Wochenzusammenfassung der US-Märkte (25. – 30. August 2025)
Gesamtfazit der Woche
Die vergangene Handelswoche war von einem starken Spannungsfeld geprägt: Einerseits trieben die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen durch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) und die anhaltende Begeisterung für Künstliche Intelligenz (KI) die Märkte auf neue Rekordhöhen. Andererseits sorgten hartnäckige Inflationsdaten und politische Unsicherheiten für einen deutlichen Dämpfer zum Wochenschluss. Der S&P 500 erreichte am Donnerstag erstmals die Marke von 6.500 Punkten, gab die Gewinne aber am Freitag wieder ab. Trotz des schwachen Wochenendes verzeichneten die Hauptindizes einen weiteren starken Monat.
Marktentwicklung im Überblick
1. Aktienmärkte: Von Rekordjagd zum Rückzug
- Wochenverlauf: Die Woche begann verhalten mit leichten Gewinnmitnahmen nach der Rallye der Vorwoche. Zur Wochenmitte zogen die Kurse an, angetrieben von starken Wirtschaftsdaten und der Vorfreude auf die Nvidia-Zahlen. Am Donnerstag erreichte der S&P 500 ein neues Allzeithoch bei über 6.500 Punkten. Der Freitag beendete die positive Serie jedoch abrupt, als Inflationsdaten die Anleger verunsicherten.
- Schlusskurse am Freitag:
- S&P 500: -0,6 %
- Nasdaq: -1,2 %
- Dow Jones: -0,2 %
- Monatsbilanz August: Trotz der Freitagsverluste war der August ein erfolgreicher Monat. Der S&P 500 (+2 %) und der Dow Jones (+3 %) verzeichneten ihren vierten Gewinnmonat in Folge, während der Nasdaq (+1 %) den fünften in Serie schaffte.
Am Freitag:
- Der S&P 500 fiel um 41,60 Punkte oder 0,6% auf 6.460,26.
- Der Dow Jones Industrial Average fiel um 92,02 Punkte oder 0,2% auf 45.544,88.
- Der Nasdaq Composite fiel um 249,61 Punkte oder 1,2% auf 21.455,55.
- Der Russell 2000 Index der kleineren Unternehmen fiel um 11,99 Punkte oder 0,5% auf 2.366,42
Für die Woche:
- Der S&P 500 fiel um 6,65 Punkte oder 0,1%.
- Der Dow Jones fiel um 86,86 Punkte oder 0,2%.
- Der Nasdaq fiel um 40,98 Punkte oder 0,2%.
- Der Russell 2000 stieg um 4,47 Punkte oder 0,2%.
Für das Jahr:
- Der S&P 500 ist um 578,63 Punkte oder 9,8% gestiegen
- Der Dow ist um 3.000,66 Punkte oder 7,1% gestiegen.
- Der Nasdaq ist um 2.144,76 Punkte oder 11,1% gestiegen.
- Der Russell 2000 ist um 136,26 Punkte oder 6,1% gestiegen.
2. Wichtige Wirtschaftsdaten: Eine resiliente, aber inflationäre Wirtschaft
Die Woche lieferte ein gemischtes, aber tendenziell starkes Bild der US-Wirtschaft, was die Aufgabe der Fed erschwert.
- Inflation (PCE-Preisindex): Das wichtigste Ereignis der Woche. Der von der Fed bevorzugte Kern-PCE-Preisindex stieg im Juli auf 2,9 % im Jahresvergleich. Dies war der höchste Wert seit Februar und lag über dem 2%-Ziel der Fed, was auf eine hartnäckige Inflation hindeutet und die Zinssenkungsfantasien dämpfte.
- Wirtschaftswachstum (BIP): Die zweite Schätzung für das zweite Quartal wurde überraschend nach oben auf 3,3 % annualisiertes Wachstum korrigiert. Dies signalisiert eine robuste Wirtschaft.
- Arbeitsmarkt: Die wöchentlichen Anträge auf Arbeitslosenunterstützung fielen leicht, was auf einen weiterhin stabilen Arbeitsmarkt hindeutet.
