CDU in Sachsen-Anhalt öffnet sich für Gespräche mit der Linken
Wenige Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zeichnet sich eine schwierige Suche nach tragfähigen Mehrheiten ab. Angesichts der politischen Kräfteverhältnisse wächst innerhalb der CDU die Bereitschaft, auch über Formen der Zusammenarbeit mit der Linken nachzudenken. Der Magdeburger CDU-Landtagsabgeordnete Tobias Krull hält Gespräche mit der Partei für denkbar, zieht jedoch zugleich eine klare Grenze: Eine gemeinsame Regierungskoalition kommt für ihn nicht infrage.
Krull geht davon aus, dass die Zusammensetzung des künftigen Landtags neue Formen der politischen Verständigung erforderlich machen könnte. Dabei müsse zwischen einer festen Zusammenarbeit und punktuellen Absprachen unterschieden werden. Einzelne Gespräche oder gemeinsame Abstimmungen seien aus seiner Sicht nicht mit einer dauerhaften politischen Partnerschaft gleichzusetzen. Damit greift er eine Debatte auf, die innerhalb der CDU in Sachsen-Anhalt bereits seit einiger Zeit geführt wird.
Auch CDU-Landesvize André Schröder hatte zuletzt deutlich gemacht, dass er den Unvereinbarkeitsbeschluss seiner Partei nicht als grundsätzliches Hindernis für einzelne Abstimmungen mit der Linken betrachtet. Dieser schließe vor allem eine institutionelle und strategische Zusammenarbeit aus. Andere Stimmen in der CDU warnen hingegen davor, sich auf eine Tolerierung oder dauerhafte Unterstützung durch die Linke einzulassen.
Hintergrund der Diskussion sind die erwarteten komplizierten Mehrheitsverhältnisse nach der Landtagswahl am 6. September. Umfragen sehen die AfD deutlich vorn, während die bisherige Regierungskoalition aus CDU, SPD und FDP derzeit keine sichere Mehrheit erreichen würde. Damit rückt auch das Modell einer CDU-geführten Minderheitsregierung stärker in den Blick. Eine solche Regierung könnte bei einzelnen Vorhaben auf Stimmen anderer Parteien angewiesen sein – möglicherweise auch auf die der Linken.
Ministerpräsident Sven Schulze bleibt in dieser Frage zurückhaltender. Zwar hält auch er politische Gespräche mit unterschiedlichen Lagern für selbstverständlich, eine Regierungsbildung mit Parteien am linken oder rechten Rand lehnt er jedoch ab. Gleichzeitig räumt er ein, dass es bei einzelnen Sachfragen durchaus Überschneidungen geben könne.
Die Debatte zeigt, wie stark sich die politische Landschaft in Sachsen-Anhalt verändert hat. Sollte nach der Wahl keine klassische Mehrheitskoalition zustande kommen, könnten pragmatische Absprachen und wechselnde Mehrheiten an Bedeutung gewinnen. Für die CDU dürfte es dabei vor allem darum gehen, politische Handlungsfähigkeit zu sichern, ohne bisherige Abgrenzungen vollständig aufzugeben.