und Ereig­nis­se des Tages, geord­net nach The­men­be­rei­chen:

1. US-Noten­bank­po­li­tik: Ers­te Zins­er­hö­hung der Fede­ral Reser­ve seit drei Jah­ren und Kon­flikt mit dem Wei­ßen Haus

Die US-Noten­bank Fede­ral Reser­ve hat unter ihrem Vor­sit­zen­den Kevin Warsh die Leit­zin­sen ein­stim­mig um 25 Basis­punk­te auf 4,0 % ange­ho­ben. Dies stellt die ers­te Zins­er­hö­hung der Fed seit fast drei Jah­ren dar.

  • Begrün­dung der Fed: Vor­sit­zen­der Kevin Warsh erklär­te, dass die Infla­ti­on seit über 5,5 Jah­ren unver­än­dert über dem Ziel­wert von 2 % liegt und die Som­mer­da­ten kei­ne nach­hal­ti­ge Ver­bes­se­rung zeig­ten. Die Gesamt-PCE-Infla­ti­on für das Jahr 2026 wird nun bei 3,7 % erwar­tet. Da das US-Wirt­schafts­wachs­tum (BIP-Pro­gno­se 2,3 % für 2026) und der Arbeits­markt mit einer sta­bi­len Arbeits­lo­sen­quo­te von 4,1 % wei­ter­hin sehr stark sind, stuf­te die Noten­bank die Finanz­be­din­gun­gen als nicht aus­rei­chend restrik­tiv ein.
  • Aus­blick (Dot Plot): Das aktu­el­le Punk­te­dia­gramm der Noten­bank zeigt, dass 16 von 18 FOMC-Teil­neh­mern im Jahr 2026 min­des­tens eine wei­te­re Zins­er­hö­hung erwar­ten.
  • Eska­la­ti­on mit dem Wei­ßen Haus: Prä­si­dent Donald Trump und der Vor­sit­zen­de sei­nes Wirt­schafts­be­ra­ter­gre­mi­ums, Chris Fallon, bezeich­ne­ten den Zins­ent­scheid öffent­lich als „bedau­er­lich“ und als „Feh­ler“. Trump for­der­te statt­des­sen Zins­sen­kun­gen auf 1 % oder weni­ger. Warsh wies jeg­li­chen poli­ti­schen Druck zurück, ver­wei­ger­te Aus­künf­te über inter­ne Gesprä­che mit dem Prä­si­den­ten und beton­te die strik­te Unab­hän­gig­keit der Noten­bank.

2. Künst­li­che Intel­li­genz: Spal­tung über Sicher­heits­re­gu­lie­run­gen, Bör­sen­gän­ge und Bil­lio­nen-Bewer­tun­gen

In der Tech­no­lo­gie­bran­che ver­här­tet sich die Debat­te über das Ent­wick­lungs­tem­po und die staat­li­che Regu­lie­rung von KI-Sys­te­men.

  • Sicher­heits­war­nun­gen vs. Inno­va­ti­ons­tem­po: Eine Grup­pe füh­ren­der Bran­chen­köp­fe um Dario Amo­dei (CEO von Anthro­pic), Sam Alt­man (CEO von Ope­nAI) und Elon Musk warnt vor exis­ten­zi­el­len Risi­ken hoch­ent­wi­ckel­ter KI-Model­le („Fron­tier AI“) für die Mensch­heit und for­dert staat­li­che Sicher­heits­re­geln sowie ver­lang­sam­te Ent­wick­lungs­zy­klen. Dem­ge­gen­über leh­nen Meta-CEO Mark Zucker­berg, Nvi­dia-CEO Jen­sen Huang und Trumps Tech­no­lo­gie­be­ra­ter David Sacks neue Geset­ze und staat­li­che Ver­lang­sa­mun­gen ab. Sie argu­men­tie­ren, dass die Sicher­heits­ver­ant­wor­tung bei den Unter­neh­men liegt und die USA ihr Ent­wick­lungs­tem­po im Wett­be­werb mit Chi­na nicht dros­seln dür­fen.
  • Poli­ti­sche Reak­tio­nen: Wäh­rend die Trump-Regie­rung staat­li­che Leit­plan­ken ablehnt, for­dern demo­kra­ti­sche Poli­ti­ker sowie der ehe­ma­li­ge US-Außen­mi­nis­ter Ant­o­ny Blin­ken ein ver­bind­li­ches Sicher­heits­frame­work und glo­ba­le Abkom­men – auch mit Chi­na. US-Sena­tor Dave McCor­mick plä­diert für bran­chen­spe­zi­fi­sche Selbst­re­gu­lie­rungs­ein­rich­tun­gen nach dem Vor­bild der Finanz­markt­auf­sicht FINRA.
  • Groß­pro­jek­te der KI-Markt­füh­rer:
    • Anthro­pic: Das Unter­neh­men wähl­te die Tech-Bör­se Nasdaq als Han­dels­platz für sei­nen anste­hen­den Bör­sen­gang (IPO), um von einer schnel­len Auf­nah­me in die Haupt­in­di­zes zu pro­fi­tie­ren. Der genaue Zeit­punkt hat sich jedoch leicht nach hin­ten ver­scho­ben (frü­hes­tens Okto­ber).
    • Ope­nAI: Der ChatGPT-Ent­wick­ler befin­det sich in Ver­hand­lun­gen über eine neue Finan­zie­rungs­run­de, die das Unter­neh­men mit über 1,2 Bil­lio­nen US-Dol­lar bewer­ten könn­te. Ein Bör­sen­gang wird laut Sam Alt­man auf­grund von Sicher­heits­be­den­ken womög­lich erst für 2027 ange­strebt.

3. Geo­po­li­tik und glo­ba­le Ener­gie­kri­se: Nah­ost-Krieg, Erd­öl­man­gel und Vene­zue­la-Deal

Die anhal­ten­den mili­tä­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen im Nahen Osten belas­ten die glo­ba­le Ener­gie­ver­sor­gung erheb­lich.

  • Ver­sor­gungs- und Raf­fi­ne­rie­kri­se: Nach Angriff­fen auf Trans­port­schif­fe nahe der Stra­ße von Hor­mus sowie Sabo­ta­ge­ak­ten der Hut­hi-Rebel­len an sau­di-ara­bi­schen Pipe­lines stieg der Roh­öl­preis (WTI) auf über 103 US-Dol­lar pro Bar­rel. Die Die­sel­prei­se in den USA erreich­ten ein Rekord­hoch von durch­schnitt­lich 6,31 US-Dol­lar pro Gal­lo­ne.
  • His­to­ri­scher Tief­stand der Ölre­ser­ven: Die US-Stra­te­gi­sche Erd­öl­re­ser­ve (SPR) fiel auf unter 300 Mil­lio­nen Bar­rel – den nied­rigs­ten Stand seit Novem­ber 1982. Prä­si­dent Donald Trump prüft die Akti­vie­rung des Defen­se Pro­duc­tion Act, um hei­mi­sche Raf­fi­ne­rie­ka­pa­zi­tä­ten aus­zu­wei­ten. Mike Sum­mers, CEO des Ame­ri­can Petro­le­um Insti­tu­te (API), spricht sich gegen poli­tisch dis­ku­tier­te Export­ver­bo­te aus, da die­se die Prei­se wei­ter anhei­zen wür­den.
  • Vene­zue­la-Abkom­men: Nach dem Zugriff der USA auf den ehe­ma­li­gen vene­zo­la­ni­schen Prä­si­den­ten Nico­las Madu­ro unter­zeich­ne­te der US-Schie­fer­öl­pio­nier Harold Hamm (Con­ti­nen­tal Resour­ces) in Hous­ton eine Grund­satz­ver­ein­ba­rung zur Erschlie­ßung vene­zo­la­ni­scher Ölfel­der. Die Ver­trä­ge wur­den unter Ver­mitt­lung von US-Ener­gie­mi­nis­ter Chris Wright und US-Innen­mi­nis­ter Doug Bur­gum geschlos­sen.

