Nach 18 Monaten in Donald Trumps zweiter Amtszeit fällt die Bilanz gemischt aus: Die US-Wirtschaft zeigt sich widerstandsfähiger als von vielen Ökonomen erwartet, zugleich bleiben zentrale Wahlversprechen unerfüllt. Arbeitskräfteangebot und Beschäftigung sind zurückgegangen, die Zahl der Industriejobs liegt unter dem Stand zum Ende der Biden-Regierung, und die Inflation bleibt über dem 2%-Ziel der Federal Reserve.
Die Fakten:
- Wirtschaftliche Schocks: Strengere Einwanderungspolitik, höhere Zölle und der Krieg mit Iran haben Arbeitsmarkt, Lieferketten und Energiepreise belastet. Trotzdem ist eine schwere Rezession bislang ausgeblieben.
- Arbeitsmarkt stagniert: Wegen geringerer Einwanderung, Abschiebungen und einer alternden Bevölkerung stehen weniger Arbeitskräfte zur Verfügung. Es zeigt sich, dass sowohl Erwerbsbevölkerung als auch Beschäftigung zuletzt kaum noch gewachsen beziehungsweise gesunken sind.
- Industrieversprechen bislang nicht erfüllt: Zwar steigen Investitionen in KI-Rechenzentren und damit die Beschäftigung im Baugewerbe, doch die Zahl der Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe ist niedriger als im Januar 2025.
- Inflation bleibt hartnäckig: Zölle, ein Ölpreis von rund 100 US-Dollar je Barrel und der hohe Ressourcenbedarf des KI-Ausbaus verstärken den Preisdruck. Einige Fed-Vertreter sehen ein erhöhtes Risiko erneut steigender Inflation.
- Kaufkraft schwächt sich ab: Der Konsum hält sich noch, aber das inflationsbereinigte verfügbare Einkommen stagniert oder sinkt. Das stellt die Nachhaltigkeit der Konsumausgaben infrage.
- Wohnen bleibt unerschwinglich: Hohe Immobilienpreise, Hypothekenzinsen und Versicherungsprämien belasten Haushalte. Der Bund kann das Angebot nur begrenzt beeinflussen, weil Bau- und Flächennutzungsregeln überwiegend lokal festgelegt werden.
- Aktienmarkt solide, aber nicht außergewöhnlich: Der S&P 500 stieg in Trumps zweiter Amtszeit um etwa 25 %. Das liegt ungefähr im historischen Mittelfeld vergleichbarer Präsidentschaftsperioden. KI-Investitionen sind ein wichtiger Treiber des Börsen- und Anleihebooms.
Fazit:
Die Wirtschaft ist robust, aber nicht dynamisch. Finanzmärkte und KI-Investitionen laufen stark, während Beschäftigung, Industrie, reale Einkommen, Preisstabilität und Wohnkosten kaum Fortschritte zeigen. Es handelt sich also nicht um eine Wirtschaftskrise, sondern um eine Phase der Stabilität mit klaren Anzeichen von Stagnation.