SpaceX vor ers­tem Quar­tals­be­richt

Die ange­spann­te Situa­ti­on bei SpaceX kurz vor der Ver­öf­fent­li­chung des ers­ten Quar­tals­er­geb­nis­ses seit dem Bör­sen­gang im Juni 2026. Die Erwar­tun­gen sind hoch, doch die Aus­gangs­la­ge ist pro­ble­ma­tisch:

Kurs­ver­lauf und Bewer­tung

  • IPO-Preis: 135 $; Han­dels­start-Hoch: 225 $ (16. Juni)
  • Aktu­el­ler Kurs: 114,53 $ (15 % unter dem IPO-Preis, 49 % unter dem Hoch)
  • Markt­wert­ver­lust von über 1 Bil­li­on Dol­lar seit dem Hoch
  • Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung den­noch rund 1,5 Bil­lio­nen Dol­lar
  • Extrem hohe Bewer­tung: KGV von ca. 448 (höchs­tes im Nasdaq 100) und KUV von 26

Her­aus­for­de­run­gen

  • SpaceX ist nicht pro­fi­ta­bel, das Geschäfts­mo­dell gilt als spe­ku­la­tiv
  • Am 6. August lau­fen ers­te Sperr­fris­ten (Lock­ups) aus: 911,5 Mil­lio­nen Akti­en im Wert von über 100 Mil­li­ar­den Dol­lar wer­den han­del­bar – mit wei­te­ren Frei­ga­ben bis Jah­res­en­de
  • Short Inte­rest (Leer­ver­käu­fe) sprang von 18 % auf 34 % des Free Floats

Erwar­tun­gen für Q2 2026

  • Ana­lys­ten erwar­ten einen Ver­lust von 0,24 $ pro Aktie bei einem Umsatz von 6,8 Mil­li­ar­den Dol­lar
  • Kapi­tal­auf­wen­dun­gen (CapEx) wer­den auf 18,5 Mil­li­ar­den Dol­lar im Quar­tal und 45,5 Mil­li­ar­den Dol­lar für das Gesamt­jahr geschätzt

Ana­lys­ten­stim­mung

  • Trotz des Kurs­rut­sches bleibt Wall Street über­wie­gend bul­lisch: 30 von 39 Ana­lys­ten mit Kauf­emp­feh­lung
  • Kurs­zie­le rei­chen von 300 $ (Mor­gan Stan­ley) bis 800 $ (Ray­mond James)
  • Fokus der Inves­to­ren liegt weni­ger auf den kon­kre­ten Quar­tals­zah­len als auf Manage­ment-Aus­sa­gen zu KI, Star­link und Rake­ten­starts

Fazit
Die Quar­tals­zah­len allein wer­den das Kurs­bild wohl kaum nach­hal­tig dre­hen kön­nen. Viel ent­schei­den­der ist, ob das Manage­ment Ver­trau­en in die lang­fris­ti­ge Wachs­tums­sto­ry ver­mit­teln kann – ange­sichts der mas­si­ven Akti­en­frei­ga­ben und der spe­ku­la­ti­ven Bewer­tung bleibt die Lage vola­til.

Die Ein­schät­zung ist kri­tisch bis vor­sich­tig – und zwar aus drei Grün­den, die im Arti­kel ange­ris­sen, aber nicht kon­se­quent zu Ende gedacht wer­den:

1. Die Lock­up-Frei­ga­be über­la­gert alles
911,5 Mil­lio­nen Akti­en (über 100 Mrd. $) wer­den zwei Tage nach den Ear­nings han­del­bar. Das ist kein „Druck“, das ist ein poten­zi­el­ler Tsu­na­mi. Früh­in­ves­to­ren (VCs, Mit­ar­bei­ter, Musk selbst) sit­zen auf einem Viel­fa­chen des IPO-Prei­ses, selbst bei 114 $. Die Wahr­schein­lich­keit, dass die­se Ver­käu­fe den Kurs kurz­fris­tig wei­ter nach unten trei­ben, ist erheb­lich höher als die Chan­ce, dass die Ear­nings einen Rebound aus­lö­sen. Der Markt hat die­sen Effekt oft unter­schätzt – sie­he Meta 2012 oder ver­schie­de­ne SPACs.

2. Die Bewer­tung ist nicht „sky-high“, sie ist jen­seits jeder Ver­gleich­bar­keit
448x For­ward P/E und 26x Umsatz bei einem Unter­neh­men, das ver­lust­reich ist und 18,5 Mrd. $ Quar­tals-Capex ver­brennt. Selbst Ama­zon in sei­ner expan­sivs­ten Pha­se war nie so teu­er. Der Ver­gleich im Arti­kel mit Alpha­bet, Micro­soft und Ama­zon ist irre­füh­rend: Die zei­gen jetzt ROI auf ihre AI-Aus­ga­ben und sind mas­siv pro­fi­ta­bel. SpaceX zeigt weder Pro­fi­ta­bi­li­tät noch einen greif­ba­ren Pfad dort­hin. Die The­se „bei 100 $ ist das AI-Geschäft kos­ten­los dabei“ (Mor­gan Stan­ley) ist eine schö­ne Geschich­te, aber kei­ne Valua­ti­on.

3. Die Ana­lys­ten decken sich selbst
30 von 39 Ana­lys­ten mit Buy-Rating, Kurs­zie­le von 300–800 $ – das riecht nach Inter­es­sen­kon­flik­ten. Die Ban­ken, die SpaceX an die Bör­se brach­ten, haben jeden Anreiz, das Nar­ra­tiv am Leben zu hal­ten. Die Short-Inte­rest-Ver­dopp­lung auf 34 % zeigt, dass der Markt die­se Geschich­te zuneh­mend nicht mehr kauft. Wenn die Ear­nings „mehr Fra­gen auf­wer­fen als sie beant­wor­ten“ (Zitat Cup­ps), wird das bei die­ser Bewer­tung teu­er.

Fazit: Die Ear­nings sind ein Neben­schau­platz. Ent­schei­dend ist, wie vie­le Akti­en aus den Lock­ups tat­säch­lich ver­kauft wer­den. Mei­ne Ver­mu­tung: Der Kurs sackt in den kom­men­den Wochen wei­ter ab, mög­li­cher­wei­se deut­lich unter 100 $. SpaceX mag lang­fris­tig ein groß­ar­ti­ges Unter­neh­men sein – aber zu die­sem Preis und zu die­sem Zeit­punkt ist die Risi­ko-Ren­di­te-Asym­me­trie nega­tiv. Der Arti­kel beschreibt das Sze­na­rio gut, zieht aber nicht die kon­se­quen­te Schluss­fol­ge­rung: Das ist ein Klas­si­ker einer über­hitz­ten IPO-Nach­bla­se, die erst noch plat­zen muss.


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Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater