Merz und Faye set­zen auf eine belast­ba­re Wirt­schafts­part­ner­schaft

Der Besuch des sene­ga­le­si­schen Prä­si­den­ten Bas­si­rou Dio­maye Faye bei Bun­des­kanz­ler Fried­rich Merz in Ber­lin stand im Zei­chen einer Part­ner­schaft, die über klas­si­sche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit hin­aus­rei­chen soll. Im Mit­tel­punkt der Gesprä­che stan­den wirt­schaft­li­cher Aus­tausch, Inves­ti­tio­nen, Aus­bil­dung sowie Sicher­heit und Sta­bi­li­tät in der Sahel-Regi­on. Merz bezeich­ne­te Deutsch­land als ver­läss­li­chen Part­ner Sene­gals und ver­wies dar­auf, dass sich der wirt­schaft­li­che Aus­tausch zwi­schen bei­den Län­dern in den ver­gan­ge­nen Jah­ren posi­tiv ent­wi­ckelt habe. Zugleich beton­te er, dass immer mehr deut­sche Unter­neh­men am sene­ga­le­si­schen Markt aktiv wer­den woll­ten und die Bun­des­re­gie­rung die­ses Inter­es­se mit Instru­men­ten der Außen­wirt­schafts­för­de­rung und Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit unter­stüt­zen wol­le.

Die deut­sche Per­spek­ti­ve auf Sene­gal ist dabei von zwei Fak­to­ren geprägt: wirt­schaft­li­chem Poten­zi­al und regio­na­ler Sta­bi­li­täts­re­le­vanz. Sene­gal ver­fügt über eine jun­ge Bevöl­ke­rung, einen wach­sen­den Bedarf an Aus­bil­dung und Beschäf­ti­gung sowie über Inves­ti­ti­ons­fel­der, die auch für deut­sche Unter­neh­men anschluss­fä­hig sind. Dazu zäh­len erneu­er­ba­re Ener­gien, Ener­gie­ef­fi­zi­enz, Gesund­heit, Berufs­bil­dung, Infra­struk­tur und indus­tri­el­le Ent­wick­lung. Prä­si­dent Faye hob in Ber­lin aus­drück­lich her­vor, dass Sene­gal die Qua­li­tät deut­scher Pro­duk­te und Dienst­leis­tun­gen schät­ze und deut­sche Unter­neh­men im Land ihren Platz hät­ten.

Für Deutsch­land ist die­se Zusam­men­ar­beit auch des­halb rele­vant, weil sie wirt­schafts- und ent­wick­lungs­po­li­ti­sche Inter­es­sen ver­bin­det. Sene­gal benö­tigt Inves­ti­tio­nen, Aus­bil­dungs­ka­pa­zi­tä­ten und tech­no­lo­gi­sche Koope­ra­ti­on, um einer jun­gen Bevöl­ke­rung beruf­li­che Per­spek­ti­ven zu eröff­nen. Deutsch­land wie­der­um sucht ver­läss­li­che Part­ner in Afri­ka, neue Absatz- und Inves­ti­ti­ons­märk­te sowie Mög­lich­kei­ten, Lie­fer­ket­ten, Ener­gie­part­ner­schaf­ten und Fach­kräf­te­ko­ope­ra­ti­on brei­ter auf­zu­stel­len. Merz for­mu­lier­te die­sen Zusam­men­hang aus­drück­lich: Inves­ti­tio­nen und Aus­bil­dung für zukunfts­träch­ti­ge Beru­fe soll­ten bei­den Sei­ten glei­cher­ma­ßen nut­zen.

Die wirt­schaft­li­che Lage Sene­gals lie­fert dabei sowohl Argu­men­te für eine enge­re Koope­ra­ti­on als auch Hin­wei­se auf Risi­ken. Das Land zählt zu den dyna­mi­sche­ren Volks­wirt­schaf­ten West­afri­kas. Die Welt­bank schätz­te das rea­le Wirt­schafts­wachs­tum 2025 auf 6,7 Pro­zent; der Inter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds ver­weist eben­falls auf eine robus­te Ent­wick­lung 2025, gestützt unter ande­rem durch Öl- und Gas­pro­duk­ti­on sowie eine Erho­lung der Land­wirt­schaft. Gleich­zei­tig bleibt die makro­öko­no­mi­sche Lage ange­spannt. Die Welt­bank schätz­te die Staats­ver­schul­dung 2025 auf 118,9 Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­dukts, und der IWF erwar­tet für 2026 nur noch 2,2 Pro­zent Wachs­tum. Damit zeigt sich: Sene­gal bie­tet Chan­cen, ist aber kein risi­ko­frei­er Markt.

Ein zen­tra­les The­ma bleibt die fis­ka­li­sche Ver­trau­ens­fra­ge. Nach dem Regie­rungs­wech­sel wur­den Unre­gel­mä­ßig­kei­ten bei der Erfas­sung staat­li­cher Ver­bind­lich­kei­ten bekannt; ein frü­he­res IWF-Pro­gramm wur­de ein­ge­fro­ren. Der IWF bezeich­ne­te jüngs­te Gesprä­che mit Sene­gal zwar als kon­struk­tiv, mach­te aber zugleich deut­lich, dass Schul­den­ri­si­ken, Haus­halts­sta­bi­li­sie­rung und öffent­li­che Finanz­ver­wal­tung zen­tra­le Punk­te für ein neu­es Unter­stüt­zungs­pro­gramm blei­ben. Für deut­sche Unter­neh­men bedeu­tet dies, dass Inves­ti­tio­nen sorg­fäl­tig abge­si­chert wer­den müs­sen. Für die Bun­des­re­gie­rung spricht es dafür, wirt­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit eng mit Trans­pa­renz, Berufs­bil­dung, insti­tu­tio­nel­ler Stär­kung und trag­fä­hi­ger Finan­zie­rung zu ver­bin­den.

Poli­tisch bleibt Sene­gal den­noch ein ver­gleichs­wei­se sta­bi­ler Part­ner. Free­dom House beschreibt das Land als eine der sta­bi­le­ren Wahl­de­mo­kra­tien Afri­kas und ver­weist auf fried­li­che Macht­wech­sel seit 2000. Auch die jüngs­te poli­ti­sche Ent­wick­lung hat gezeigt, dass Sene­gals Insti­tu­tio­nen trotz erheb­li­cher Span­nun­gen funk­ti­ons­fä­hig geblie­ben sind. Die­se Sta­bi­li­tät unter­schei­det Sene­gal von meh­re­ren Nach­bar­staa­ten in der Sahel­zo­ne, die von Mili­tär­put­schen, Ter­ro­ris­mus und insti­tu­tio­nel­ler Ero­si­on geprägt sind.

Gera­de des­halb besitzt Sene­gal für Deutsch­land auch eine sicher­heits­po­li­ti­sche Bedeu­tung. Merz wür­dig­te Faye als regio­na­len Ver­mitt­ler und hob Sene­gals Enga­ge­ment für Dia­log, Inte­gra­ti­on und die Stär­kung der Regio­nal­or­ga­ni­sa­ti­on ECOWAS her­vor. Die insta­bi­le Lage im Sahel, orga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät und isla­mis­tisch moti­vier­te Gewalt betref­fen nicht nur die Regi­on selbst, son­dern auch euro­päi­sche Inter­es­sen. Aus deut­scher Sicht ist ein sta­bi­ler Sene­gal daher nicht nur ein wirt­schaft­li­cher Part­ner, son­dern auch ein poli­ti­scher Anker in West­afri­ka.

Die wirt­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit zwi­schen Deutsch­land und Sene­gal ist somit mehr als ein bila­te­ra­les Han­dels­pro­jekt. Sie ist Teil einer brei­te­ren außen‑, ent­wick­lungs- und sicher­heits­po­li­ti­schen Stra­te­gie. Für Sene­gal geht es um Inves­ti­tio­nen, Arbeits­plät­ze, Tech­no­lo­gie und inter­na­tio­na­le Glaub­wür­dig­keit. Für Deutsch­land geht es um Markt­zu­gang, Diver­si­fi­zie­rung, Fach­kräf­te- und Ener­gie­part­ner­schaf­ten sowie um Sta­bi­li­tät in einer stra­te­gisch wich­ti­gen Regi­on. Der Besuch Fayes bei Merz mar­kiert des­halb kei­nen for­ma­len Rou­ti­ne­kon­takt, son­dern den Ver­such, eine Part­ner­schaft wirt­schaft­lich belast­ba­rer und poli­tisch rele­van­ter zu machen.

Ergän­zen­der Absatz:

Auch innen­po­li­tisch erhielt die ent­wick­lungs­po­li­ti­sche Agen­da der Bun­des­re­gie­rung eine zusätz­li­che Note: Olaf Scholz, Merz’ Vor­gän­ger im Kanz­ler­amt, über­nimmt gemein­sam mit der frü­he­ren Prä­si­den­tin Cos­ta Ricas, Lau­ra Chin­chil­la, den Ko-Vor­sitz der neu­en ent­wick­lungs­po­li­ti­schen Nord-Süd-Kom­mis­si­on. Das Bun­des­ka­bi­nett hat die Ein­set­zung die­ses unab­hän­gi­gen Gre­mi­ums beschlos­sen, das Emp­feh­lun­gen für neue Part­ner­schafts­mo­del­le mit Län­dern des Glo­ba­len Südens erar­bei­ten soll. Für Scholz bedeu­tet dies eine neue inter­na­tio­na­le Auf­ga­be nach dem Ende sei­ner Kanz­ler­schaft; für die Bun­des­re­gie­rung ist sei­ne Beru­fung zugleich ein Signal, dass Ent­wick­lungs­po­li­tik, wirt­schaft­li­che Koope­ra­ti­on und stra­te­gi­sche Part­ner­schaf­ten mit Afri­ka und ande­ren Regio­nen des Glo­ba­len Südens stär­ker zusam­men­ge­dacht wer­den sol­len.


Wie hilf­reich war die­ser Bei­trag?

Kli­cke auf die Ster­ne um zu bewer­ten!

Durch­schnitt­li­che Bewer­tung 0 / 5. Anzahl Bewer­tun­gen: 0

Bis­her kei­ne Bewer­tun­gen! Sei der Ers­te, der die­sen Bei­trag bewer­tet.

Es tut uns leid, dass der Bei­trag für dich nicht hilf­reich war!

Las­se uns die­sen Bei­trag ver­bes­sern!

Wie kön­nen wir die­sen Bei­trag ver­bes­sern?

Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater