Finanz­plan des Bun­des 2026 bis 2030

Unter­rich­tung durch die Bun­des­re­gie­rung: Finanz­plan des Bun­des 2026 bis 2030 und Regie­rungs­ent­wurf zum Bun­des­haus­halt 2027

1. Gesamt­wirt­schaft­li­che Rah­men­be­din­gun­gen (2026–2030)

  • Wachs­tum: Nach schwa­chen Vor­jah­ren und Belas­tun­gen durch geo­po­li­ti­sche Kri­sen (insb. Nah­ost­kon­flikt) rech­net die Bun­des­re­gie­rung für 2026 mit einem preis­be­rei­nig­ten BIP-Wachs­tum von +0,5 % und für 2027 mit +0,9 %. Bis 2030 wird ein durch­schnitt­li­ches Wachs­tum von rd. 0,9 % p. a. pro­gnos­ti­ziert.
  • Infla­ti­on: Nach 2,2 % (2024/2025) steigt die Infla­ti­on 2026 kri­sen­be­dingt vor­über­ge­hend auf 2,7 % und liegt 2027 bei pro­gnos­ti­zier­ten 2,8 %, bevor sie sich nor­ma­li­siert.
  • Arbeits­markt: Zeigt sich trotz leich­ter Schwä­che­pha­sen (Arbeits­lo­sen­quo­te 2026: 6,3 %) mit­tel­fris­tig robust; bis 2030 wird ein Rück­gang auf ca. 2,8 Mio. Arbeits­lo­se erwar­tet.

2. Eck­da­ten des Bun­des­haus­halts & Finanz­plans

Kenn­zahl (in Mrd. €)Soll 2026Ent­wurf 2027Plan 2028Plan 2029Plan 2030
Gesamt­aus­ga­ben / ‑ein­nah­men524,5555,4588,2597,8635,4
Steu­er­ein­nah­men387,2394,7406,4416,6437,3
Net­to­kre­dit­auf­nah­me (NKA) gesamt98,0118,7148,8152,0167,3
davon regu­lä­re NKA (Schul­den­brem­se)40,433,423,519,115,6
davon Bereichs­aus­nah­me (Art. 115 GG)57,685,4125,3132,9151,8
  • Schul­den­re­gel & Bereichs­aus­nah­me: Die regu­lä­re Kre­dit­ober­gren­ze nach Art. 115 GG wird voll aus­ge­schöpft. Zusätz­li­che Kre­di­te wer­den über die neu geschaf­fe­ne ver­fas­sungs­recht­li­che Bereichs­aus­nah­me auf­ge­nom­men (für Aus­ga­ben in Ver­tei­di­gung, Zivil­schutz, IT-Sicher­heit und Aus­lands­hil­fen ober­halb von 1 % des BIP).
  • Zins­aus­ga­ben: Stei­gen infol­ge des Schul­den­stands und höhe­rer Ren­di­ten dras­tisch an: von 30,3 Mrd. € (2026) über 41,9 Mrd. € (2027) auf 80,7 Mrd. € (2030).

3. Haus­halts­po­li­ti­sche Schwer­punk­te & Son­der­ver­mö­gen

A. Äuße­re und Inne­re Sicher­heit

  • Ver­tei­di­gungs­etat (BMVg): Wächst mas­siv von 109,75 Mrd. € (2027) auf 183,66 Mrd. € (2030). Da das 100-Mrd.-€-Sondervermögen Bun­des­wehr Ende 2027 voll­stän­dig ver­aus­gabt ist, wer­den die Ver­tei­di­gungs­aus­ga­ben ab 2028 voll über den Kern­haus­halt abge­bil­det.
  • NATO-Quo­te: Deutsch­land setzt die Beschlüs­se des Gip­fels in Den Haag 2025 um und plant, die Kern­ver­tei­di­gungs­quo­te bis 2029 auf 3,5 % des BIP zu stei­gern.
  • Ukrai­ne-Hil­fe: Im Haus­halt 2027 sind hier­für 11,6 Mrd. € (Ein­zel­plan 60) eta­ti­siert.
  • Inne­re Sicher­heit: Auf­bau neu­er Kapa­zi­tä­ten wie dem Gemein­sa­men Droh­nen­ab­wehr­zen­trum (Ende 2025) und dem GATZ Hybrid (Juni 2026); Stär­kung von Bun­des­po­li­zei, BKA, THW und BBK.

