Sie­mens mit Rekord­quar­tal

Sie­mens mel­det für das drit­te Quar­tal des Geschäfts­jah­res 2026 ein aus­ge­spro­chen star­kes Zah­len­werk und hebt den Jah­res­aus­blick an. Der Auf­trags­ein­gang stieg auf ver­gleich­ba­rer Basis um 14 Pro­zent auf den Rekord­wert von 27,9 Mil­li­ar­den Euro, der Umsatz um 8 Pro­zent auf 20,8 Mil­li­ar­den Euro. Das Ergeb­nis des Indus­tri­el­len Geschäfts leg­te um 25 Pro­zent auf 3,5 Mil­li­ar­den Euro zu; die Mar­ge ver­bes­ser­te sich von 14,9 auf 17,3 Pro­zent. Der Free Cash Flow erhöh­te sich um 42 Pro­zent auf 4,1 Mil­li­ar­den Euro, der Gewinn nach Steu­ern um 15 Pro­zent auf 2,6 Mil­li­ar­den Euro.

Beson­ders auf­fäl­lig sind drei ope­ra­ti­ve Trei­ber:

  • Smart Infra­struc­tu­re pro­fi­tier­te stark vom Rechen­zen­trums­boom. Der Auf­trags­ein­gang stieg um 42 Pro­zent auf 8,0 Mil­li­ar­den Euro. In den ers­ten neun Mona­ten erreich­ten die Rechen­zen­trums­auf­trä­ge rund 6 Mil­li­ar­den Euro und wuch­sen pro­zen­tu­al drei­stel­lig.
  • Digi­tal Indus­tries zeig­te eine deut­li­che Erho­lung: Umsatz plus 10 Pro­zent, Ergeb­nis plus 44 Pro­zent und Mar­ge 18,7 Pro­zent. Vor allem das Soft­ware­ge­schäft trug zur Ergeb­nis­ver­bes­se­rung bei.
  • Mobi­li­ty blieb durch Groß­auf­trä­ge gut aus­ge­las­tet, ent­wi­ckel­te sich aber weni­ger dyna­misch. Der Auf­trags­ein­gang lag mit 7,6 Mil­li­ar­den Euro leicht unter dem Vor­jah­res­wert von 7,9 Mil­li­ar­den Euro; die Mar­ge betrug 8,6 Pro­zent.

Das Book-to-Bill-Ver­hält­nis von 1,34 zeigt, dass deut­lich mehr neue Auf­trä­ge her­ein­ka­men als Umsatz rea­li­siert wur­de. Der Auf­trags­be­stand erreich­te mit 132 Mil­li­ar­den Euro einen neu­en Höchst­stand und sorgt damit für hohe Umsatz­vi­si­bi­li­tät.

Sie­mens hebt des­halb die Pro­gno­se für das Ergeb­nis je Aktie vor Kauf­preisal­lo­ka­ti­ons­ef­fek­ten auf 11,20 bis 11,50 Euro an; zuvor waren 10,70 bis 11,10 Euro erwar­tet wor­den. Die übri­gen Kon­zern­zie­le blei­ben bestä­tigt.

Ein­ord­nung

Ope­ra­tiv ist das Quar­tal klar stär­ker als blo­ßes Umsatz­wachs­tum. Der Umsatz steigt um 8 Pro­zent, das indus­tri­el­le Ergeb­nis aber um 25 Pro­zent. Das spricht für einen deut­li­chen ope­ra­ti­ven Hebel: höhe­re Kapa­zi­täts­aus­las­tung, ein güns­ti­ge­rer Pro­dukt­mix, Pro­duk­ti­vi­täts­fort­schrit­te und ein wach­sen­der Soft­ware­an­teil ver­bes­sern die Pro­fi­ta­bi­li­tät über­pro­por­tio­nal.

Die Qua­li­tät des Wachs­tums erscheint hoch. Der hohe Free Cash Flow zeigt, dass die Ergeb­nis­stei­ge­rung nicht nur bilan­zi­ell aus­ge­wie­sen wird, son­dern sich in erheb­li­chem Umfang in Liqui­di­tät nie­der­schlägt. Zugleich schafft der Rekord­auf­trags­be­stand eine soli­de Grund­la­ge für kom­men­de Quar­ta­le.

Smart Infra­struc­tu­re wird zuneh­mend zum zen­tra­len Wachs­tums­mo­tor. Sie­mens pro­fi­tiert hier von struk­tu­rel­len Inves­ti­tio­nen in Strom­ver­sor­gung, Elek­tri­fi­zie­rung und Rechen­zen­tren. Das ist stra­te­gisch attrak­tiv, erzeugt aber auch eine stär­ke­re Abhän­gig­keit von anhal­tend hohen Inves­ti­tio­nen gro­ßer Rechen­zen­trums­be­trei­ber.

Digi­tal Indus­tries lie­fert ein wich­ti­ges Erho­lungs­si­gnal. Das star­ke Ergeb­nis­wachs­tum und die Mar­gen­aus­wei­tung deu­ten dar­auf hin, dass sich die zuvor schwä­che­re indus­tri­el­le Nach­fra­ge sta­bi­li­siert und das mar­gen­star­ke Soft­ware­ge­schäft an Bedeu­tung gewinnt. Beson­ders rele­vant ist das orga­ni­sche Wachs­tum des jähr­lich wie­der­keh­ren­den Umsat­zes von 11 Pro­zent auf 5,7 Mil­li­ar­den Euro.

Mobi­li­ty ist sta­bil, aber struk­tu­rell mar­gen­schwä­cher. Gro­ße, lang­fris­ti­ge Bahn­pro­jek­te sichern Aus­las­tung und Auf­trags­be­stand, errei­chen jedoch nicht die Pro­fi­ta­bi­li­tät von Software‑, Auto­ma­ti­sie­rungs- oder Elek­tri­fi­zie­rungs­ge­schäf­ten.

Die Pro­gno­se­an­he­bung ist posi­tiv, aber nicht aggres­siv. Nach einem der­art star­ken Quar­tal fällt die Anhe­bung des EPS-Kor­ri­dors ver­gleichs­wei­se kon­trol­liert aus. Das kann als Zei­chen vor­sich­ti­ger Unter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on gele­sen wer­den, lässt aber zugleich erken­nen, dass Sie­mens wei­ter­hin mit Unsi­cher­hei­ten im ver­blei­ben­den Geschäfts­jahr rech­net.

Gesamt­ur­teil

Die Mit­tei­lung beschreibt ein sehr star­kes Quar­tal mit brei­ter ope­ra­ti­ver Ver­bes­se­rung. Beson­ders über­zeu­gend sind die Kom­bi­na­ti­on aus Rekord­auf­trags­ein­gang, Mar­gen­an­stieg, hohem Cash­flow und wach­sen­dem Soft­ware- und Rechen­zen­trums­ge­schäft. Sie­mens ent­wi­ckelt sich damit wei­ter von einem klas­si­schen Indus­trie­kon­zern zu einem stär­ker digi­ta­li­sier­ten Infra­struk­tur- und Tech­no­lo­gie­an­bie­ter.

Zu berück­sich­ti­gen ist, dass es sich um eine Unter­neh­mens­pres­se­mit­tei­lung han­delt. Sie stellt natur­ge­mäß posi­ti­ve Ent­wick­lun­gen in den Vor­der­grund. Anga­ben zu mög­li­chen Schwä­chen – etwa regio­na­len Nach­fra­ge­ri­si­ken, zykli­schen Belas­tun­gen, Akqui­si­ti­ons­kos­ten oder der Nach­hal­tig­keit des Rechen­zen­trums­booms – wer­den nicht ver­tieft. Sie­mens selbst weist dar­auf hin, dass alter­na­ti­ve Leis­tungs­kenn­zah­len nicht iso­liert betrach­tet wer­den soll­ten und dass zukunfts­ge­rich­te­te Aus­sa­gen erheb­li­chen Unsi­cher­hei­ten unter­lie­gen.


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