Mil­lio­nen für Gen­der und LGBTQ

Wie das SPD-Minis­te­ri­um die alte Ampel-Poli­tik fort­schreibt

Bun­des­kanz­ler Fried­rich Merz hat­te es klar ange­kün­digt: Mit dem Regie­rungs­an­tritt der neu­en Koali­ti­on sol­le „lin­ke Poli­tik” been­det wer­den. Doch wäh­rend in Ber­lin gro­ße Wor­te gespro­chen wer­den, läuft in einem ent­schei­den­den Bereich der Bun­des­re­gie­rung vie­les wei­ter wie gehabt. Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für wirt­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit und Ent­wick­lung, geführt von der SPD-Poli­ti­ke­rin Reem Ala­ba­li-Rado­van, finan­ziert wei­ter­hin in erheb­li­chem Umfang inter­na­tio­na­le Gen­der- und LGBTQ-Pro­jek­te mit deut­schem Steu­er­geld – und das trotz des erklär­ten Kurs­wech­sels der Regie­rung Merz.

Die Zah­len spre­chen eine deut­li­che Spra­che

Im Jahr 2025 flos­sen ins­ge­samt 612 Mil­lio­nen Euro aus dem deut­schen Ent­wick­lungs­haus­halt in Pro­jek­te mit Gen­der-Bezug. Das ent­spricht zwar einem Rück­gang von rund 13 Pro­zent gegen­über den 704 Mil­lio­nen Euro aus dem Vor­jahr, doch der Anteil am Gesamt­haus­halt des Minis­te­ri­ums sank dabei nur mini­mal – von 5,6 auf 5,4 Pro­zent. Eine spür­ba­re inhalt­li­che Neu­aus­rich­tung sieht anders aus. Beson­ders auf­fäl­lig ist dabei eine Vor­ga­be, die noch aus der Zeit der Ampel­ko­ali­ti­on stammt und bis heu­te offen­bar unver­än­dert Bestand hat: 93 Pro­zent aller neu bewil­lig­ten Ent­wick­lungs­pro­jek­te müs­sen dem­nach einen nach­weis­ba­ren Bei­trag zur Geschlech­ter­ge­rech­tig­keit leis­ten. Die­se Quo­te prägt damit nicht nur den finan­zi­el­len Umfang der För­de­run­gen, son­dern die gesam­te inhalt­li­che Aus­rich­tung der deut­schen Ent­wick­lungs­po­li­tik in ihrer Brei­te.

Thea­ter­stü­cke, Rechts­da­ten­ban­ken und Öko­fe­mi­nis­mus

Wer sich die kon­kre­ten Pro­jek­te ansieht, die mit die­sen Mit­teln finan­ziert wer­den, gewinnt einen auf­schluss­rei­chen Ein­blick in die Prio­ri­tä­ten des Minis­te­ri­ums. Bekannt­heit erlang­te unter ande­rem ein Pro­jekt in Nord­ma­ze­do­ni­en, das durch eine par­la­men­ta­ri­sche Anfra­ge der AfD öffent­lich wur­de: In Skop­je wur­de ein Thea­ter­stück geför­dert, das einen AIDS-Kran­ken mit Engels­vi­sio­nen in den Mit­tel­punkt stellt. Ob ein sol­ches Kul­tur­pro­jekt dem deut­schen Steu­er­zah­ler gegen­über als sinn­vol­le Ent­wick­lungs­maß­nah­me zu recht­fer­ti­gen ist, darf zumin­dest dis­ku­tiert wer­den.

Rund 1,1 Mil­lio­nen Euro flos­sen außer­dem an einen LGBTQ-Dach­ver­band, der welt­weit mehr als 3.500 Geset­ze zu sexu­el­ler Ori­en­tie­rung und Geschlechts­iden­ti­tät erfasst und doku­men­tiert. In Indo­ne­si­en wie­der­um för­dert Deutsch­land mit 392.000 Euro die Ver­an­ke­rung soge­nann­ter „öko­fe­mi­nis­ti­scher Ansät­ze” in der loka­len Poli­tik – ein Begriff, der die Ver­bin­dung von Geschlech­ter­po­li­tik und Umwelt­ideo­lo­gie beschreibt und selbst im west­eu­ro­päi­schen Dis­kurs noch weit davon ent­fernt ist, als kon­sens­fä­hig zu gel­ten. Auf dem afri­ka­ni­schen Kon­ti­nent stellt Ber­lin bis zum Jahr 2028 gan­ze 20 Mil­lio­nen Euro bereit, um loka­le Akteu­re bei einer „femi­nis­ti­schen Trans­for­ma­ti­on” zu unter­stüt­zen. Wei­te­re 10 Mil­lio­nen Euro flie­ßen bis 2027 in femi­nis­ti­sche Ent­wick­lungs­po­li­tik in Arme­ni­en, Kolum­bi­en, Ruan­da und Tune­si­en.