4. Kana­das Inves­ti­ti­ons­of­fen­si­ve: Mark Car­neys Toron­to Sum­mit

Der kana­di­sche Pre­mier­mi­nis­ter Mark Car­ney wirbt auf dem Inves­to­ren­gip­fel in Toron­to um inter­na­tio­na­les Kapi­tal, um das Wirt­schafts­wachs­tum zu stär­ken.

  • Ziel­vo­lu­men und Maß­nah­men: Kana­da strebt über die nächs­ten fünf Jah­re Inves­ti­tio­nen in Höhe von 1 Bil­li­on US-Dol­lar an, um die Abhän­gig­keit von den USA zu ver­rin­gern. Zur Unter­stüt­zung kün­dig­te die Regie­rung sofor­ti­ge steu­er­li­che Abschrei­bungs­mög­lich­kei­ten (imme­dia­te expen­sing) an und prüft die Öff­nung der vier größ­ten Flug­hä­fen des Lan­des (dar­un­ter Toron­to) für lang­fris­ti­ge Kapi­tal­ge­ber.
  • Betei­li­gung glo­ba­ler Finanz­ak­teu­re: Am Sum­mit nah­men Füh­rungs­kräf­te inter­na­tio­na­ler Inves­to­ren wie Blackstone, Black­Rock, Car­lyle, Apol­lo, KKR und Muba­d­a­la teil.
  • Unter­neh­mens­ent­wick­lun­gen: Patrick Dovi­gi, Grün­der und CEO des Umwelt- und Ent­sor­gungs­kon­zerns GFL Envi­ron­men­tal, bestä­tig­te unauf­ge­for­der­te Über­nah­me­an­ge­bo­te für sein Unter­neh­men und erläu­ter­te die stra­te­gi­sche Ver­le­gung des Exe­ku­tiv-Haupt­sit­zes nach Flo­ri­da zur Bes­se­rung des US-Markt­zu­gangs.

5. Inter­na­tio­na­le Wäh­rungs­märk­te: Der Ver­fall des japa­ni­schen Yen und Wäh­rungs­in­ter­ven­tio­nen

Am Devi­sen­markt sorgt der Ver­fall der japa­ni­schen Wäh­rung auf ein Vier-Jahr­zehn­te-Tief von über 164 Yen pro US-Dol­lar für erheb­li­che Unru­he.

  • Ein­grei­fen der US-Regie­rung: US-Finanz­mi­nis­ter Scott Bes­sent übt unge­wöhn­lich deut­li­chen öffent­li­chen Druck auf die Bank of Japan (BOJ) und die japa­ni­sche Pre­mier­mi­nis­te­rin Sanae Takai­chi aus, die Leit­zin­sen rascher anzu­he­ben. Hin­ter­grund ist, dass Japan zur Stüt­zung der eige­nen Wäh­rung US-Staats­an­lei­hen ver­kauft, was die US-Ren­di­ten für 10-jäh­ri­ge Tre­asu­ries über die Mar­ke von 5 % treibt und die US-Kre­dit­kos­ten ver­teu­ert.
  • Wirt­schafts­po­li­ti­scher Spa­gat in Tokio: Pre­mier­mi­nis­te­rin Sanae Takai­chi muss zwi­schen der Ein­däm­mung der impor­tier­ten Infla­ti­on für die Bevöl­ke­rung und der Ver­mei­dung einer Abwür­gung des noch fra­gi­len japa­ni­schen Wirt­schafts­wachs­tums abwä­gen.

Die Finanz­märk­te reagier­ten mit deut­li­chen Kurs­be­we­gun­gen auf den Zins­ent­scheid der US-Noten­bank Fede­ral Reser­ve und die anschlie­ßen­de Pres­se­kon­fe­renz des Fed-Vor­sit­zen­den Kevin Warsh. Wäh­rend die Märk­te unmit­tel­bar vor der Ver­öf­fent­li­chung noch im grü­nen Bereich gehan­delt wur­den, lös­ten die als sehr restrik­tiv (haw­ki­sh) ein­ge­stuf­ten Äuße­run­gen der Noten­bank einen spä­ten Aus­ver­kauf bei Akti­en und einen mar­kan­ten Ren­di­te­an­stieg am kur­zen Ende des Anlei­hen­mark­tes aus.


1. Akti­en­märk­te: Umschwung ins Minus und Sek­to­ren­dif­fe­ren­zie­rung

  • Haupt­in­di­zes: Vor dem Zins­ent­scheid lag der S&P 500 noch mit ca. 0,3 % im Plus und der Nasdaq ver­zeich­ne­te Gewin­ne von etwa 0,8 %. Nach Beginn der Pres­se­kon­fe­renz von Kevin Warsh dreh­ten die Indi­zes jedoch ins Minus und schlos­sen den drit­ten Han­dels­tag in Fol­ge mit Ver­lus­ten.
    • Der Dow Jones Indus­tri­al Avera­ge ver­lor im Tages­ver­lauf rund 600 Punk­te.
    • Der S&P 500 schloss etwa 0,4 % im Minus (fiel im Tief der Sit­zung jedoch um bis zu 0,75 % bis 1,0 %).
    • Der Nasdaq Com­po­si­te zeig­te sich ver­gleichs­wei­se sta­bil und schloss nahe­zu unver­än­dert.
  • Trans­port- und Logis­tik­sek­tor: Beson­ders har­te Tref­fer erlitt der Dow Jones Trans­por­ta­ti­on Avera­ge, der deut­lich ein­brach und nur knapp über sei­ner 200-Tage-Linie schloss. Aus­lö­ser waren unter ande­rem War­nun­gen füh­ren­der Lkw-Spe­di­tio­nen wie J.B. Hunt, deren Quar­tals­er­geb­nis­se auf­grund dras­tisch gestie­ge­ner Treib­stoff- und Die­sel­kos­ten um schät­zungs­wei­se 10 % gerin­ger aus­fal­len könn­ten.
  • Ban­ken­sek­tor: Bank­ak­ti­en gerie­ten im spä­ten Han­del unter erheb­li­chen Abga­be­druck, als sich die Zins­struk­tur­kur­ve abflach­te. Die Aktie von Gold­man Sachs ver­lor in den letz­ten 45 Han­dels­mi­nu­ten vor Han­dels­schluss etwa 4 bis 5 %.
  • Tech­no­lo­gie­sek­tor: Die Kurs­ent­wick­lung im Tech-Sek­tor ver­lief gespal­ten: Wäh­rend Micro­soft deut­li­che Ein­bu­ßen ver­zeich­ne­te, erhiel­ten aus­ge­wähl­te Wer­te wie Intel (+4 % auf­grund mög­li­cher US-Fer­ti­gungs­part­ner­schaf­ten), Nvi­dia und Dell leich­ten Auf­trieb.

