Wenn der reichs­te Mann der Welt auf Luxus ver­zich­tet

Elon Musk im Wohn­wa­gen

Ein Ver­mö­gen von meh­re­ren Hun­dert Mil­li­ar­den Dol­lar eröff­net nahe­zu unbe­grenz­te Mög­lich­kei­ten. Doch aus­ge­rech­net Elon Musk, einer der reichs­ten Men­schen der Welt, ver­bringt wäh­rend einer ent­schei­den­den Pha­se sei­ner KI-Pro­jek­te sei­ne Näch­te nicht in einer luxu­riö­sen Vil­la oder einem exklu­si­ven Hotel, son­dern in einem Airst­ream-Wohn­wa­gen in Mem­phis im US-Bun­des­staat Ten­nes­see. Den sil­ber­nen Klas­si­ker der ame­ri­ka­ni­schen Road­trip-Kul­tur bezeich­net Musk selbst augen­zwin­kernd als sei­nen neu­en „Palast“.

Der unge­wöhn­li­che Auf­ent­halts­ort hat einen prak­ti­schen Grund. In Mem­phis befin­det sich mit Colos­sus eine der zen­tra­len KI-Infra­struk­tu­ren des Musk-Impe­ri­ums. Die Anla­ge besteht aus einer gewal­ti­gen Zahl mit­ein­an­der ver­netz­ter Hoch­leis­tungs­rech­ner und dient unter ande­rem dazu, die Model­le hin­ter dem KI-Sys­tem Grok zu trai­nie­ren. Seit dem Beginn des Pro­jekts wird die Rechen­ka­pa­zi­tät in hohem Tem­po erwei­tert. Bereits die ers­te Aus­bau­stu­fe mit rund 100.000 Gra­fik­pro­zes­so­ren ent­stand inner­halb von nur 122 Tagen. Inzwi­schen hat die Infra­struk­tur eine Grö­ßen­ord­nung erreicht, bei der Rechen­leis­tung auch extern zur Ver­fü­gung gestellt wird.

Für Musk bedeu­tet die Nähe zum Stand­ort offen­bar, Ent­schei­dun­gen unmit­tel­bar ver­fol­gen und bei Pro­ble­men direkt ein­grei­fen zu kön­nen. Statt das Pro­jekt aus eini­ger Ent­fer­nung zu steu­ern, hält er sich dort auf, wo gebaut, instal­liert und hoch­ge­fah­ren wird. Dass er tat­säch­lich jede Nacht in dem Wohn­wa­gen ver­bringt oder die­ser als dau­er­haf­ter Haupt­wohn­sitz anzu­se­hen wäre, lässt sich dar­aus aller­dings nicht ablei­ten. Sicher ist vor allem, dass Musk den Airst­ream wäh­rend die­ser inten­si­ven Pro­jekt­pha­se als Unter­kunft in Mem­phis nutzt.

So unge­wöhn­lich die Geschich­te ange­sichts sei­nes Ver­mö­gens erschei­nen mag, neu ist die­ses Ver­hal­ten nicht. Schon zu Beginn sei­ner Unter­neh­mer­kar­rie­re nahm Musk ver­gleichs­wei­se spar­ta­ni­sche Lebens­be­din­gun­gen in Kauf. Wäh­rend des Auf­baus sei­nes ers­ten Unter­neh­mens Zip2 schlief er zeit­wei­se gemein­sam mit sei­nem Bru­der Kim­bal im Büro. Auch wäh­rend der frü­hen Pha­se von X.com, aus der spä­ter ein wesent­li­cher Teil von Pay­Pal her­vor­ging, soll der Arbeits­platz regel­mä­ßig zum Schlaf­platz gewor­den sein.

Beson­ders bekannt wur­de die­ses Mus­ter wäh­rend der schwie­ri­gen Pro­duk­ti­ons­pha­se des Tes­la Model 3 in den Jah­ren 2017 und 2018. Musk ver­brach­te damals zahl­rei­che Näch­te in den Fabri­ken und schlief teil­wei­se auf dem Boden. Die Pro­duk­ti­ons­pro­ble­me waren so gra­vie­rend, dass die Situa­ti­on inner­halb des Unter­neh­mens als exis­ten­zi­ell wahr­ge­nom­men wur­de. Musk schil­der­te die­se Zeit spä­ter selbst als extre­me per­sön­li­che Belas­tung mit sehr wenig Schlaf.

Nach der Über­nah­me von Twit­ter im Jahr 2022 zeig­te sich ein ähn­li­ches Bild. Wäh­rend der tief­grei­fen­den Umstruk­tu­rie­rung des Unter­neh­mens hielt sich Musk über län­ge­re Zeit inten­siv am Fir­men­sitz auf und nutz­te dort unter ande­rem eine Couch zum Schla­fen. Der heu­ti­ge Auf­ent­halt im Airst­ream in Mem­phis fügt sich damit in ein seit Jahr­zehn­ten wie­der­keh­ren­des Arbeits­mus­ter ein.

Gera­de der Kon­trast macht die Geschich­te bemer­kens­wert. Musks Ver­mö­gen bewegt sich je nach Bör­sen­kurs und Bewer­tungs­me­tho­de in einer Grö­ßen­ord­nung von rund 900 Mil­li­ar­den Dol­lar. Den­noch ent­schei­det er sich in beson­ders arbeits­in­ten­si­ven Pha­sen offen­bar immer wie­der für eine Lebens­wei­se, die mit klas­si­schem Mil­li­ar­därs­lu­xus wenig zu tun hat.

Dabei soll­te die Geschich­te nicht mit grund­sätz­li­cher Beschei­den­heit ver­wech­selt wer­den. Musk ver­fügt selbst­ver­ständ­lich über die finan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten und den Zugang zu außer­ge­wöhn­li­chem Kom­fort. Sein Auf­ent­halt im Wohn­wa­gen ist viel­mehr Aus­druck einer bestimm­ten Arbeits­wei­se: In kri­ti­schen Pha­sen ver­sucht er, die Distanz zwi­schen Unter­neh­mens­lei­tung und ope­ra­ti­vem Gesche­hen mög­lichst gering zu hal­ten.

Der Airst­ream in Mem­phis steht damit weni­ger für Ver­zicht um des Ver­zichts wil­len als für Musks Vor­stel­lung davon, wie Unter­neh­men in ent­schei­den­den Momen­ten geführt wer­den soll­ten. Wäh­rend Mil­li­ar­den­wer­te, KI-Rechen­zen­tren und Zehn­tau­sen­de Hoch­leis­tungs­pro­zes­so­ren eine kaum vor­stell­ba­re Grö­ßen­ord­nung errei­chen, redu­ziert sich sein per­sön­li­cher All­tag vor Ort zeit­wei­se auf das Not­wen­digs­te. Genau die­ser Gegen­satz zwi­schen enor­mem Ver­mö­gen, tech­no­lo­gi­schen Groß­pro­jek­ten und einem Bett im Wohn­wa­gen macht die Geschich­te so unge­wöhn­lich.

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