- Konsumklima & Industrie: Die Stimmung war weniger positiv. Das Verbrauchervertrauen der Universität Michigan fiel im August aufgrund von Inflationssorgen. Der Chicago PMI sank ebenfalls stark und signalisierte eine anhaltende Kontraktion der Geschäftsaktivität.
3. Geldpolitik der Fed: Klare Zinssenkungssignale treffen auf politische Turbulenzen
Die Erwartungen an eine Zinssenkung im September verfestigten sich, wurden aber von einem beispiellosen politischen Manöver überschattet.
- Dovish-Signale: Fed-Gouverneur Christopher Waller signalisierte Unterstützung für eine Zinssenkung im September. Dies stand im Einklang mit den Aussagen von Fed-Chef Jerome Powell von der Vorwoche (Jackson Hole), der einen schwächeren Arbeitsmarkt als möglichen Auslöser nannte. Der Markt preiste eine Zinssenkung im September mit einer Wahrscheinlichkeit von über 85 % ein.
- Politische Einmischung: Präsident Trump kündigte die Entlassung der Fed-Gouverneurin Lisa Cook an, was erhebliche Sorgen über die Unabhängigkeit der Zentralbank auslöste. Analysten werteten diesen Schritt als Versuch, die Fed zu einer lockereren Geldpolitik zu drängen.
4. Unternehmensnachrichten: Nvidia im Fokus, Tech unter Druck, Banken stark
- Nvidia: Der mit Spannung erwartete Quartalsbericht übertraf die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn. Die Aktie reagierte jedoch volatil, da das Unternehmen keine Umsätze mit seinen H20-Chips nach China verzeichnete und diese aus der Prognose ausschloss. Zum Wochenschluss gehörte Nvidia mit -3,4 % zu den größten Verlierern.
- Tech-Sektor: Der KI-Hype bekam am Freitag einen Dämpfer. Neben Nvidia fielen auch Dell (-8,9 %) und Marvell (-18,6 %) nach enttäuschenden Prognosen und Sorgen über hohe Kosten und Wettbewerb.
- Gewinner: Alibaba (+12,9 %) überzeugte mit starken Cloud-Ergebnissen. Im Finanzsektor erreichten JPMorgan, Goldman Sachs und Morgan Stanley neue Höchststände. Auch Chevron erreichte ein 21-Wochen-Hoch.
- Verlierer: Caterpillar (-3,6 %) litt unter Sorgen wegen möglicher Zölle.
Fazit und Bewertung
Fazit: Die Woche war ein klassisches Tauziehen. Auf der einen Seite standen eine robuste US-Wirtschaft, die eigentlich keine Zinssenkungen benötigt, und die anhaltende Stärke im KI-Sektor. Auf der anderen Seite standen die klare Erwartungshaltung des Marktes an eine baldige Zinssenkung und die wachsende Erkenntnis, dass die Inflation hartnäckiger ist als erhofft. Der Rekordlauf zur Wochenmitte zeigte den Optimismus der Anleger, während der Ausverkauf am Freitag eine deutliche Mahnung war, dass der Kampf gegen die Inflation noch nicht gewonnen ist.
Bewertung: Der Markt befindet sich in einer paradoxen Situation: Er feiert eine starke Wirtschaft (hohes BIP, stabiler Arbeitsmarkt) und erwartet gleichzeitig geldpolitische Lockerungen, die typischerweise in einer schwachen Wirtschaft erfolgen. Der hohe PCE-Wert vom Freitag war ein Realitätscheck, der diese widersprüchliche Haltung in Frage stellt.
Die politische Einflussnahme auf die Federal Reserve ist ein erhebliches, nicht zu unterschätzendes Risiko. Während dies kurzfristig die Wahrscheinlichkeit von Zinssenkungen erhöhen könnte, untergräbt es langfristig das Vertrauen in die US-Institutionen und den Dollar.
