Monats­be­richts der Bun­des­agen­tur für Arbeit für August 2026

1. Gesamt­wirt­schaft­li­che Lage und Arbeits­markt­über­blick

Der deut­sche Arbeits­markt zeig­te im August 2026 kaum Dyna­mik, was typisch für die som­mer­li­che Feri­en­zeit ist. Das Brut­to­in­lands­pro­dukt (BIP) leg­te im zwei­ten Quar­tal 2026 preis‑, sai­son- und kalen­der­be­rei­nigt um 0,3 Pro­zent zu, getrie­ben vor allem durch Expor­te. Kon­sum und Inves­ti­tio­nen beleb­ten sich nur leicht. Das Geschäfts­kli­ma hell­te sich im August auf und erreich­te einen Jah­res­höchst­wert.

Trotz der posi­ti­ven Kon­junk­tur­si­gna­le setz­te sich am Arbeits­markt die Ten­denz der letz­ten Mona­te fort:

  • Die Arbeits­lo­sig­keit nahm sai­son­be­rei­nigt leicht zu.
  • Die Unter­be­schäf­ti­gung ging gering­fü­gig zurück.
  • Das Risi­ko, aus einer Beschäf­ti­gung her­aus arbeits­los zu wer­den, steigt kon­ti­nu­ier­lich an und hat wie­der das Niveau vor der Coro­na-Pan­de­mie erreicht.
  • Gleich­zei­tig sind die Chan­cen, Arbeits­lo­sig­keit durch Auf­nah­me einer neu­en Beschäf­ti­gung zu been­den, his­to­risch schlecht.
  • Die gemel­de­te Arbeits­kräf­te­nach­fra­ge bleibt schwach.

2. Beschäf­ti­gungs­ent­wick­lung

Die Erwerbs­tä­tig­keit und die sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäf­ti­gung befin­den sich wei­ter­hin in einem leich­ten Abwärts­trend oder sta­gnie­ren.

  • Erwerbs­tä­tig­keit: Im Juli 2026 sank die Zahl der Erwerbs­tä­ti­gen sai­son­be­rei­nigt um 14.000 Per­so­nen. Nicht sai­son­be­rei­nigt lag sie mit 45,66 Mil­lio­nen um 226.000 unter dem Vor­jah­res­wert (-0,5 %).
  • Sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäf­ti­gung: Im Juni 2026 stieg sie sai­son­be­rei­nigt mini­mal um 1.000 Per­so­nen. Im Vor­jah­res­ver­gleich sank sie jedoch um 73.000 (-0,2 %) auf 34,81 Mil­lio­nen.
  • Struk­tur­wan­del: Seit Anfang 2024 wächst aus­schließ­lich die Teil­zeit­be­schäf­ti­gung (+160.000 im Vor­jah­res­ver­gleich), wäh­rend die Voll­zeit­be­schäf­ti­gung rück­läu­fig ist (-233.000). Gut drei von zehn sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­ten arbei­ten in Teil­zeit.
  • Gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gung: Die aus­schließ­lich gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gung nimmt wei­ter ab (-102.000 im Vor­jahr), wäh­rend die Zahl der Neben­job­ber (gering­fü­gig ent­lohnt neben einer Haupt­be­schäf­ti­gung) steigt (+46.000).
  • Bran­chen: Es gibt eine star­ke Pola­ri­sie­rung. Wäh­rend staats­na­he Berei­che wie Gesund­heit (+66.000) und Pflege/Soziales (+64.000) wach­sen, schrumpft das Ver­ar­bei­ten­de Gewer­be deut­lich (-170.000 im Vor­jahr). Auch der Han­del und die Metall-/Elek­tro­in­dus­trie ver­zeich­nen Rück­gän­ge.
  • Regio­nal: In den ost­deut­schen Flä­chen­län­dern sinkt die Beschäf­ti­gung schon län­ger; nun betrifft dies auch vie­le west­deut­sche Län­der. Nur Nie­der­sach­sen und Ham­burg wie­sen im Juni noch nen­nens­wer­te Zuwäch­se auf. Das Saar­land ver­zeich­ne­te den stärks­ten Rück­gang (-1,6 %).
  • Staats­an­ge­hö­rig­keit: Die Beschäf­ti­gung deut­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger geht demo­gra­fisch bedingt zurück (-258.000). Die­ser Rück­gang wird nicht mehr voll­stän­dig durch Aus­län­der kom­pen­siert. Die Beschäf­ti­gung von Per­so­nen aus Dritt­staa­ten (insb. Ukrai­ne, wich­ti­ge Asyl­her­kunfts­län­der, West­bal­kan) steigt zwar (+184.000 ins­ge­samt), aber die Beschäf­ti­gung von Per­so­nen aus dem Euro­päi­schen Wirt­schafts­raum (EWR) und der Schweiz ist gesun­ken (-39.000).

3. Arbeits­lo­sig­keit und Unter­be­schäf­ti­gung

Im August 2026 waren 3.061.000 Men­schen arbeits­los gemel­det. Dies ent­spricht einem Anstieg von 54.000 gegen­über dem Vor­mo­nat (sai­so­nal üblich) und einem Plus von 36.000 gegen­über dem Vor­jahr.

  • Rechts­krei­se:
    • SGB III (Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung): 1.223.000 Arbeits­lo­se (+83.000 gegen­über Vor­jahr). Die Ent­wick­lung ist hier deut­lich ungüns­ti­ger als im SGB II.
    • SGB II (Grundsicherung/Jobcenter): 1.838.000 Arbeits­lo­se (-46.000 gegen­über Vor­jahr).
  • Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit: Mit 1.074.000 Per­so­nen war jeder Drit­te der Arbeits­lo­sen län­ger als zwölf Mona­te ohne Job. Dies ist ein Anstieg von 22.000 gegen­über dem Vor­jahr. Im SGB II ist jede zwei­te arbeits­lo­se Per­son lang­zeit­ar­beits­los.
  • Fluk­tua­ti­on: Zwar gab es vie­le Zu- und Abgän­ge (642.000 Zugän­ge, 587.000 Abgän­ge in Arbeits­lo­sig­keit), aber die Abgangs­chan­ce in eine Beschäf­ti­gung ist mit 5,66 % (monats­durch­schnitt­lich im glei­ten­den Jahr) auf einem his­to­ri­schen Tief­stand.
  • Unter­be­schäf­ti­gung: Sie umfasst Arbeits­lo­se sowie Per­so­nen in arbeits­markt­po­li­ti­schen Maß­nah­men oder mit kurz­fris­ti­ger Arbeits­un­fä­hig­keit. Im August lag sie bei 3.674.000 Per­so­nen. Sai­son­be­rei­nigt ging sie leicht zurück (-3.000).
  • Inter­na­tio­na­le Ver­gleich: Die Erwerbs­lo­sen­quo­te nach ILO-Kon­zept lag in Deutsch­land bei 4,0 % (Juni 2026), was im EU-Ver­gleich nied­rig ist (EU-Durch­schnitt: 6,0 %).

4. Sozia­le Siche­rung (Leis­tungs­be­zug)

Ins­ge­samt bezo­gen im August 2026 rund 4.823.000 Men­schen im erwerbs­fä­hi­gen Alter Lohn­er­satz­leis­tun­gen.

  • Arbeits­lo­sen­geld (SGB III): 1.133.000 Bezie­her. Ein deut­li­cher Anstieg von 109.000 gegen­über dem Vor­jahr, was die kon­junk­tu­rel­le Schwä­che wider­spie­gelt. Die durch­schnitt­li­che Leis­tungs­hö­he lag bei 1.367 Euro.
  • Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de (SGB II / Bür­ger­geld): 3.754.000 erwerbs­fä­hi­ge Leis­tungs­be­rech­tig­te. Hier gab es einen Rück­gang von 116.000 gegen­über dem Vor­jahr.
    • Rund 46 % der erwerbs­fä­hi­gen Leis­tungs­be­rech­tig­ten waren arbeits­los.
    • Vie­le sind nicht arbeits­los gemel­det, weil sie z.B. Kin­der erzie­hen, pfle­gen, zur Schu­le gehen, an Maß­nah­men teil­neh­men oder krank sind.
    • Die Hil­fe­quo­te (Anteil der Bevöl­ke­rung, der Leis­tun­gen bezieht) lag bei 7,8 %.

5. Der Aus­bil­dungs­markt (Berichts­jahr 2025/26)

Die Situa­ti­on auf dem Aus­bil­dungs­markt hat sich für suchen­de Jugend­li­che ver­schlech­tert.