2. Anlei­hen­markt: Anstieg am kur­zen Ende und Abfla­chung der Ren­di­te­kur­ve

  • Kur­zes Ende (2‑jährige US-Staats­an­lei­hen): Die Ren­di­ten am kur­zen Ende stie­gen den sieb­ten Han­dels­tag in Fol­ge an. Die Ren­di­te der 2‑jährigen US-Anlei­he klet­ter­te um 6 bis 7 Basis­punk­te auf 4,72 % – den höchs­ten Stand seit Juli 2024. Damit wei­tet sich der Abstand (Spread) zwi­schen dem Leit­zins (4,0 %) und der 2‑jährigen Ren­di­te auf rund 70 bis 100 Basis­punk­te aus.
  • Lan­ges Ende (10- und 30-jäh­ri­ge US-Anlei­hen): Die 10-jäh­ri­ge US-Ren­di­te schloss den zwei­ten Tag in Fol­ge ober­halb der Mar­ke von 5,0 %. Die 30-jäh­ri­ge Ren­di­te gab hin­ge­gen leicht um 2 Basis­punk­te auf 5,35 % nach.
  • Abfla­chung der Ren­di­te­kur­ve (Yield Cur­ve Flat­tening): Durch den kräf­ti­gen Anstieg der Ren­di­ten am kur­zen Ende bei gleich­zei­tig sta­gnie­ren­den oder leicht nach­ge­ben­den Ren­di­ten am lan­gen Ende kam es zu einer deut­li­chen Abfla­chung der Ren­di­te­kur­ve.
  • Rea­le Ren­di­ten: Bei den rea­len (infla­ti­ons­be­rei­nig­ten) Ren­di­ten der 10- und 30-jäh­ri­gen Anlei­hen kam es zu einem sprung­haf­ten Anstieg (Hockey-Stick-Bewe­gung), wobei die 30-jäh­ri­ge rea­le Ren­di­te auf über 3 % stieg.

3. Devi­sen­markt: Star­ker US-Dol­lar und Rekord­tief des Yen

  • US-Dol­lar-Index (DXY): Der US-Dol­lar leg­te den drit­ten Tag in Fol­ge zu. Im Anschluss an die Zins­ent­schei­dung ver­zeich­ne­te der US-Dol­lar-Index einen extre­men Kurs­sprung von 2,8 Stan­dard­ab­wei­chun­gen.
  • Japa­ni­scher Yen: Gegen­über dem japa­ni­schen Yen ver­buch­te der US-Dol­lar den stärks­ten Tages­ge­winn seit einem Monat. Der Yen ver­harrt damit wei­ter­hin auf einem Vier-Jahr­zehn­te-Tief bei rund 164 Yen pro US-Dol­lar.

4. Markt­in­ter­pre­ta­ti­on und Hin­ter­grund

  • Ein­stim­mi­ger Zins­ent­scheid: Die Zins­an­he­bung um 25 Basis­punk­te auf 4,0 % erfolg­te im FOMC ein­stim­mig. Kevin Warsh begrün­de­te den Schritt damit, dass die Noten­bank ledig­lich eine „Dosis Akkom­mo­die­rung“ ent­zo­gen habe, da die all­ge­mei­nen Finanz­be­din­gun­gen nach wie vor nicht als aus­rei­chend restrik­tiv bezeich­net wer­den kön­nen.
  • Skep­sis gegen­über „One and Done“: Die Anle­ger inter­pre­tier­ten die Aus­sa­gen von Warsh als kla­res Signal, dass die Fed kei­ne ein­ma­li­ge Zins­an­pas­sung vor­ge­nom­men hat, son­dern ein erneu­ter Anhe­bungs­zy­klus begon­nen hat.
  • Dis­kre­panz zum Dot Plot: Wäh­rend das Pun­ke­dia­gramm (Dot Plot) der Fed im Medi­an nur noch eine wei­te­re Zins­er­hö­hung für das Jahr 2026 anzeigt, preist der Ter­min­markt am kur­zen Ende bereits bis zu drei wei­te­re Zins­an­he­bun­gen ein. Markt­teil­neh­mer wer­ten den Zins­ent­scheid pri­mär als Wie­der­her­stel­lung der Glaub­wür­dig­keit der Fed im Kampf gegen die hart­nä­cki­ge Infla­ti­on.

