Akti­en­rück­käu­fe als Struk­tur­merk­mal moder­ner Akti­en­märk­te

Akti­en­rück­käu­fe haben sich in den ver­gan­ge­nen andert­halb Jahr­zehn­ten zu einem zen­tra­len Instru­ment der Kapi­tal­po­li­tik bör­sen­no­tier­ter Unter­neh­men ent­wi­ckelt. Beson­ders in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten errei­chen Rück­kauf­pro­gram­me inzwi­schen regel­mä­ßig Grö­ßen­ord­nun­gen von rund einer Bil­li­on US-Dol­lar pro Jahr. Auch in Euro­pa, wenn auch in gerin­ge­rem Umfang, gewin­nen Buy­backs zuneh­mend an Bedeu­tung. Die Ent­wick­lung wirft grund­le­gen­de Fra­gen nach ihrer Wir­kung auf Unter­neh­mens­be­wer­tun­gen, Markt­struk­tur und lang­fris­ti­ge Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dun­gen auf.

Rekord­vo­lu­men in den USA

Im US-Leit­in­dex S&P 500 bewe­gen sich die jähr­li­chen Akti­en­rück­käu­fe seit eini­gen Jah­ren auf his­to­risch hohen Niveaus. In meh­re­ren Jah­ren seit Beginn der 2020er-Jah­re über­stie­gen sie erst­mals die Mar­ke von einer Bil­li­on US-Dol­lar. Damit gehö­ren Rück­käu­fe zu den größ­ten Kapi­tal­strö­men inner­halb des Akti­en­mark­tes.

Auf­fäl­lig ist die star­ke Kon­zen­tra­ti­on auf weni­ge Unter­neh­men. Beson­ders gro­ße Tech­no­lo­gie- und Finanz­kon­zer­ne tra­gen einen erheb­li­chen Teil der Rück­käu­fe. Unter­neh­men wie Apple, Alpha­bet, Micro­soft oder gro­ße US-Ban­ken ver­fü­gen über hohe freie Cash­flows und nut­zen die­se regel­mä­ßig zur Rück­füh­rung von Kapi­tal an ihre Aktio­nä­re.

Auch in Euro­pa ist eine Zunah­me zu beob­ach­ten. DAX-Unter­neh­men haben zuletzt Rück­kauf­pro­gram­me im Umfang von meh­re­ren Dut­zend Mil­li­ar­den Euro ange­kün­digt. Aller­dings wer­den sol­che Pro­gram­me meist über meh­re­re Jah­re umge­setzt, sodass die tat­säch­lich jähr­lich rea­li­sier­ten Rück­käu­fe deut­lich dar­un­ter lie­gen.

Mecha­nis­mus: Effekt auf Gewinn­kenn­zah­len

Ein wesent­li­cher Grund für die Popu­la­ri­tät von Akti­en­rück­käu­fen liegt in ihrem unmit­tel­ba­ren Effekt auf zen­tra­le Kenn­zah­len. Durch den Rück­kauf eige­ner Akti­en redu­ziert sich die Zahl der aus­ste­hen­den Anteils­schei­ne. Bei unver­än­der­tem Gewinn steigt dadurch der Gewinn pro Aktie (Ear­nings per Share, EPS).

Die­ser rech­ne­ri­sche Effekt kann meh­re­re Kon­se­quen­zen haben. Zum einen ver­bes­sern sich Bewer­tungs­kenn­zah­len wie das Kurs-Gewinn-Ver­hält­nis. Zum ande­ren sind Manage­ment­ver­gü­tun­gen in vie­len Unter­neh­men an Kenn­zah­len wie EPS oder Akti­en­kurs gekop­pelt. Rück­käu­fe kön­nen daher indi­rekt zur Errei­chung sol­cher Ziel­grö­ßen bei­tra­gen.

Öko­no­misch ent­schei­dend ist aller­dings der Preis, zu dem Akti­en zurück­ge­kauft wer­den. Erfol­gen Rück­käu­fe bei nied­ri­gen Bewer­tun­gen, kann dies den Unter­neh­mens­wert pro Aktie erhö­hen. Wer­den hin­ge­gen über­be­wer­te­te Akti­en zurück­ge­kauft, kann Kapi­tal inef­fi­zi­ent ein­ge­setzt wer­den.

Unter­neh­men als zen­tra­le Markt­ak­teu­re

Ein struk­tu­rel­ler Wan­del der Akti­en­märk­te besteht dar­in, dass Unter­neh­men selbst zu bedeu­ten­den Käu­fern von Akti­en gewor­den sind. Wäh­rend frü­her vor allem pri­va­te und insti­tu­tio­nel­le Anle­ger die Nach­fra­ge bestimm­ten, tre­ten heu­te vie­le bör­sen­no­tier­te Kon­zer­ne regel­mä­ßig als Net­to­käu­fer eige­ner Akti­en auf.

Die­ser Effekt hat zwei Dimen­sio­nen. Ers­tens erzeu­gen Rück­käu­fe zusätz­li­che Nach­fra­ge im Markt. Zwei­tens redu­zie­ren sie dau­er­haft das Ange­bot frei han­del­ba­rer Akti­en. Bei­de Effek­te kön­nen in Pha­sen hoher Rück­kauf­ak­ti­vi­tät eine unter­stüt­zen­de Wir­kung auf Akti­en­kur­se ent­fal­ten.

Beson­ders rele­vant ist dies in kapi­tal­ge­wich­te­ten Indi­zes wie dem S&P 500, in denen gro­ße Unter­neh­men ohne­hin einen hohen Ein­fluss auf die Inde­x­ent­wick­lung haben.

Ursa­chen des Rück­kauf­booms

Meh­re­re struk­tu­rel­le Fak­to­ren haben zur star­ken Aus­wei­tung von Akti­en­rück­käu­fen seit etwa 2010 bei­getra­gen.

Ein zen­tra­ler Fak­tor war das lan­ge Nied­rig­zins­um­feld nach der glo­ba­len Finanz­kri­se. Unter­neh­men konn­ten sich zu sehr güns­ti­gen Kon­di­tio­nen über den Anlei­he­markt finan­zie­ren. In eini­gen Fäl­len wur­de Fremd­ka­pi­tal genutzt, um Akti­en­rück­käu­fe zu finan­zie­ren und damit die Eigen­ka­pi­tal­struk­tur zu opti­mie­ren.

Hin­zu kam eine hohe Pro­fi­ta­bi­li­tät vie­ler US-Kon­zer­ne, ins­be­son­de­re im Tech­no­lo­gie­sek­tor. Digi­ta­le Geschäfts­mo­del­le gene­rie­ren häu­fig hohe Gewin­ne bei ver­gleichs­wei­se gerin­gem Kapi­tal­be­darf. Über­schüs­si­ge Liqui­di­tät wird daher teil­wei­se über Rück­käu­fe an Aktio­nä­re zurück­ge­führt.

Ein wei­te­rer Impuls ging von der US-Steu­er­re­form des Jah­res 2017 aus. Sie erleich­ter­te die Rück­füh­rung von im Aus­land gehal­te­nen Gewin­nen ame­ri­ka­ni­scher Kon­zer­ne. Ein Teil die­ser Mit­tel floss anschlie­ßend in Divi­den­den und Akti­en­rück­käu­fe.

Ver­hält­nis zu Divi­den­den

Trotz des star­ken Wachs­tums der Rück­käu­fe sind Divi­den­den wei­ter­hin ein zen­tra­ler Bestand­teil der Kapi­tal­po­li­tik vie­ler Unter­neh­men. In der Pra­xis hat sich häu­fig eine Kom­bi­na­ti­on bei­der Instru­men­te eta­bliert.

Divi­den­den erfül­len dabei eine ande­re Funk­ti­on als Rück­käu­fe. Sie gel­ten als rela­tiv sta­bi­le Aus­schüt­tungs­form und wer­den von vie­len Inves­to­ren als Ein­kom­mens­quel­le geschätzt. Unter­neh­men ver­mei­den daher häu­fig Kür­zun­gen, da die­se am Markt nega­tiv inter­pre­tiert wer­den könn­ten.

Akti­en­rück­käu­fe hin­ge­gen sind deut­lich fle­xi­bler. Sie kön­nen je nach wirt­schaft­li­cher Lage erhöht, redu­ziert oder aus­ge­setzt wer­den, ohne dass dies zwin­gend als nega­ti­ves Signal gewer­tet wird. Die­se Fle­xi­bi­li­tät macht sie für das Manage­ment zu einem attrak­ti­ven Instru­ment der Kapi­tal­al­lo­ka­ti­on.

Zykli­sches Ver­hal­ten von Rück­käu­fen

Empi­ri­sche Unter­su­chun­gen zei­gen jedoch, dass Akti­en­rück­käu­fe stark kon­junk­tur­ab­hän­gig sind. In Pha­sen wirt­schaft­li­cher Expan­si­on und hoher Akti­en­kur­se stei­gen die Rück­kauf­vo­lu­mi­na häu­fig deut­lich an. In Rezes­sio­nen oder Bör­sen­kri­sen wer­den Pro­gram­me dage­gen häu­fig redu­ziert oder vor­über­ge­hend aus­ge­setzt.

Damit wir­ken Rück­käu­fe eher pro­zy­klisch: Sie ver­stär­ken bestehen­de Markt­trends, sta­bi­li­sie­ren den Markt jedoch weni­ger stark in Pha­sen sin­ken­der Kur­se.

Kri­ti­sche Per­spek­ti­ven

Die zuneh­men­de Bedeu­tung von Akti­en­rück­käu­fen wird auch kri­tisch dis­ku­tiert. Eini­ge Öko­no­men argu­men­tie­ren, dass hohe Rück­kauf­vo­lu­mi­na dar­auf hin­deu­ten könn­ten, dass Unter­neh­men zu wenig pro­fi­ta­ble Inves­ti­ti­ons­mög­lich­kei­ten sehen. In die­sem Fall könn­te Kapi­tal eher an Aktio­nä­re aus­ge­schüt­tet wer­den, statt in Inno­va­ti­on oder Expan­si­on zu flie­ßen.

Ande­re Kri­tik­punk­te betref­fen mög­li­che Anreiz­pro­ble­me im Manage­ment sowie die Nut­zung von Fremd­ka­pi­tal zur Finan­zie­rung von Rück­käu­fen.

Befür­wor­ter hin­ge­gen betrach­ten Buy­backs als effi­zi­en­te Form der Kapi­tal­al­lo­ka­ti­on. Über­schüs­si­ge Mit­tel wür­den an Inves­to­ren zurück­ge­ge­ben, die die­se in pro­duk­ti­ve­re Pro­jek­te inves­tie­ren könn­ten. Zudem ermög­li­chen Rück­käu­fe eine fle­xi­ble Anpas­sung der Kapi­tal­struk­tur.

Fazit

Akti­en­rück­käu­fe haben sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zu einem fes­ten Bestand­teil der Unter­neh­mens­fi­nan­zie­rung und der Kapi­tal­märk­te ent­wi­ckelt. Ins­be­son­de­re in den USA tra­gen sie in erheb­li­chem Umfang zur Nach­fra­ge nach Akti­en bei und beein­flus­sen wich­ti­ge Kenn­zah­len der Unter­neh­mens­be­wer­tung.

Gleich­zei­tig blei­ben Divi­den­den ein zen­tra­ler Pfei­ler der Aktio­närs­ver­gü­tung. In der Pra­xis hat sich daher eine Kom­bi­na­ti­on aus sta­bi­len Divi­den­den und fle­xi­blen Rück­kauf­pro­gram­men als domi­nan­tes Modell eta­bliert.

Die lang­fris­ti­gen Aus­wir­kun­gen die­ser Ent­wick­lung auf Inves­ti­ti­ons­ver­hal­ten, Markt­struk­tur und Unter­neh­mens­füh­rung blei­ben Gegen­stand wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­cher und poli­ti­scher Debat­ten.


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