Die deutsche Konjunktur hat sich im Juni weiter eingetrübt. Nach den vorliegenden Frühindikatoren von S&P Global schrumpfte die deutsche Privatwirtschaft den dritten Monat in Folge. Der Flash Composite PMI für Deutschland sank von 48,8 Punkten im Mai auf 48,0 Punkte und erreichte damit den niedrigsten Stand seit Dezember 2024. Werte unterhalb der Marke von 50 Punkten signalisieren eine rückläufige Geschäftstätigkeit. Die aktuellen Daten deuten damit auf eine moderate, aber breiter wahrnehmbare Abschwächung der wirtschaftlichen Aktivität hin.
Ausschlaggebend für die Verschlechterung ist vor allem der Dienstleistungssektor. Der Index für die Geschäftstätigkeit in diesem Bereich fiel auf 46,8 Punkte und damit auf den niedrigsten Wert seit 43 Monaten. Die Dienstleister meldeten schwächere Auftragseingänge, eine geringere Geschäftstätigkeit und eine insgesamt vorsichtigere Nachfrageentwicklung. Als Belastungsfaktoren werden unter anderem die unsichere Konjunkturlage und die Zurückhaltung der Verbraucher genannt. Die Industrie entwickelte sich demgegenüber etwas stabiler. Der Produktionsindex des Verarbeitenden Gewerbes stieg leicht auf 50,8 Punkte, während der Industrie-PMI mit 50,0 Punkten genau an der Schwelle zwischen Wachstum und Schrumpfung lag.
Die Nachfrage bleibt der zentrale Schwachpunkt. Laut S&P Global gingen die Auftragseingänge bereits den vierten Monat in Folge zurück. Besonders deutlich war der Rückgang im Dienstleistungssektor, während das Verarbeitende Gewerbe zumindest einen geringfügigen Zuwachs bei neuen Aufträgen verzeichnete. Auch die Auftragsbestände nahmen weiter ab. Dies spricht für eine Unterauslastung der Kapazitäten in Teilen der Wirtschaft. Entsprechend setzte sich der Personalabbau fort, der bereits seit Mitte 2024 anhält.
Ein gegenläufiges Signal kommt von der Preisentwicklung. Der Inflationsdruck ließ im Juni nach. Einkaufs- und Verkaufspreise stiegen zwar weiterhin, jedoch mit der niedrigsten Rate seit vier beziehungsweise drei Monaten. Damit entspannt sich die Kostensituation etwas, auch wenn die Preissteigerungen im historischen Vergleich weiterhin erhöht bleiben. Für Unternehmen bedeutet dies eine gewisse Entlastung auf der Kostenseite, ohne dass daraus bereits eine spürbare Verbesserung der Nachfrage ableitbar wäre.
Ökonomen sehen in den Daten ein erhöhtes Risiko, dass die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal 2026 erneut in den rezessiven Bereich gerutscht ist. Bereits im ersten Quartal hatte das Wachstum nur 0,3 Prozent betragen. Die Eurozone zeigt sich etwas widerstandsfähiger, verfehlte mit einem Einkaufsmanagerindex von 49,5 Punkten aber ebenfalls die Rückkehr in die Wachstumszone. Damit bleibt das konjunkturelle Umfeld auch im europäischen Vergleich gedämpft.
Parallel zur konjunkturellen Schwäche steigt die Zahl der Unternehmensinsolvenzen deutlich. Creditreform rechnet für das erste Halbjahr 2026 mit rund 12.900 Unternehmensinsolvenzen in Deutschland. Das wären fast acht Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und der höchste Halbjahresstand seit 2013. Besonders betroffen ist der Dienstleistungsbereich, auf den knapp 7.900 Fälle entfallen. Zudem verzeichnet Creditreform einen überdurchschnittlichen Anstieg bei größeren Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten sowie bei jungen Firmen.
Die Folgen reichen über die betroffenen Unternehmen hinaus. Nach Schätzungen von Creditreform stehen infolge der Insolvenzen im ersten Halbjahr rund 165.000 Arbeitsplätze auf der Kippe, nach 143.000 im Vorjahreszeitraum. Die geschätzte Schadenssumme liegt bei 28,5 Milliarden Euro und damit etwas unter dem Vorjahreswert. Auch Verbraucherinsolvenzen nahmen zu, wenn auch weniger stark als in den beiden Jahren zuvor.
Insgesamt zeigen die Daten eine deutsche Wirtschaft, die Mitte 2026 unter schwacher Nachfrage, anhaltender Unsicherheit und zunehmendem Insolvenzgeschehen leidet. Die Industrie stabilisiert die Lage nur begrenzt, während der Dienstleistungssektor zum maßgeblichen Belastungsfaktor geworden ist. Der nachlassende Inflationsdruck ist zwar ein positives Signal, reicht derzeit aber nicht aus, um den Rückgang der Geschäftstätigkeit auszugleichen. Entscheidend für die weitere Entwicklung bleibt, ob sich Nachfrage, Investitionsbereitschaft und Konsumentenvertrauen in den kommenden Monaten wieder stabilisieren.
Quelle: S&P Global, Creditreform
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