CAPM steht für das Capital Asset Pricing Model – auf Deutsch: Modell zur Bewertung von Kapitalanlagen. Es handelt sich dabei um eines der zentralen Modelle der modernen Finanztheorie, das erklärt, wie sich der erwartete Ertrag einer Investition in Abhängigkeit vom Risiko berechnet.
Die Grundidee des CAPM
Das CAPM versucht, eine Beziehung zwischen Risiko und erwarteter Rendite herzustellen. Die Kernfrage lautet:
Wie viel Rendite muss ein Anleger für das Eingehen eines bestimmten Risikos erwarten können?
Dabei unterscheidet das Modell zwei Arten von Risiko:
- Systematisches Risiko (Marktrisiko): Risiken, die nicht durch Diversifikation reduziert werden können (z. B. Zinsschocks, Rezession, Krieg).
- Unsystematisches Risiko: Spezifische Risiken einzelner Unternehmen, die sich durch Diversifikation eliminieren lassen.
Nur das systematische Risiko wird im CAPM „entlohnt“, d. h. nur dafür gibt es eine erwartete Risikoprämie.
Die CAPM-Formel
[math]\text{Erwartete Rendite} = R_f + \beta \cdot (R_m – R_f)[/math]
Legende:
- [math]R_f[/math]: Risikofreier Zinssatz (z. B. US-Staatsanleihe)
- [math]R_m[/math]: Erwartete Marktrendite (z. B. S&P 500)
- [math]R_m – R_f[/math]: Marktrisikoprämie
- β: Maß für das systematische Risiko des einzelnen Wertpapiers relativ zum Markt
Interpretation von β
- β = 1: Aktie schwankt genauso stark wie der Gesamtmarkt
- β>1: Aktie ist volatiler als der Markt (höheres Risiko)
- β< 1: Aktie ist weniger volatil (niedrigeres Risiko)
- β=0: Keine Korrelation mit dem Markt (z. B. risikofreier Zins)
Ein Wertpapier mit hohem β\beta soll also laut CAPM eine entsprechend höhere erwartete Rendite liefern – als Ausgleich für das eingegangene Risiko.
Beispiel
Wenn:
- der risikofreie Zins bei 2 % liegt,
- die erwartete Marktrendite bei 8 %
- und eine Aktie ein β\beta von 1,5 hat,
dann gilt: [math]\text{Erwartete Rendite} = 2\,\% + 1{,}5 \cdot (8\,\% – 2\,\%) = 2\,\% + 9\,\% = 11\,\%[/math]
Kritik am CAPM
Obwohl das CAPM ein elegantes Modell ist, steht es seit Jahren in der Kritik:
- Empirische Schwächen: In der Realität erklären β\beta-Werte oft nicht zuverlässig die tatsächlichen Renditen.
- Ein-Faktor-Modell: Nur Marktrisiko wird berücksichtigt – andere Faktoren wie Größe, Value, Momentum etc. fehlen (→ Fama-French-Modell als Erweiterung).
- Annahmen unrealistisch: Z. B. dass alle Marktteilnehmer rational und risikoneutral agieren, oder dass der Markt immer im Gleichgewicht ist.
Fazit
Das CAPM ist ein Grundpfeiler der Finanzmarkttheorie – besonders im Bereich der Unternehmensbewertung, der Portfoliotheorie und im Risikomanagement. Aber es ist kein perfektes Werkzeug. Wer es anwendet, sollte sich seiner vereinfachenden Annahmen und seiner empirischen Grenzen bewusst sein.