  • Ange­bot und Nach­fra­ge: Von Okto­ber 2025 bis August 2026 wur­den 451.000 Aus­bil­dungs­stel­len gemel­det (-7 % bzw. ‑32.000 gegen­über Vor­jahr). Gleich­zei­tig stieg die Zahl der gemel­de­ten Bewer­ber leicht auf 433.000 (+1 %).
  • Ver­sor­gung: Bis August hat­ten 156.000 Bewer­ber eine Stel­le gefun­den (-7 % gegen­über Vor­jahr). Der Anteil der erfolg­rei­chen Ver­mitt­lun­gen sank auf 36 %.
  • Unver­sorg­te Bewer­ber: 102.000 Bewer­ber waren im August noch ohne Aus­bil­dungs­platz und ohne Alter­na­ti­ve (+4.000 gegen­über Vor­jahr). Wei­te­re 44.000 hat­ten eine Alter­na­ti­ve (z.B. Stu­di­um, Schu­le), such­ten aber wei­ter. Ins­ge­samt waren also 146.000 Bewer­ber noch auf Suche.
  • Unbe­setz­te Stel­len: Es gab noch 116.000 unbe­setz­te betrieb­li­che Aus­bil­dungs­stel­len.
  • Dis­pa­ri­tä­ten: Rein rech­ne­risch kamen 97 Bewer­ber auf 100 Stel­len. Aller­dings pas­sen Ange­bot und Nach­fra­ge regio­nal, beruf­lich und qua­li­fi­ka­to­risch oft nicht zusam­men. In Ber­lin, Hes­sen, Bre­men und NRW gab es weni­ger Stel­len als Bewer­ber; in Bay­ern, Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Thü­rin­gen und Baden-Würt­tem­berg war das Ver­hält­nis güns­ti­ger für Bewer­ber.
  • Beson­de­re Grup­pen: Die Zahl der Alt­be­wer­ber (+7 %) und der geflüch­te­ten jun­gen Men­schen (+15 %) unter den Bewer­bern ist gestie­gen.

6. Ein­satz arbeits­markt­po­li­ti­scher Instru­men­te

Im August 2026 nah­men 682.000 Per­so­nen an geför­der­ten Maß­nah­men teil (deut­lich mehr als im Vor­jahr). Die Akti­vie­rungs­quo­te lag bei 15,6 %.

  • SGB III (Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung): 416.000 Teil­neh­mer. Schwer­punk­te waren Beruf­li­che Wei­ter­bil­dung (ca. 98 % der Wei­ter­bil­dun­gen aus SGB III-Mit­teln) und Grün­dungs­zu­schuss.
  • SGB II (Grund­si­che­rung): 266.000 Teil­neh­mer. Hier stan­den Maß­nah­men zur Akti­vie­rung und beruf­li­chen Ein­glie­de­rung sowie Arbeits­ge­le­gen­hei­ten im Vor­der­grund.
  • Wich­ti­ge Instru­men­te im Detail:
    • Akti­vie­rung und Ein­glie­de­rung: 151.000 Teil­neh­mer (+32 % gg. Vor­jahr).
    • Beruf­li­che Wei­ter­bil­dung: 166.000 Teil­neh­mer (+4 % gg. Vor­jahr).
    • Ein­glie­de­rungs­zu­schüs­se: 29.000 Geför­der­te (+17 % gg. Vor­jahr).
    • Grün­dungs­zu­schuss: 25.000 Geför­der­te.
    • Ein­stiegs­geld (SGB II): 30.000 Geför­der­te (+50 % gg. Vor­jahr).
    • Arbeits­ge­le­gen­hei­ten (“Ein-Euro-Jobs”): 47.000 Teil­neh­mer (+14 % gg. Vor­jahr).

Fazit

Der deut­sche Arbeits­markt befin­det sich im August 2026 in einer Pha­se der Sta­gna­ti­on mit leich­ten nega­ti­ven Ten­den­zen. Wäh­rend die Kon­junk­tur sich leicht erholt, spie­gelt sich dies noch nicht in einer stei­gen­den Nach­fra­ge nach Arbeits­kräf­ten wider. Die Arbeits­lo­sig­keit steigt lang­sam an, ins­be­son­de­re im Ver­si­che­rungs­recht (SGB III). Die Chan­cen für Arbeits­lo­se, schnell wie­der in den Job zu fin­den, sind so schlecht wie lan­ge nicht. Auf dem Aus­bil­dungs­markt ver­schärft sich die Mis­match-Pro­ble­ma­tik: Weni­ger Stel­len ste­hen etwas mehr Bewer­bern gegen­über, wobei regio­na­le und qua­li­ta­ti­ve Pas­sungs­pro­ble­me die Ver­mitt­lung erschwe­ren. Die Sozi­al­sys­te­me wer­den durch stei­gen­de Arbeits­lo­sen­geld­zah­len belas­tet, wäh­rend die Grund­si­che­rungs­zah­len leicht sin­ken.


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