Trumps unge­wöhn­li­che Sicht auf wirt­schaft­li­che Daten

Donald Trump hat erneut deut­lich gemacht, dass er sich nied­ri­ge­re Zin­sen wünscht. Bemer­kens­wert ist dabei vor allem sei­ne Begrün­dung. In einem Inter­view sag­te er, er wür­de ger­ne „zu den Zei­ten zurück­keh­ren“, in denen gute Wirt­schafts­da­ten mit sin­ken­den Zin­sen ein­her­gin­gen. „In the old days when you announ­ced gre­at num­bers, inte­rest rates went down“, erklär­te Trump. Kri­ti­ker wei­sen dar­auf hin, dass die­se Vor­stel­lung vom übli­chen Zusam­men­hang zwi­schen Kon­junk­tur und Geld­po­li­tik abweicht.

Trumps Aus­sa­ge beschreibt zunächst einen poli­tisch attrak­ti­ven Zustand: star­kes Wirt­schafts­wachs­tum, gute Beschäf­ti­gungs­zah­len und gleich­zei­tig nied­ri­ge Finan­zie­rungs­kos­ten. Ein sol­cher Zustand ist grund­sätz­lich mög­lich. Gute Wirt­schafts­da­ten müs­sen nicht zwangs­läu­fig zu höhe­ren Zin­sen füh­ren. Wenn bei­spiels­wei­se die Pro­duk­ti­vi­tät kräf­tig steigt und die Wirt­schaft dadurch wach­sen kann, ohne zusätz­li­chen Infla­ti­ons­druck zu erzeu­gen, kön­nen hohe Wachs­tums­ra­ten durch­aus mit nied­ri­gen oder sogar sin­ken­den Zin­sen zusam­men­fal­len.

Als all­ge­mei­ne geld­po­li­ti­sche Regel funk­tio­niert Trumps Vor­stel­lung jedoch nicht. Zen­tral­ban­ken sen­ken die Zin­sen nicht des­halb, weil die Wirt­schaft gute Zah­len lie­fert. Ent­schei­dend ist viel­mehr, was die­se Daten für Infla­ti­on, Nach­fra­ge und Arbeits­markt bedeu­ten. Fällt das Wachs­tum stär­ker aus als erwar­tet, bleibt der Arbeits­markt sehr ange­spannt oder nimmt der Preis­druck zu, kann dies für die US-Noten­bank ein Grund sein, die Zin­sen län­ger hoch zu hal­ten oder sogar wei­ter anzu­he­ben. Höhe­re Zin­sen sol­len dann ver­hin­dern, dass die Nach­fra­ge die ver­füg­ba­ren Kapa­zi­tä­ten der Wirt­schaft über­steigt und die Infla­ti­on erneut anzieht.

Umge­kehrt erfol­gen Zins­sen­kun­gen häu­fig gera­de dann, wenn sich die wirt­schaft­li­che Dyna­mik abschwächt oder die Infla­ti­ons­ge­fahr nach­lässt. Des­halb reagie­ren Finanz­märk­te auf über­ra­schend star­ke Kon­junk­tur­da­ten teil­wei­se mit stei­gen­den Ren­di­ten: Anle­ger rech­nen dann damit, dass die Zen­tral­bank weni­ger Spiel­raum für Zins­sen­kun­gen hat.

Trumps Aus­sa­ge soll­te daher weni­ger als Beschrei­bung einer übli­chen geld­po­li­ti­schen Reak­ti­ons­wei­se ver­stan­den wer­den, son­dern eher als Aus­druck sei­nes wirt­schafts­po­li­ti­schen Wunsch­bil­des (sei­nes wir­ren Geis­tes­zu­stand). Er möch­te eine star­ke Wirt­schaft und gleich­zei­tig nied­ri­ge Zin­sen. Das eine führt jedoch nicht auto­ma­tisch zum ande­ren. Ob nied­ri­ge Zin­sen mit guten Wirt­schafts­da­ten ver­ein­bar sind, hängt vor allem davon ab, ob das Wachs­tum ohne zuneh­men­den Infla­ti­ons­druck erreicht wer­den kann. Genau die­se Ein­schrän­kung fehlt in Trumps Dar­stel­lung.


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