B. Inves­ti­ti­ons­of­fen­si­ve & Son­der­ver­mö­gen

  • Son­der­ver­mö­gen Infra­struk­tur und Kli­ma­neu­tra­li­tät (SVIK): 500 Mrd. € Gesamt­rah­men über 12 Jah­re (300 Mrd. € Bund, 100 Mrd. € Länder/Kommunen, 100 Mrd. € KTF). Für 2027 sind aus dem SVIK Inves­ti­tio­nen von 54,9 Mrd. € (davon 36,6 Mrd. € Bun­des­säu­le v. a. für Ver­kehr, Digi­ta­li­sie­rung und Bil­dung) geplant.
  • Kli­ma- und Trans­for­ma­ti­ons­fonds (KTF): Pro­gramm­aus­ga­ben 2027 i. H. v. 40,3 Mrd. € (u. a. Bun­des­för­de­rung für effi­zi­en­te Gebäu­de (BEG) mit 12,6 Mrd. €, Indus­trie­strom­preis, Strom­preis­kom­pen­sa­ti­on, Was­ser­stoff­wirt­schaft).
  • Ver­kehr: Grund­satz „Erhalt vor Neu­bau“; ins­ge­samt 135,5 Mrd. € für Schie­ne (84 Mrd. €), Stra­ße (44,5 Mrd. €) und Was­ser­we­ge bis 2030.

C. Sozia­les, Arbeit und Bil­dung

  • BMAS (Ein­zel­plan 11): Größ­ter Ein­zel­etat mit 201,5 Mrd. € (2027), stei­gend auf 233,1 Mrd. € (2030). Davon flie­ßen 2027 rund 132 Mrd. € (2030: 164,5 Mrd. €) in Bun­des­zu­schüs­se zur Ren­ten­ver­si­che­rung.
  • Bürgergeld/Arbeitsmarkt: 40,85 Mrd. € für Grund­si­che­rung und Wohn­kos­ten (KdU); 5,2 Mrd. € Bun­des­dar­le­hen an die Bun­des­agen­tur für Arbeit (BA).
  • Bil­dung & Fami­lie: Gesetz­li­cher Rechts­an­spruch auf Ganz­tags­be­treu­ung ab Schul­jahr 2026/27 (GaFöG); Fort­füh­rung des Start­chan­cen-Pro­gramms (10 Mrd. € bis 2034); Ein­füh­rung des Qua­li­täts­ent­wick­lungs­ge­set­zes (QEG) zur früh­kind­li­chen Bil­dung.

4. Haus­halts­kon­so­li­die­rung & Ein­nah­men­po­li­tik

Der bis­he­ri­ge Hand­lungs­be­darf für 2027 (34 Mrd. €) wur­de auf­ge­löst. Die Kon­so­li­die­rung stützt sich auf:

  1. Aus­ga­ben­sei­ti­ge Maß­nah­men:
    • Ein­füh­rung einer sys­te­ma­ti­schen ziel- und wir­kungs­ori­en­tier­ten Haus­halts­füh­rung (zwoH) und Auf­ga­ben­kri­tik (Ein­spa­run­gen: 4 Mrd. € in 2027, ab 2028: 8 Mrd. € p. a.).
    • Kür­zung von nicht gebun­de­nen Finanz­hil­fen (insb. im KTF).
    • Absen­kung des Bun­des­zu­schus­ses zur Gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV) um 2 Mrd. € auf 12,5 Mrd. €.
    • Refor­men bei Eltern­geld und Wohn­geld sowie Rück­kehr zum ein­stu­fi­gen Fort­schrei­bungs­me­cha­nis­mus im SGB XII.
  2. Ein­nah­men­sei­ti­ge Vor­ha­ben:
    • Besteue­rung von Kryp­tower­ten (z. B. Bit­co­in): Über­füh­rung in die Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen (Weg­fall der bis­he­ri­gen 1‑jährigen Steu­er­be­frei­ung bei pri­va­ten Ver­äu­ße­rungs­ge­win­nen).
    • Ver­brauch­steu­ern: Erhö­hung der Alkohol‑, Schaum­wein- und Alko­pop­s­teu­er um 20 %; Anpas­sung der Tabak­steu­er; Ein­füh­rung einer Plas­tik­steu­er (Ver­brauch­steu­er auf Kunst­stoff­ver­pa­ckun­gen) sowie einer Zucker­ge­trän­ke­steu­er.
    • Ver­stärk­te Bekämp­fung von Steu­er- und Finanz­kri­mi­na­li­tät (Regis­trier­kas­sen­pflicht, Zoll­fi­nanz­ge­rech­tig­keits­ge­setz).
  3. Ent­las­tun­gen:
    • Schritt­wei­se Sen­kung der Kör­per­schaft­steu­er („Inves­ti­ti­ons­boos­ter“).
    • Ein­kom­men­steu­er­re­form zum 01.01.2027 zur Ent­las­tung kleiner/mittlerer Ein­kom­men.
    • Dau­er­haf­te Anhe­bung der Ent­fer­nungs­pau­scha­le auf 38 Cent ab km 1.
  4. Til­gungs­ver­schie­bung:
    • Der Beginn der Til­gung für das Son­der­ver­mö­gen Bun­des­wehr sowie kri­sen­be­ding­te Not­la­gen­kre­di­te wird per Beschluss auf das Jahr 2033 ver­scho­ben (Lauf­zeit bis 2060 gestreckt).

Quel­le: Finanz­plan

Bun­des­tags-Druck­sa­che 21/7301

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