Ver­lust­ak­ti­en im ETF

ETFs sind ein äußerst belieb­tes Anla­ge­instru­ment, das sich ins­be­son­de­re durch sei­ne Ein­fach­heit und Kos­ten­ef­fi­zi­enz aus­zeich­net. Sie ermög­li­chen Anle­gern den Zugang zu einem diver­si­fi­zier­ten Port­fo­lio, das in der Regel alle im zugrun­de lie­gen­den Index ent­hal­te­nen Akti­en abbil­det. Doch die­se pas­si­ve Nach­bil­dungs­stra­te­gie bringt auch Schwä­chen mit sich, die kri­ti­sche Anle­ger nicht igno­rie­ren soll­ten. Ein zen­tra­ler Kri­tik­punkt ist, dass ETFs zwangs­läu­fig auch ver­lust­rei­che Akti­en hal­ten, unab­hän­gig von deren Per­for­mance oder fun­da­men­ta­len Schwä­chen. Dies liegt in der Natur ihrer Kon­struk­ti­on: ETFs fol­gen starr den Vor­ga­ben des Index, was bedeu­tet, dass selbst Unter­neh­men, die signi­fi­kan­te Ver­lus­te erlei­den oder vor struk­tu­rel­len Pro­ble­men ste­hen, wei­ter­hin im Port­fo­lio ent­hal­ten blei­ben, solan­ge sie Teil des Index sind. Das wirft die Fra­ge auf, ob Anle­ger, die sich bewusst mit der Aus­wahl von Gewin­nern und Ver­lie­rern aus­ein­an­der­set­zen, durch eige­ne Stra­te­gien nicht bes­ser fah­ren könn­ten.

S&P 500 Stand: 30.11.24

Ein beson­ders pro­ble­ma­ti­scher Aspekt die­ser Struk­tur ist die soge­nann­te Träg­heit der Index­an­pas­sung. Unter­neh­men blei­ben oft lan­ge im Index ent­hal­ten, auch wenn ihre Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung stark schrumpft oder ihre finan­zi­el­le Situa­ti­on pre­kär wird. Erst wenn sie die for­ma­len Anfor­de­run­gen des Index nicht mehr erfül­len, wer­den sie ent­fernt – und bis zu die­sem Zeit­punkt haben sie mög­li­cher­wei­se erheb­li­chen Scha­den ange­rich­tet. Ein Bei­spiel aus der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit ist Wal­greens Boots Alli­ance, des­sen Wert inner­halb eines Jah­res um über 54 % gefal­len ist. Die­se Ver­lus­te sind in einem ETF unver­meid­lich ent­hal­ten, da die Nach­bil­dung des Index kei­ne akti­ve Bewer­tung oder Aus­sor­tie­rung schwa­cher Unter­neh­men erlaubt. Die­se Träg­heit stellt eine der wesent­li­chen Her­aus­for­de­run­gen für pas­si­ve Anle­ger dar, da die Ver­lus­te schwa­cher Unter­neh­men die Gewin­ne der star­ken Per­for­mer min­dern kön­nen. Zwar sind die meis­ten Indi­zes nach Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung gewich­tet, was bedeu­tet, dass Schwer­ge­wich­te wie Apple oder Micro­soft einen grö­ße­ren Ein­fluss auf die Gesamt­per­for­mance haben, doch Ver­lus­te häu­fen sich ins­be­son­de­re bei klei­ne­ren oder mit­tel­gro­ßen Unter­neh­men. Die kumu­la­ti­ve Wir­kung sol­cher Ver­lus­te kann die Gesamt­per­for­mance eines ETFs spür­bar beein­träch­ti­gen.

Ein wei­te­rer Punkt, der häu­fig über­se­hen wird, ist der Unter­schied zwi­schen pas­si­ver Nach­bil­dung und akti­ver Anpas­sung. Wäh­rend ETFs ledig­lich den Markt abbil­den, könn­ten Anle­ger, die ihr Port­fo­lio aktiv mana­gen, gezielt schwa­che Unter­neh­men mei­den und sich aus­schließ­lich auf die Gewin­ner kon­zen­trie­ren. Das erfor­dert zwar Zeit, Fach­wis­sen und Res­sour­cen, bie­tet aber das Poten­zi­al, schwa­che Markt­pha­sen bes­ser zu über­ste­hen. Gleich­zei­tig muss man jedoch aner­ken­nen, dass ein sol­ches Vor­ge­hen Risi­ken birgt, da Fehl­ent­schei­dun­gen oder eine schlech­te Diver­si­fi­ka­ti­on das Port­fo­lio anfäl­li­ger machen kön­nen. ETFs dage­gen bie­ten eine brei­te Streu­ung und mini­mie­ren so das Risi­ko, dass ein­zel­ne Aus­fäl­le das gesam­te Invest­ment gefähr­den. Das bedeu­tet jedoch auch, dass Ver­lus­te schwa­cher Akti­en akzep­tiert wer­den müs­sen, solan­ge die­se Teil des Index sind.

Inter­es­san­ter­wei­se ist dies kein spe­zi­fi­sches Pro­blem von ETFs, son­dern ein sys­te­ma­ti­sches Merk­mal jeder pas­si­ven Anla­ge. Die pas­siv inves­tier­ten Mit­tel ver­fol­gen das Ziel, den Markt als Gan­zes abzu­bil­den, und nicht, ihn durch geziel­te Aus­wahl zu schla­gen. Für vie­le Anle­ger ist die­se Stra­te­gie völ­lig aus­rei­chend, da sie lang­fris­tig von der all­ge­mei­nen Markt­ent­wick­lung pro­fi­tie­ren wol­len. Doch genau hier liegt der Kern der Kri­tik: Anle­ger, die in einen ETF inves­tie­ren, müs­sen ver­ste­hen, dass sie nicht nur an den Gewin­nern des Mark­tes teil­ha­ben, son­dern auch die Ver­lie­rer mit­tra­gen. Für jene, die bereit sind, mehr Zeit und Ener­gie in ihre Anla­ge­ent­schei­dun­gen zu inves­tie­ren, könn­ten akti­ve Ansät­ze oder spe­zia­li­sier­te Stra­te­gien eine Mög­lich­keit sein, das Risi­ko durch ver­lust­rei­che Unter­neh­men zu redu­zie­ren. Alter­na­ti­ven wie akti­ve Fonds, Fac­tor-Inves­t­ing oder selbst zusam­men­ge­stell­te Port­fo­li­os bie­ten Poten­zia­le, erfor­dern jedoch auch ein höhe­res Maß an Enga­ge­ment und Exper­ti­se.

Letzt­lich stellt sich die Fra­ge, was Anle­ger von ihrer Stra­te­gie erwar­ten. ETFs sind ein effi­zi­en­tes Werk­zeug für die brei­te Diver­si­fi­ka­ti­on und lang­fris­ti­ge Ver­mö­gens­bil­dung, aber sie sind kei­ne per­fek­te Lösung. Ihre Stär­ke liegt in der Ein­fach­heit und der gerin­gen Kos­ten, aber genau die­se Merk­ma­le begren­zen auch ihre Fle­xi­bi­li­tät. Die Kri­tik an Ver­lust­ak­ti­en in ETFs ist daher nicht als „ETF-Bas­hing“ zu ver­ste­hen, son­dern als wich­ti­ge Refle­xi­on über die Kom­pro­mis­se, die mit pas­si­ven Anla­ge­instru­men­ten ein­her­ge­hen. Anle­ger soll­ten sich bewusst sein, dass sie durch die Wahl eines ETFs nicht nur die Gewin­ner des Mark­tes, son­dern auch des­sen Schwä­chen kau­fen – und die­se Tat­sa­che in ihre Anla­ge­ent­schei­dun­gen ein­be­zie­hen. Nur so kön­nen sie fun­diert ent­schei­den, ob ETFs für ihre indi­vi­du­el­len Zie­le geeig­net sind oder ob ande­re Ansät­ze bes­ser pas­sen.

Top-Akti­en im S&P 500 Zeit­raum 1 Jahr

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Stand: 30.11.24


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