Bruch zwi­schen Anspruch und Wirk­lich­keit

Genau an die­sem Punkt wird der Wider­spruch zur erklär­ten Regie­rungs­li­nie beson­ders deut­lich. Der Koali­ti­ons­ver­trag und die öffent­li­chen Aus­sa­gen von Kanz­ler Merz legen nahe, dass deut­sche Ent­wick­lungs­hil­fe künf­tig stär­ker an kon­kre­ten stra­te­gi­schen Inter­es­sen der Bun­des­re­pu­blik aus­ge­rich­tet wer­den soll – an Fra­gen der Migra­ti­on­steue­rung, wirt­schaft­li­cher Part­ner­schaft, Roh­stoff­si­che­rung und geo­po­li­ti­scher Sta­bi­li­tät. Ideo­lo­gisch moti­vier­te „Welt­ver­bes­se­rung”, so das erklär­te Ziel, sol­le nicht län­ger das Leit­prin­zip sein.

Die Rea­li­tät im Ent­wick­lungs­mi­nis­te­ri­um erzählt eine ande­re Geschich­te. Die bestehen­den Struk­tu­ren, Quo­ten und För­der­pro­gram­me aus der Ära der Ampel­ko­ali­ti­on lau­fen weit­ge­hend unver­än­dert fort. Das mag zum Teil damit zusam­men­hän­gen, dass lau­fen­de Pro­jek­te nicht ohne wei­te­res gestoppt wer­den kön­nen und inter­na­tio­na­le Ver­pflich­tun­gen bestehen. Es liegt aber auch dar­an, dass das Minis­te­ri­um poli­tisch in SPD-Hand liegt – einem Koali­ti­ons­part­ner, der die femi­nis­ti­sche Ent­wick­lungs­po­li­tik der ver­gan­ge­nen Jah­re aktiv mit­ge­prägt und ver­tei­digt hat.

Eine Koali­ti­on, zwei Poli­ti­ken

Die Situa­ti­on offen­bart ein grund­sätz­li­ches Pro­blem der aktu­el­len Gro­ßen Koali­ti­on: Sie ver­eint Part­ner mit teils gegen­sätz­li­chen Vor­stel­lun­gen dar­über, wofür staat­li­che Mit­tel ein­zu­set­zen sind. Wäh­rend Merz und Tei­le der CDU einen kon­ser­va­ti­ve­ren, inter­es­sen­ge­lei­te­ten Kurs ein­schla­gen wol­len, hält die SPD in ihrem Res­sort an bewähr­ten Lini­en fest. Solan­ge kei­ne ver­bind­li­che, res­sort­über­grei­fen­de Neu­aus­rich­tung der Ent­wick­lungs­po­li­tik durch­ge­setzt wird, blei­ben die Ankün­di­gun­gen des Kanz­lers in die­sem Bereich weit­ge­hend fol­gen­los.

Für vie­le Bür­ger dürf­te es schwer nach­voll­zieh­bar sein, wes­halb in Zei­ten knap­per öffent­li­cher Kas­sen und har­ter Spar­de­bat­ten im Inland Hun­der­te von Mil­lio­nen Euro für Pro­jek­te aus­ge­ge­ben wer­den, deren Nut­zen für Deutsch­land bes­ten­falls mit­tel­bar und deren ideo­lo­gi­sche Aus­rich­tung poli­tisch höchst umstrit­ten ist. Die Fra­ge, wem deut­sche Ent­wick­lungs­hil­fe eigent­lich die­nen soll, bleibt damit drän­gen­der denn je – und sie wird mit jedem neu­en Pro­jekt­ti­tel ein Stück kon­kre­ter.


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