Ausblick: Der kommende Montag ist wegen des Labor Day ein Feiertag. Der Fokus der Anleger wird sich in der verkürzten Woche voll auf die US-Arbeitsmarktdaten für August richten. Ein sich abschwächender Arbeitsmarkt wäre genau das Signal, das die Fed laut Powell benötigt, um eine Zinssenkung im September zu rechtfertigen. Ein weiterhin starker Bericht würde die Fed hingegen in eine Zwickmühle bringen und könnte die Märkte weiter unter Druck setzen. Zudem werden die Quartalszahlen von Broadcom und Salesforce wichtige Indikatoren für den Tech-Sektor sein.
Marktbreite:
Marktbreite – Wochensicht
Börse | Issues | Advances | Declines | New Highs | New Lows |
---|---|---|---|---|---|
NYSE | 2.866 | 1.368 | 1.463 | 281 | 25 |
NASDAQ | 4.927 | 2.140 | 2.696 | 478 | 166 |
NYSE Am. | 301 | 171 | 118 | 47 | 9 |
NYSE Arca | 2.405 | 1.016 | 1.366 | 553 | 59 |
Interpretation
- NYSE: Leichte Schwäche. Etwas mehr Verlierer (1.463) als Gewinner (1.368). Dennoch überwiegen die neuen Hochs (281) klar die neuen Tiefs (25) – ein positives Signal.
- NASDAQ: Deutlich schwächer. Fast 2.700 Verlierer gegenüber nur gut 2.100 Gewinnern. Auch hier aber immerhin 478 neue Hochs, allerdings bei gleichzeitig 166 neuen Tiefs – Marktbreite angeschlagen, aber mit einzelnen Stärkeinseln.
- Nebenbörsen (NYSE American, Arca): Beide Segmente zeigen relative Stärke, da die Zahl der Gewinner die Verlierer übersteigt (z. B. NYSE American 171 zu 118). Vor allem NYSE Arca glänzt mit sehr vielen neuen Hochs (553), was auf Outperformance bei ETFs und spezialisierten Produkten hindeutet.
Fazit:
Die Wochenbilanz zeigt ein durchwachsenes Bild: An der Nasdaq dominieren die Verluste, während die klassischen NYSE-Werte und vor allem Arca-Stocks relative Robustheit ausstrahlen. Auffällig ist die hohe Zahl neuer Hochs über alle Segmente hinweg, was signalisiert, dass trotz der Schwäche in den Indizes selektiv weiterhin Kapital in bestimmte Titel fließt.
Sektoranalyse
Sector | Last | 5 Day |
---|---|---|
S&P 500 Index | 6,460.26 | -0.10% |
S&P 500 Energy | 686.39 | +2.46% |
S&P 500 Financials | 896.53 | +0.74% |
S&P 500 Communication Services | 400.45 | +0.70% |
S&P 500 Materials | 584.18 | unch |
S&P 500 Information Technology | 5,234.57 | -0.07% |
S&P 500 Real Estate | 265.17 | -0.14% |
S&P 500 Consumer Discretionary | 1,860.03 | -0.53% |
S&P 500 Health Care | 1,598.13 | -0.62% |
S&P 500 Industrials | 1,284.04 | -0.80% |
S&P 500 Consumer Staples | 887.23 | -1.69% |
S&P 500 Utilities | 426.24 | -2.09% |
Hinweis: Die Spalte „5 Day“ enthält die Veränderung über die letzten 5 Tage (in Prozent). „unch“ bedeutet „unchanged“ = unverändert.

Wichtige Wirtschaftstermine: 1. – 5. September 2025
Datum | Uhrzeit (MEZ) | Indikator | Aktuell | Prognose | Vorherig | Bedeutung |
---|---|---|---|---|---|---|
Mo, 1. Sep | Ganztags | Feiertag: Tag der Arbeit | – | – | – | 🟥 Marktschließung (USA) |
16:00 | Dallas Fed PCE Preisindex (Jul) | – | – | 3,40% | 🟡 Inflationsindikator (regional) | |
Di, 2. Sep | 15:45 | EMI Verarbeitendes Gewerbe (Aug) | 53,3 | 53,3 | 53,3 | 🟢 Konjunktur (Vorläufer) |
16:00 | ISM EMI Verarbeitendes Gewerbe (Aug) | 48,6 | 48,0 | 48,0 | 🔴 <50 = Rezessionssignal | |
16:00 | ISM EMI – Neuaufträge (Aug) | – | – | 47,1 | 🟡 Nachfrage im Sektor | |
16:00 | ISM EMI – Preise (Aug) | – | – | 64,8 | 🟡 Inflation im Sektor | |
16:00 | Gesamte Fahrzeugverkäufe (Aug) | – | – | 16,40 Mio | 🟡 Konsumnachfrage | |
19:00 | Atlanta Fed GDPNow (Q3) | 3,5% | – | 3,5% | 🟢 Wachstumsprognose | |
Mi, 3. Sep | 16:00 | JOLTS Stellenangebote (Jul) | – | – | 7,437 Mio | 🔴 Arbeitsmarkt (Nachfrage) |
16:00 | Auftragseingang ohne Verteidigung (Jul) | -2,5% | – | -9,4% | 🟡 Investitionstätigkeit | |
20:00 | FOMC Beige Book | – | – | – | 🔴 Konjunkturlage für Zinsentscheidung | |
22:30 | API Rohöllagerbestand (Woche) | – | – | -0,974 Mio | 🟡 Energie | |
Do, 4. Sep | 14:15 | ADP Beschäftigungsänderung (Aug) | – | 104K | – | 🔴 Privater Arbeitsmarkt (Vorläufer) |
14:30 | Erstanträge Arbeitslosenhilfe | – | 229K | 229K | 🔴 Arbeitsmarkt | |
14:30 | Produktivität (Q2) | 2,4% | – | -1,5% | 🟡 Wirtschaftsleistung | |
14:30 | Lohnstückkosten (Q2) | 1,6% | – | 6,6% | 🟡 Inflationsdruck | |
15:45 | EMI Dienstleistungen (Aug) | 55,4 | 55,1 | 55,7 | 🟢 Konjunktur Dienstleistungen | |
16:00 | ISM EMI Dienstleistungen (Aug) | 50,5 | 50,1 | 50,1 | 🔴 <50 = Kontraktion möglich | |
18:00 | EIA Rohöllagerbestände | – | – | -2,392 Mio | 🟡 Energie | |
Fr, 5. Sep | 14:30 | Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft (Aug) | 78K | 73K | 73K | 🔴 🔴 Hauptarbeitsmarktdaten |
14:30 | Arbeitslosenquote (Aug) | 4,3% | 4,2% | 4,2% | 🔴 🔴 | |
14:30 | Durchschnittliche Stundenlöhne (Jahr) | – | – | 3,9% | 🔴 Inflationsindikator | |
14:30 | Stellenwachstum (privat) | – | – | 83K | 🟡 | |
19:00 | Baker Hughes Ölbohrungen | – | – | 412 | 🟡 Energieproduktion | |
21:30 | CFTC Netto-Positionen (Gold, Öl, S&P 500) | – | – | – | 🟡 Spekulative Marktbewegung |
Legende:
- 🔴 Hoch – Stark marktbewegende Daten
- 🟡 Mittel – Mittlere Relevanz, kann Volatilität erzeugen
- 🟢 Positiv/Negativ – Abhängig vom Wert (z. B. Wachstum >50 im EMI)
- 🟥 Feiertag – US-Märkte geschlossen
Wichtige Hinweise:
- Der Freitag, 5. September, steht im Fokus mit dem US-Arbeitsmarktbericht (NFP) – einer der wichtigsten wirtschaftlichen Veröffentlichungen des Monats.
- Die ISM- und EMI-Daten (2. und 4. Sep) geben Aufschluss über Konjunktur in Industrie und Dienstleistungen.
- Das Beige Book (3. Sep) ist ein wichtiger Indikator für die FOMC-Sicht auf die Wirtschaft und kann Hinweise auf Zinsentscheidungen geben.
- Die ADP-Zahlen (4. Sep) gelten als Vorläufer für den NFP-Bericht.