Deut­sche Gefolg­schaft, sau­ber ver­packt als Ver­ant­wor­tung

Kaum gibt es ein Abkom­men zwi­schen den USA und dem Iran, steht Deutsch­land schon pflicht­be­wusst in der ers­ten Rei­he und erklärt, man sei bereit. Natür­lich nicht aus Über­ei­fer, bewah­re. Es geht selbst­ver­ständ­lich nur um „freie Schiff­fahrt“, um „Sta­bi­li­tät“ und um die „inter­na­tio­na­le Ord­nung“. Das klingt immer sehr erwach­sen, sehr staats­tra­gend und vor allem sehr prak­tisch, wenn man ver­schlei­ern will, dass Deutsch­land gera­de dabei ist, sich in eine Lage hin­ein­zu­ma­nö­vrie­ren, deren Risi­ken ande­re defi­nie­ren und deren Fol­gen am Ende alle tra­gen könn­ten.

Fried­rich Merz sucht auf­fal­lend schnell Anschluss an Trumps Linie. Kaum ist in Washing­ton von einer Ver­ein­ba­rung die Rede, wird in Euro­pa schon über Kriegs­schif­fe, Minen­räu­mer und mili­tä­ri­sche Absi­che­rung gespro­chen. Das ist die neue außen­po­li­ti­sche Ele­ganz: Erst weiß nie­mand genau, wie trag­fä­hig das Abkom­men über­haupt ist, dann weiß man aber schon ziem­lich genau, dass deut­sche Betei­li­gung irgend­wie nötig sein könn­te. Man nennt das dann Ver­ant­wor­tung. Frü­her hät­te man viel­leicht gefragt, ob man sich gera­de in einen Kon­flikt hin­ein­zie­hen lässt.

Beson­ders beru­hi­gend ist dabei, dass der Iran aus­län­di­sche Mili­tär­prä­senz in der Stra­ße von Hor­mus ablehnt. Was könn­te bei Kriegs­schif­fen in einer stra­te­gisch hoch­sen­si­blen Meer­enge schon schief­ge­hen? Ein Miss­ver­ständ­nis, ein Zwi­schen­fall, ein falsch inter­pre­tier­ter Kurs­wech­sel — und plötz­lich ist Deutsch­land nicht mehr Beob­ach­ter, son­dern Par­tei in einer Kri­se, die es weder kon­trol­liert noch been­det. Aber Haupt­sa­che, man war „inner­halb weni­ger Tage“ bereit. Schnel­lig­keit ersetzt offen­bar Stra­te­gie.

Natür­lich ist die Stra­ße von Hor­mus für die Welt­wirt­schaft zen­tral. Natür­lich ist freie Schiff­fahrt ein legi­ti­mes Inter­es­se. Aber genau des­halb müss­te man beson­ders nüch­tern abwä­gen, ob eine Mili­tär­mis­si­on tat­säch­lich sta­bi­li­siert oder ob sie die nächs­te Eska­la­ti­ons­stu­fe vor­be­rei­tet. Wer in einer ohne­hin insta­bi­len Lage zusätz­li­che Kriegs­schif­fe ent­sen­det, soll­te mehr vor­wei­sen kön­nen als schö­ne For­mu­lie­run­gen und trans­at­lan­ti­sche Refle­xe.

Deutsch­land soll­te nicht reflex­haft dort mit­mar­schie­ren, wo Washing­ton den Takt vor­gibt und Euro­pa die Begleit­mu­sik lie­fert. Ein Ein­satz in der Stra­ße von Hor­mus könn­te Deutsch­land mili­tä­risch, poli­tisch und diplo­ma­tisch gefähr­lich wer­den. Wer jetzt beson­ders schnell Bereit­schaft signa­li­siert, wirkt nicht ent­schlos­sen, son­dern leicht ver­füg­bar. Und das ist außen­po­li­tisch sel­ten eine Stär­ke.

mehr Selbst­er­nied­ri­gung geht nicht

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