Der Ver­fall des japa­ni­schen Yen auf den tiefs­ten Stand seit vier Jahr­zehn­ten ist das Ergeb­nis jah­re­lan­ger Nied­rig­zins­po­li­tik, glo­ba­ler Kapi­tal­flüs­se und kom­ple­xer geo­po­li­ti­scher Ver­flech­tun­gen mit den USA.


1. Aus­maß und his­to­ri­sche Ein­ord­nung des Yen-Ver­falls

  • Tief­stand seit 1986: Der japa­ni­sche Yen fiel auf Kurs­mar­ken von über 164 Yen pro US-Dol­lar. Dies stellt den schwächs­ten Stand der Wäh­rung seit vier Jahr­zehn­ten (1986) dar. Zum Ver­gleich: Fünf Jah­re zuvor lag der Wech­sel­kurs noch bei etwa 102 Yen pro US-Dol­lar.
  • Haupt­ur­sa­che Nied­rig­zins­po­li­tik: Der Haupt­grund für die anhal­ten­de Schwä­che liegt in der Geld­po­li­tik der Bank of Japan (BOJ), die die Leit­zin­sen über lan­ge Zeit extrem nied­rig hielt, wäh­rend ande­re gro­ße Zen­tral­ban­ken ihre Zin­sen dras­tisch ange­n­oben.

2. Der „Car­ry Trade“ und der Kapi­tal­ab­fluss

  • Funk­ti­ons­wei­se: Auf­grund der extrem nied­ri­gen Zin­sen in Japan wur­de der Yen zur welt­weit popu­lärs­ten Finan­zie­rungs­wäh­rung für soge­nann­te Car­ry Trades.
  • Mecha­nis­mus: Inter­na­tio­na­le Anle­ger gelie­hen sich güns­tig Kapi­tal in Yen und leg­ten die­ses Geld in Län­dern mit deut­lich höhe­ren Ren­di­ten und Zin­sen an – etwa in den USA, Mexi­ko oder Bra­si­li­en.
  • Fol­gen: Die­ser Mecha­nis­mus führ­te über Jah­re hin­weg zu einem kon­ti­nu­ier­li­chen und mas­si­ven Kapi­tal­ab­fluss aus Japan, was den Yen an den Devi­sen­märk­ten immer wei­ter unter Druck setz­te.

3. Aus­wir­kun­gen auf Japans Wirt­schaft und Poli­tik

Der Ver­fall der Wäh­rung bringt für die japa­ni­sche Volks­wirt­schaft gegen­sätz­li­che Effek­te mit sich:

  • Gewin­ner des schwa­chen Yen:
    • Export­kon­zer­ne: Gro­ße japa­ni­sche Auto­mo­bil- und Indus­trie­un­ter­neh­men wie Toyo­ta und Nis­san ver­zeich­nen durch den schwa­chen Yen deut­li­che Gewinn­sprün­ge beim Rück­über­trag ihrer Aus­lands­er­lö­se.
    • Tou­ris­mus: Der güns­ti­ge Yen macht Japan zu einem attrak­ti­ven Rei­se­ziel und sorgt für einen star­ken Anstieg der Aus­ga­ben aus­län­di­scher Tou­ris­ten.
  • Ver­lie­rer und wirt­schaft­li­che Risi­ken:
    • Impor­tier­te Infla­ti­on: Japan ist eine Insel­na­ti­on, die nahe­zu ihre gesam­te Ener­gie und wesent­li­che Roh­stof­fe impor­tie­ren muss. Der Ver­fall der Wäh­rung ver­teu­ert die­se Impor­te dras­tisch und treibt die Lebens­hal­tungs­kos­ten der Bevöl­ke­rung in die Höhe.
    • Poli­ti­sches Dilem­ma: Die gestie­ge­nen Lebens­hal­tungs­kos­ten belas­ten die Beliebt­heit von Pre­mier­mi­nis­te­rin Sanae Takai­chi erheb­lich. Takai­chi und die BOJ ste­hen vor der schwie­ri­gen Auf­ga­be, die Zin­sen rascher anhe­ben zu müs­sen, um den Wäh­rungs­ver­fall ein­zu­däm­men. Wenn die Noten­bank die Zin­sen jedoch zu schnell anhebt, droht sie das noch fra­gi­le Wirt­schafts­wachs­tum Japans abzu­wür­gen.

4. Die glo­ba­le Dimen­si­on und der Kon­flikt mit den USA

Der Yen-Ver­fall betrifft nicht nur Japan, son­dern hat unmit­tel­ba­re Aus­wir­kun­gen auf die US-Finanz­märk­te und die US-Schul­den­po­li­tik:

  • Ver­kauf von US-Staats­an­lei­hen: Japan ist außer­halb der USA der welt­weit größ­te Gläu­bi­ger von US-Staats­an­lei­hen. Um den Ver­fall des Yen abzu­dämp­fen, begann die japa­ni­sche Regie­rung, Tei­le ihrer US-Anlei­he­be­stän­de zu ver­kau­fen, um mit dem Erlös Yen am Markt zu kau­fen.
  • Druck auf US-Kre­dit­kos­ten: Durch den mas­si­ven Ver­kauf von US-Anlei­hen stie­gen die Ren­di­ten für 10-jäh­ri­ge US-Staats­an­lei­hen spür­bar an – von 1,7 % im Jahr 2022 auf über 5 %. Für die USA, deren Gesamt­schul­den­stand bei über 40 Bil­lio­nen US-Dol­lar liegt, bedeu­tet jeder Ren­di­te­an­stieg eine erheb­li­che Ver­teue­rung des natio­na­len Schul­den­diens­tes.
  • Ein­grei­fen von US-Finanz­mi­nis­ter Scott Bes­sent: US-Finanz­mi­nis­ter Scott Bes­sent unter­nahm eine bei­spiel­lo­se öffent­li­che Kam­pa­gne, indem er direkt auf die Bank of Japan und die japa­ni­sche Regie­rung ein­wirk­te, die Zin­sen rascher anzu­he­ben. Ziel von Bes­sent ist es, dass Japan das Anlei­he­ver­kaufs-Pro­gramm stoppt und so die US-Kre­dit­kos­ten nied­rig gehal­ten wer­den. Bes­sent trat am Markt unge­wöhn­lich domi­nant auf und warn­te Spe­ku­lan­ten öffent­lich mit Aus­sa­gen wie „I have asym­me­tric infor­ma­ti­on… I am the house… you can bet against me if you want“.

5. Devi­sen­in­ter­ven­tio­nen als tem­po­rä­re Maß­nah­me

  • Inter­ven­ti­ons­gren­ze: In der Ver­gan­gen­heit galt für die japa­ni­schen Wäh­rungs­be­hör­den die Mar­ke von ca. 160 Yen pro US-Dol­lar als kri­ti­sche Scha­dens­schwel­le („Line in the Sand“), bei deren Über­schrei­ten mehr­fach Stüt­zungs­ver­käu­fe getä­tigt wur­den.
  • Kei­ne dau­er­haf­te Lösung: Rei­ne Inter­ven­tio­nen am Devi­sen­markt gel­ten ohne beglei­ten­de Zins­an­he­bun­gen der Bank of Japan als blo­ßes Pflas­ter („Band-Aid“), da sie die zugrun­de­lie­gen­de Zins­dif­fe­renz zwi­schen den USA und Japan nicht auf­he­ben. Aus die­sem Grund ver­lan­gen inter­na­tio­na­le Märk­te und die US-Regie­rung eine beschleu­nig­te straf­fe­re Geld­po­li­tik aus Tokio.


Man beschäf­tigt sich mit ame­ri­ka­ni­scher Poli­tik nicht aus Ame­ri­ka-Fas­zi­na­ti­on, son­dern aus deut­schem Eigen­in­ter­es­se.

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Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater