Gebäu­de­mo­der­ni­sie­rungs­ge­setz (GModG)

Das am 13. Mai 2026 vom Bun­des­ka­bi­nett beschlos­se­ne Gebäu­de­mo­der­ni­sie­rungs­ge­setz (GModG) stellt eine grund­le­gen­de Neu­aus­rich­tung der Wär­me­wen­de in Deutsch­land dar. Ziel des Geset­zes ist es, den Kli­ma­schutz durch mehr Prag­ma­tis­mus, Tech­no­lo­gie­of­fen­heit und Pla­nungs­si­cher­heit „all­tags­taug­lich“ zu machen.

Hier sind die Kern­punk­te der Neu­re­ge­lung zusam­men­ge­fasst:

  • Freie Hei­zungs­wahl: Die star­re Vor­ga­be, neue Hei­zun­gen mit min­des­tens 65 Pro­zent Erneu­er­ba­ren Ener­gien zu betrei­ben, ent­fällt eben­so wie Betriebs­ver­bo­te für bestimm­te Hei­zungs­ty­pen. Eigen­tü­mer kön­nen nun wie­der frei zwi­schen ver­schie­de­nen Optio­nen wäh­len, wobei neben Wär­me­pum­pen und Bio­mas­se­hei­zun­gen auch Gas- und Ölhei­zun­gen wie­der zuläs­sig sind.
  • Die „Bio-Trep­pe“: Wer wei­ter­hin fos­si­le Brenn­stof­fe nutzt, muss den Anteil an kli­ma­freund­li­chen Brenn­stof­fen (wie Bio­me­than, grü­nem Was­ser­stoff oder Bio­heiz­öl) schritt­wei­se erhö­hen. Die­ser Anteil steigt ver­bind­lich an:
    • 10 % ab dem Jahr 2029.
    • 15 % ab dem Jahr 2030.
    • 30 % ab dem Jahr 2035.
    • 60 % ab dem Jahr 2040.
  • Schutz für Mie­ter: Um Mie­ter vor hohen Kos­ten zu schüt­zen, wer­den die Koh­len­di­oxid­kos­ten und Gas­netz­ent­gel­te bei neu ein­ge­bau­ten Hei­zun­gen ab dem 1. Janu­ar 2028 hälf­tig zwi­schen Ver­mie­ter und Mie­ter auf­ge­teilt. Ab 2029 gilt die­se hälf­ti­ge Tei­lung auch für die Preis­be­stand­tei­le der bio­ge­nen Brenn­stof­fe der ers­ten drei Stu­fen der Bio-Trep­pe.
  • För­de­rung und EU-Vor­ga­ben: Die Bun­des­för­de­rung für den Hei­zungs­tausch bleibt bis min­des­tens 2029 gesi­chert. Zudem setzt die Bun­des­re­gie­rung die EU-Gebäu­de­richt­li­nie eins zu eins in natio­na­les Recht um, ohne über deren Anfor­de­run­gen hin­aus­zu­ge­hen.
  • Eva­lua­ti­on: Im Jahr 2030 fin­det eine Über­prü­fung des Geset­zes statt, um sicher­zu­stel­len, dass das Ziel der Kli­ma­neu­tra­li­tät bis 2045 erreicht wird und gege­be­nen­falls nach­zu­steu­ern.

Die Kri­tik am Gebäu­de­mo­der­ni­sie­rungs­ge­setz (GModG) ist viel­fäl­tig und kommt von Umwelt­ver­bän­den, Sozi­al­ver­bän­den, Exper­ten­rä­ten sowie Ver­tre­tern der Wirt­schaft und des Hand­werks. Wäh­rend die Bun­des­re­gie­rung das Gesetz als prag­ma­ti­schen Kurs­wech­sel bezeich­net, sehen Kri­ti­ker dar­in ein Ver­feh­len der Kli­ma­zie­le, eine „ver­steck­te Kos­ten­fal­le“ für Ver­brau­cher und eine Zunah­me der büro­kra­ti­schen Kom­ple­xi­tät.

Hier sind die zen­tra­len Kri­tik­punk­te im Detail:

1. Kli­ma­po­li­ti­scher Rück­schritt und recht­li­che Beden­ken

Zahl­rei­che Akteu­re wie Green­peace und die Bun­des­in­ge­nieur­kam­mer bewer­ten das GModG als mas­si­ven Rück­schritt für den Kli­ma­schutz.

  • Abschaf­fung der 65-Pro­zent-Regel: Die Strei­chung der Vor­ga­be, neue Hei­zun­gen mit min­des­tens 65 % Erneu­er­ba­ren Ener­gien zu betrei­ben, ent­zieht der Wär­me­wen­de laut Kri­ti­kern ihr Fun­da­ment. Es wird befürch­tet, dass dadurch die Dekar­bo­ni­sie­rung des Gebäu­de­be­stands dras­tisch zurück­ge­wor­fen wird.
  • Gefähr­dung der Kli­ma­neu­tra­li­tät 2045: Exper­ten war­nen, dass durch die Wie­der­ein­füh­rung fos­si­ler Optio­nen der Pfad zur Kli­ma­neu­tra­li­tät bis 2045 ver­las­sen wird. Die „Bio-Trep­pe“ endet im Jahr 2040 bei einer Quo­te von 60 % bio­ge­ner Brenn­stof­fe, was die Fra­ge offen­lässt, wie die rest­li­chen 40 % bis 2045 neu­tra­li­siert wer­den sol­len.
  • Ver­fas­sungs­recht­li­che Risi­ken: Es wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass eine Schwä­chung der Kli­ma­schutz­wir­kung des bis­he­ri­gen Rechts gegen das ver­fas­sungs­recht­li­che Ver­schlech­te­rungs­ver­bot (Art. 20a GG) ver­sto­ßen könn­te, da Las­ten ein­sei­tig auf künf­ti­ge Gene­ra­tio­nen ver­la­gert wer­den.

2. Die „Bio-Trep­pe“ als Kos­ten­fal­le für Ver­brau­cher

Ein zen­tra­ler Vor­wurf lau­tet, dass das Gesetz Eigen­tü­mer in eine tech­no­lo­gi­sche Sack­gas­se führt.

  • Unkal­ku­lier­ba­re Brenn­stoff­kos­ten: Bio­ge­ne Brenn­stof­fe wie Bio­me­than oder Bio­heiz­öl gel­ten als knapp und teu­er. Kri­ti­ker bezeich­nen die Bio-Trep­pe als „ticken­de Preis­bom­be“, da die künf­ti­gen Kos­ten für die­se Brenn­stof­fe völ­lig unklar sind und mas­siv über den Prei­sen für Erd­gas oder Öl lie­gen dürf­ten.
  • Man­geln­de Ver­füg­bar­keit: Es gibt kei­ne gesi­cher­ten Annah­men dar­über, ob grü­ne Brenn­stof­fe ab 2029 in aus­rei­chen­den Men­gen für Pri­vat­haus­hal­te ver­füg­bar sein wer­den.
  • Explo­die­ren­de Gas­netz­ent­gel­te: Da immer mehr Men­schen auf Wär­me­pum­pen oder Fern­wär­me umstei­gen, müs­sen die Kos­ten für den Erhalt der Gas­net­ze auf immer weni­ger ver­blei­ben­de Gas­kun­den ver­teilt wer­den, was die Gebüh­ren mas­siv in die Höhe trei­ben wird.

3. Unzu­rei­chen­der Mie­ter­schutz und sozia­le Här­ten

Sozi­al­ver­bän­de wie der SoVD und der Pari­tä­ti­sche Gesamt­ver­band kri­ti­sie­ren, dass das Gesetz sozia­le Sicher­heit und bezahl­ba­res Woh­nen gefähr­det.

  • Lücken bei der Kos­ten­auf­tei­lung: Die hälf­ti­ge Auf­tei­lung der Mehr­kos­ten für bio­ge­ne Brenn­stof­fe zwi­schen Mie­ter und Ver­mie­ter soll offen­bar nur bis zu einem Anteil von 30 % gel­ten. Mie­ter müss­ten dem­nach den Groß­teil der lang­fris­ti­gen Brenn­stoff­kos­ten allei­ne tra­gen, obwohl sie kei­nen Ein­fluss auf die Wahl der Heiz­tech­nik haben.
  • Moder­ni­sie­rungs­um­la­ge für fos­si­le Hei­zun­gen: Beson­ders kri­tisch wird gese­hen, dass der Ein­bau neu­er fos­si­ler Hei­zun­gen wei­ter­hin als Moder­ni­sie­rung gilt und die Kos­ten über die Mie­te auf die Mie­ter umge­legt wer­den kön­nen. Dies füh­re zu einer dop­pel­ten Mehr­be­las­tung durch höhe­re Net­to­kalt­mie­ten und gleich­zei­tig stei­gen­de Betriebs­kos­ten.
  • Belas­tung der Kom­mu­nen: Kom­mu­nen befürch­ten, über das sozia­le Siche­rungs­sys­tem für die stark stei­gen­den Heiz­kos­ten ein­kom­mens­schwa­cher Haus­hal­te auf­kom­men zu müs­sen.

4. Kom­ple­xi­tät und büro­kra­ti­scher Auf­wand

Ent­ge­gen dem Ver­spre­chen der Ver­ein­fa­chung wird das GModG in Tei­len als „über­kom­pli­ziert und pra­xis­fern“ kri­ti­siert.

  • „Rei­che-Gesetz“ als büro­kra­ti­sches Mons­ter: Der Nor­men­kon­troll­rat (NKR) bezeich­ne­te den Ent­wurf als Para­de­bei­spiel für unver­ständ­li­che staat­li­che Regeln, die Eigen­tü­mer ohne exter­ne Bera­tung kaum umset­zen könn­ten.
  • Ver­schie­bung der Regu­lie­rung: Das SHK-Hand­werk kri­ti­siert, dass der Regu­lie­rungs­druck ledig­lich von der Hei­zung auf ande­re Berei­che wie Nicht­wohn­ge­bäu­de, Gebäu­de­au­to­ma­ti­on und Lebens­zy­klus­ana­ly­sen ver­la­gert wird.
  • Soft­ware- und Daten­pro­ble­me: Für neue Anfor­de­run­gen, wie die Bilan­zie­rung der „grau­en Ener­gie“ nach DIN SPEC 91606, fehlt es laut Fach­ver­bän­den noch an erprob­ten Rechen­vor­schrif­ten und kon­for­mer Soft­ware.

5. Kri­tik am Ver­fah­ren

Auch das Zustan­de­kom­men des Geset­zes wird bemän­gelt. Die Bun­des­re­gie­rung habe den Län­dern und Ver­bän­den ledig­lich vier Werk­ta­ge Zeit für eine Stel­lung­nah­me zu dem über 150-sei­ti­gen, tech­nisch hoch­kom­ple­xen Ent­wurf ein­ge­räumt. Dies unter­gra­be die Qua­li­tät der Gesetz­ge­bung und miss­ach­te die Exper­ti­se der Zivil­ge­sell­schaft.


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Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater